
Dritter Akt
Fade In
Int.
Giles’ Auto – Abends
Xander starrte aus dem Fenster auf die vorbeihuschenden Häuser. Giles schaltete kurz hoch und dann wieder zurück als er an eine Ampel heranfuhr.
„Ich-ich fürchte, die Straßen in der Stadt sind nicht wirklich ein guter Ort um zu zeigen, was dieses hervorragende Fahrzeug zu leisten vermag," sagte Giles und schaute zu dem stillen jugen Mann hinüber. „An meinen freien Tagen mache ich manchmal eine längere Tour, aber es ist nicht das Gleiche wie in Kalifornien. Keine Weinberge an den Straßen."
Xander murmelte nur ein leises „uh huh" als die Ampel auf Grün sprang. Giles seufzte. „Oh um Himmels Willen, Xander, spiel wenigstens mit dem Radio."
„Radio?" fragte Xander und schaute endlich seinen Begleiter an.
„Ich kann nicht glauben, dass du in diesem Auto sitzt u-und nicht mit einem einzigen Schalter rumspielst," sagte er.
Xander zuckte die Achseln. „Gibt es hier nen Ort, wo man ein Bier trinken kann, Giles?" fragte er. „Es ist ein tolles Auto, aber ich bin in der Stimmung für eine ... weniger beengende Umgebung."
Giles nickte und bog an der nächsten Kreuzung links ab.
Fade Out
Fade in
Int.
The Oak Room Pub – Abends
Der Pub war dunkel und ruhig. Einige Besucher saßen an der Bar und schauten sich auf dem Fernseher in der Ecke ein Cricket Match an. Im Hinterzimmer hielt die örtliche Dart-Liga ihr wöchentliches Treffen ab und gelegentlich drang Jubel zu Giles und Xander nach draußen. Sie saßen sich an einem kleinen Tisch in einer Nische gegenüber. Ein großer Union Jack über dem Eingang markierte diesen Pub deutlich als Treffpunkt für Briten. Nachdem die Kellnerin zwei große Gläser auf dem Tisch abgestellt hatte, griff Xander sich eines der gekühlten Getränke und kippte fast ein Drittel im ersten Schluck hinunter. Giles nickte der Bedienung einfach nur zu und nippte an seinem Guiness.
„Keine Ahnung wie du das warme Zeug vertragen kannst," sagte Xander.
„Es ist gewöhnungsbedürftig," sagte Giles und zögerte dann einen Moment. „Hat Willow dir das Ritual erklärt?" fragte er.
Xander nickte. „Die generelle Idee, ja," erwiderte er. „Ich bin sicher, es ist deutlich komplizierter als sie es einem magischen Dummkopf wie mir erklären würde."
„Das bist du ja wohl kaum, Xander," sagte Giles. „Du hast eine überraschende Menge an angeborenen Fähigkeiten und auch ein klein wenig Erfahrung."
„Wird es klappen, Giles?" fragte er, das Kompliment ignorierend. „Kann Willow wirklich ein Auge ersetzen? Ich meine, dass ist ziemlich heftiges Zeug. Sie sagte, es wäre keine Schwarze Magie, aber wie wissen wir ...?
„Es gibt keine Garantien, aber mit Willows jetzigen Fähigkeiten," Giles machte eine kurze Pause. „Ich wäre besorgter, wenn es nicht funktioniert. Und du hast Recht, es ist sehr mächtige, aber keine Schwarze Magie. Ich habe es genau studiert und es ist das natürlichste Ritual der Heilung, das ich je gesehen habe."
„Scheint aber nicht natürlich zu sein," schnaubte Xander. „Sex und Anbetung passen einfach nicht zusammen, Giles. Ich meine, welche Religion befürwortet Sex wie diesen? Und warum habe ich davon nicht eher gewusst?"
Giles versuchte ein Grinsen zurück zu halten. „Nun, du kannst nicht nur für die ... Boni ... praktizieren. Wicca hat seine Wurzeln in Traditionen und Praktiken von sehr alten Formen der Anbetung; viel älter als die judeo-christlichen Religionen, mit denen du vertraut bist, Xander," erklärte er. „Und daher sind seine Anhänger nicht beschränkt durch die ... die negative Verbindung von Sex mit der Erbsünde."
„Also Sex ist ein Teil der Religion?" fragte Xander.
„In hohem Maße," sagte Giles. „Wiccan feiern Natur und Leben und all die wundervolle Freude und das Vergnügen, die sie bieten. Der Wicca Feiertag Beltaine im Mai ist eine freudige Zeit für die Wiederbelebung von Sinnlichkeit und Sexualität, das Wiedererwachen der Natur nach dem Winter."
„Warum hatten wir nie solche Feste als ich aufgewachsen bin?" fragte Xander lachend.
„Haben wir," sagte Giles. „Es nennt sich Erster Mai. Xander, der Punkt ist, Wiccan gehen nicht in Schuld und Sünde auf, sie ziehen ihre Freude aus dem Ausdruck menschlicher Passionen."
„Und das ist es, woran Willow jetzt teilnimmt?" fragte Xander etwas erstaunt.
„Das ist es, wo sie reinwächst," erklärte Giles und nippte an seinem Bier. „Willow versucht jetzt so hart dem rechten Pfad zu folgen. Sie hat erkannt, dass ihre Suche nach Macht sie so tief in die Dunkelheit geführt hat, dass die meisten anderen Menschen nicht daraus hätten zurückkehren können. Aber sie ist so unglaublich stark, dass sie es geschafft hat. Sie wird für immer diese Dunkelheit in sich tragen, aber indem sie dem Weg des Wicca folgt, kann sie lernen sie mit dem Licht zu balancieren. Du wirst ihr auf ihrem Pfad ebenso sehr helfen, wie sie dir helfen wird, Xander."
Der dunkelhaarige Mann schaute abwesend Richtung Hinterzimmer, als von dort lauter Jubel aufbrandete.
„Sie wirkt jetzt so anders, Giles," sagte Xander als er sich schließlich wieder dem Wächter zuwandte. „So zuversichtlich und selbstsicher." Xander wirkte fast in Panik. „Ich meine, was wenn ... was wenn wir diese Linie überschreiten und ich bin nicht in der Lage, zur alten Situation zurückzukehren? Ich sage nicht, dass dem so sein wird, aber ... Ich will die Dinge nicht verschlimmern, Giles."
„Das wirst du nicht, Xander," sagte Giles bestimmt. „Diese Sache wird deine Beziehung zu Willow für immer verändern, aber ich denke du unterschätzt dich selbst u-und vor allem Willow. Kann ich etwas fragen?" Giles wartete gar keine Antwort ab. „Kannst du dich an eine Zeit erinnern, als Willow nicht ein Teil deines Lebens war?"
Xander grinste leicht. „Nein."
„Und kannst du es dir vorstellen, dass Willow einmal nicht Teil deines Lebens sein wird?"
Xander schüttelte seinen Kopf.
„Warum sollte sich das dann ändern?" fragte Giles.
Schweigend dachte Xander lange darüber nach, dann lachte er. „Nun, ich glaube, du hast Recht, Giles," sagte er.
„Ihr werdet mit diesen Dingen umgehen, wie ihr beide es immer gemacht habt. Du weißt tief in deinem Herzen, dass du Willow liebst, aber diese Liebe nicht die Grenzen der tiefen Freundschaft miteinander überschreitet. Denk immer daran - Liebhaber kommen und gehen in unserem Leben, aber eine Freundschaft wie eure kann ein ganzes Leben halten. Du weißt, dass Willow immer für dich da sein wird. Du weißt es, weil du immer für sie da sein wirst, ist es nicht so?"
Xander nickte.
„Es ist eine berechtigte Sorge, Xander," sagte Giles. „Aber ich denke nicht, dass etwas passieren wird. Ich kenne euch zwei seid sehr langer Zeit u-und ich habe euch beide sowohl in harten Zeiten erlebt a-als auch ... nun, in Sunnydale ... in noch härteren. Ich weiß, ihr werdet es schaffen."
Schweigen fiel wieder über den Tisch. Xander starrte in seinen Krug, inzwischen schon fast geleert. „Was soll ich tun, Giles?" fragte er. „Ich meine, während des Rituals?"
Giles holte tief Luft. „Ich werde das Ritual heute Abend mit dir durchgehen und dir erklären, was du sagen musst. Es ist nicht viel. Und morgen werde ich dir beibringen, wie du ein rituelles Bad nimmst und meditierst, aber das ist mehr zu deiner Beruhigung gedacht als alles andere."
Xander lachte bitter. „Ruhe, richtig. Sehr gut," sagte Xander. „Ich meinte, was soll ich während des Rituals machen?"
Xander schaute vielsagend zu Giles, der verlegen hüstelte. Giles öffnete den Mund, schloss ihn wieder und merkte dann, dass er die Sache so nicht besser machte, weshalb er herzlich lächelte. „Du machst einfach, was sich natürlich ergibt, Xander."
„Du sagst, ich müsse nicht viel sagen, aber was sollte ich nicht sagen? Und ... und soll ich einfach da liegen, während ..." Xander stoppte.
„Xander, nachdem wir dich und Willow allein gelassen ..."
„Wir?" fragte Xander mit großen Augen. „Wer ist wir? Du wirst dabei sein? Giles, es ist schon schlimm genug, dass ich mich vor meiner besten Freundin nackt ausziehen muss, aber vor dir auch?"
Giles seufzte, nahm die Brille ab und fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht. „Nein, Xander, wir werden nur für den ersten Teil des Rituals anwesend sein. Willow wird wahrscheinlich Rowena bitten, ihr zu assistieren, da die Mitglieder ihres Zirkels noch nicht erfahren genug sind. Sie wird Willow helfen, den Kreis zu schaffen, dann wirst du den Kreis betreten und Rowena und ich werden den Raum verlassen. Und alle werden Roben tragen."
„Oh," sagte Xander nachdenklich. „Also bist du irgendwie mein Sekundant, richtig? Wie in diesen alten Filmen, wo ein Typ zu einem Duel gefordert wird und er fragt seinen besten Kumpel sein Sekundant zu sein und ihm mit dem Schwert oder der Pistole zu helfen und für den Fall, dass tatsächlich Blut fließt. Richtig?"
„Nun, trotz der Xandersprache beschreibt es die Sache ziemlich gut," grinste Giles. „Aber, um auf dein ursprüngliches Problem zurück zu kommen, sobald du allein bist mit Willow bist du frei zu sagen, was du möchtest, selbst Witze zu machen. Hab keine Angst davor etwas Falsches zu sagen. Wie ich schon sagte, Wicca finden Freude in allem, was sie tun ... selbst den Ritualen."
„Und ... und der andere Teil?"
Giles atmete erneut tief durch. „Sie wird dich führen, Xander," antwortete er schließlich. „Aber nein, es ist keine einseitige Sache. Du kannst sie b-berühren und fühlen und - erneut - machen, was dir natürlich erscheint."
„Und was ist mit ...? Ich meine ..." Xander unterbrach, unsicher wie er diese nächste Frage stellen sollte. „Muss ich auf dem Rückweg zum Rat einen Halt beim Drugstore machen? Keine Aussicht auf einen unglaublich hübschen Sohn mit braunen Augen, roten Haaren und beeindruckenden Computerkenntnissen, hoffe ich?" witzelte Xander nervös.
„Willow wird sich um alles kümmern. U-und ich kann dir versichern, es wird absolut sicher sein," antwortete Giles.
Xander nickte und schaute für eine Minute auf seine Hände. Giles beobachtete ihn einfach und gab dem jungen Mann ruhig die Zeit, die er brauchte. Xander kratzte sich unbewusst die Wange unter der Augenklappe.
„Und hinterher werde ich wieder beide Augen haben?" fragte Xander und Giles nickte. „Was für einen Unterschied wird es machen, Giles? Anya wird immer noch tot sein. Meine Heimatstadt ist weiterhin nur ein großes Loch im Boden. Meine Freunde sind über die ganze Welt verstreut. Was soll ich dann tun?"
Giles schaute ihn traurig an. „Das liegt an dir, Xander," sagte er leise. „Willow möchte dir eine Chance geben, dass zu tun, was du liebst. Was du nach diesem Punkt entscheidest, ist komplett deine Sache." Giles zögerte kurz und fragte dann, „Bist du bereit, dieses Geschenk anzunehmen?"
Xander schaute ihn an und rieb sich mit der Hand über das Gesicht.
Fade Out
Fade In
Int.
The Alcove – Abends
Kennedy saß tief zusammengesackt in der alten roten Ledercouch, die vor einer schwarz angemalten Wand stand, und trank gelegentlich aus ihrer Wasserflasche. Die große Bar war dunkel und rauchgeschwängert und das dumpfe Hämmern der Bässe gab den Rhythmus vor für die Frauen, die im Licht der bunten Scheinwerfer tanzten. Kennedy schaute auf, als eine gutbestückte Gestalt in engen Lederhosen und einer halbgeöffneten Jeansjacke über einem knappen T-Shirt sich neben sie auf das Sofa pflanzte.
„Kein Interesse," murmelte Kennedy.
„Yeah, als ob ich mich anbieten würde," schnaubte Faith. „Ich freu mich auf ein süßes Wiedersehen mit meinem Schatz am Wochenende. Ich kann warten." Kennedy beobachtete, wie Faith ihre Hände aneinander rieb, offensichtlich in Vorfreude.
„Streife okay?" fragte Kennedy und ignorierte die Bemerkung der anderen Jägerin.
„Durchschnitt," sagte Faith. „Rachel wurde von drei Neulingen überrascht, aber sie hat den Überblick behalten und zwei erledigt, während ich den dritten gepflöckt habe."
„Cool," kommentierte Kennedy abwesend und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder der Tanzfläche zu. Nach einem Moment drehte sie sich zurück zu Faith. „Woher wusstest du, wie du mich finden kannst?"
„Wo sonst in Cleveland sollte eine liebeskranke Lesbe an einem Dienstag Abend sein?" lachte Faith. „Wenigstens ertränkst du deine Sorgen nur in Frankreichs bestem Mineralwasser."
Kennedy seufzte. „Warum sollte ich liebeskrank sein?" fragte sie sarkastisch. „Ich mein, meine Geliebte will doch nur das Richtige machen für ihren Freund. Das ist es doch was zählt, oder? Xander zu retten ... Warum sollte ich dem im Wege stehen?"
„Solltest du auch nicht," stimmte Faith ihr zu. „Willow könnte nicht weniger tun für jemanden, den sie liebt und das schließt auch dich ein. Sie hat ihre Seele riskiert um Buffy von den Toten zurückzuholen, aber ich weiß, dass sie dich nicht wegen ihrer Hilfe für Xander verlieren will."
„Sie wird es tun, egal was ich sage," schnaubte Kennedy.
„Stimmt," nickte Faith. „Wird sie. Es hängt also an dir, wie es zwischen euch weitergeht. Aber bevor du dich entschließt, deine Beziehung zu ihr wegzuschmeißen, denk auch an Folgendes ... Ich war dabei in der Nacht, als Xander verletzt wurde. Er blieb da, um deinen Arsch zu retten. Wenn er das nicht getan hätte, hätte er sein Auge noch. Und was wäre dann mit dir?"
Kennedy öffnete den Mund um etwas zu erwidern, dann schloss sie ihn wieder. Faith lächelte freundlich und beobachtete Kennedys Gesicht.
„Komm, Ken," sagte sie schließlich. Sie schlug der jüngeren Frau auf das Bein und stand auf. „Lass uns gehen."
Kennedy schüttelte ihren irritierten Ausdruck ab und folgte Faith aus dem Club.
Fade Out
Fade In
Int.
Willows Vereinigungszimmer – Abends
Willow saß an dem langen Arbeitstisch, der entlang der Wand stand. Ein kleines Hängeschränkchen darüber enthielt Gläser gefüllt mit verschiedenen Kräutern, Pulvern und Mittelchen sowie eine Anzahl von Büchern und Werkzeugen.
„Herein," rief sie als es klopfte und sah, wie sich die schwere Tür öffnete und Xander hereinkam.
Sie lächelte ihn voller Wärme an. „Hey," sagte sie.
„Hi," erwiderte er und kam näher an den Tisch heran. Er wies mit dem Kinn auf den Mörser und den Tiegel, mit denen sie arbeitete. „Was machst du gerade? Ein neues Chemie-Experiment?"
Sie kicherte. „Nein, nur etwas Weihrauch. Normalerweise kümmert sich Andrew darum, aber manchmal finde ich diese Arbeit entspannend."
„Andrew ist Mitglied deines Zirkels?" fragte er und schüttelte erstaunt den Kopf.
„Er wollte es lernen," sagte Willow schulterzuckend. „Wie könnte ich ihm das verwehren?"
„Giles erwähnte, dass du wahrscheinlich deine Freundin Rowena bitten würdest, dir zu assistieren," sagte Xander nach einer kurzen Pause.
Willow nickte. „Hab ich und sie wird es machen," erwiderte sie. „Andrew wird den Raum und den Altar für mich vorbereiten, aber sie wird helfen, den Kreis zu erwecken ... wenn das ok ist für dich?"
„Was?" fragte er abgelenkt. „Oh, sicher."
„Also bedeutet das ..." fragte sie hoffnungsvoll. Er lächelte sie an, sein Auge fand ihre.
„Ja, Willow," sagte er. „Lass es uns versuchen. Was haben wir schon zu verlieren?"
„Keine Garantien, Xander," sagte sie mit Tränen der Freude in den Augen. „Aber wir werden unser Bestes geben." Sie zog ihn in ihre Arme und sagte leise, „Vielen Dank."
„Hey, hey!" sagte er und umarmte sie fest. „Ich bin derjenige, der sich hier bedanken muss, Will."
„Nein, es tut mir Leid," sagte Willow und wischte sich im Zurückgehen über die Augen. „Es ist nur, dass ich seit langem so in Sorge um dich war und besonders nachdem ich mit Anya gesprochen hatte, habe ich versucht dich zu finden."
„Du hast mit Anya gesprochen?" fragte er mit schockierter Miene. „Wann?"
„Oh ... oh ja ... ups," sagte Willow mit einem besorgten Grinsen. „Öhm ... vor einem Monat an Samhain ... eh Halloween. Die Grenze zwischen dieser Welt und den nächsten ist dann am dünnsten u-und sie bat mich dich zu finden, weil ..."
„Warum hat sie nicht mit mir gesprochen?" fragte er mit gequälter Stimme.
„Oh Xander," hauchte sie. „Sie ... sie sagte, du wärest von ihr abgeschnitten gewesen u-und ich hatte ein Ritual gemacht, weil ich fühlte, dass mich jemand von der anderen Seite kontaktieren wollte, aber ich ... ich dachte, es wäre jemand ... anderes als sie."
Willow zuckte mit den Schultern.
„Oh," sagte er. „Ich verstehe."
„Wenn ich gewusst hätte, dass es einen Weg für dich geben würde mit ihr zu reden, hätte ich es dich wissen lassen, Xander. Du weißt das, oder? Ich hab es vorher nicht erwähnt um dich nicht zu verletzen," bekannte Willow. „Wenn es dich tröstet, ich war auch nicht gerade ihre erste Wahl für die Kontaktaufnahme."
Willow ließ ihre Hand beruhigend über Xanders Arm gleiten und er zögerte einen Moment, bevor er sprach. „Ist sie okay? Ist sie jetzt an einem besseren Ort?"
Willow lächelte. „Ja. Immer noch die alte Anya - sie ärgert sich, dass sie kein Geld ausgeben kann, aber ist wirklich sehr um dich besorgt. Es ist ... es ist dort anders, Xander. Ich denke, der Schmerz bleibt hier zurück, aber sie konnte spüren, wie aufgebracht du warst."
„Also darum wolltest du gar nicht auf meine verrückte Idee hören sie zurück zu bringen," sagte Xander. „Ist sie glücklich?"
„Ja, im Wesentlichen," antwortete Willow. „Aber wie ich sagte, sie war um dich besorgt, wie ja auch der Rest von uns."
„Ich hatte dir keine Sorgen bereiten wollen, Will. Es ist nur ein wirklich hartes Jahr gewesen."
„Ich kapier das," nickte Willow. „Wirklich."
Xander lächelte sie traurig an und hielt seine Hand an ihre Wange.
Willow nahm die Hand zärtlich und drückte sie. „Es ist spät, also ruh dich aus. Morgen ist ein großer Tag."
„Ja," sagte er und gab ihr ein Küsschen auf die Wange. „Nacht, Will."
„Hey," sie stoppte ihn, bevor er die Tür erreicht hatte. Er wandte sich um. „Ich liebe dich, Xander," sagte sie.
„Ich lieb dich auch, Will." Er lächelte fröhlich und auch sie strahlte als Reaktion darauf.
Sie beobachtete, wie er den Raum verließ. Dann wandte sie sich wieder ihrer Arbeit zu.
Fade Out
Fade In
Int.
Willows Wohnung – spät Abends
Willow schritt durch die Tür in ihre dunkle Wohnung und streckte die Hand aus um das Licht anzumachen. Ein warmes Leuchten erfüllte den Raum. Sie ging durch den Flur, schaute in das dunkle Schlafzimmer und seufzte. Ein leises Klopfen ertönte von der Tür und sie machte sie auf.
„Hey, Will," sagte Faith, ihre Hände tief in die Taschen ihrer Jacke vergraben.
„Faith, komm rein," sagte Willow.
Faith kam ein paar Schritte in den Raum und schwang dann herum zu Willow. „Uhm, Kennedy schläft heute im Schlafsaal. Sie ... sie wollte, dass ich es dir sage."
„Ich muss nach ihr schauen," sagte Willow und bewegte sich zur Tür.
Faith streckte eine Hand aus. „Ich werde nach ihr sehen. Sie braucht heute Nacht einfach etwas Abstand."
Willow nickte. „O-okay, danke ... Hat sie dir von Xander berichtet?"
„Der Spruch?" sagte Faith. „Jupp, wir haben darüber geredet ... und darüber geredet und danach noch etwas darüber geredet." Faith ließ ein feines Grinsen aufblitzen.
„Es tut mir Leid, dass du da mit reingezogen wurdest."
„Nöh, das ist okay," erklärte Faith. „Robin redet auch gerne, also bin ich da in Übung ... es ist nur ... ich wollte nur kommen und es dir sagen, wo sie ist und dass ich denke, dass du hier das Richtige machst."
„Ich wünschte, Kennedy würde so denken," sagte Willow mit einem ironischen Lächeln im Gesicht.
„Sie kriegt sich schon wieder ein, aber sie braucht noch Zeit," sagte Faith. „Ich hab ihr ein paar Dinge erklärt, an die sie in ihrer Sturheit nicht gedacht hat, aber ... ich fürchte, dass ich in einem Punkt die Sache noch schlimmer gemacht habe."
„Wie meinst du das?"
„Ich ... ich ... oh Hölle," sagte Faith mit einer schuldbewussten Miene. „Ich hab ihr irgendwie davon erzählt, wie du und Xander hinter dem Rücken von Oz rumgemacht hattet. Es tut mir Leid, Willow, ich dachte sie wüsste von all ... dem."
Willow seufzte als sie diese Information verdaute. „Oh ... nun, es ist okay, Faith, mach dir keine Vorwürfe," sagte Willow. „Ich hätte ihr das schon längst mal erzählen müssen, aber ... naja, Untreue ist nichts, was man erwähnt, wenn man gerade das schöne Gefühl danach genießt."
„Ja, aber dennoch," sagte Faith. „Es tut mir wirklich Leid."
„Nein, lass nur," sagte Willow. „Es wird sich schon einrenken."
„Wie ich sagte, lass sie heute in Ruhe, Will," riet Faith ihr. „Rede morgen früh mit ihr ... ich muss zugeben, es ist nicht leicht für sie."
Willow seufzte wieder und nickte zustimmend. „Okay ... nur, nur für heute Nacht."
Faith wandte sich wieder zur Tür. „Ich muss los. Robin erwartet meinen Anruf und es ist schon spät."
„Ja, gute Nacht, Faith," sagte Willow und schloss die Tür hinter der Jägerin. Mit einem weiteren Seufzer löschte sie das Licht im Wohnraum aus und begab sich in das leere Schlafzimmer.
Fade Out
Fade In
Int.
Willows Wohnung – Morgen
Badezimmer
Willow saß auf dem Rand der großen Wanne. Sie war in eine pfirsichfarbene seidene Robe gekleidet und ihr langes rotes Haar wurde in einem Knoten gehalten. Sie beobachtete schweigend wie das dampfendheiße Wasser die Wanne füllte, aber wandte sich um als sie ein leises Klopfen an der geöffneten Tür hörte.
„Hey," flüsterte Kennedy und trat einen zögernden Schritt in den Raum.
„Hi," Willow lächelte.
„Was hast du vor?" fragte Kennedy und wies dabei auf die verschiedenen Kräuter, die nahe der Wanne lagen.
„Rituelles Bad," sagte Willow kurz und versuchte, die Stimmung ihrer Partnerin zu erkennen.
„Wie ... wie am Vollmond?"
Willow nickte.
„Also ... das heißt, dass du den Spruch machen wirst." Kennedy näherte sich Willow und setzte sich auf die Toilette.
„Ja," erwiderte Willow.
„Oh," sagte Ken und beobachtete, wie das Wasser in die Wanne floss. „Ziemlich heiß, oder?" fragte sie und deutete auf das Wasser.
„Ja," sagte Willow und änderte leicht die Einstellung des Hahnes. „Ich mag es so, wenn ich mich auf ein Ritual vorbereite. „Es ... es lässt das Blut fließen. Das hilft mir, mich auf meinen Körper einzustimmen."
Kennedy nickte. „Das versteh ich," sagte sie. „Es ist so ähnlich wie das Aufwärmen vor einer schweren Trainingseinheit."
„Ken? Liebste? Ich ... ich hab dich vermisst letzte Nacht," sagte Willow. Ihr Gesicht wirkte plötzlich sehr verletzlich.
„Ich auch," sagte Ken mit einem leichten Ausdruck von Schmollen im Gesicht. „Ich mein, ich hab dich auch vermisst. Hab nicht viel Schlaf bekommen mit den ganzen jungen Jägerinnen um mich herum. Du würdest nicht glauben, wie viel Lärm so ein Trupp von Mädchen mit Superkräften machen kann."
Willow lächelte vorsichtig. „Ich kann’s mir vorstellen. Ich hab ja oft mit Buffy geschlafen und sie war laut genug ... oh, nicht das wir ... ich mein, so mit gegenseitigem Übernachten, Highschool, beste Freundin, alle Nacht über Klamotten und Jungs reden ... nun, in Buffys Fall über einen bestimmten Vampir reden, bevor er plötzlich böse wurde, aber ..."
Kennedy unterdrückte ein Lachen. „Ich weiß, was du meintest, Will."
„Okay," sagte Willow erleichtert. „Uhm, Faith hat mir erzählt ... sie sagte ..." Willow holte tief Luft. „Es tut mir Leid, dass ich dir nie die Geschichte mit Oz und Xander erzählt habe. Es ist nur etwas, wo ich nicht sehr stolz drauf bin, aber i-ich wusste, dass es nie wieder passieren würde. Ich würd dich niemals betrügen, Ken. Ich ... ich könnte nicht, verstehst du? Ich meine, als Oz ... als es mir passierte ... ich könnte niemals jemand anderem solche Schmerzen bereiten."
„Ich weiß, dass du es nicht könntest," sagte Kennedy und schaute endlich Willow in die Augen. „Du ... du hast ein gutes Herz, Willow. Darum weiß ich, dass du dies tun musst. Mit Xander," sagte sie.
„Ich muss," stimmte Willow ihr mit feuchten Augen zu. „Ich wünschte nur ..."
„Ich weiß," sagte Kennedy und streichelte Willows Gesicht mit dem Daumen. „Tut mir Leid, dass ich solch ein Idiot gewesen bin. Intellektuell weiß ich ... versteh ich, es ist nur ..." Kennedy schüttelzr den Kopf als wollte sie so ihre Gedanken klären. „Es ist nur, du hast immer so verdammt Recht. Wenn es um deine Position als meine Wächterin geht oder um Dinge, die ich nicht verstehen kann, weil es um deine Religion geht, scheinst du mich einfach immer beiseite zu schieben. Als ob diese Dinge zuerst kommen und wir zuletzt."
„Kennedy, ich habe eine Menge Verantwortung ..."
„Nein," unterbrach Kennedy sie. „Ich weiß das. Ich ja auch, aber es scheint als ob wir uns nie in der Mitte treffen könnten."
Kennedy pausierte einen Moment während sie weiter sanft über Willows Gesicht strich. „Ich bin stolz auf dich, Willow," sagte sie schließlich. „Du machst etwas sehr Gutes für Xander. Du hast Recht. Faith hat Recht. Ich mein, selbst ich Dickkopf kann sehen, dass er Hilfe braucht. Also tu, was du musst um ihm zu helfen. Ich werde damit klar kommen. Und wir ... wir auch, hoffe ich."
„Wirklich?" fragte Willow und presste Kennedys Hand näher an ihr Gesicht.
„Wirklich," wiederholte Kennedy. „Ich liebe dich."
Die brünette Jägerin lehnte sich vor und küsste Willow zart auf die Lippen. „Nimm jetzt dein Bad und wir sehen uns am Nachmittag. Okay?"
Willow zuckte innerlich wegen dem leeren Klang in Kennedys Stimme, aber sie erwiderte einfach, „Okay."
Kennedy stand auf und verließ schnell das Badezimmer. Willow stellte das Wasser ab, bevor die Wanne überlaufen konnte. Mit einen Seufzer stand sie auf und begann ihre Robe abzulegen.
Fade Out
Fade In
Int.
Lager eines Vampires – Später Morgen
Cleveland
Gretz führte den nervösen Lieferanten, der einen schweren Handwagen vor sich her schob, ins Hinterzimmer und zur Tür des Kühlraumes. Der mittelalte Mann versuchte nicht auf die blutleeren und gefrorenen Leichen zu achten, die an Fleischerhaken hingen, während er die Styropor-Behälter vom Karren lud. Gretz nahm von einem den Deckel ab und holte sich eine der Tüten heraus. Sein Gesicht verwandelte sich, als seine Fänge sich durch das dicke Plastik bohrten. Der Auslieferer wimmerte leise und versuchte, die lauten Schlürflaute zu ignorieren.
„Ah!" sagte Gretz mit einem befriedigten Rülpser. Er schaute zu dem Mensch. „Endlich fertig?" fragte er.
„J-ja," sagte der Mann und schnappte sich den Karren.
„Gut. Gehen wir," sagte Gretz und führte ihn aus dem Kühlraum hinaus.
Seward wartete nahe dem Eingang auf sie. Der Mann wimmerte erneut als er den großen Vampir sah.
„Alles wie versprochen?" fragte er Gretz.
„Ja, Meister," sagte Gretz.
Seward wartete kurz und leckte sich die Lippen als er den Lieferanten ansah. Der Mann begann zu zittern und nervös von Seward zur Tür zu schauen. Endlich nickte Seward und sagte, „Dann gib ihm Trinkgeld."
Gretz holte ein großes Bündel Scheine aus der Tasche und gab sie dem Menschen, der sie blindlings in seine Jackentasche stopfte, während er aus dem Gebäude eilte.
Seward beobachtete abwesen, wie sich die schwere Tür schloss und seufzte tief und lang. „Gretz?"
„Ja, Meister?"
„Heute Nacht gehen wir aus," sagte er. „Ich kümmere mich nicht darum, was das Präsidium für Pläne hat. Ich brauche frische Ware," fuhr er fort und nahm die leere Tüte aus Gretz’ Hand. „Und kein gefrorenes Zeug."
„Aber Meister ..."
„Gretz," begann er am Ende seiner Geduld. „Ich regiere diese Stadt. Sie gehört mir, nicht ihnen. Wir haben eine Nacht voll Spaß verdient. Hol die Leute zusammen."
Gretz öffnete seinen Mund, als wolle er eine Frage stellen, aber als Seward ihn scharf anblickte, schloss er ihn sofort wieder. „Ja, Meister," sagte er schließlich. Seine Stimme war leise und furchterfüllt.
„Guter Junge," sagte Seward mit einem Lächeln.
Fade Out
Fade In
Int.
Gang außerhalb von Willows Vereinigungszimmer – Mittags
Xander und Giles kamen in den Flur. Beide Männer waren barfuß und in einfache grüne Roben gekleidet.
„Etwas kühl hier," sagte Xander.
„Willow hat für ihr Vereinigungszimmer eine spezielle Klimakontrolle, Xander," erwiderte Giles. „Ich glaube, das System ist sogar an ihren infernalischen Computer angeschlossen. Dir wird warm genug sein."
„Oh, gut," entgegnete Xander abwesen. Er war offensichtlich nervös. Er wandte sich halb zu dem Wächter. „Die Robe steht dir, Giles. Viel besser als diese kindische Magierrobe, die du einmal an Halloween getragen hast."
„Stimmt," sagte Giles. „Zum Glück ist der Teil meiner Garderobe mit dem Rest von Sunnydale verschwunden."
Die beiden Männer stoppten, als sie Kennedy mit Andrew reden sahen, der an der Tür zum Vereinigungszimmer stand.
„Sie ... um, sie warten drinnen auf euch," sagte Andrew zu den beiden Männern.
Giles nickte, schwieg aber während Kennedy und Xander einander anschauten.
„Viel Glück, Xander," sagte Kennedy schließlich. „Ich hoffe, es klappt."
„Vielen Dank, Ken," erwiderte er. Seine Stimme war voller Emotion. Er wandte sich an Giles. „Fühlt sich an, als ginge ich zu einer Operation."
Giles zeigte die Andeutung eines Lächelns und wies auf Andrew, der die Tür öffnete. Das Paar trat schnell ein und Andrew schloss die Tür hinter den beiden.
„Zwei Mann gehen rein. Einer kommt raus," murmelte Andrew.
„Warum wirst du nicht erwachsen, Idiot?" knurrte Kennedy und ging schnell durch den Korridor davon.
Andrew blinzelte hinter ihr her, dann kreuzte er die Arme vor der Brust und begann leise einen Vers aufzusagen. „Die Göttin lebt, Magie ist am wachsen. Die Göttin lebt, ..."
Cut to:
Int.
Willows Vereinigungszimmer – Mittags
Giles nahm freundlich Xanders Ellenbogen und führte ihn zu einer Seite des Raumes. Im Zentrum standen Willow und Rowena vor dem Altar. Sie waren beide mit ähnlichen Roben bekleidet.
Willow nickte Rowena zu und die blonde Wächterin nahm das Weihrauchgefäß vom Altar auf. Im Uhrzeigersinn zog sie einen großen Kreis mit dem Altar in der Mitte. Mit fester Stimme deklarierte sie, „Lasst diesen Kreis erschaffen sein mit der Macht von Feuer und Luft."
Sie ging zurück zum Altar, fügte der Schüssel mit Wasser etwas Salz hinzu und sagte, „Wie das Wasser den Körper reinigt, so reinigt das Salz die Seele."
Sie nahm dieses Mal die Schüssel auf, schritt wieder den Kreis ab und definierte dabei den Raum mit dem Salzwasser. „Lasst den Kreis geschaffen sein mit der Macht von Erde und Wasser."
Zuletzt nahm sie ihr Athame vom Altar und schritt den Kreis ein drittes Mal ab. „Lasst den Kreis geschaffen sein mit der Macht des Geistes."
Rowena kehrte zum Altar zurück und verbeugte sich leicht vor Willow. „Meine Lady, der Kreis ist erstellt."
„Vielen Dank," lächelte Willow. Sie reichte Rowena ihr eigenes Athame und folgte ihr zur Ostseite des Kreises. Rowena benutzte die beiden Dolche eine Passage zu öffnen und ließ sie auf dem Boden liegen um deren Rand zu markieren. Sie trat zurück, während Willow davor wartete.
Giles führte Xander vorwärts, bis er Willow gegenüber stand.
„Wie sollst du eintreten?" fragte Willow.
Xander räusperte sich nervös. „In perfekter Liebe und perfektem Vertrauen," antwortete er.
„Du bist willkommen im heiligen Kreis," sagte Willow und trat beiseite während er einen Schritt nach vorn machte.
Rowena ging durch die Passage nach draußen und stellte sich neben Giles, während Willow sich nach den Athames bückte und damit das magische Tor versiegelte. Sie lächelte Giles und Rowena zu als diese sich vor ihr verbeugten und sich dann umwandten und den Raum verließen. Willow schaute einen Moment auf die schwere Tür und das leise Klicken des Schlosses erfüllte den Raum.
Willow wendete sich zu Xander und nahm sanft seine Hand um ihn zum Altar zu führen. Sie legte die beiden Athames an die Seite und nahm eine kleine weiße brennende Kerze und reichte sie ihm. Er schaute sie einen Augenblick lang an und sie nickte ihm ermunternd zu.
„Herr ... Herr des Waldes," begann er und hielt die Flamme der Kerze an den Docht einer großen, goldfarbenen Kerze, die auf dem Altar stand. „Uhm ... uh ... König von Freude und Lustbarkeit. Komm zu uns in diesen heiligen Kreis und ... und spende deinen Segen für unsere Unternehmung. So soll es sein." Er gab einen leichten Seufzer der Erleichterung von sich als er fertig war.
Willow nahm die kleine Kerze von ihm und wiederholte seine Aktion, dieses Mal aber mit der hohen silbernen Kerze neben der Goldenen. „Herrin der Nacht mit den drei Gesichtern," sagte sie mit fester und sicherer Stimme. „Wächterin allen ewigen Lebens. Komm zu uns in den heiligen Kreis und spende uns deinen Segen. So soll es sein."
Sie stellte die kleine Kerze zurück in ihre Halterung und wandte sich an Xander. „Möchtest du etwas trinken?" fragte sie. „Da ist Wein für später, aber ich habe auch Eiswasser für den Fall, dass wir Durst bekommen."
„Nein," sagte er und nahm einen tiefen Atemzug. „Ich ... ich ... nein."
„Bist du nervös?" fragte sie und ihre Augenbrauen schossen besorgt hoch.
„Öhm, ich denke nicht, dass nervös der passende Ausdruck ist, Will," sagte er. „In der Tat hat meine Nervosität jeden rationalen Gedanken überschritten. Um ganz ehrlich zu sein, meine Nervosität hat ein Eigenleben entwickelt. Also ... also warum machst du jetzt nicht diese Tür-Sache und ich werde gehen, denn ich glaub ehrlich nicht, dass ich unter diesen Bedingungen ... äh, es könnte und ... äh, oh Gott ..."
Xander brach ab als Willow mit einer leichten Bewegung der Schultern ihre Robe zu Boden gleiten ließ.
„Oh ..." sagte Xander und sein Auge weitete sich. „Oh ... oh Junge. Okay, ähm ... streich einfach die letzte Bemerkung."
Willow lächelte.
Fade Out
Vierter Akt
Fade In
Int.
Rat der Wächter, Lounge – Nachmittags
Andrew saß in einer Ecke der Lounge und arbeitete am Computer während Faith, Kennedy und Marsha fernsahen. Die jüngere Jägerin saß zwischen den anderen beiden und versuchte immer wieder, Faith die Fernbedienung zu mopsen. Die dunkelhaarige Jägerin schlug ihr nur jedes Mal leicht auf die Hand und zappte weiter von Kanal zu Kanal.
Rowena und Giles saßen am Arbeitstisch und gingen die Berichte der Patrouillen durch.
„Treffer!" rief Andrew an seinem Rechner.
Giles seufzte. „Andrew, ich dachte du würdest für Willow Nachforschungen anstellen. Das klingt nicht gerade wie Nachforschungen für mich," sagte er.
„Nun, sie ist nicht hier und wird es daher nicht erfahren," verteidigte er sich.
„Sie wird, wenn ich es ihr erzähle," sagte Faith und drückte auf die Fernbedienung.
Andrew schmollte und beendete das Computerspiel, um die Datenbank wieder hochzuladen.
„Faith, kannst du dich bitte endlich für eine Sendung entscheiden!" rief Kennedy aus.
„Hey! Ich muss wissen, was läuft, bevor ich mich entscheide," bemerkte Faith.
„Wir haben 400 scheiß Programme," sagte Ken. „Benutz das Programmheft."
„Das Heft ist für Weichlinge," sagte Faith. Marsha versuchte erneut, die Fernbedienung zu ergattern und endlich warf Faith sie zu Kennedy rüber. „Hier, besser du als die Kleine." Sie lehnte sich vor und griff sich die Zeitung, die auf dem Tisch beim Sofa lag.
Kennedy machte da weiter, wo Faith aufgehört hatte und zapte durch die Kanäle. Marsha sah sie an und sagte, „Ich dachte, du willst dir etwas anschauen."
Kennedy schaute aus dem Augenwinkel zu ihr hin. „Nur weil du heute einen freien Tag hast, heißt das nicht, dass ich dich nicht die Baderäume beim Schlafsaal putzen lassen könnte."
Marshas schmollte genauso wie Andrew kurz vorher und warf sich zurück in die Polster, während Kennedy weiter mit der Fernbedienung rumspielte.
Wenige Minuten später kamen Willow und Xander in den Raum. Kennedy schaltete den Fernseher ab während sich alle um Xander sammelten, aber als sie sahen, dass er noch immer die Augenklappe trug, schwiegen sie bedrückt.
„Was ist passiert?" brach es schließlich aus Andrew heraus. „Hat es nicht funktioniert?"
„Blöde Magie," murmelte Kennedy, leise zwar, aber doch für alle zu hören. „Ich wusste, dass es nicht klappt."
Willow sah sie traurig an.
Giles kippte den Kopf leicht zur Seite und ein Grinsen erschien langsam auf seinem Gesicht. „Oh Xander, um Gottes Willen!" rief er aus und wandte sich dann an die anderen. „Er hat die Klappe auf dem gesunden Auge!"
Xander lachte vergnügt. Er nahm die Augenklappe ab und warf sie in das Kaminfeuer. „Ich kann wieder sehen!"
Willow rollte mit den Augen und lächelte ihn glücklich an, während Kennedy immer finsterer blickte. Giles schaute genau in Xanders geheiltes Auge. „Himmel!" rief er aus. „Sie haben unterschiedliche Farben!"
„Ja, was ist damit, huh?" sagte Xander. „Aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Auge, richtig? Zum Glück sind es nur unterschiedliche Brauntöne, sonst würde es wirklich auffallen."
„Du fällst sowieso auf, Kerl," sagte Faith und schlug ihm auf den Rücken. „Glückwunsch. Und Will, klasse gemacht," meinte Faith und schaute sich das Auge genau an.
„Danke," sagte Willow.
„Ja, Willow," sagte Rowena. „Es ist ein ... ein Wunder."
„In der Tat," sagte Giles. „Xander, wenn es dich nicht stört, ich kenne hier in Cleveland einen Augenarzt. Es wäre vielleicht gut, wenn er sich das Auge einmal ansieht. Nur um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist."
Xander zuckte mit den Schultern. „Okay. Kann ich deinen Wagen fahren?" fragte er.
„Ähm ... nein, noch nicht," sagte Giles und lächelte leicht. „Aber du darfst mit dem Radio spielen."
„Abgemacht."
„Hey Leute," sagte Faith und schnappte sich die Zeitung vom Sofa. „Ich finde, wir haben Grund zum Feiern heute Abend. Willows Geburtstag. Xanders kompletter Satz brauner Augen. Was meint ihr? Da macht ein neuer Laden auf, der sich viel versprechend anhört." Sie zeigte auf eine Anzeige in der Zeitung.
„Ich weiß nicht ..." sagte Willow zweifelnd und schaute zu Kennedy. Plötzlich sprang die brünette Jägerin auf und kam heran.
„Sicher!" sagte sie mit falscher Begeisterung. „Hört sich toll an. Dinner, Drinks, vielleicht können wir sogar ein wenig tanzen."
Willow zögerte einen Moment länger. „Okay," sagte sie schließlich.
„Wow! Stark!" rief Marsha aus und hüpfte fast herum.
„Oh nein, du nicht, kleines Mädchen!" sagte Andrew. „Du und der Rest der Barbie-Patrouille bleibt heute Abend mit mir zuhause."
„Aber warum?" quengelte sie. „Das klingt nach Spaß!"
„Spaß für Erwachsene," erwiderte er. „Nicht heranwachsende Jägerinnen. Außerdem habe ich ein neues Plätzchenrezept, bei dem du mir helfen kannst."
Marsha schien zunächst enttäuscht, aber dann hellte sich ihre Miene auf. „Okay, aber du musst mich deine Lieblingsschürze tragen lassen. Du weißt schon, die, wo der Cartoon drauf ist, wie sich Martha Stewart und Emeril LaGasse mit Kochläufeln duellieren."
„Okay!" unterbrach Andrew sie. „Klar, kein Problem. Nun komm mit." Andrew scheuchte das junge Mädchen aus der Lounge, zum Amusement der anderen.
„Seid ihr dabei?" fragte Faith Rowena und Giles, die beide nickten. „Cool," sagte Faith. „Ich wird Vi und Rona Bescheid sagen. Bis später!"
Faith verließ den Raum und Giles schlug Xander auf den Rücken. „Komm, Xander," sagte er. „Lass uns das Auge überprüfen."
„Okay, klar," sagte er. Dann stoppte er und wandte sich an Willow. „Danke, Will," sagte er.
Willow gab sich lässig. „Das ist, was ich mache."
„Ich weiß," flüsterte er und berührte sie kurz an der Wange bevor er Giles folgte.
„Ich geh in den Fitnessraum," sagte Kennedy und verschwand, bevor Willow etwas sagen konnte.
„Ich bin wirklich beeindruckt, Willow," sagte Rowena. „Ich ... ich weiß, dass der Spruch technisch gesehen ohne Fehler war, aber jetzt wirklich das Ergebnis zu sehen ... erstaunlich."
„Danke, Ro," sagte Willow. „Du hättest dabei sein sollen, als die Jägerinnen aktiviert wurden. Das war reinste Pyrotechnik."
„Würd ich wetten," sagte Ro. „Um, möchtest du fortfahren mit der Arbeit am Fluxus Manuskript? Wir müssen es noch vom Lateinischen übersetzen und während das an sich einfach ist, sind die magischen Permutationen ein komplettes Mysterium für mich."
Willow schaute zu der Tür, durch die Kennedy verschwunden war, bevor sie sich wieder zu Rowena umwandte. „Okay, klar," sagte Willow und setzte sich an den Tisch.
Fade Out
Fade In
Int.
Rat der Wächter, Computerraum – Später Nachmittag
Giles kam in den Computerraum und fand Willow über ihrem Keyboard liegend vor. Als er näher kam, sah er, dass sie schlief. Er lächelte stolz und fuhr ihr mit der Hand über den Kopf. Die Berührung spürend wachte sie langsam auf.
„Oh ... oh, Giles," sagte sie. „Es tut mir Leid! Ich muss eingeschlafen sein." Sie wandte ein Auge zum Bildschirm. „Oh, heh ... schaut so aus, als ob ich etwa 10000 Seiten mit dem Buchstaben Z in mein Journal eingetragen habe. Passt irgendwie, vermute ich."
„Ich bin sicher, du kannst das reparieren," sagte er und zog sich einen Stuhl heran um sich neben sie zu setzen. „In der Tat glaube ich, dass es in der Welt nicht viel gibt, was du nicht schaffen kannst."
„Oh bitte, Giles," sagte sie mit verdrehten Augen. „Wir beide wissen, dass das nicht stimmt." Sie fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht um endlich wach zu werden. „Wie lief es beim Augenarzt?"
„Exzellent," sagte er. „Seine Sehstärke ist perfekt. Es gibt keinerlei Anzeichen für irgendwelche Abnormitäten oder auch nur Vernarbungen durch die ursprüngliche Verletzung. Außer des etwas seltsamen Farbunterschieds scheint es völlig normal zu sein."
„Gut," sagte sie „Wie ... wie erschien er dir? Wieder mehr der alte Xander?"
„Besser als vorher," sagte Giles nachdenklich. „Aber er wird Zeit brauchen. Er hat immer noch seine Trauer, mit der er fertig werden muss. Er h-hat mir erzählt, dass er die letzten Monate damit verbracht hat einen Weg zu suchen, wie man Anya zurückbringen könnte. Es schaudert mich beim dem Gedanken, welche Risiken er auf sich genommen hat."
Willow nickte. „Er erwähnte mir gegenüber so etwas," sagte sie. „Ich will gar nicht wissen, was er mit D’Hoffryns Amulett geplant hatte, aber ich bin sicher, es wäre nicht sehr schön gewesen."
Giles zögerte einen Moment und beobachtete, wie sie mit ihrem Computer herumspielte. „Willow?" Er wartete, bis er ihre Aufmerksamkeit zurück hatte. „Ich bin so stolz auf dich. Für das, was du getan hast. Nicht ... nicht nur für Xander, aber auch für dich."
„Jeder scheint zu denken, dass es so spektakulär war," sagte sie. „Aber es war einfach etwas, das ich tun musste."
„Ich weiß," sagte er. „Aber am wichtigsten ist die Art, wie du es getan hast, Willow. Du hättest den einfachen Weg wählen können u-und Schwarze Magie benutzen um ein neues Auge für Xander zu beschwören."
„Humpf," schnaubte Willow. „Nicht so einfach. Dafür hätte unschuldiges Blut vergossen werden müssen u-und den Weg gehe ich nicht mehr."
„Ich weiß," sagte er. „Anstatt also eine auswärtige Quelle zu suchen hast du Alles auf dich genommen. Du hast deine eigenen Wünsche beiseite geschoben und ein enormes Risiko auf dich genommen bezüglich deiner Beziehungen zu Xander und Kennedy. Es war eine schwierige Sache, es so zu machen und deshalb bin ich stolz auf dich."
„Danke Giles," sagte Willow und akzeptierte endlich sein Lob. „Ich ... ich sollte mich fertig machen für heute Abend."
Sie standen beide auf und gingen aus dem Raum. „Das sollte ich auch," sagte er. „Ich muss mich auf all den Ärger vorbereiten, in den die Truppe heute bestimmt gerät."
Fade Out
Fade In
Int.
Jimmy’s Tavern – Abends
Die Gruppe hatte sich einen großen Tisch im hinteren Bereich der Kneipe gesichert. Er war nun gefüllt mit dreckigem Geschirr, den Resten einer großen Geburtstagstorte und vielen, vielen leeren Bierflaschen und Cocktail-Gläsern. Nur Willow, Giles, Xander und Ro waren momentan anwesend. Faith, Vi und Rona waren fröhlich am Tanzen zur Musik, die die Liveband auf der Bühne spielte. Kennedy hatte sich schon vor einiger Zeit Richtung Toiletten auf den Weg gemacht, aber anstatt zurück zu kehren, spielte sie bei der Bar ein Videospiel.
„Nicht gerade deine Musikrichtung, huh?" witzelte Xander.
„Ich ... ich bin auf dem Laufenden mit der neuen Musik," sagte Giles und nahm einen Schluck von seinem Drink. Willow lehnte sich über den Tisch und schnappte sich die mit einem Schirmchen geschmückte Kirsche aus seinem Glas und steckte sie in ihren Mund.
„Oh ja, voll auf dem Laufenden," sagte sie mit einem listigen Grinsen während sie kaute. „Jedes Mal wenn du die Anlage aus dem Aufenthaltsraum hörst, läufst du weg."
„Das ist nicht wahr," sagte er. „U-und hör auf, meine Kirschen zu stehlen!"
Willow kicherte. „Ich stehle Giles die Kirschen. Hihihi."
„Du musst zugeben, Giles, Musik hat sich ziemlich geändert seit Seals und Croft. Und siehst du?" sagte Xander und zeigte auf die Sängerin der Band, die gerade eine Coverversion von „Going Under" von Evanescence spielte. „Selbst Leute in deinem Alter können Musik schätzen, die aus den letzten zwanzig Jahren stammt," betonte er.
„Xander, ich hab nie Seals und Croft gehört," sagte er. „Cream und The Who sind mehr mein Stil."
„Wow, Giles," sagte Rowena und rührte die Eiswürfel in ihrem Glas mit dem Strohhalm. „Ich hätte dich mehr für einen Mann des klassischen Barock gehalten statt des Classic Rock. Wunder gibt es immer wieder, eh?" Sie saugte den letzten Alkohol aus ihrem Glas mit einem lauten Schlürfen.
Sie alle schauten sie erstaunt an. „Was?" fragte sie.
„Eh?" lachte Willow. „Du bist wirklich Kanadierin!" Der Rest am Tisch, inklusive Rowenas, lachte.
„Okay, du hast mich erwischt. Ich bin betrunken," bekannte sie nachdem sich alle beruhigt hatten.
„In den Fall lass uns tanzen," sagte Giles im Aufstehen und zog Rowena mit hoch. „Du wirst dich am Morgen nicht daran erinnern und trotz des Sounds ist diese Band nicht so schlecht." Bevor die Blondine protestieren konnte, schleppte er sie weg.
„Oh Gott, Will," sagte Xander und versteckte sich hinter den Händen. „Ich kann nicht zuschauen, wie bei Giles die Midlife Crisis ausbricht. Glänzende Sportautos, Tanzen mit Frauen, die nur halb so alt sind - es ist verstörend."
„Stopp," wies Willow ihn lachend zurecht und wechselte dann das Thema. „Hast du noch einmal mit Buffy gesprochen?"
„Ja," nickte er. „Mit ihr und Dawn. Sie waren ein wenig ... überwältigt von den Neuigkeiten."
„Wie viel hast du ihnen erzählt?" fragte Willow.
„Nun, ich konnte Dawn auf und ab hüfen hören, bis Buffy sie aus dem Zimmer geschickt hat. Buffy war besorgt, weißt du, wegen ..."
„Der Farbe der Magie," ergänzte Willow mit einem schiefen Grinsen.
„Ja," sagte er. „Also hab ich es erklärt ohne zu sehr ins Detail zu gehen, aber sie hat die Idee verstanden. Das war okay, richtig? Ich meine, es ist Buffy."
„Oh nein, Xander," beruhigte Willow ihn. „Das ist fein. Ich schäme mich nicht dafür - für gar nichts. U-und du solltest es auch nicht."
„Tu ich nicht," sagte er. „Uhm, Will ... ich denke, ich meine ... ich werde morgen wieder aufbrechen."
Willows Blick wurde ängstlich. „Du gehst doch nicht wegen irgendwelchen ... komischen Gefühlen, oder?" fragte sie und bewegte ihre Hand zwischen ihnen beiden hin und her.
„Keine komischen Gefühle, Will," versicherte Xander ihr mit einem beruhigenden Lächeln.
„Aber ... aber du bist gerade erst gekommen," protestierte Willow. „Warum willst du ...?"
„Ich weiß," unterbrach er sie bevor sie in einen beschwippsten Blubbermodus fallen konnte. „Aber ich will die Niagarafälle sehen und dann werde ich mich über die Feiertage mit den Summers-Frauen treffen. Ich hab’s Dawn versprochen, weil sie mich angebettelt hat, dass ich komme und ihre neue Freundin kennen lerne."
„Ohhh," jammerte Willow. „Wie kommt es, dass sie jedem anderen von ihrer Freundin erzählt? Ich mein, ich dachte, sie könnte mit mir reden, aber nein! Sie kann es jedem erzählen außer mir!"
„Hey, Will, beruhig dich!" sagte Xander hastig. „Ich hatte den Eindruck, es war keine große Sache für sie und sie wollte daher nicht, dass du es dazu machst. Außerdem denke ich nicht, dass Dawn so fest auf eurer Seite steht wie du. Sie fragte mich, ob ich diesen süßen Kerl gesehen hätte, den sie hier getroffen hat und ob mein neues Auge so traumhaft wär wie seine?"
Willow grummelte eine Weile stur weiter, aber dann wechselte sie wieder zum ursprünglichen Thema zurück.
„Nun, okay. So lange du mit Leuten zusammen bist, die dich lieben. Das ist am wichtigsten. Aber du sagst der kleinen Miss Dawnie, dass sie besser bald die Webcam anschließt, die ich ihr geschickt habe, denn ich will kein Weihnachten ohne einen Snoopy-Tanz. Ich erwarte eine herzerwärmende Vorführung von euch beiden."
„Okay, versprochen," lachte er.
„Komm," sagte Willow. „Lass uns diesen Jägerinnen zeigen, dass wir auch was vom Tanzen verstehen.
„Eine Minute," sagte er.
„Okay!" sagte Willow und wand sich ihren Weg durch die Menge.
Xander ging zur Bar und fragte die Bedienung nach einem neuen Bier. Kennedy versteifte sich, als er über ihre Schultern auf den Videoschirm schaute.
„Sieht lustig aus," sagte er. „Kann ich mitmachen?"
„Ist’n freies Land," entgegnete Kennedy. „Hast du nen Quarter?"
„Jepp," sagte er, legte eine Handvoll Münzen auf die Theke und setzte sich auf den Stuhl neben ihrem. Sie spielten für ein paar Minuten.
„Du bist gut damit," sagte Kennedy und beobachtete, wie seine Hände über den Touchscreen huschten.
„All die Jahre des Videospielens zahlen sich aus," lächelte er. „Ist auch ne gute Sache, sonst könnte ich bestimmt nicht mit deiner Jägerinnen-Geschicklichkeit mithalten."
„Es ist mehr als das." Kennedy schüttelte den Kopf, als sie eine Bewegung verpatzte und das Spiel damit beendet war. Sein Punktestand war mehr als doppelt so hoch wie ihrer und er tippte schnell ein ALH für den Highscore ein. „Ja, ich hab die Geschwindigkeit, aber du hattest offensichtlich sehr viel Übung mit dieser Art von Spielen."
Xander ignorierte die Bemerkung und nahm einen Schluck von seinem Bier.
„Ken, ich wollte dir nur sagen, dass ich morgen Fahren werde. Werd mir noch ein paar Sachen anschauen und dann Buffy zu Weihnachten treffen."
Kennedy schwang auf ihrem Barhocker herum bis sie zur Tanzfläche blickte. „Oh," sagte sie. „Kommst du danach wieder zurück?"
„Ich weiß es nicht," sagte er und wandte sich ebenfalls um. „Zu Besuch sicher. Meine Familie ist hier."
„Besonders Willow," sagte sie.
„Besonders Willow," wiederholte er. „Aber das ist es auch. Willow ist meine Familie. Mehr will ich nicht. Sie auch nicht."
„Was will sie dann, Xander?" fragte Kennedy. „Ich bin nicht sicher, dass ich es bin."
„Hat sie jemals gesagt, dass sie dich nicht will?" fragte er.
„Nein," gab sie zu, aber dann wies sie mit dem Kopf zur Tanzfläche. „Aber wenn man danach urteilt, wie Faith und sie da einen auf Patrick Swayze und Jennifer Gray machen, denke ich, dass sie sich nach was Neuem umschaut."
Xander schaute in die Richtung, wo Willow und Faith tatsächlich sehr eng tanzten und sich amüsierten. Er lächelte traurig. „Das hab ich früher schon gesehen. Das, meine liebe Kennedy, ist der Tanz des mutigen kleinen Toasters."
„Huh?" fragte sie und wandte sich verwirrt zu ihm um.
„Eine Sache weiß ich über Willow," sagte er ernst, aber mit einem Leuchten im Auge. „So kann sie nur tanzen wenn sie betrunken ist. Und sie trinkt nur dann so viel, wenn sie traurig ist. Und ich wette, wenn es nach ihr ginge, würde sie lieber mit dir tanzen. Verstehst du, was ich sage?"
„Oh," sagte sie. „Dann ... dann denke ich, sollte ich rübergehen und mit ihr tanzen," sagte Kennedy.
„Ich sag dir was," sagte er. „Es ist schon ein wenig her, aber ich bin sicher, ich kann Faith so lange ablenken, dass du dir den Willster schnappen kannst. Ist das ein Plan?"
Kennedy lächelte und wollte gerade antworten als sich ihre Augen verengten. Sie hatte eine Gruppe von wenigstens einem halben Dutzend Typen bemerkt, die an ihnen vorbei zur Tanzfläche gingen. Sie hielt einen Arm aus um ihm daran zu hindern aufzustehen.
„Was?" fragte Xander.
„Ungebetene Gäste," erklärte sie kurz.
Xander folgte ihren Blicken, mit denen sie die Neuankömmlinge verfolgte. Er streckte sich etwas und schaute über die Köpfe der Tänzer hinweg. „Wenn ich mich nicht täusche, kommen noch mehr von hinten rein. Sieht aus als wäre es Showtime in Vampstadt. Mist, ich dachte, das hätte ich in Sunnydale hinter mir gelassen."
„Sie versperren die Ausgänge," sagte Kennedy und schaute sich um. „Fünf vorne, fünf hinten und mindestens zehn hier drin. Ich schnapp mir Faith, Rona und Vi. Warn du die anderen. Wir müssen loslegen bevor sie es tun."
„Richtig," sagte er und sie marschierten los.
Bis Kennedy bei Faith, Rona und Vi angekommen war, hatte die dunkle Jägerin die Eindringlinge schon gespürt und die vier teilten sich auf um so viel vom Raum wie möglich abzudecken.
Schwankend stoppte Willow ihren Tanz, weil sie merkte, dass ihre Partnerin verschwunden war. Im gleichen Moment erreichte Xander sie, Giles und Rowena. Er zog sie aus der Mege heraus und zurück zum Tisch.
„Was ... was ist los?" fragte Giles.
„Gleich gibt es ein Schlachtfest und wir stehen alle auf der Speisekarte," erklärte Xander den Wächtern während er einen Stuhl umdrehte und ihn mit schnellen Tritten auseinander nahm.
„Oh je," sagte Giles unsicher. „Seht ihr! Darum ist es nicht sicher, außerhalb der Sicherheit des eigenen Heimes zu trinken."
„Heb dir den Vortrag für später auf, Giles," erklärte Xander ihm zwischen zwei Tritten.
„Hey!" ein Kellnerin rannte herbei und unterbrach sie. „Was glaubst du, machst du da, Kerl?" fragte sie Xander.
„Sie werden gleich ..." Rowena unterbrach sich und suchte mühsam nach einer Erklärung, die die junge Frau akzeptieren würde. „Ausgeraubt!" sagte sie, stolz auf diesen Einfall. „Das ist es. Sie werden gleich von diesen Typen da drüben ausgeraubt. Wir brauchen Waffen," erzählte ihr Rowena mit etwas unsicherer Stimme. „Holen Sie Ihren Boss, ‘k?"
Als die Kellnerin losrannte reichte Xander den anderen Pflöcke. Er wandte sich an Willow. „Will, meinst du, du könntest den Ausgang freiräumen?"
„Oh," sagte Willow und klang auch nicht viel nüchterner als Rowena. Sie schaute zu der Gruppe von Vampiren, die den Haupteingang blockierten. „Uhm ... klar."
„Gut," sagte Xander. „Lasst uns so viele Leute wie möglich hier raus schaffen, bevor die Vampire hungrig werden."
„Und wie ich Vampire kenne, dauert das nicht sehr lange," erklärte Rowena und fuhr mit ihrem Zeigefinger durch die Luft. „Ich bin eine Wächterin. Ich weiß solche Sachen."
„Riiichtig," sagte Xander herablassend. „Und zwar eine betrunkene," fügte er leise an.
Plötzlich ertönte ein Schrei von der Tanzfläche und sie beobachteten, dass die Vampire sich die Opfer in ihrer Nähe schnappten.
„Zu spät," sagte Rowena beiläufig. „Wie sieht Plan B aus?"
Sie sahen, wie jetzt die Jägerinnen in Aktion sprangen, ihre Pflöcke herausrissen und einige Vampire zu Staub verarbeiteten, die ihrer in der Menschenmenge nicht gewahr waren. Die restlichen Untoten merkten aber schnell, was Sache war und griffen die Jägerinnen an. Als die Kämpfe eskalierten begannen die Menschen in Panik wegzulaufen. Ein paar der stärker angetrunkenen Gäste erkannten die Gefahr nicht und mischten sich wild in die Schlägereien ein.
„Plan B ist totales Chaos," witzelte Xander und beobachtete das Schauspiel, das sich ihnen bot.
„Okay," begann Willow und hielt ihren Kopf um sich zu konzentrieren. „Arbeitet euch nach hinten durch. Helft den Leuten, die fliehen wollen," sagte Willow und rannte dann durch die verschiedenen Kampfgruppen zur Eingangstür.
Als Willow dort ankam, fand sie die fünf Vampire vor, die sich über ihre gefangenen Opfer lustig machten. Sie schaute herum und entdeckte zu ihren Füßen die Reste eines Stuhles, der in einem der Kämpfe zertrümmert worden war. Sie konzentrierte sich mit geschlossenen Augen und schwankte für einen Moment während das Holz durch die Luft flog. Sie öffnete die Augen und verzog irritiert das Gesicht als sich die improvisierten Pflöcke direkt neben dem Kopf der Kellnerin in die Wand bohrten.
„Ups!" sagte sie mit leichtem Kichern zu dem Mädchen und grinste entschuldigend. „Tut mir Leid, das kommt vom Alkohol," fügte sie möglichst ernsthaft hinzu.
Verängstigt rannte das Mädchen in die Küche, gefolgt von den anderen Gästen, sodass Willow plötzlich mit fünf hungrigen und aufgebrachten Vampiren alleine war. „Oh Junge, das ist nicht gut," seufzte Willow als die Vampire ihre Zähne fletschten.
„Ist sie ne Hexe, Gretz?" fragte einer der Vampire seinen Kumpanen.
„Das ... das stimmt!" erklärte Willow. „Ich bin eine Hexe. E-eine sehr mächtige Hexe, also wagt es nicht, euch mit mir anzulegen!"
Gretz lachte. „Und was willst du tun, kleine Hexe?" fragte er herablassend. „Mich in einen Frosch verwandeln?"
Willow schaute ihn irritiert an. „Ihh! Keine Frösche! Uhm ... gib mir ne Minute und ich ... ich denke mir was genauso Fieses aus!"
Als Xander, Rowena und Giles versuchten ihren Weg nach hinten zu finden, wurde Giles plötzlich von der Seite gerammt. Er versuchte seinen Stand zu halten, aber der Vampir, der ihn erwischt hatte, schob ihn so heftig, dass er mit dem Gesicht voran in das Schlagzeug der Band flog. Mit dem Kopf in der Basstrommel kam er zum Halten.
Die Musiker drängten sich voller Furcht hinter ihre Sängerin, die immer noch ihre Gitarre umhängen hatte. Sie keuchte erschreckt, als sie das verformte Gesicht des Angreifers sah, der sich auf Giles stürzte.
„Komm schon, Becca," sagte eines der jüngeren Bandmitglieder. „Es ist Zeit, abzuhauen."
Becca nahm die Gitarre von ihrer Schulter und rammte sie dem Angreifer in den Rücken. Die Gitarre zerschmetterte und Teile flogen in alle Richtungen. Doch der Getroffene schien nicht sehr beeindruckt und wandte sich knurrend in Beccas Richtung.
„Das reicht," schrie ihr Bandkollege und zog sie weg um dann mit ihr zur Küche zu laufen.
Diese kurze Pause genügte für Giles, um wieder auf die Beine zu kommen. Er klopfte dem abgelenkten Vampir auf die Schulter und vergrub einen Drumstick in seiner Brust.
Becca sah vom Kücheneingang aus, wie sich der Mann instantan zu Staub verwandelte. „Was zur Hölle?" murmelte sie.
„Komm schon!" rief ihr Bandkollege erneut und schleppte sie endgültig aus dem Raum.
Mit ihren improvisierten Pflöcken versuchten Rowena und Xander sich durch die Menge von Menschen und Vampiren zu zwängen. Einer versuchte Rowena zu fassen, in dem Glauben ein leichtes Opfer gefunden zu haben, aber sie wehrte sich und überraschte damit den Vampir.
„Mutig, Kleine," versuchte er sie herauszufordern.
Rowena schwang ihren Pflock herum und traf direkt in sein Herz. „Klein, aber oho, Untoter," erwiderte sie und versuchte sich dann auf ihre Worte zu konzentrieren. „Ich meine, Toter, jetzt ... aber das ist etwas spitzfindig," sagte sie und sprach weiter zu dem Haufen Staub auf dem Boden. „Hehehe, ich wette, du fandest das auch zu spitz, eh?"
Als realisierte sie, dass sie sich konzentrieren müsse, schüttelte sie ihren Kopf und schaute sich um. Sie sah Xander nur wenige Meter vor sich und versuchte Anschluss zu wahren.
Xander machte einen kurzen Umweg von seinem Marsch Richtung Ausgang und zog einen Vampir von Vi herunter.
„Danke," sagte die kleine Rothaarige und langte an ihm vorbei um dem Vampir einen zerbrochenen Billard-Queue in die Brust zu rammen.
„Uh oh," sagte Xander als eine weitere Gruppe von Vampiren vom Hintereingang her in die Bar kam, diesmal von Seward geführt. Seine Kleidung in Wildwest-Manier ließ Xander irritiert inne halten.
„Lederchaps?" fragte Xander und wies auf die Ausstattung des Vampirs als dieser näher kam. „Und wer glaubst du zu sein ? Clevelands Version von Josey Wales?"
Seward unterbrach seine Inspektion des Raumes und konzentrierte sich auf Xander.
„Es wird mir eine Freude sein, dich zu töten," sagte er ruhig.
„Ist das so?" fragte Xander amüsiert. „Und was lässt dich glauben, dass du das kannst?"
„Ich bin viel älter als ich aussehe, Junge."
„Du magst alt sein," sagte Xander. „Aber nach allem, was ich so sehe, ist das Furchterregendste an dir deine Kleidung, Buddy."
Wütend stürmte Seward vor und schwang einen rechten Haken nach Xanders Kopf. Der Vampir war schnell, aber bevor seine Faust Kontakt traf duckte Xander sich zur Seite und stieß ihm den Pflock in die Brust. Seward fiel mit einem Ausdruck totaler Überraschung zurück, kurz bevor er zu Staub explodierte.
„Fast so einfach wie Fahrrad fahren," höhnte Xander.
Auf der anderen Seite der Bar begannen die fünf Vampire Willow einzukreisen.
„Zurück," sagte sie und hob ihre Hand. „Oder ich werde euch ..."
Gretz und die anderen Vampire konnten über Willoes Schulter hinweg sehen, wie Seward erledigt wurde und begannen plötzlich zu fliehen. Als sie wegrannten, rief Willow hinter ihnen her.
„So isses richtig, ihr Blutlutscher, äh, sauger. Haut besser ab," rief sie und murmelte dann selbstzufrieden, „Hah, wussten wohl, was gut für sie ist." Ohne den wahren Grund für die Flucht zu bemerken drehte sie sich triumphierend um und ging zurück in den Hauptraum.
„Nun, das war’n Spaß!" sagte Faith während sie sich eine Zigarette ansteckte und auf einen Billardtisch hüpfte um sich das verbliebene Chaos anzuschauen.
„Wie in alten Zeiten, was Xander," sagte Willow und stubste ihren Freund an.
„Ja, und das erinnert mich daran, warum ich aus diesem Job raus will," sagte er und ließ seinen Pflock fallen.
Rowena lehnte sich gegen einen Tisch. „Das war ziemlich schlampig," bemerkte sie.
„Stimmt," sagte Rona. „Aber niemand wurde verletzt. Und das ist die Hauptsache."
„Dann schlag ich vor, die Party nach Hause zu verlagern," sagte Faith. „Hey Brat, da du fährst, lass uns auf dem Rückweg bei dem 24-Stunden-Schnapsladen halten. Will kann für uns einkaufen, sie ist ja jetzt alt genug. Und wenn wir daheim sind und du einen kleinen Schluck haben willst, dann verspreche ich, niemand was davon zu erzählen."
„Hast du denn gar nichts aus diesem Abend gelernt, Faith?" fragte Giles.
„Doch!" sagte Faith und sprang vom Tisch um dann ihn und Xander an den Armen aus der Bar zu führen. „Zuhause zu trinken, wie du gesagt hast! Kommt alle mit, zurück zum Rat!"
Fade Out
Fade In
Int.
Rat der Wächter, Speisesaal - Morning
Willow schleppte sich zur Kaffeekanne und nahm von Andrew eine Tasse entgegen.
„Alles okay, Willow?" fragte Andrew.
„Uh huh," murmelte sie und nahm einen Schluck. Sie schaute auf und sah, dass Giles und Rowena langsam in den Raum kamen und sich zu den älteren Jägerinnen an den Tisch setzten. „Andrew, könntest du bitte noch etwas mehr von dieser Kopfschmerz-Medizin machen? Ich habe das Gefühl, dass wir heute Morgen noch mehr brauchen werden."
„Sicher!" sagte Andrew und lief sofort los.
„Dir ist klar, was für eine schreckliche Verschwendung von Ressourcen dies war," stöhnte Giles als Willow hinzu kam. „Niemand wird heute zum Arbeiten kommen u-und ..."
„Sprich für dich selbst, Mann" sagte Faith. „Ich fühl mich großartig."
„Verdammte Jägerinnen und ihre beschleunigte Heilung," brummelte er vor sich hin.
„Alles Teil des Pakets," lachte Faith. „Netter Ohrring übrigens."
Giles schaute sie mit blutunterlaufenen Augen an. „Wovon redest du ...?" Er griff sich mit einer Hand ans Ohr und rief aus, „Herr im Himmel!"
„Uh, ja," sagte Rowena. „Kann ich den bitte wieder haben?"
Giles errötete heftig und gab der blonden Wächterin ihren Ohrring zurück.
Trotz ihres Katers kicherte Willow. „Du solltest immer einen tragen, Giles. Es steht dir. Sehr sexy."
„Stimmt," ergänzte Faith. „Aber nicht so sexy wie die nackte Frau, die du auf den Rücken tätowiert hast, Will."
„Was?" sagte Willow und ihre Augen weiteten sich voller Panik. „Wo?"
„Nur ein Spaß, Red," lachte Faith. „Keine Tätowierung."
„Göttin," sagte sie und starrte Faith an. „Mach sowas doch nicht!"
„Nun, muss meine Truppen zusammenrufen und mit der Arbeit beginnen," sagte Faith. „Zumindest einige von uns sind ja heute dazu in der Lage."
Die übrigen drei saßen einen Moment ruhig bis Andrew zurückkehrte und jedem eine Tasse von seinem heißen Gebräu eingoss.
„Ack, bitter," beschwerte Giles sich.
„Ja, aber gut gegen euren Kater," wies Andrew ihn zurecht. „Ihr hättet euch an die Plätzchen halten sollen."
„Wie läuft es mit Kennedy?" fragte Rowena nachdem Andrew gegangen war.
„Okay," sagte Willow. „D-denke ich. Wir haben letzte Nacht noch ein wenig geredet und sie schien sich etwas beruhigt zu haben. Sie hat mir heute Morgen eine Nachricht dagelassen, dass sie eine Runde dreht."
„Gut," sagte Rowena. „Nun, ich werde mich bei Andrew für den Kaffee bedanken und dann noch etwas Schlaf nachholen."
„Gute Idee," sagte Giles. „Gerade genug Zeit, um noch ein wenig zu ruhen, bevor Xander uns verlässt.
Willow kippte ihren Tee hinunter, als die anderen beiden gegangen waren.
Fade Out
Fade In
Ext.
Rat der Wächter – Bürgersteig – Dämmerung
Xanders Wagen stand am Straßenrand. Rona, Vi und die anderen Jägerinnen aus Sunnydale hatten sich schon von ihm verabschiedet und waren wieder ins Haus gegangen. Andrew schaute traurig aus, als er Xander die Hand schüttelte und rannte dann auch schnell rein.
Rowena errötete schüchtern als Xander sie in eine kräftige Umarmung zog. „Vielen Dank für deine Hilfe," sagte er. „Ärger fleißig weiter Giles und wenn ich das nächste Mal komme, können wir uns zusammentun."
„Okay," sagte sie und trat einen Schritt zurück. „Viel Glück, Xander."
„Faith," sagte Xander. „Sag Robin es täte mir Leid ihn verpasst zu haben, aber ich werde nächste Woche zum Ausgleich anrufen."
„Okay, Mann," erwiderte sie. „Erzähl Buffy von dem ganzen Spaß, den sie verpasst, wenn sie nicht hier in Cleveland ist."
„Klar," lächelte er und wandte sich dann zu Giles. Er bot ihm die Hand an, aber Giles grinste leicht und umarmte ihn stattdessen.
„Hab auf dich Acht," sagte Giles. „Und falls du etwas brauchst ..."
„Glaub mir," sagte Xander als sie sich wieder trennten. „Ich weiß, wohin ich kommen muss."
Sie schauten sich einen Moment an, dann wandte er sich zu Kennedy.
„Kann ich dich auch umarmen?" fragte er zögernd.
Kennedy schaute ihn einen Moment lang an, dann zog sie die Hände aus den Hosentaschen und legte steif ihre Arme um ihn. Willows und Xanders Augen trafen sich kurz und sie lächelte traurig.
„Vielen Dank," sagte er und ließ sie lange Zeit nicht los. „Tu mir bitte einen Gefallen, ja?" fragte er.
„Uhm, was denn?" fragte sie.
„Pass auf Will auf, okay?" sagte er. „Es gibt nichts in der Welt, was ich mehr möchte als das sie glücklich ist."
Kennedy nickte. „Okay. Sei ... sei vorsichtig, Xander," sagte sie. „Du bist ein ziemlich guter Kämpfer, aber es ist eine rauhe Welt da draußen." Damit wandte sie sich um und ging weg von der Gruppe. Nur noch Willow und Xander standen an der Straße.
„So," sagte Willow und wirkte unsicher, was genau sie jetzt tun oder sagen sollte.
„Komm her," sagte er und umarmte sie fest.
„Ich möchte nicht, dass du gehst, weißt du," sagte sie mit einem leichten Schluchzen, das etwas gedämpft wurde, da sie ihr Gesicht in seinen Mantel vergraben hatte.
„Ich weiß," sagte er. „Aber ich hab’s Buffy versprochen. Außerdem brauchst du Zeit um mit Ken wieder ins Reine zu kommen und ich muss noch über vieles nachdenken."
„Ich weiß," sagte sie und wischte über ihre Augen. „Ich werd dich halt trotzdem vermissen."
„Ich dich auch," sagte er und küsste sie auf den Kopf. „Wir sehen uns ja wieder, Will."
Er ließ sie los als auch seine Augen feucht wurden. Er kletterte in sein Wohnmobil und kurz darauf sprang der Motor an. Er stellte den Spiegel ein und sah dabei Willow, die auf dem Bürgersteig stand und sich über die Augen wischte. Er zögerte kurz, aber dann legte er den Gang ein und fuhr los.
Xander fädelte sich in den Verkehr ein, aber Willow stand dort noch lange, nachdem er schon nicht mehr zu sehen war.
Fade Out
Fade In
Int.
Willows Wohnung – Später am Abend
Schlafzimmer
Kennedy kam in das Schlafzimmer und warf ihren Mantel über einen Stuhl.
„Hey," sagte Willow. „Gab’s Probleme heute Abend?"
„Nö, keine," sagte Kennedy. „Ich denke, nach dem Gemetzel gestern Abend unter der Vampirbevölkerung wird es die nächsten Tage etwas ruhiger bleiben."
„Nun, d-das ist gut," sagte Willow und legte ihre Bürste auf die Ablage. „Bist du okay?" fragte sie.
„Ja, fein," sagte Kennedy und setzte sich auf das Bett, um ihre Stiefel auszuziehen.
„Gut," lächelte Willow und betrachtete ihre Geliebte. Sie kam etwas näher und setzte sich neben Kennedy. „Nicht zu müde, hoffe ich," sagte sie und spielte mit einer Locke von Kennedys dunklen Haaren.
Kennedy lehnte sich etwas weg und sagte, „Irgendwie schon. Ich denke ... ich werd nur Duschen und mich dann in die Falle hauen."
„Oh," sagte Willow und beobachtete, wie Kennedy im Badezimmer verschwand. Mit einem Seufzer stand sie auf und ging zum dunklen Fenster, das auf den See schaute. Ihre Lippen zitterten leicht, als sie mit dem Finger über die verwundenen Muster wischte, die die Eisblumen auf dem Glas gebildet hatten.
Ende