Wieder ein Jahr älter

 

 

Idee von: CN Winters and Susan Carr

Autorinnen: CN Winters and Susan Carr

Koordiniert von: CN Winters and Susan Carr

Produziert von: CN Winters and Susan Carr

Überarbeitet von: Kate

Übersetzung: Kurna

Ton: Steff

Bilder: Chris Cook

Künstler: Chris Cook, David Zahir, Chantal, Mytryk, Cynthia Taz, Tori, CN Winters

Für die Mitarbeiter von WaTchers - Vielen Dank für das Vertrauen!

 

Teaser

 

 

 

Fade In
Int.
Lager eines Vampirs - Morgendämmerung
Cleveland

Seward wirkte gelangweilt. Er schaute sich in seinem Lager um, nicht glücklich mit dem, was er sah, aber er konnte nicht den Schwung aufbringen um deshalb seinen Handlangern in den Hintern zu treten.

„Gretz!„ rief er laut. Der Taugenichts eilte herbei an Sewards Seite.

„Ja, Meister?" winselte er. „Wie kann ich dir dienen?"

Seward seufzte. „Mögen all die leprösen Götter der Unterwelt mich vor jammernden Mitarbeitern schützen," erklärte er. Sein Untergebener blieb still, die Augen unterwürfig auf die Füße seines Meisters gerichtet.

„Ich will ausgehen," sagte Seward. „Ich bin in der Stimmung für eine Party, für Ausschweifung und Spaß. Meinst du, dass du und deine Gefährten bereit sind für Spaß?"

„Aber Meister?" sagte Gretz. „Die Wächter? Die Jägerinnen? Sie sind in der ganzen Stadt. Wir wagen es nicht ..."

Seward setzte sich ärgerlich auf, die Hände umklammerten die Lehnen seines Stuhles in festem Griff. „Sehe ich aus, als kümmerte ich mich um ein paar erbärmliche Menschen?" fragte er zischend.

Gretz duckte sich voller Furcht. „Nein Meister, natürlich nicht."

Seward reichte nach unten und fasste Gretz mit einer seiner mit langen, scharfen Nägeln versehenen Hände unterm Kinn. Dann er zog er seinen Untergebenen hoch, bis dessen Gesicht nur noch Zentimeter vor seinem war. „Natürlich nicht!" stimmte Seward ihm zu. „Und weißt du auch, warum nicht?"

Gretz war zu paralysiert vor Furcht um zu antworten, aber Seward erwartete das auch nicht und fuhr fort. „Weil dies meine Stadt ist. Ich habe es meine Stadt gemacht, als die Franzosen noch Felle von den Huronen gekauft haben. Ich war hier, als die letzten Eries ihre Toten begruben und die Moravier kamen. Ich war hier, als das Gericht gebaut wurde und dieser Knilch Elliot Ness aus der Stadt gejagt wurde. Also steh dort nicht rum und erzähl mir, ich könnte keine Party feiern, nur weil ein paar fremde Möchtegernhelden hier aufgetaucht sind. Verstehst du mich?"

„Aber ... aber das Präsidium? Sie haben gesagt, wir sollten uns ruhig verhalten, Meister und ..."

Sewards Hand schloss sich Gretz um den Hals, ihm das Wort abschneidend und die scharfen Klauen tief in dessen Haut bohrend.

„Wann wirst du es endlich lernen, mich nicht zu hinterfragen, mein Junge?„ fragte er fast freundlich. „Das Präsidium hat seinen Nutzen, aber wenn es um meine Unterhaltung geht, sind sie nicht mein Problem und damit auch nicht deines. Kapiert?"

„Ja, Meister," flüsterte Gretz.

„Gut," sagte Seward. Er ließ Gretz los und setzte sich wieder zurück. Dann griff er lässig nach einer Zeitung und deutete auf eine Anzeige in der unteren Ecke. „Also. Ich glaube, dass diese Woche ein neuer Klub aufgemacht hat."

„Ein neuer Klub, Meister?" sagte Gretz und rieb sich den Hals um das Blut wegzuwischen, welches aus den Wunden tropfte. „Das ... das hört sich an, als ob es viel versprechend wäre."

Seward lächelte. „Natürlich," sagte er. „Jetzt denkst du wie ein Vampir."

„Vielen Dank, Meister," sagte Gretz und lächelte dann, als fühle er sich plötzlich ermutigt. „Außerdem ... Ich denke nicht, dass diese steifen Wächter an so einem Ort auch nur tot gefunden werden möchten."

Seward lachte amüsiert. „Das ist mal sicher, Junge! Und selbst wenn sie es wagen würden, genau das würde passieren ... sie würden tot gefunden werden."

Fade Out

Fade In
Int.
Willows Wohnung - Früher Morgen
Schlafzimmer

Die frühe Morgensonne schien gerade eben durch das Fenster und fiel auf die noch geschlossenen Augen der Jägerin.

„Mmm," schnurrte Kennedy und verkroch sich tiefer in der Bettdecke als sie sich von dem Licht wegrollte. Sie öffnete ein Auge und lächelte über Willows schläfriges Gähnen. Als nächstes hob der Rotschopf die Arme über den Kopf und streckte sich genüsslich. „Guten Morgen, Liebling."

„Guten Morgen," erwiderte Willow und schmiegte sich dichter an ihre Geliebte um von deren Körperwärme zu profitieren. Sie linste über Kennedys Schulter nach draußen und stöhnte.

„Was ist?" fragte Kennedy amüsiert.

„Frost," brummelte Willow. „Ich sehe schon wieder Frost."

„Was ist so schlimm an Frost?" fragte Kennedy. „Immerhin ist es Dezember. Wir haben schon seit einigen Tagen Frost."

„Was so schlimm an Frost ist?" wiederholte Willow und lehnte sich zurück um Kennedy ungläubig anzusehen. „Du weißt, was Frost ist, oder? Mengen von kleinen Eiskristallen, die entstehen, wenn Wasserdampf bei Temperaturen unter dem Gefriertpunkt kondensiert. Gefrierpunkt ist hier das wichtige Wort. Null Grad... nun, 32 Grad für die Amerikaner, die metrische Systeme nicht kapieren. Aber ... ja, es ist Dezember und es gibt Frost und eine gute Chance, dass es sogar schneit. U-und es hat während meiner ganzen Kindheit nur ein Mal geschneit und dann war es am nächsten Tag wieder komplett verschwunden und wir hatten in der nächsten Woche schon wieder eine Hitzewelle. Kennedy, der Schnee von vorgestern liegt immer noch auf dem Boden und der Uferlinie nach zu urteilen wird der ganze See zufrieren u-und alleine der Gedanke an so viel gefrorenes Wasser ..."

Kennedy lehnte sich rüber und presste ihren Mund auf Willows, bis Willows Atem für etwas anderes gebraucht wurde als zu Blubbern. Endlich zufrieden zog Kennedy sich zurück und lächelte.

„Oh," sagte Willow atemlos.

„Ja," sagte Kennedy. „Keine Angst, Süße. Ich verspreche, ich werde dich den ganzen Winter über warm halten." Sie bemerkte, dass ganz kurz ein finsterer Ausdruck über Willows Gesicht huschte, aber dann begannen die grünen Augen ihrer Liebsten übermütig zu funkeln und ein fröhliches Lächeln tauchte auf.

„Nun ... in dem Fall," sagte Willow gedehnt und kroch langsam über Kennedy. „Begebe ich mich besser dort unten hin, wo es noch viel wärmer ist."

Als Willow unter der Bettdecke verschwand schloss Kennedy ihre Augen und sie hob sinnlich ihren Körper . „Oh yeah," stöhnte sie. „Da ist kein Eis."

Fade Out

Fade In
Int.
Willows Wohnung - Morgen
Badezimmer

Willow war frisch geduscht, angezogen und eifrig dabei, ihr Make-up aufzulegen als Kennedy ins Badezimmer kam und nach ihrer Haarbürste langte.

„Du weißt, dass du den Kram nicht wirklich brauchst," bemerkte Kennedy zu Willows Spiegelbild, während sie die Bürste durch ihre brünetten Locken zog.

„Danke," lächelte Willow. „Aber wir interviewen heute einen Kandidaten für eine Lehrerstelle und da möchte ich doch professionell aussehen. U-und nach dem Mittagessen trainiere ich mit Ro und dann kommt der Unterricht mit Marsha vor der Patrouille. Wie ist es bei dir?"

„Genauso vollgepackt," erwiderte Kennedy. „Waffentraining und dann hinterher deren Pflege. Hört sich nicht nach viel an, ich weiß, aber diese jungen Jägerinnen halten mich ganz schön auf Trapp. Besonders dein kleiner Wildfang."

„Was hat sie jetzt wieder getan?" seufzte Willow. „Andrews Ofenhandschuhe mal wieder an das Wappenschild im Foyer gehängt?"

Kennedy lachte. „Nein. Was ist das überhaupt mit Andrew? Was hat sie gegen ihn?"

„Ich weiß es nicht, aber ich werde es herausfinden," lächelte Willow. „Das ist einer von Giles’ Lieblingssprüchen: „Kenn deine Jägerin." Ich werde herausfinden, warum sie so drauf ist."

„Dieser kleine Racker." Kennedy lachte.

„Hey du, wer spricht denn da?" Willow deutete mit ihrer Wimpernbürste auf die Jägerin. „Ich kann mich da an eine gewisse Person mit ihren eigenen Tricks erinnern. Wie geht es deiner Erkältung?"

„Hat doch funktioniert, oder nicht?" grinste Kennedy.

Willow nickte zustimmend. „Lass mich wissen, wenn sie es übertreibt," sagte Willow und kam wieder zum eigentlichen Thema zurück. „Ich will diesen wilden Geist nicht entmutigen ... er war eine der Sachen, die Buffy am Leben gehalten hat. Aber auf der anderen Seite will ich auch nicht, dass sie übermütig wird."

„Keine Sorge, Will," beruhigte Kennedy sie. „Sie ist die Beste in dem ganzen Haufen und sie hat die beste Wächterin zu ihrer Betreuung."

Willow lächelte, dann wandte sie sich wieder zum Spiegel, um mit ihren Wimpern fertig zu werden.

„Also Will," setzte Kennedy an. „Wo willst du morgen Abend hingehen?"

„Was?" fragte Willow mit offensichtlicher Panik im Gesicht. „Nein, nicht ausgehen. Nein ... nein ..."

Kennedy nahm die Wimpernbürste aus Willows Hand, bevor diese sich damit noch ein Auge ausstach und umarmte ihre Geliebte dann innig. „Ja, ausgehen," sagte sie und küsste Willow. „Vielleicht ein nettes romantisches Geburtstagsdinner und anschließend ... könnte Tanzen folgen und ich meine nicht nur in einem Club."

„Tanzen?" fragte Willow. „Nein, nein, kein Tanzen in Clubs. Außerdem, du ..."

„Ich …?" fragte Kennedy.

„Du tanzt wie ein weißes Mädchen," ergänzte Willow lächelnd.

„Du meinst, wie du?" lachte Kennedy.

„In etwa." Willow nickte.

„Komm schon, Willow," sagte Kennedy. „Es ist dein Geburtstag. Ich möchte etwas Besonderes für dich machen."

„Oh und was?" fragte Willow und zeigte in ihr gemeinsames Schlafzimmer. „Was wir da vorhin gemacht haben war nicht speziell?"

„Mmmm," nickte Kennedy. „Der Teil als du am Schreien warst, war schon sehr speziell, da stimme ich zu. Aber trotzdem möchte ich dich ausführen, nur wir zwei, an deinem speziellen Tag."

„Ich weiß nicht, Kennedy," protestierte Willow. „Ich bin es nicht gewohnt, dass jemand sich genug für mich interessiert, um aus meinem Geburtstag etwas Besonderes zu machen. Ich mein, dass meiste worauf ich hoffen konnte war, dass Xander auftauchte mit Twinkies und nem Sprudel."

„Du meinst, deine Eltern haben nie etwas für dich gemacht?" fragte Kennedy mit gerunzelter Stirn.

„Nun, nach der ganzen Sache mit dem Pony haben sie es wohl komplett verdrängt. Ihr Vermögensverhalter hat sie jedes Jahr daran erinnert mir einen Scheck zu schicken. Ist die Post schon da? Ich bin sicher, da ist einer dabei." Willow versuchte die Bitternis in ihrer Stimme zu verbergen. „Obwohl es dieses Jahr wohl der letzte sein wird, der Göttin sei Dank."

Kennedy lächelte wieder verspielt in einem offensichtlichen Versuch, die Stimmung zu verbessern. „Nun, betrachte es so ... wenn du nicht mit mir ausgehen und spielen willst, ich bin sicher, dass ich die Bande hier überreden kann, dir eine große Party zu schmeißen."

„Das würdest du wagen?" fragte Willow mit verengten Augen.

Kennedy hob nur eine Augenbraue als ob Willow wirklich eine Antwort darauf erwarten würde.

„Du würdest es," seufzte Willow sich geschlagen gebend.

„Ich nehme das als ein „ja"." Kennedy lächelte siegessicher.

Willow seufzte als ein Klopfen an der Tür eine willkommene Unterbrechung brachte. Mit einem sauren Blick zu Kennedy ging sie aus dem Badezimmer um die Tür zu öffnen.

Cut to:

Int.
Willows Wohnung - Morgen
Wohnzimmer

Willow öffnete die Tür und sah Andrew vor sich.

„Hey Andrew. Komm rein," sagte sie und öffnete die Tür weiter, damit er hereinkommen konnte. In der Zeit schob sie einige Unterlage vom Tisch in ihre Aktenmappe. „Kann ich dir etwas anbieten? Es ist noch Kaffee über."

„Uhm, nein danke, Willow," sagte Andrew und ging nervös durch den Raum. Willow schaute ihm irritiert zu, wie er eine kleine Nachbildung des Eiffelturms hochnahm, die vor einem Bild mit Buffy und Dawn in Paris stand.

„Andrew?" sagte Willow, die seine Unruhe spürte. „Wenn du ins Badezimmer musst, ich bin sicher, Kennedy ist inzwischen fertig."

„Oh uh ... nein, danke," sagte er und stellte die kleine Statue so hastig zurück ins Regal, dass es laut knallte. „Uhm, Giles fragt, ob du sofort in sein Büro kommen könntest, ... wenn ... wenn das für dich ok ist."

„Sicher," sagte Willow und schnappte den Verschluss an ihrer Aktenmappe zu.

„Was gibt’s?" fragte Kennedy und zog sich eine Trainingsjacke über.

„Giles," sagte Willow. „Lass uns gehen."

Cut to:

Int.
Giles’ Büro - Kurz darauf

Der ältere Wächter saß hinter seinem Schreibtisch. Er hatte einen festen, aber auch amüsierten Gesichtsausdruck als Willow, gefolgt von Kennedy und Andrew, sein Büro betrat.

„Du bist spät," sagte er.

„Es tut mir Leid," sagte Willow und kam hastig zum Schreibtisch. „Ich hatte nicht gedacht, dass das Interview so früh anfangen würde."

Sie wandte sich zu der Person, die in dem hochlehnigen Ledersessel mit dem Gesicht zu Giles saß. „Bitte entschuldigen Sie, dass ..."

Willow stoppte plötzlich und ließ die Aktenmappe zu Boden fallen, als sie diese zersauste Person sah, die sie aus der Tiefe des Sessels schief anlächelte. Ihre Mimik wechselte von Schock zu Glück zu Besorgnis und dann wieder zu Glück in einem einzigen Augenblick.

„Xander!!!"

Fade Out

 

 

Erster Akt

 

Gaststars: Fred Ward als Seward, Christopher Gartin als Gretz, Stephanie March als Bonnie and special guest star Nicholas Brendan als Xander Harris.

 

 

Fade In
Int.
Giles’ Büro - Morgen

„Xander!" rief Willow erneut und rannte zu ihm hin.

Xander grinste über ihren Enthusiasmus und stand auf, um den Rotschopf in die Arme zu nehmen. Er hatte kaum genug Zeit, die Arme auszubreiten, da sie sich ihm einfach entgegenwarf.

„Umpf," sagte Xander, dem fast die Luft wegblieb, so fest drückte sie ihn an sich.

Giles lächelte voller Wärme über dieses Schauspiel, als auch Rowena und Faith in sein Büro kamen. Andrew hüpfte vor Aufregung auf und ab und Kennedy lehnte einfach an einem Bücherregal, die Arme vor der Brust gekreuzt.

„Mensch!" sagte Faith glücklich. „Willkommen in Cleveland."

„Danke," sagte Xander und lächelte ihr über Willows Schulter hinweg zu. „Uhm ... Will? Lässt du mich vorm Ende des Jahres wieder los?"

Ein gedämpftes „Nein!" kam von dem Rotschopf, die sich an ihn klammerte und vor lauter Emotionen zitterte.

„Okay," sagte Xander. „Hab nur gefragt. Nimm dir Zeit." Liebevoll legte Xander sein Kinn auf Willows Scheitel und strich ihr über das Haar.

Nach einiger Zeit zog Willow sich so weit zurück, dass sie ihn anschauen konnte, ließ ihn aber noch nicht komplett los. Sie strich sich mit einer zitternden Hand durch ihr tränenfeuchtes Gesicht. Giles kam um den Schreibtisch herum und reichte ihr sein Taschentuch.

„D-danke," schniefte Willow und trocknete sich die Augen. Xander hielt weiter seine Hände auf ihren Hüften und schaute mit schräg gelegtem Kopf auf sie herab.

„Jetzt okay?" fragte er.

Willow schniefte erneut als sie nickte. „Ja," sagte sie endlich. „Nur überrascht. U-und wo warst du?" fragte sie und schlug ihm auf die Brust. „Wir haben überall nach dir gesucht."

„Au!" sagte Xander. „Vorsicht, Will. Ich bin zerbrechlich."

Xander hatte noch immer sein Grinsen, aber es schien nur halbherzig zu sein.

„Oh!" sagte sie laut. „Du musst Buffy anrufen! Wir hatten telefoniert und nun macht sie sich Sorgen, weil ..."

„Schon geschehen, Will," erwiderte er mit sehr sanfter Stimme. „Giles hat mich als erstes dazu gedrängt, als ich hier ankam."

„W-wie ... ist dein ...?" setzte sie an und berührte sanft seine Wange neben der Augenklappe. „Neue Infektionen?"

„Bisher nicht," sagte er kopfschüttelnd. „Ich werde wahrscheinlich bald so weit sein, dass ich das Glasauge einsetzen lassen kann, wenn es sich nicht mehr entzündet. Also nehme ich jeden Tag wie er kommt."

„Gut," sagte sie und schaute ihn genau an. Es schien, als wolle sie etwas über seine Erscheinung sagen, doch dann schüttelte sie nur kaum merklich den Kopf. „Ich bin so glücklich, dass du hier bist," sagte sie stattdessen mit neuen Tränen in den Augen. Sie legte einen Arm um seinen Nacken und strich mit der Hand durch sein langes und volles Haar, bevor sie ihn zu einer neuen Umarmung an sich zog.

„Ich konnte doch nicht deinen Geburtstag verpassen, Will," sagte er in ihr Haar. „Man wird nicht jeden Tag 21. Hier, ich habe sogar ein Geschenk für dich."

Er griff mit einer Hand nach einer Plastiktüte, die auf dem Tisch stand und hielt sie für sie auf. Willow schaute hinein und lächelte.

„Lass mich raten" sagte Kennedy von ihrem Platz beim Bücherregal. „Twinkies."

„Ja," strahlte Willow. „Aber was ist das?" fragte sie und holte eine Flasche Likör aus der Tüte.

„Erinnerst du dich an das Mal, als Jesse den Baileys gemoppst hatte und wir ihn in die Twinkies injiziert hatten?" fragte Xander.

„Oh Göttin!" lachte Willow und legte die Flasche wieder in die Tasche, so dass Xander sie zurück auf den Tisch stellen konnte.

„Hört sich lustig an," sagte Faith. „Red angetrunken durch den Genuss extra verschärfter Süßigkeiten?"

„Gott, nein," sagte Xander. „Sie wurde ganz eingeschnappt und hat uns belehrt, dass Alkoholgenuss für Minderjährige illegal ist. Wir nannten sie deshalb Schwester Mary Rosenberg, die Schutzheilige der Prohibition und sie lief weinend davon."

„Ja, aber ich bekam meine Revanche, Xander," sagte Willow und wandte sich an die anderen. „Ich folgte ihnen, nachdem sie die Twinkies gegessen hatten, nur um ... na ja, sicher zu gehen, dass ihnen nichts passiert. U-und sie endeten damit, dass sie nackt im Pool von Mrs. Golden gebadet haben und ich ... ich hab ihnen ihre Klamotten geklaut."

„Raffiniert," sagte Faith lachend.

„Nicht, wenn du zwölf bist," sagte Xander. „Splitterfasernackt von einer achtzigjährigen Frau erwischt zu werden kann zu lebenslanger Therapie führen."

„Nun, du hast überlebt und deine Männlichkeit ist intakt," sagte Willow zärtlich.

„Das kann ich bezeugen," sagte Faith grinsend und Giles musste sich räuspern.

„Ja, nun," sagte er mit einem Blick als wünschte er, Willow gäbe ihm das Taschentuch zurück. „Willkommen im Rat der Wächter, Xander. Es ist wundervoll, dass du hier bist."

„Danke, Giles," sagte Xander.

„Ist heute dein Geburtstag?" fragte Ro.

„Morgen." Willow schüttelte den Kopf. „Oh! Xander, dies ist Rowena Allister. Sie ist eine unserer leitenden Wächterinnen."

„Erfreut, Sie kennen zu lernen," sagte Xander höflich als Rowena zu ihm kam um ihm die Hand zu schütteln.

„Die Freude ist auf meiner Seite," erwiderte sie. „Von Ihnen wird hier im Rat nur in den höchsten Tönen gesprochen."

Xander zuckte nur mit den Schultern.

„Hey, Moment mal," meldete sich Faith. „Ich dachte, du wärst schon 21. Du warst doch mit Buffy in einer Klasse."

„Sie und Xander sind beide älter als ich," erklärte Willow. „Bevor Dawn dazukam war ich das Nesthäkchen unter den Scoobies. Ich glaube meine Eltern wollten mich so schnell wie möglich aus dem Haus haben, deshalb habe ich früher mit der Schule angefangen."

„Eine gute Sache, dass du uns trotzdem Drinks in der Bronze besorgen konntest," merkte Kennedy an.

„So viel zu Schwester Mary Rosenberg," lästerte Xander und Willow zog an seinem Ohrläppchen. „Und erneut sage ich AU!"

„Mitgliedschaft hat seine Vorteile," sagte Willow zu ihrer Liebsten. „Nur Anya ist in der Bronze nach ihrem Ausweis gefragt worden und sie war älter als wir alle, um ungefähr 1100 Jahre."

„Yeah," sagte Xander leise und Willow verzog das Gesicht als sie realisierte, was sie gesagt hatte.

Giles räusperte sich erneut. „Nun, Andrew," sagte er schließlich. „Zeige doch bitte Xander die Gästezimmer, damit er sich etwas einrichten kann."

„Klar, Giles," sagte Andrew und hüpfte fast zur Tür. Sein Grinsen blieb dabei fest im Gesicht verankert.

„Uhm, ich hab das Wohnmobil an der Straße stehen," sagte Xander. „Habt ihr einen Platz, wo ich es parken kann? Möchte nicht, dass es abgeschleppt wird."

„Du kannst in der Tiefgarage parken," sagte Willow. „Andrew wird es dir zeigen. Wir haben zwar letzte Woche gerade eine Flotte neuer Autos bekommen, aber es ist noch viel Platz. Es könnte dort ewig stehen und wäre nicht im Weg. Ja, ich denke, ich werde ein Schild machen, welches lautet „Nur für Xander" und es dort befestigen. Und ich werde sogar drohen, jeden in einen Frosch zu verwandeln, der dennoch dort parkt. Nicht, dass ich es machen würde, aber ... Oh! Und ich werde unter deinem Schild noch ergänzen „Alle anderen Frosch" ... hehe, F-r-o-s-c-h, nicht f-o-r-t, versteht ihr? Aber, es ist auf jeden Fall dein Parkplatz. OK?"

„Okay, Will," sagte er lächelnd, als Willow endlich die Puste ausging. Er drückte sie ein letztes Mal und wandte sich an Andrew.

„Komm, Xander," sagte Andrew und die beiden jungen Männer verließen das Büro.

Willow blickte zu Giles, ihr Gesicht voller Ernst und Sorge. Giles hatte einen ähnlich gesetzten Ausdruck. Kennedy beobachtete den Austausch genau.

„Ja, nun, wir müssen arbeiten," sagte Faith schließlich. „Komm, Brat, die Mädels warten und die beiden müssen noch ein Interview führen."

„Wie?" fragte Kennedy an Faith gewandt. „Oh ja. Okay." Sie ging zu Willow und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Bis später, Liebling."

Willow schenkte ihr die Andeutung eines Lächelns und setzte sich dann in den Sessel, auf dem sie Xander vorgefunden hatte. Die Jägerinnen verließen den Raum, gefolgt von Rowena.

„Willow?" fragte Giles und setzte sich vor sie auf den Schreibtisch. Willow schaute zu ihm auf, ihre Augen erneut feucht.

„Anya hatte recht, Giles," sagte Willow. „Er rutscht ab, ich spüre es. Wie auf den Postkarten - munter aber gleichzeitig säuerlich. Er versucht es, aber ... ich meine, er klingt wie Xander, aber ..."

„Es fehlt der rechte Geist," schloss Giles den Satz ab.

Willow nickte einfach zustimmend, ihre Miene besorgt.

„Das Ritual, welches du erforscht hast," setzte er an, „wird es reichen um ihm zu helfen?"

„Ich denke es," sagte Willow, dabei leicht in sich gekehrt. „Es ist, als hätte er keine Hoffnung mehr, Giles. Vielleicht, wenn ich ... wenn die Götter ... ihm wenigstens diese eine Sache wiedergeben könnten ... es könnte ihm genug geben, damit er weitermachen kann."

„Bist du sicher, dass du es kannst?" fragte Giles. „Du weißt, dass es sehr gefährlich ist."

„Nun, ich habe so meine Talente," protestierte sie, wobei sich Röte über ihr Gesicht legte.

„Das meinte ich nicht," sagte Giles und schüttelte den Kopf. „Ich weiß, dass du in der Lage bist, deine ... priesterlichen Pflichten zu erfüllen. Ich meinte, welchen Effekt wird es anschließend für dich haben?"

Willow dachte lange darüber nach. „Als ich mit dir in England war, hat Althenea mir vieles über Rituale erklärt. Sie sagte, wenn ein Ritual aus den richtigen Gründen und mit dem Segen der Götter durchgeführt wird, dann klärt sich das „danach" von alleine."

„Denkst du, dass deine Unternehmung den Segen der Götter haben wird?" fragte er.

„Ja," sagte Willow, zu ersten Mal mit völlig fester Stimme. „Wenn jemand diese Art Segen verdient, dann Xander. Er hatte keine Jägerinnen-Stärke oder Hexen-Kunst oder-oder das Wissen eines Wächters. Er hat Jahr um Jahr nur mit seinem persönlichen Mut, seiner Entschlossenheit und Menschlichkeit gekämpft."

„Dann denke ich, habe ich meine Antwort," sagte er lächelnd.

„Danke für deine Unterstützung, Giles." Willow erwiderte sein Lächeln, aber dann runzelte sie die Stirn. „Ich muss mit ihm reden. Er muss der Sache zustimmen."

„Sehr wahr," sagte Giles. „Aber jemand anders muss es auch, denke ich."

Willow schaute ihn an. „Kennedy," flüsterte sie und Giles nickte.

Fade Out

Fade in

Int.

Kraftraum der Jägerinnen - Vormittags

Willow steckte ihren Kopf in den Raum und sah, dass Kennedy allein war und gerade ihre Hände mit Tape verklebte. Sie trat einen zögernden Schritt hinein und die Brünette schaute auf und lächelte. Als sie merkte, wie nachdenklich Willow wirkte, verschwand das Lächeln wieder aus Kennedys Gesichtszügen.

„Was ist los?" fragte sie die Wicca.

Willow schloss die Distanz zwischen den beiden und räusperte sich. Sie stoppte und schaute sich um. „Sind wir allein?"

„Ja, Faith dreht mit den Mädels ne Runde. Sie müssten bald zurück sein. Was ist los?" wiederholte sie.

Willow öffnete ihren Mund um zu sprechen, stoppte aber erneut. Nachdem sie endlich den richtigen Start gefunden hatte, sprach sie schließlich. „Ich habe dir von den Ritualen erzählt, die ich erforscht habe ... für Xander, richtig?"

„Ja, Heilsprüche für sein Auge," sagte Kennedy und zog das Tape stramm. „Aber diejenigen, die du gefunden hast, erfordern ein Opfer, was du vermeiden willst."

„Nun, ich habe einen weiteren Zauber gefunden," sagte Willow. „U-und er benötigt auch kein Opfer."

„Das ist ja großartig!" antwortete Kennedy und schaute hoch. Ihr Grinsen verschwand jedoch, als sie merkte, dass Willow nicht gerade extatisch ob dieser Neuigkeit wirkte. „Ist es nicht großartig?" fragte sie.

„Doch, ist es," sagte Willow schnell, zuckte aber mit den Schultern. „Es bedeutet, dass Xander sein Auge zurückbekommen könnte. Aber ... nun, der Spruch braucht Energie, sehr viel Energie und es gibt nur eine Möglichkeit, so intensive menschliche Energie zu erzeugen," erklärte Willow. Sie verzog den Mund und holte tief Luft. „Ich möchte dies möglichst klar sagen," erläuterte sie Kennedy.

„Was meinst du? Du hast ja noch gar nichts gesagt," stichelte Kennedy, aber dann wurde sie ernst. „Moment, es ist doch nicht gefährlich, oder? Denn ..."

„Nein!" unterbrach Willow sie. „Nicht gefährlich und es wird funktionieren, da bin ich sicher, aber ... es ist halt ..." Willow zog die Schultern gerade. „Es ist Sex-Magie, Kennedy. Die einzige Möglichkeit ihn zu heilen besteht in dem Gebrauch von Energie, die durch Sex erzeugt wird."

Willow stoppte und Kennedy begann, mit dem Tape an ihren Händen zu spielen. „Du meinst, du musst Sex haben? Mit Xander vermutlich?"

Willow nickte nur.

„Ich denke nicht," antwortete sie herausfordernd.

Kennedy ging weg und begab sich zum Sandsack. Willow wartete kurz und ging ihr dann nach. „Ich hab das nicht aus einer Laune heraus gesagt. Ich bin seit Monaten dabei, nach einer Heilungsmöglichkeit für ihn zu suchen u-und..."

„Du hast bereits entschieden?" fragte Kennedy sie.

„Ja."

Willow fügte nicht mehr hinzu. Kennedy schnaubte und kreuzte die Arme. Sie schaute überallhin nur nicht in Willows Augen. „Oh, vielen Dank, dass du mich auch in deine Pläne einweihst."

„Ich weiß, es-es ist erstmal schwer zu akzeptieren ..." begann Willow.

„Entschuldige? Schwer zu akzeptieren? Versuch’s mal mit gar nicht. Du willst mit Xander schlafen und ich soll sagen „klar Liebling, viel Spaß"? Ich kann das nicht Willow und ich werde es nicht." Kennedy stellte sich vor dem Sandsack in Positur und begann mit ein paar Übungsschlägen.

„Du verstehst das nicht," sagte Willow.

„Verdammt richtig, ich versteh das nicht!" Kennedy traf den Sandsack härter. „Du willst mit einer alten Flamme rummachen und ich soll die andere Wange hinhalten. Im Namen von Magie oder bedingungsloser Liebe, oder was?"

„Hier geht es nicht um Liebe. Es geht darum Xander zu heilen. Ich habe eine Pflicht ..."

„Oh, Junge, was für eine Qual," schnaubte Kennedy sarkastisch während sie erneut ausholte. „Gott, das ist der Beweis, das nichts Gutes aus Magie kommt."

„Hör auf hier die Harte zu spielen und lass es mich erklären." Willows Gesicht war gerötet vor Ärger über die ständigen Unterbrechungen und sie trat direkt vor den Sandsack.

Kennedy begann den Kopf zu schütteln. „Abgesehen davon mich fast zu erschießen, als du in einen Mörder verwandelt warst, und das Leben aus mir rauszusaugen, was hat Magie schon Gutes gebracht?" forderte die Jägerin Willow heraus.

„Sie hat Faith eine zweite Chance gegeben. Sie hat zahllose Leben gerettet. U-und sie hat dich von einer Anwärterin zur Jägerin gemacht," antwortete Willow bestimmt.

Kennedy rollte ihre Schultern und begann erneut den Kopf zu schütteln. „Und jetzt soll sie dir einen Traum wahrmachen, den du dein ganzes Leben lang gehabt hast. Tut mir Leid, Willow, ich weigere mich zu teilen."

„Da gibt es keine Träume," seufzte Willow frustriert. „U-und es geht nicht ums „Teilen". Ich habe keinerlei Ziele mit Xander außer unserer tiefen Freundschaft, die wir jetzt schon haben. Er braucht meine Hilfe, Kennedy."

„Jeden Tag erblinden Leute, Willow," konterte Kennedy. „Was soll es ihm Gutes bringen, außer ein wenig Spaß mit dir?"

„Ich habe dir gesagt, dass es hier nicht um Sex geht. Ist das Alles, woran du denken kannst?" sagte Willow, deren Stimme vor Frust immer lauter wurde.

„Wenn meine Freundin mir sagt, dass sie es mit jemand anderem treiben will, dann ja." Kennedy weigerte sich Willow anzusehen und ging um sie herum um weiter auf den Sandsack einzuschlagen.

Willow holte tief Luft um sich zu beruhigen. „Schau Ken, ich kenne Xander. U-und Anya hatte Recht - er ist bald am Ende, sehr bald. Giles hat es auch gesehen."

„Dann schick Xander zu nem Psychater um seine Probleme los zu werden. Oder lass Giles mit ihm schlafen," knurrte Kennedy. „Mit dir ins Bett zu hüpfen wird ihn auch nicht retten, Willow."

„Wenn ich aus Spaß mit Xander schlafen wollte, würde ich es einfach tun und es gäbe nichts, was du dagegen machen könntest," zischte Willow mit hochrotem Kopf. Schließlich warf sie ihre Arme in die Luft und begann sich abzuwenden. „Ich weiß gar nicht, warum ich mir die Mühe gemacht habe es zu erwähnen," murmelte sie.

„Hey," sagte Kennedy, die Willow gefolgt war und sie jetzt am Arm festhielt und zu sich drehte. „Wir sind hier noch nicht fertig. Du kannst nicht so eine Bombe loslassen und dann einfach abhauen!"

Willow wandte sich um und zog ihren Arm aus Kennedys Griff. „Wo liegt der Sinn? Du hörst ja doch nicht zu, was ich sage, also verschwende ich doch nur meine Zeit."

„Also bin ich jetzt nur noch eine Zeitverschwendung?" Kennedy stemmte die Hände in die Hüften.

„Das habe ich nicht gesagt! Verdammt, Kennedy!" Willow schloss ihre Augen und hob die Hände. „Alles was ich weiß ist, dass Xander meine Hilfe braucht. Ich habe die Chance ihn zu heilen - wie Buffy es für mich tat, nach der Sache mit dem Gnarl oder ich es für Rowena getan habe, als Jordon sie als einen menschlichen Aschenbecher missbraucht hatte."

„Ja, aber du musstest mit keiner von beiden schlafen, Willow," argumentierte Kennedy. „Oder doch?" fragte sie nachträglich.

Willow seufzte. „Oh Göttin, gib mir Kraft," sagte Willow zu sich selbst. „Nein, hab ich nicht, aber heißt das, du hättest kein Problem mit diesem Ritual, wenn es auch keinen Sex beinhalten würde?" fragte Willow.

„Absolut!"

„Warum? Leute verlieren doch jeden Tag ein Auge, warum also überhaupt einen Spruch machen?" schoss Willow zurück.

„Nun, deswegen," antwortete Kennedy.

„Nein," erwiderte Willow mit erhobenem Finger. „Sag mir warum!"

„Weil es Xander ist." Kennedy spuckte die Worte fast aus.

„Genau! Er ist Xander," sagte Willow, ihre Augen voller Tränen. „Ich liebe ihn, Ken, aber nicht so wie du es meinst. Der Mann hat jeden von uns gerettet, ja sogar die Welt. Er ... er hat mich gerettet als ich ... als ich dachte, alles verloren zu haben, hat seine Anhänglichkeit mich gerettet. Also werde ich ihn auch nicht im Stich lassen, wo er wieder zurück ist. Sorry, aber ich werde es nicht. U-und ich will dich deshalb nicht verlieren, aber ich kann nicht einfach nur zuschauen, wie er langsam dahinsiecht, wissend, dass ich ihm hätte helfen können ... ich kann es einfach nicht. Ich habe die Heilung gefunden, Kennedy. Und ich muss es tun."

„Ja, und es stört ja auch nicht, dass er gut aussieht und ein Hengst im Bett ist," fügte Kennedy an. Willow zog fragend ihre Augenbrauen hoch. „Anya hat doch gern geprotzt gegenüber jedem, der zuhören wollte oder auch nicht," fügte Kennedy als Erklärung an.

„Was ist dein Punkt?" hakte Willow nach.

„Es ist doch klar, was ich sage," schob Kennedy nach. „Es ist doch so. Wenn es Andrew oder Giles wären, würdest du mit ihnen Sex haben um sie zu heilen? Ich denke nicht."

„Um ein Auge zu heilen," setzte Willow an, „nein, wohl nicht." Kennedy brummelte, aber Willow fuhr fort. „Weil ein Auge nicht wichtig ist für das, was ihre Leidenschaft ausmacht. Ich habe zugesehen, wie Xander sich seit dem Schulabschluss hatte treiben lassen. Er hüpfte von Job zu Job, aber dann fand er eines Tages etwas, dass er liebte - Tischlerei, Dinge konstruieren. Wenn du diesen Blick voller Stolz gesehen hättest, als er mich durch die Highschool geführt hat, an der er maßgeblich mitgebaut hatte, dann wüsstest du, was ich meine. Aber nun kann er nicht einmal einen halbwegs brauchbaren Job bekommen."

„Willow, wir haben genug Geld um den Mann für den Rest seines Lebens auszuhalten! Er braucht keinen Job!"

„Es geht hier nicht um Geld oder einen Job, Kennedy! Es geht darum, Leidenschaft für etwas zu empfinden; etwas das dich jeden Morgen aufstehen lässt voller Vorfreude. Xander hat in dieser Schlacht praktisch alles verloren. Ich kann ihm Anya nicht wiedergeben, aber das hier kann ich machen. Wenn du also fragst, ob ich für Giles ein Auge heilen würde, dann nein, das würde ich nicht. Aber wenn ich den gleichen Spruch machen müsste um ihm sein Gedächtnis wieder zu geben o-oder die Fähigkeit zu Lesen zurück zu geben, also Dinge, die für ihn das Wichtigste in der Welt sind, dann würde ich es sicher tun."

Ein Geräusch an der Tür ließ sie beide herumfahren und sie sahen, dass Faith und die Jägerinnen hereinkamen.

„Wenn er zustimmt, dann mache ich den Spruch," sagte Willow mit leiser Stimme. „Wie du sagtest, es ist Xander."

Willow begab sich erneut in Richtung Tür.

„Hey Will," rief Kennedy, damit Willow stoppte und sie ansah. „Was hätte Tara gesagt, wenn sie das hätte entscheiden müssen? Oder sollte ich vielleicht fragen, würdest du auch so schnell mit Xander ins Bett hüpfen, wenn es um sie ginge?"

Willow trat näher an Kennedy heran und senkte ihre Stimme, damit die anderen sie nicht hören konnten.

„Tara war Wicca," sagte sie schließlich und beobachtete ihre Geliebte genau. „Wenn sie am Leben wäre, würde ich Tara fragen, das Ritual mit Xander durchzuführen oder sie würde mich fragen und keine von uns würde dabei an unsere Beziehung denken. Wir wussten beide, dass wir zusammenpassen und dass das auch die Beziehung zu unseren Freunden beinhaltete. Ich sage es dir noch einmal, es geht hier nicht um Sex, Kennedy. Es geht um Heilung."

Kennedys Augen begannen feucht zu glänzen. „Ich denke, du irrst dich aber in einem Punkt, Willow."

„Und zwar?"

„Du bringst ein Opfer," flüsterte Kennedy.

Kennedy schnüffelte bemerkbar und atmete tief ein, bevor sie sich schnell über die Augen rieb. Sie ging weg und begab sich zur nächsten Jägerin. Dort erhöhte sie die Zahl der Gewichte, trotz der Proteste des Mädchens. Willows Unterlippe zitterte als sie sich umwandte und letztendlich den Raum verließ.

Fade Out

 

 

 

Zweiter Akt

 

 

 

Fade In
Int.
Willows Wohnung - Nachmittags

Willow war eifrig in ihrer Küche am hantieren als es an der Tür klopfte.

„Hey," sagte sie als die geöffnete Tür einen frisch gewaschenen und rasierten Xander offenbarte. „Viel, viel besser," sagte sie und ließ die Fingerrücken über seine Wange gleiten. „Der Einsiedler-Look passt einfach nicht zu dir, Xander," ergänzte sie und klopfte ihm auf die Schulter.

Er grinste sanft und reichte ihr eine Flasche Wein während er eintrat.

„Danke," sagte sie und schaute auf das Etikett. „Wow, teures Zeug," bemerkte sie.

„Nichts ist zu gut für meine Will," sagte er. „Insbesondere nachdem du all das Geld für mich gestohlen hast."

„Ich hab es nicht geklaut," rief sie aus. Dann griff sie sich zwei Weingläser und einen Korkenzieher während er sich an den Küchentisch setzte, den sie für ihr gemeinsames Mittagessen gedeckt hatte. „Ich ... ich... schau, sieh es einfach als Bezahlung vom Rat für sieben Jahre Dienst als Scoobie, okay?"

„Es war mehr als nur eine angemessene Bezahlung, Will."

„Denk dir das Extra halt als Bonus," sagte sie als er ihr den Korkenzieher und die Gläser abnahm. Sie wandte sich zum Herd um. „Du weißt schon, etwas für jeden Dämon, den du getötet hast, etwas mehr für jedes Mal, wo du die Jägerin gerettet hast ... Oh! U-und lass uns nicht vergessen, wie du ganz alleine die Welt vorm Untergang bewahrt hast. Das alleine ist schon eine Stelle vorm Komma mehr Wert, Mister."

„Ja, und Spritgeld für jeden Trip um Donuts zu holen in all den Jahren," sagte er und goss den Wein ein.

Willow lächelte und schaute über die Schulter zu ihm hin, aber sie verlor das Lächeln schnell wieder, als sie seine fehlende Fröhlichkeit bemerkte.

„Wir schulden dir so viel mehr, als einfach nur Geld, Xander," sagte sie ernsthaft.

„Nicht wichtig, Will," sagte er achselzuckend. „Jeder von uns hat Opfer gebracht."

Mit ihren Händen durch Ofenhandschuhe geschützt trug sie eine kleine Casserole zum Tisch und setzte sie vorsichtig in der Mitte ab.

„Hey," sagte Xander, seine Stimme fröhlich, aber ohne das Gesicht zu verziehen. „Ist das, was ich denke?"

„Jep." Sie lächelte und warf die Handschuhe auf die Anrichte. „Charlie’s Surprise. Dein Lieblingsessen."

„Aber ohne Erbsen, richtig? Du weißt, dass ich mich von Erbsen übergeben muss."

Willow rollte ihre Augen. „Keine Erbsen," sagte sie und setzte sich ihm gegenüber an den kleinen Tisch. Sie nahm seinen Teller und löffelte ihm von dem dampfenden Thunfisch-Eintopf darauf.

„Danke," sagte er und legte los. „Mmmm, so gut wie immer. Wo ist Ken?"

Willow zögerte einen Moment und überdeckte es, indem sie einen Schluck Wein nahm.

„Mit den Mädchen," sagte sie schließlich. „Außerdem ist dieses Gericht nicht gerade eines, mit dem sie aufgewachsen ist. Sie hatte in all den Jahren viele Küchenchefs, da war Eintopf nicht unbedingt der Standard."

Er grinste kurz, aber das verschwand so schnell wie es gekommen war. Willow beobachtete ihn schweigend, als wartete sie auf eine Bemerkung, aber es kam keine. Stattdessen schob er seinen Eintopf mehr auf dem Teller herum als ihn wirklich zu essen und schien sich mehr für den Wein zu interessieren.

„Xander?" fragte Willow leise und atmete tief ein. „Wo warst du?"

Er zuckte mit den Schultern und sah in seinen Teller.

„Hier und dort," sagte er. „Bin den Cascade Loop Highway lang gewandert. Aber ich wollte nicht in den Bergen festsitzen, wenn der Schnee kommt. Also bin ich mehr nach Osten rüber, teilweise dabei auch nach Kanada rein. Ich hab mir Zeit gelassen, weißt du. Aber als ich merkte, dass wir bald deinen Geburtstag haben, hab ich das Gaspedal durchgedrückt und mich in den großartigen Staat des Höllenschlunds begeben."

Willow wartete auf ein Lächeln, aber es kam keins. „Hast du irgendwelche netten Leute getroffen?" fragte sie nach einer kurzen Stille.

„Nicht wirklich," sagte er. „Ich bin unserem alten Kumpel Clem begegnet. In einer Dämonenbar in Winnipeg."

„Wirklich?" fragte Willow. „Ein Cousin von ihm lebt hier in Cleveland und hilft uns manchmal." Sie pausierte einen Augenblick, dann blitzten ihre Augen auf. „Hey! Was wolltest du in einer Dämonenbar?"

Xander antwortete nicht direkt. Er griff nach der Weinflasche und fragte schweigend, ob sie noch mehr wollte. Als sie den kopf schüttelte, füllte er sein Glas. „Hab nach Infos geschaut," antwortete er schließlich. „Das war alles."

„Was für Informationen?" fragte sie und beobachtete, wie er das Glas in einem großen Schluck leerte.

„Will," sagte er, ohne auf ihre Frage einzugehen. „Hast du noch das Amulett, das D’Hoffryn dir gab?"

„Was ...?" fragte sie und schüttelte verwirrt den Kopf. „N-nein, er hat es zurückgenommen nachdem ich ihn letztes Jahr beschworen hatte. Xander, was ..."

„Ich möchte, dass du etwas für mich tust," sagte Xander und sah ihr endlich in die Augen. „Bitte?"

„Xander, du weißt, dass ich alles für dich tun würde, aber was ..." Willow stoppte, ein Ausdruck von Schrecken erschien in ihrem Gesicht.

„Willow," sagte Xander. „Ich will, dass du Anya zurückbringst."

Cut to:

Int.

Gemeinsamer Speisesaal - Zur gleichen Zeit

Faith betrat den Speisesaal und schaute sich um, wobei sie ihre dunkelhaarige Gefährtin allein an einem Ecktisch sitzen sah. Statt Zeit in der Schlange zu verlieren, machte sie nur einen kleinen Umweg und schnappte sich Andrews volles Tablett als er sich gerade zu Marsha und den anderen jungen Jägerinnen an den Tisch setzen wollte.

„Hey! Das ist mein Essen," protestierte er als sie zielstrebig zu Kennedys Tisch ging. „Ich hasse es, wenn sie das macht," murmelte er zu sich selbst. Er seufzte so dramatisch, dass die Mädchen kichern mussten und ging zurück in die Schlange.

Faith setzte ihr Tablett mit lautem Scheppern gegenüber von Kennedy auf den Tisch und veranlasste dadurch, dass die andere Jägerin zusammenzuckte.

„Immer schön aufpassen, Brat," sagte Faith als sie sich hinsetzte und einen Karton mit Kakao öffnete. „Ich hätte ein Vampir sein können, der dich fressen will."

„Mitten am Tag?" fragte Kennedy sarkastisch während Faith ihren Kakao trank.

„Ist das alles, was du isst?" fragte Faith, während sie den Mund mit einer Hand abwischte und mit dem Kopf auf die Schüssel mit Suppe deutete, die vor Kennedy auf dem Tisch stand. Der Löffel neben der Schüssel war sauber.

Kennedy zuckte mit den Schultern und schaute aus dem Fenster, als wolle sie Faith ignorieren.

„Musst mehr als das essen," sagte Faith. „Lebensnotwendig, weißt du? S und N, also Sex und Nahrung, sind die beiden Grundbedürfnisse, die erfüllt werden müssen, damit eine Jägerin mental und körperlich fit bleibt. Was mich daran erinnert, wo ist dein Schatz?"

„Bei ihrem Schatz," murmelte Kennedy. „Bekommt jede Mege S, wie ich wette."

Faith lachte als sie in ihr Sandwich biss. „Red und der Xan-Mann?" fragte sie. Kennedy antwortete nicht - sie schaute nur aus dem Fenster, so dass Faith fortfuhr. „Nöö, dass haben sie schon vor Jahren aufgegeben als sie noch Kinder waren. Und das ist es, was es war - Kinderkram." Faith stoppte um zu schlucken. „Sei nicht eifersüchtig, nur weil sie sich heute morgen so heftig umarmt haben. Will ist nur glücklich, ihren besten Freund wieder zu sehen."

„Es ist mehr als das, Faith," sagte Kennedy mit zusammengebissenen Zähnen und rotem Gesicht. „Willow ... Willow hat mir heute Morgen gesagt, dass sie Sex mit Xander haben wird um sein Auge zu heilen."

Faith stoppte ihr eifriges Kauen und schaute Kennedy an. Sie schluckte, schob ihr Tablett beiseite und lehnte sich auf ihre Ellbogen. „Lass sehen, ob ich das klar hab," sagte sie. „Willow kann mit Magie Xanders fehlendes Auge ersetzen, aber dafür muss sie Sex mit ihm haben?"

„Ja," sagte Kennedy achselzuckend und schaute wieder aus dem Fenster.

„Und du glaubst, das ist nur Quatsch?" riet Faith.

Kennedy nahm ihren Löffel auf und spielte nervös mit ihrer Suppe. „Ich weiß es nicht. Sie sprach davon, dass der Zauber viel Energie braucht und die einzige Möglichkeit, die zu erzeugen, wäre ... naja, du weißt schon."

Faith lehnte sich zurück und lachte leise. „Mann, ich wusste, dass man dabei ne Menge Hitze erzeugen kann, aber das ist der Hammer!"

Die ältere Jägerin hörte sofort auf zu lachen als sie den unglücklichen Ausdruck in Kennedys Gesicht sah.

„Oh, hey," begann sie mitfühlend. Sie hatte bemerkt, dass sie die jüngere Jägerin versehentlich verletzt hatte. Kennedy reagierte nicht und blickte aus dem Fenster. „Was ist das Problem, Kennedy?" fügte Faith an.

Kennedy schaute her, als Faith ihren Namen sagte. „Was das Problem ist? Meine Freundin sagt mir, dass sie mich betrügen will und du fragst, was das Problem ist?"

Faith hob die Hand. „Ich glaub nicht, dass Willow dich betrügen will. Denn dann hätte sie es dir gar nicht gesagt."

„Faith," betonte Kennedy. „Sie will Sex haben mit jemand anderem als mir. Mit einem Mann."

„Sie ist eine Hexe, die zaubert, das ist, was sie macht. Wir jagen, sie ..." Faith zauderte als suche sie nach einem einzelnen Wort für alles, das Willow tat. Als sie keins fand, gab sie auf und fuhr fort. „Hey, sie hat ihre Lektion gelernt als sie Oz hintergangen hat. Aber sobald sie erwischt worden waren, war Schluss mit der Teenager-Lust. Sie sind niemals dazu zurückgekommen."

„Was?" fragte Kennedy total verwirrt.

„Na, du weißt schon, dass Oz/Willow/Xander-Dreieck," erklärte Faith. „Willow, die mit Xander rumknutscht bis Wolfsjunge sie dabei erwischt?"

Kennedy sah aus, als hätte jemand sie gerade ausgeknockt und musste tief Luft holen.

„Du wusstest es nicht?" fragte Faith und wurde blass.

Kennedy schnaubte und schüttelte den Kopf.

„Oh, verdammt," seufzte Faith. „Ich dachte, sie hätte dir von Oz erzählt."

„Oh ja, aber das kleine Detail hatte sie ausgelassen. Hier dachte ich, sie wolle mal einen Traum ausleben, aber jetzt sieht es so aus, als hatte sie es schon und will einen Nachschlag."

„Nein," beharrte Faith. „Sie haben es nie miteinander gemacht, Kennedy."

„So und jetzt ist ihre Chance, huh?" Kennedy wollte aufstehen, aber Faith hielt sie um sie zu stoppen.

„Warte, Brat. Hör mich an, okay?" Faith sagte das bestimmt, aber auch mitfühlend.

Kennedy schaute auf Faith herab als würde sie innerlich debattieren ob sie ihr zuhören oder sie lieber in den Boden stampfen sollte. Widerstrebend setzte sie sich hin und Faith fuhr fort. „Willow und Xander haben nur ein paar Küsse ausgetauscht. Das ist alles. Aber als sie darüber hinweg waren, haben sie kapiert, dass ihre Freundschaft viel wichtiger war. Außerdem, wenn du mich fragst, ist Willow nicht einfach auf die andere Seite des Zaunes gewechselt - sie hat ihn mit dem Vorschlaghammer eingerissen. Du brauchst dir keine Sorgen machen. Ehrlich."

„Faith, sag mir eins ... wie würdest du dich fühlen, wenn Robin anruft und sagt, er kann diesen klasse Kontakt in Washington kriegen, wo er schon die ganze Zeit hinter her war, aber damit es klappt muss er mit ihr schlafen?" schnappte Kennedy.

„Das ist nicht dasselbe," argumentierte Faith.

„Warum nicht, zur Hölle?"

„Weil Robin einen anderen Kontakt finden würde, wo er nicht mit schlafen müsste," sagte Faith mit Bestimmtheit im Ton. „DC ist voller Politiker. Dies ist Xander und wenn Willow sagt, es ist der einzige Weg, dann ist es auch der einzige Weg."

„Wie kannst du so sicher sein? Bist du jetzt eine Hexe?" fragte Kennedy herausfordernd.

„Hölle nein!" Faith lachte, wurde aber schnell wieder ernst. „Aber Willow kennt sich aus. Und sie ist nicht meine Geliebte, weshalb ich nicht durch plumpe Eifersucht geblendet werde. Ich mein, komm, du hast Xander heute gesehen; ist das der Mann, den du damals in Sunnydale getroffen hast?"

Kennedy schaute in ihre Schüssel. „Nein," sagte sie so leise als wollte sie lieber nicht zustimmen.

„Nein, er ist es nicht," stimmte Faith ihr zu. „Er versucht so zu reden, aber ... es ist als wäre er es innerlich nicht. Ich kenne die beiden eine lange Zeit, Ken. Wir waren nicht immer Freunde ... Teufel, meist waren wir Feinde ... aber was ich mit Sicherheit weiß ist, dass die zwei sich lieben." Kennedy schaute auf in Faith’ Augen als diese fortfuhr. „Aber nicht die Art Liebe voll heißer, nackter Lust, die ist zusammen mit ihren Teenager-Hormonen verschwunden. Aber wenn Willow Xander retten kann, wird sie Alles in ihrer Macht stehende unternehmen. Sie wird dich nicht in die Quere kommen lassen und wenn du es versuchst ... nun, ich denke es wäre für euch beide nicht sehr schön und das wäre wirklich schade."

Kennedy atmete langsam aus. „Also soll ich einfach dasitzen und den Mund halten, huh?"

„Nein. Du solltest dich beruhigen und DANN mit ihr reden. Lass es dir von ihr erklären." Faith lehnte sich etwas näher und ließ ein beruhigendes Grinsen auf ihrem Gesicht erscheinen. „Das hier ist schwer für dich, weil du so verdammt dickköpfig bist - hör nicht nur hin, sondern hör ihr auch wirklich zu."

„Ich hab zugehört," protestierte Kennedy.

„Oh ja?" fragte Faith rhetorisch, aber mit einem Lächeln. „Das bezweifle ich."

„Du warst nicht dabei. Du ..."

„Lass mich raten ... sie hat dir von dem Spruch erzählt. Du bist eingeschnappt. Sie ist eingeschnappt und du sahst, wie sich ihre Lippen bewegt haben, aber in deinem Kopf hast du schon nach einer passenden Retourkutsche gesucht? Hab ich Recht oder nicht?"

Kennedy sagte nichts, sondern kreuzte nur die Arme vor ihrer Brust.

„Schau, geh spazieren, kühl dich ab und dann red mit ihr. Finde heraus, warum es so wichtig ist für sie. Und geh nicht gleich in die Defensive, wenn sie es dir erklärt," gab Faith als Ratschlag.

„Und das gerade von dir," murmelte Kennedy.

„Ja, ich weiß. Ich hab meine eigenen inneren Wände. Aber umso mehr Geduld Robin mit mir zeigt, umso leichter wird es. Nicht nur mit ihm, sondern auch bei anderen." Faith lachte sarkastisch. „Die Tatsache, dass ich Andrew noch nicht umgebracht habe, beweisst das wohl. Schau genauer hin, okay? Und denk auch an Folgendes ... bist du wirklich so sauer, weil es bei dem Spruch um Sex geht oder hat es mehr damit zu tun, dass du verletzt bist und erschrocken und vielleicht auch ein wenig unsicher über deine Beziehung mit Willow? Sei ehrlich mit ihr, aber noch wichtiger, sei ehrlich mit dir selbst, Kennedy."

Kennedy schaute Faith einen Moment lang an. Dann stand sie auf und ging langsam raus ohne sich weiter um ihre kalte Suppe zu kümmern.

Cut to
Int.
Willows Wohnung - Zur gleichen Zeit

Willow schaute in Xanders hoffnungsvolles Gesicht. Ihr eigenes Gesicht verzog sich langsam und ihre Augen füllten sich mit Tränen.

„Nein, Xander," sagte sie. „Das kann ich nicht."

„Was meinst du, du kannst nicht?" sagte er. „Du hast Buffy zurück geholt. Warum nicht Anya? Sie wurde von Dämonen umgebracht, also war ihr Tod nicht natürlich, richtig? Es ist nicht wie bei Joyce und nicht ... nicht wie ..."

„Es ist nicht dasselbe, Xander," sagte Willow. Sie streckte eine Hand nach seiner aus, aber er zog sie scharf zurück. „Ich ... ich kann einfach nicht."

„Du meinst, du willst nicht!" sagte er bitter. Er sprang auf und ging auf und ab. „Was ist? Du hast es nicht geschafft, deine Liebhaberin zurück zu holen, also kriegt auch niemand sonst eine Chance? Ist es das, Willow?"

Willow öffnete den Mund, aber schloss ihn schnell wieder und atmete tief durch um den aufsteigenden Zorn über seine Bemerkung zu beruhigen.

„Xander," setzte sie an. „Ich konnte es nicht, weil es Taras Zeit gewesen war. Genau wie bei Anya. U-und die Wahrheit ist, sie ist an einem besseren Ort ... ich habe einen Menschen aus dem Himmel gerissen und ich werde es nicht wieder tun."

„Nein," sagte er. „Das ist Mist, Willow. Warum? Nur weil sie schon tausend Jahre da war, war es ihre „Zeit"? Sie hätte es verdient, ihr normales menschliches Leben zu genießen, Willow. Sie hatte eine Chance verdient."

„Sie hatte diese Chance gehabt," sagte Willow, stand auf und ging zu ihm hin. Er zog sich in das Wohnzimmer zurück, als fürchte er ihre tröstende Nähe. „Sie hatte sogar eine zweite Chance als D’Hoffryn zustimmte, sie ein zweites Mal aus der Pflicht eines Rachedämons zu entlassen."

„Oh, und das ist es?" fragte er. „Nur ein Wunsch frei von Willow der Großen?"

„Nein, das ist es nicht!", sagte Willow, die jetzt doch ärgerlich wurde. „Ich hätte den Schwertstreich für sie genommen und du weißt es, Xander. Jeder von uns wäre für die anderen gestorben. Aber es hat sich so ergeben, dass Anya für uns gestorben ist. Sie ist von uns gegangen, Xander. Das ist nicht fair, das ist nicht richtig und es wird für eine sehr, sehr lange Zeit schmerzen."

Xander ließ sich auf das Sofa fallen und hielt den Kopf in seinen Händen. „Es tut so weh, Willow," weinte er. „Es tut so schrecklich weh."

Willow setzte sich neben ihn und hielt ihn, bis er sich endlich unter Kontrolle hatte. Ihre eigenen Tränen netzten sein Hemd während sie ihren Kopf an seiner Schulter liegen hatte.

„Tut mir Leid," schniefte er und wischte über sein Gesicht. „Ich bin so müde vom Heulen, Willow."

„Dein Geheimnis ist bei mir sicher," sagte sie und lächelte ihn an, obwohl ihr Schmerz dem seinen gleich kam. „Ich werde besonders darauf achten, dass Andrew es nicht rauskriegt, denn wenn er wüsste, dass du auch eine sensible Seite hast, würden wir andauernd davon hören. Als meine Jägerin das Video versteckt hat, in dem er deine Fähigkeiten im Fenster reparieren anpreist, habe ich nur so getan, als würde ich mit ihr schimpfen."

Xander lachte sarkastisch. „Ich fürchte meine Tage im Fenster reparieren sind vorbei," seufzte er. „Hab versucht einen Job zu bekommen, aber ich bin nicht gerade Arbeitgebers Traum und dazu kommt noch die fehlende Tiefenschärfe. Mein Daumen war es echt Leid, immer vom Hammer getroffen zu werden. Weißt du, ich habe geholfen eine Millionen Dollar teure Schule zu errichten, aber inzwischen kann ich nicht einmal mehr ein Vogelhäuschen basteln. Wie pathetisch ist denn das, Willow ? Mal ehrlich?"

„Xander," sagte Willow und rutschte ein wenig auf dem Sofa zurück um ihm ins Gesicht sehen zu können. „Ich ... es tut mir Leid, dass ich Anya nicht für dich zurückbringen kann, aber es gibt etwas anderes, dass ich für dich tun kann."

„Schau, Willow," sagte er und hielt seine Hand hoch. „Ich weiß ich könnte immer ein Heim und einen Job hier bei dir haben, aber wir schon darüber gesprochen. Ich ..."

„Nein, Xander." Willow schüttelte den Kopf. „Kein Job, kein Heim, aber ich bin froh, dass du weißt, dass du hier jederzeit eine offene Tür findest. Nein, ich meine ... ich kann dir helfen, Xander."

„Mir helfen? Willow, du hast mir schon mehr Geld gegeben als ich in drei Lebensspannen ausgeben könnte," sagte er.

„Nein!" sagte sie, offenbar mehr frustriert über ihre vergeblichen Kommunikationsversuche als sein Missverstehen. „Ich kann dich heilen, Xander. Ich kann dir helfen, dein Auge zurück zu bekommen."

Xanders einzelnes Auge blinzelte vor Überraschung. „Was?" fragte er. „Du kannst was? Oh! Warte. Nein, auf keinen Fall. Nein danke."

„Warum nicht? Xander ..."

„Ich will nie wieder die schwarzäugige Will sehen. Ich will dich nicht wieder auf diese Bahn schubsen."

„Nein, Xander." Sie schüttelte den Kopf. „Es ist keine Schwarze Magie. Es ist eher das Gegenteil. Es ist eigentlich auch mehr ein Ritual als ein Zauberspruch," sagte sie. „A-aber der Heilspruch ist Teil des Rituals."

„Warum ein Ritual?" fragte er.

„Um den Segen der Göttin und des Gottes zu erbeten," erklärte sie. „Ohne ihren Segen gibt es auch keine Heilung."

„Aber du musst dabei noch einen Spruch machen?" fragte er. „Und keine Schlangen oder abgetrennte Haut, richtig?"

Willow grinste. „Keine Schlangen oder Abtrennung," versprach sie. „Und es ist eh mehr als ob du den Spruch machst, ich helfe nur dabei die Energie zu sammeln und zu steuern, die deinen Körper heilen soll."

„Okay, aber wie sammeln wir diese Energie?" fragte er.

„Nun, ja ... öhm ... ja, das ist der Haken," stotterte sie.

„Haken?" fragte er. „Dieser Ausdruck gefällt mir aber gar nicht."

„Uhm ... du erinnerst dich, wie du über Tara und mich wegen unserer „Sprüche" gelästert hast?" fragte sie und er nickte mit einem Anflug von einem Grinsen im Gesicht. „Nun, das ging dabei nicht nur um Rumfummelei. Okay, klar, oft schon," gestand Willow mit rotem Gesicht. „Aber niemals während einem Ritual. Tara hat das sehr ernst genommen u-und wir haben solche Magie nur gemacht, wenn es wirklich nötig war. Genauso wie es jetzt nötig ist dein Auge zu heilen u-und ..."

„Will, stopp," sagte er. „Wovon redest du? Was für eine Art Magie?"

„Sex," antwortete sie leise. „Für den Spruch ist es nötig, dass wir die Energie der Erde sammeln und durch deinen Körper in meinen kanalisieren, von wo ich es zurückschicke um dein Auge zu regenerieren. Sex ist die einzige Möglichkeit, die stark genug ist um so viel Energie zu sammeln u-und wir ... und wir brauchen diese Verbindung, damit ich den Fluss st-steuern kann. Okay?" sagte sie und lächelte ihn an.

„Wart ne Sekunde," sagte er und schloss das Auge. „Muss mir das nur eben visuell vorstellen."

Willow grinste schwach als eine Reihe verschiedener Emotionen über sein Gesicht huschte. Schließlich öffnete er das Auge und sagte, „Oh Junge, ich denke nicht."

Willow ließ langsam die Luft raus. „Komisch," murmelte sie. „Das ist das Gleiche, das Kennedy sagte als ich es ihr erklärt habe."

„Wusste immer, dass sie ein kluges Mädchen ist, Will," sagte er und stand auf. „Also werde ich das Ganze hier vergessen und weitermachen. Danke für das Essen und ich werde ..."

„Xander, warte," sagte sie und stoppte ihn, bevor er die Tür erreichen konnte.

„Schau, Willow, ich bin geehrt, dass ich immer noch so viel Sexappeal habe, aber ..."

„Pack dein männliches Ego in den Schrank, Xander Harris!" Willow kochte. „Wenn ich dich wollte, dann würde ich das anders machen u-und glaub mir, du hättest nicht den Hauch einer Chance - ich bin nicht mehr das schüchterne kleine Mädchen mit dem Computer, das ich einmal war."

„Nein," stimmte er ihr sanft zu. Er nahm ihr Gesicht in seine Hände und drückte einen zarten Kuss auf ihre Stirn. „Du bist eine unglaublich schöne und sinnliche Frau, aber du bist noch immer meine Willow und ich könnte nie ..."

„Warum denken Männer und Jägerinnen eigentlich nur unterhalb der Gürtellinie," fragte Willow mit einem stillen Grinsen.

„Erwartest du darauf eine Antwort?"

„Nein." Sie verdrehte die Augen und nahm dann seine Hand um ihn zum Sofa zurück zu führen. „Jetzt sitz," forderte sie ihn auf. „Okay, lass mich raten. Du hast Angst, dies könnte unsere Freundschaft ruinieren, und dein Auge zurück zu bekommen wäre das nicht wert, richtig?"

„Siehst du?" sagte er und warf seine Hände in die Luft. „Schön, sinnlich und auch noch clever."

„Ich werde dich nicht anlügen, Xander," sagte Willow. „Es wird die Dinge zwischen uns ändern, aber es wird uns nicht zerstören. Wenn ich das nur für eine Sekunde gedacht hätte, hätte ich es nie vorgeschlagen."

„Aber wie du sagtest, Will, es wird die Dinge ändern und ich bin glücklich darüber, wie wir sind," protestierte er.

„Es bedeutet ja keine Änderung zum Negativen, Xander," sagte sie. „A-aber es wird uns einander noch näher bringen - unsere Freundschaft auf einen neuen Level anheben, aber nicht die Grundlage unserer Freundschaft verschieben. Wir werden kein Liebespaar werden, denn ... hallo, ich bin lesbisch."

„Okay, hier habe ich ein Problem," sagte er. „Du bist lesbisch. Ja, ich weiß von Oz, dass das, was ihr hattet, gut war ..." Sie zog eine Augenbraue hoch. „Oh! Nein! Oz hat nie etwas gesagt ... er war ein totaler Gentleman, okay? Was ich nur meine ist, sobald du die Seiten gewechselt hattest, hast du dich nie wieder umgeschaut."

„Du hast Recht, das habe ich nie getan," sagte sie. „Glaub mir, ich bin sehr sicher und sehr zufrieden mit meiner Sexualität. Dies ist keinerlei Bedrohung dafür."

„Aber ...," sagte Xander und verzog das Gesicht. „Aber bedeutet das nicht, wenn wir ... du und ich ... du mit einem Mann ... es wird nicht ... du weißt schon ... für dich?"

„Du denkst schon wieder unter der Gürtellinie, Xander," seufzte Willow und schaute einen Moment zur Seite um eine taktvolle Möglichkeit der Erklärung zu finden. „Ich werde kein Problem damit haben. Es ist Teil dessen, was mich als Wicca-Priesterin ausmacht. „The Charge of the Goddess", einer der heiligsten Texte des Wicca, sagt: „Alle Akte der Liebe und des Vergnügens sind meine Rituale." Wenn der Spruch weniger wäre als das, dann wäre es ... ein Greuel für die Götter und sie würden uns niemals ihren Segen dazu geben."

„Also," fragte er und zeichnete dabei mit den Fingern Bilder in die Luft als würde es ihm das Denken erleichtern. „Auch wenn dies nur ein ... ein Mechanismus ist um mein Auge zu heilen, so ist es doch auch ein Akt der Liebe? Und du wirst ...? Und ich werde ...? Und wir werden ...?"

„Ja," sagte sie und nickte ihm zu.

Mit einer nervösen Hand wischte er sich über das Gesicht. „Oh Junge," sagte er. „Ich dachte, du warst diejenige, die sagte, es würde kein Rumgemache mehr geben?"

„Stimmt," sagte sie. „U-und dies ist kein Rumgemache. In dieser Sache wird es kein Rumgemache geben. Und außerdem, wir haben das Rumgemache überlebt ... das sollte diesmal einfach wie Nichts sein."

Xander hob ungläubig seine Augenbrauen.

„Okay, vielleicht nicht ganz so einfach. Aber zumindest arbeiten wir diesmal nicht auch noch mit der ganzen Angst von Teenagern."

„Bis du sicher, dass dies funktioniert, Will?" fragte er nach einem Augenblick der Besinnung. „Ich meine, yeah, ich bekomme mein Auge zurück ... wow, aber zu welchem Preis? Ich meine, Magie hat doch immer einen Preis, richtig?"

„Erneut, ich werde dich nicht anlügen, Xan," sagte sie. „Es gibt keine Garantie, dass dies funktionieren wird. Aber wenn, dann ja ... Geschenke der Götter kommen normalerweise mit einem Preisschild, aber du hast so viel für diese Welt getan, dass ich denke, dass der Preis nichts sein wird, was du und ich nicht zahlen können."

„Dies ist also nicht nur Magie, oder?" fragte er.

„Nein," sagte sie. „Es ist genauso mächtig wie das, was wir für Buffy getan haben, aber ... natürlicher, nicht erzwungen und ohne all die Unannehmlichkeiten. Ich wiederhole, keine Schlangen."

„Wow," sagte er und schaute auf seine Hände. „Ich ... ich weiß nicht, Will. Ich meine, ich denke, ich versteh alles, was du sagst, aber ..."

„Würde es dir helfen, mit jemand anderem zu reden?" fragte sie. „Giles, meine ich."

„Er weiß davon?" fragte er.

„Ja," sagte sie. „Er hilft mir schon eine ganze Weile bei meinen Nachforschungen. Ich bin schon seit LA damit beschäftigt."

Xander drückte Willows Hände in einer Geste des Dankes und schaute kurz so aus, als würde er erneut in Tränen ausbrechen, aber er riss sich zusammen. „Aber was ist mit Kennedy?" fragte er. „Ich bin dankbar, dass du mir helfen willst, aber nicht für den Preis, dass eine von euch damit nicht klar kommt."

„Ihre Reaktion war nicht gerade positiv, aber sie versteht den ganzen Prozess noch nicht," erläuterte Willow. „Aber ich werde noch einmal mit ihr reden und es wird klar gehen."

Xander begann den Kopf zu schütteln. „Ich bin nicht sicher," sagte er ihr erneut. „Ich möchte eure Beziehung nicht zerstören, Will. Ich erinnere mich, wie du drauf warst bevor Kennedy ankam. Du hast nicht einmal gedacht, du könntest weitermachen, aber sie ..."

„Nein," entgegnete Willow. „Ich hatte mir diese Illusion in den Kopf gesetzt, dass Tara eines Tages zurückkehren würde. Aber ja, du hast Recht, Kennedy ist da durchgebrochen und hat mir geholfen, mich selbst wieder zu finden. Ich werde ihr dafür ewig dankbar sein u-und mit etwas Zeit, denke ich, wird sie verstehen, warum ich das hier mache."

„Aber du weißt es nicht sicher," argumentierte er.

„Bitte, Xander ... lass Kennedy meine Sorge sein, nicht deine. Was immer du entscheidest wird keinen Einfluss haben auf meine Beziehung zu ihr."

„Nein," begann Xander. „Aber vielleicht auf ihre Beziehung zu dir."

„Ich bin bereit, das zu riskieren," beharrte Willow. „Ich weiß, wo ich mit dir stehe u-und mit ihr. Es wird sich alles ergeben. Ich denke, du weißt auch, dass dieses Ritual nur das ist - ein Ritual und nicht mehr. Es ist also am Ende deine Entscheidung."

„Meine Entscheidung?" fragte er.

„Natürlich!" rief sie aus. „Die Zeiten, wo ich Zauber auf unwissende Opfer gesprochen habe sind vorbei, Xander. Nun, unwissende Freunde heißt das," frozzelte sie. „Aber sprich mit Giles. Er kann dir eine mehr ... maskuline Sichtweise bieten."

Xander grinste schief und nickte.

Fade Out

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Int.
Rat der Wächter, Lounge - Später Nachmittag

Willow und Xander kamen in die große und komfortable Lounge, wo sie Giles und Rowena vorfanden, die lässig auf der Couch saßen und zum großen Fernseher hinschauten.

„Wow, Will," witzelte Xander. „Nun weiß ich, dass wir auf einem Höllenschlund sind, wo die seltsamsten Dinge passieren. Giles schaut Fernsehen."

„Oh bitte." Giles rollte die Augen. „Wenn du für einen Moment hinschauen würdest, Xander, würdest du feststellen, dass wir eine Dokumentation sehen über das Paarungsritual des San-Stammes in Afrika."

„Ja," nickte Rowena. „Und es hat ihn nur zehn Minuten gekostet, um eine weniger peinliche Sendung zu finden, für den Fall das jemand hereinkommt." Damit griff sie nach der Fernbedienung und schaltete wieder um. Der Bildschirm wechselte sofort zu „Judge Judy".

„Spielverderberin," murmelte Giles.

„Ihr hättet ihn vor zehn Minuten sehen sollen, als sie einen Kerl so richtig runtergeputzt hat. Er hat sie lautstark angefeuert," fügte Ro an und nickte in seine Richtung.

„Hab ich nicht," protestierte Giles. „Sehr laut."

Xander brach in Gelächter aus. „Oh ich mag sie. Wo habt ihr sie aufgetrieben?" fragte er Willow.

Willow zuckte mit den Schultern. „Sie ist eine Streunerin - erschien eines Tages auf unserer Treppe und seitdem sind wir sie nicht mehr losgeworden."

„Die Beschreibung passt irgendwie," erwiderte Rowena mit einem Grinsen.

Willow grinste ebenfalls, bevor sie ihre Arme kreuzte, den grünen Ordner unter ihrem Arm etwas verschob und Giles für einen Moment anschaute.

„Giles, du bist dran," rief Willow ihn mit ihren Gedanken an.

Seine Aufmerksamkeit sprang schnell zu ihr und sein Gesicht verlor kurz jeden Ausdruck. Willow nickte ganz leicht in Xanders Richtung.

„Richtig," sagte er und stand auf. „Schnapp dir deine Jacke, Xander. Lass uns eine Spritztour machen. Ich liebe es mein neues Auto vorzuführen."

„Nicht wieder ein rotes, glitzerndes Importauto in der Form eines Phallus" fragte Xander.

„Erh, nein," stammelte Giles.

„Dies ist silbern," stichelte Willow hinter vorgehaltener Hand zu Xander.

„Das hab ich gehört!" zischte Giles zu Willow, als Xander ihm aus der Lounge folgte. Sie lächelte hinter ihm her.

Rowena beobachtete Willow einen Moment, als der Rotschopf ausdruckslos auf den Fernseher starrte.

„Hab ich hier irgendwas verpasst?" fragte sie schließlich.

„Hmm?" fragte Willow abgelenkt. „Oh! Nein, nur ein kleiner Trick, den wir bei unseren Kämpfen in Sunnydale aufgepickt haben. Xander muss mit Giles reden und ich dachte, er könnte sich vielleicht unwohl fühlen in Anwesenheit einer ... sie wissen ... zu fragen."

„Einer Fremden," beendete Rowena den Satz. „Tut mir Leid, ich werde ..." sie stand schnell auf und ging zur Tür.

„Nein!" sagte Willow und stoppte die Blondine mit einer Hand auf ihrem Arm. „Nein, das ist es nicht und außerdem möchte ich dich um einen Gefallen bitten."

„Oh?" fragte sie und Willow reichte ihr den Ordner. Ro setzte sich auf die Sofalehne als sie ihn öffnete und begann, die Unterlagen darin durchzublättern."

„Xander hat noch nicht zugestimmt, aber wenn er es tut, werden wir das Ritual morgen durchführen," erklärte Willow.

„Sein Auge, nehme ich an?" fragte Ro und Willow nickte schweigend um ihr ein paar Augenblicke mehr zu geben, den Ordner zu studieren. „Faszinierend!" rief Ro aus. „Du hast den „Halderanne Kodex" modifiziert und ihn so mit dem „Lonwyth Gael Coven Ritual" kombiniert, dass etwas völlig Neues geschaffen wird."

„Ja," sagte Willow mit einem Anflug von Stolz in der Stimme. „Es war nötig, weil es sich bei Xander nicht nur um eine Verletzung handelt. Das Organ muss mystisch komplett neu kreiert werden. Xander ist kein Wiccan, aber er hat gelegentlich magische Fähigkeiten gezeigt." Ein Grinsen legte sich über ihr Gesicht. „Einmal hat er beiläufig eine Beschwörung gemurmelt und dabei ein Buch in Brand gesetzt," lachte sie.

Rowena schien in die Notizen vertieft, aber sie zeigte beim Lesen dennoch ein Grinsen. „Sehr beeindruckend," sagte Ro und schloss den Ordner. Sie wandte ihre Aufmerksamkeit wieder Willow zu. „Nun, was für einen Gefallen?"

„Für den ersten Teil des Rituals wird Giles dabei sein um Xander zu unterstützen," erklärte sie. „Ich habe mich gefragt, ob du mir wohl assistieren würdest? Ich würde gern die maskulinen und femininen Energien ausgleichen und außerdem hat Andrew noch nicht ganz das Wissen, dass du hast. Ich möchte sicher sein, dass Alles richtig läuft."

„Du glaubst nicht, dass es Xander stören würde?" fragte die blonde Wächterin. „Wir haben uns erst heute Morgen kennen gelernt und auch wenn Giles und ich nicht für das komplette Ritual anwesend sein werden ..."

„Ich denke nicht, dass es ihn stört," sagte Willow als Rowena abdriftete. „Der kleine Seitenhieb gegen Giles allein hat dir schon viele Punkte in Xanders Buch gebracht. Er ist nicht ganz der Alte, aber er respektiert immer noch Humor."

„Ich verstehe," lächelte Rowena. „Ja, es ist mir eine Ehre dir zu assistieren, Willow. Ich werde diese Unterlagen heute Abend sorgfältig studieren und morgen dann mit den Vorbereitungen beginnen," sagte sie. „Zu welcher Zeit willst du das Ritual durchführen?"

„Gegen Mittag, denke ich," sagte Willow. „Das gibt uns genug Zeit um heute Abend zu ruhen und uns fertig zu machen."

„Du sagtest, er hat noch nicht zugestimmt," bemerkte Rowena. „Geht es dabei um den Sex?"

„Teilweise," gab Willow zu. „Er ist besorgt, es könnte unsere Freundschaft ruinieren."

„Ich habe den Mann erst heute getroffen, Willow, aber nach dem, was ich gesehen habe, besitzt ihr zwei eine sehr starke Verbindung. Aber ich muss fragen ... was ist mit Kennedy?"

„Da liegt noch ein dorniger Weg vor mir," gestand Willow mit einem gequälten Blick. „Ich muss sie finden und mit ihr reden. Sie ... sie war nicht sehr glücklich mit der Idee."

„Ich bin sicher, sie wird noch damit klarkommen, Willow," versicherte ihr die blonde Wächterin. „Sie ist jung, wie die meisten Jägerinnen sehr dickköpfig, aber korrigier mich, sie scheint nicht viel von Wicca zu verstehen."

„Ich weiß," stimmte Willow ihr zu. „Und sie irren sich auch nicht. Deshalb brauche ich ihre Hilfe. Sie haben das nötige Wissen für dieses Ritual. Also danke, Ro. Für alles."

Rowena nickte und beobachtete, wie Willow aus der Lounge ging.

Fade Out

Fade In
Ext.
Hintergasse in Cleveland - Abends

Seward lehnte sich gegen den rauhen Ziegel eines Apartmenthauses. Er wartete geduldig, während Gretz mit einem verwahrlosten jungen Rumstreuner sprach, der in der nächtlichen Kälte zitterte. Gesprächsfetzen drangen von der Unterhaltung der zwei herüber zum Meistervampir, dessen Mundwinkel sich amüsiert hochzogen als die Lügen und Versprechungen, die Gretz benutzte, immer abgedrehter wurde. Letztendlich kamen die beiden zu ihm hin.

Der Teenager schaute Seward unruhig an. „Sind Sie ein Cowboy oder so?" fragte er.

„Bist du ein Pony?" schnurrte Seward als Erwiderung.

Der Junge zuckte nur mit den Schultern. „Ja, was auch immer," sagte er. „Will nur heute Nacht von der Straße weg, wissen Sie. Temperatur geht runter wie verrückt."

„Natürlich," sagte der Vampir beruhigend. „Und ich brauche nur vorher eine Kleinigkeit als Ausgleich." Damit legte er einen Arm um den Jungen und führte ihn tiefer in die Schatten.

Gretz klappte den Mantelkragen hoch und zündete sich eine Zigarette an. Als er auf seinen Meister wartete, hörte er leise Schritte in die Gasse kommen.

„Gretz," sagte die Frau und trat in den dünnen Lichtschein, der aus einer Wohnung im Erdgeschoss kam.

„Hey," erwiderte der Handlanger. „Was ... was ist los?" Er schaute nervös nach hinten, von wo man die Geräusche hörte, die sein Meister beim Aussaugen machte.

Die Teilzeit-Immobilienmaklerin ignorierte die Frage. Er paffte nervös an seiner Zigarette, die Glut an der Spitze leuchtete gelegentlich in einer leichten Brise auf, die durch die Gasse wehte. Schließlich hörte Gretz ein dumpfes Geräusch, als der Körper des Jungen zu Boden fiel und Seward kam zurück.

„Bonnie," sagte er jovial und wischte sich sorgfältig die Lippen mit einem Tuch ab. „Welchem Umstand verdanken wir das Vergnügen?"

„Ich schaue nur, ob Sie den Regeln folgen, Seward," erwiderte sie.

„Natürlich," entgegnete der Vampir und sein Handlanger erschauerte beim sarkastischen Klang seiner Stimme. „In einer Nacht wie dieser sollte ich von Clevelands Elite dinieren, aber stattdessen bin ich dazu verdammt, am Abschaum der Gesellschaft rumzusaugen."

„Richtig und ich möchte Sie nur daran erinnern, dass Sie weiter vorsichtig sind," sagte sie. „Besonders in den nächsten Wochen. Der Ingenieur muss einen sehr wichtigen Test durchführen und wir können es uns nicht leisten, dass ein hungriger Mob von Vampiren rumrennt und für Aufsehen sorgt."

„Und was sollen wir tun?" knurrte Seward. „In unseren Verstecken sitzen und hungern, während das Präsidium oh so fröhlich an seiner eigenen Agenda arbeitet?"

„Sie werden kompensiert werden," sagte sie. „Ich werde Ihnen morgen eine Lieferung von der Blutbank zukommen lassen. Das wird für eine Weile reichen."

„Tütenblut?" Wütend griff er nach ihr. „Sie nennen diesen kalten Ersatz Kompensation? Vielleicht möchten Sie mit uns zurückkommen und wir ernähren uns eine Weile von Ihnen. Sie sind zwar ein Dienstbote, aber Sie sind nur ein Mensch."

„Nicht einmal Sie würden es wagen, Seward." Bonnie spuckte aus und zog ihren Arm aus seinem Griff. „Seien Sie einfach ein guter Junge und tuen Sie, was man Ihnen sagt." Damit drehte sie sich auf dem Absatz um und schritt aus der Gasse.

Sewards Augen verengten sich einen Moment, während er nachdachte. Schließlich wies er mit dem Kopf auf die Leiche. „Kümmer dich darum," befahl er Gretz und ging schnell weg.

Fade Out

PART TWO