
Fremder Einfluss
Idee von: David, Zahir, CN Winters und Susan Carr
Geschrieben von: Steff mit Ergänzungen von David Zahir
Koordiniert von: CN Winters und Susan Carr
Produziert von: CN Winters und Susan Carr
Überarbeitet: Kate
Ton: Steff
Bilder: Chris Cook
Künstler: Chris Cook, David Zahir,
Coen, Tori, Cynthia Taz
Teaser
Fade In
INT.
Wächter Hauptquartier - Tag
Cleveland
In der Küche waren alle Augen auf Andrew gerichtet. Voller Stolz und gekleidet in seine Kochschürze verkündete er: „Essen ist fertig."
Als Faith und Wood vorbeiliefen, fielen Andrew sofort die Schlüssel in Faiths Hand auf.
„Ihr könnt noch nicht gehen," sagte er. „Ich hab ein spezielles Rezept verwendet, das ich auf dem New Hope message board gefunden hab. Es hat nicht wirklich was mit Star Wars zu tun, weshalb ich auch nicht weis warum es da war, aber es sah gut aus also wollt ich’s mal ausprobieren und ..."
Sein Monolog wurde von Faith unterbrochen. „Sorry Mr. Mom, ich fahr zurück nach Boston um ne neue Jägerin abzuholen."
„Und ich bin mir sicher, dass Faith sich die Zeit nimmt mir ihre Heimatstadt zu zeigen, oder?" Meinte Wood als sein Blick von Andrew zu Faith wanderte.
„Oh yeah, Liebling. Du wirst die Boston-Erfahrung lieben. Kein Zweifel," versicherte ihm Faith.
Als die beiden das Haus verließen, wandte Andrew sich Willow zu. „Was ist mit dir Willow? Ich weiß, dass du mein spezielles Frühstück magst."
„Um sorry, aber ich hab mich grad in den Polizeicomputer eingeloggt und es sieht so aus, als ob es irgendwo in der Nähe ein Vampirnest gibt. Ich muss nur ein bisschen mehr nachforschen um es zu finden." Sagte Willow abwesend als sie zum Kühlschrank ging um sich ein Glas Saft zu holen.
„Oh, gut gemacht," sagte Giles schnell zu Willow als er zur Tür ging um den neuen Zimmermann zu begrüßen. Der Zimmermann war engagiert worden, um bei der Renovierung des Gebäudes zu helfen.
In dem Moment lief Kennedy an Andrew vorbei. „Oh Frühstück ist fertig, die wichtigste Mahlzeit des Tages und mitunter das Wichtigste, was ne anständige Jägerin braucht." Sagte Andrew in der Hoffnung, dass er zumindest eine Person dazu bewegen konnte sein Frühstück zu versuchen. Dummerweise gab es immer weniger Versuchskaninchen.
„Umm, nein danke.
Ich trainiere heute mit den Mädels. Ich hab also keine Zeit." Sagte Kennedy als sie im Vorbeigehen Willow küsste und dann ebenfalls ging.Seufzend und vor sich hin murmelnd lief Andrew zurück in die Küche als Giles die Tür für den neuen Zimmermann öffnete. Giles lächelte. „Ah, hallo. Ich bin Rupert Giles, Sie sind sicher Hank Malloy?"
„Ja mein Herr, der bin ich. Ich dachte nicht, dass ich dieses Gebäude noch einmal wieder sehe. Dachte immer, sie würden es einfach irgendwann abreißen." Sagte Hank.
„Sie waren schon mal hier?" Fragte Giles höflich.
„Oh ja, ich war vor ein paar Jahren schon einmal hier um einige Kleinigkeiten hier und dort zu beheben." Erklärte Hank.
„Ah, okay. Wollen wir uns zunächst einen Kaffee im Esszimmer genehmigen?" Fragte Giles ohne weiter auf die vorherige Bemerkung einzugehen. „Nebenbei kann ich ihnen unsere Baupläne zeigen."
„Sicher, das hört sich gut an."
„Gut, folgen Sie mir bitte," sagte Giles als er Hank zum Esszimmer führte.
Als die beiden Männer eintraten, fanden sie Andrew, wie er ein paar Eier aß und aufgeregt und mit seinem Frühstück allein gelassen vor sich hin sprach. Andrew bemerkte die beiden Neuankömmlinge nicht und Giles wies Malloy mit einem Finger über den Lippen an sich ruhig zu verhalten.
„Ohh danke Andrew, wie schön, dass du an uns gedacht hast," sagte Andrew laut in einer sich überschlagenden Stimme, die Willow und Kennedy alle Ehre machen würde. „Oh, Eier. Mein Lieblingsessen. Danke Mann!" sagte er nach einem weiteren Bissen in einer tieferen Stimme, die wohl Faith ähneln sollte. Giles unterdrückte ein Lachen und hörte weiter zu. „Ah, Schinken. Ja, wie bedacht. Wir sind dir für deine Arbeit wirklich zu Dank verpflichtet," sagte er diesmal mit einem eher britischen Akzent.
Giles räusperte sich und Andrew schaute von seinem Teller auf. Er konnte nicht sagen wie viel Giles von seiner kleinen Privatvorführung gesehen hatte. Andrew versuchte sofort sich zu retten.
„Oh! Mr. Giles, ich uh, ich wusste nicht, dass - dass Sie da waren."
„Offensichtlich," meinte Giles als er mit Malloy weiter in dass Esszimmer ging und nach einem Stück Schinken griff. „Um, wir sind dir für deine Arbeit wirklich zu Dank verpflichtet." Imitierte er nun Andrew im selben Tonfall.
Andrew errötete. „Ich war gerade dabei mein Frühstück zu beenden. Sie wissen ja, es ist die wichtigste Mahlzeit des Tages." Sagte Andrew als er von seinem Stuhl aufstand. „Um, ich denke, ich geh jetzt besser."
Giles sah Andrew grinsend nach als dieser ging. Nachdem Andrew weg war wandte er sich wieder Malloy zu, der ebenfalls nicht anders konnte als über Andrews Verhalten zu lächeln.
„Sahne oder Zucker?" Fragte Giles, die Kaffeetasse schon in seine Händen haltend.
Schnitt
INT.
Straße in London - Tag
England
London 2002
Die blonde Frau schaute aus dem Fenster des Taxis als sie sich ihrem Ziel näherte. Sie blinzelte kaum, obwohl ihre Augen von Ringen unterlaufen waren aus denen man schließen konnte, dass sie nur wenig geschlafen hatte. In ihren Händen hielt sie eine Tasche, die noch größer schien als sie wirklich war, da ihre Trägerin ziemlich klein war. Wenn man sie so ansah, sah sie aus wie eine Collegestudentin, die unter einem riesigen Jetlag litt.
Die Nachbarschaft war von einer roten mit Efeu überwachsenen Mauer umgeben. Fast ein Drittel der Gebäude hatte Türme und fast alle sahen aus als stammten sie aus dem letzten Jahrhundert. Die Umgebung sah respektabel und vertrauenswürdig aus und wirkte fast schon erhaben. Die wenigen vorhandenen Gargylen waren Löwen und Engel und versperrten jedem Dämon oder fantastischen Monster, das es wagte hier Eintreten zu wollen, den Weg.
Leise stieg die junge Frau aus dem Taxi aus. Dann bezahlte sie den Fahrer.
„Stimmt so," sagte sie.
Seine Augen leuchteten auf. „Danke! Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag Miss."
Das Trinkgeld war großzügig, wenn nicht sogar etwas verschwenderisch. Mit ihrer Tasche fest umklammert machte sich die junge Frau nun auf den Weg. Sie wartete nur noch bis das Taxi außer Sichtweite war.
Schließlich ging sie um die Ecke und hielt an. Einen halben Häuserblock entfernt stand ein fünfstöckiges Gebäude, in dem eine Privatschule oder eine Anwaltskanzlei Platz hätte. Das Tor sah sehr antik aus, war aber in gutem Zustand.
Auf dem Tor war ein Wappen. Das Schild zeigte einen schlafenden Löwen über dem drei Raben zu erkennen waren. Unter dem Wappen war in Latein zu lesen:
PER EXPEDIA, VICTUS!
„Nur Wissen führt zum Sieg," übersetzte die Frau mit sanfter Stimme.
Sie umklammerte die Tasche noch mehr, ging einen Schritt nach vorne, hielt dann aber wieder an.
Schüsse oder etwas das sich ähnlich anhörte war zu vernehmen. Das Echo schien von überall zu kommen. Den Geräuschen folgten ein helles orangenes Licht und ein warmer Wind. Glasscherben flogen in sämtliche Richtungen. Steinbrocken, Holz und Zement regneten auf sie herab und die junge Frau fing instinktiv an zu laufen. Die Tasche hielt sie immer noch in Händen.
Nach Schutz suchend fand sie schließlich ein altes Fabrikgelände. Sie lief hinein und entkam so einem großen Zementblock, der hinter ihr auf die Erde knallte. Der zerspringende Zementblock schleuderte sie jedoch zu Boden. Die Angestellten der Fabrik halfen ihr schließlich wieder auf die Füße zu kommen und untersuchten sie auf Verletzungen, die sie haben könnte.
„Was zum Geier war das? Bist du noch in einem Stück Kleine?" Fragte einer.
Die junge Frau antwortete nicht. Sie sah die Reste von dem Zementblock, der sie beinahe erschlagen hätte. Es war nicht mal ein Zementblock, sondern ein Stück brennendes Holz, das wohl früher einmal ein Teil eines großen Bücherregals gewesen war.
Angstschreie drangen zu ihr durch. Langsam lief sie vom Haupteingang weg. Sie fühlte wie sich Tränen in ihren Augen bildeten und hielt die Tasche wieder fester an sich gepresst.
Jemand schrie, aber in ihren Ohren hörte sie immer noch ein Pfeifen, weshalb sie die Stimme, die nach ihr rief, nicht richtig hören konnte. Selbst wenn sie sie gehört hätte, hätte sie nicht reagiert. Sie starrte nur weiter die brennenden Ruinen an und erinnerte sich an den einstigen Glanz des Gebäudes.
Ein zerlumpter Mann trat an sie heran. Er griff ihren Arm. „Kommen Sie! Wir müssen hier weg. Miss? Miss?" Doch die Frau starrte nur weiter vor sich hin.
Schnitt
INT.
Londoner Wächterhauptquartier – Heute
London, England
Mit dem selben blanken Gesicht saß die junge Frau da, doch die Stimme, die sie rief, änderte sich. „Miss? Miss?" Es war nicht länger eine männliche Stimme, sondern eine klare weibliche Stimme. "Miss Allister? Sind Sie noch bei sich."
Mit einem Kopfschütteln und einem Blinzeln sah sich die junge Frau die Empfangshalle an. Doch sie fand weder Trümmer noch roch sie brennendes Holz. Keine Sirenen waren zu hören, dann fiel ihr auf, dass sie saß und nicht stand. Ihre Haare waren sauber und nicht durch Schmutz zusammen geklebt. Unter ihren Füßen fand sie einen teuren Teppich statt einer ölbefleckten Straße.
„Miss Allister?" sagte die Sekretärin noch einmal mit etwas Ungeduld.
„Entschuldigung, ich war nur in Gedanken."
„Mr. Tyrell wird Sie nun empfangen," sagte die Sekretärin.
„Danke."
Miss Allister nickte freundlich und atmete einmal tief ein. Mit der Tasche in der Hand ging sie durch eine große Holztür und schloß sie hinter ihr.
Erster Akt
Fade In
INT.
Willows Vereinigungszimmer – Nacht
Cleveland
„Oh, hey. Ist es nicht ein bisschen spät um hier alleine rumzulaufen? Solltest du nicht eigentlich zu Hause im Bett sein? Morgen ist doch ein Schultag?" Fragte Willow den ungefähr acht Jahre alten Jungen, der vor ihr stand.
Nachdem sie nur angestarrt wurde ohne eine Antwort zu bekommen, machte Willow einen Schritt nach vorne und kniete vor dem Jungen.
„Bist du in Ordnung? Hast du dich verlaufen?" fragte sie mit einem freundlichen Lächeln. „Wo sind deine Eltern? Soll ich sie für dich Anrufen?" Doch sie erhielt noch immer keine Antwort.
Doch der Junge stand einfach nur weiter da, schwieg sie an und starrte ihr in die Augen. Willow fielen besonders seine kalten leblosen Augen auf. Er hatte sich seit sie ihn das erste Mal sah kein bisschen bewegt. Auch seine Gesichtszüge waren wie in Stein gemeißelt. Als Willow hinter ihn schaute, sah sie einen fast glatzköpfigen Mann mit einem Servierteller. Der Teller war voller verschiedener Käsesorten. „Milchprodukte sind gut für die Knochen," murmelte er. Willow ignorierte ihn und sah wieder den Jungen an.
Als sie ihm die Hand entgegenstreckte machte er plötzlich den Mund auf. Die Hexe hörte, wie er ihr etwas zuflüsterte. „Mußt es verstecken. Er darf es nicht finden."
Willow sah den Jungen mit fragenden Augen an. Ihre Verwirrung war offensichtlich.
„Finden, was denn?"
Der Junge lief an ihr vorbei aus dem Zimmer. Er schrie als er davonlief.
Schnitt
INT.
Trainingsraum der Jägerinnen – Nacht
Cleveland
Kennedy war fast mit ihrem Training fertig als sie ein kleines Mädchen von ungefähr 8 Jahren hinter sich bemerkte.
„Oh Mann! Hast du mich erschreckt," sagte sie bevor sie hinzufügte, „Wer bist du?"
Kennedy stand da und nahm zuerst die Boxhandschuhe ab bevor sie einen Schluck Wasser trank und auf eine Antwort wartete.
„Okay, was machst du hier? Ich hab dich hier noch nie gesehn. Wissen die anderen, dass--" Bevor sie weiterfragen konnte, unterbrach sie das Mädchen.
„Mußt es verstecken. Er darf es nicht finden."
Die junge Jägerin stand einen Moment einfach nur da bevor sie sichtlich verwirrt erwiderte: „Was solln das heißen?"
Das Kind drehte sich nur um und lief aus der Tür. Nur Sekunden später hörte Kennedy einen lauten Schmerzensschrei.
Schnitt
INT.
Die Küche – Nacht
Cleveland
Faith war in der Küche um sich einen kleinen Mitternachtsimbiss zu genehmigen. Als sie die Kühlschranktür schloss und sich umdrehte saß ein Junge vor ihr am Tisch. Er schien darauf zu warten, dass sie ihren Snack beendete.
„Whoa. Wo kommst du denn her Kurzer?" fragte sie als sie beherzt in ihr Sandwich biss. Hinter sich hörte sie eine weitere Stimme.
„Vergiss den Schweizerkäse nicht."
Sie drehte sich um und sah einen Mann mit einem Teller voller Käse.
„Is schon Okay Alter," sagte sie ihm. „Ich hab alles was ich brauche."
Sie drehte sich wieder zum Kind. „Okay, bist wohl kein großer Redner oder? Wie heißt du?" Es kam immer noch keine Antwort. Sie hielt eine Hand an ihre Hüfte. „Okay Kurzer wer hat dich reingelassen? War’s Giles? Ich muss echt mal mit ihm Reden. Er hat wohl voll verpeilt mir zu sagen, dass wir Besuch be..."
„Musst es verstecken. Er darf es nicht finden." Unterbrach sie der Junge.
„Von was zum Geier redest du?" fragte sie den Jungen. Er schrie so laut wie er konnte, sprang vom Stuhl und rannte aus dem Zimmer. Faith zuckte mit den Achseln und kümmerte sich wieder um ihr Sandwich.
Schnitt
INT.
Studierzimmer des Rates der Wächter – Nacht
Cleveland
Giles versuchte etwas in seinen Büchern zu finden als er im Augenwinkel ein kleines Mädchen sah. „Oh hallo. Ich hab dich gar nicht reinkommen hören," sagte Giles zu dem Mädchen. "Kann ich dir irgendwie helfen?" Fragte er.
Doch das Kind stand nur da, vollkommen emotionslos.
„Oh, d-das tut mir leid wo sind meine Manieren. Ich bin Rupert Giles. Ich bin ein Wächter,"
sagte er als er vor ihr niederkniete um ihr besser in die Augen zu sehen.„Er darf es nicht finden." Antwortete sie.
„Wie bitte? Was darf wer nicht finden?" Fragte der Wächter.
Doch die Kleine drehte sich nur um und war weg. Im Weglaufen schrie sie noch einmal so laut wie sie konnte.
Schnitt
INT.
Bibliothek der Wächter – Nacht
Cleveland
Wood sah sich einige Karten an um den schnellsten Weg zu einer weiteren Jägerin zu finden als plötzlich ein kleiner Junge vor ihm stand.
„Oh, na du. Wie heißt du Kleiner?" fragte er höflich, so dass der Junge keine Angst bekam. Nachdem er keine Antwort bekam, sagte er: „Hi. Ich bin Robin." Als er dem Jungen die Hand schütteln wollte gab es noch immer keinerlei Reaktion. Dann fragte er weiter: „Bist du mit jemandem hier? Sind deine Eltern hier?"
„Mußt es verstecken. Er darf es nicht finden." Prompt rannte der Junge davon. Wood erschrak als er einen schrillen Schrei von sich gab.
Schnitt
INT.
Andrews Fernsehzimmer – Nacht
Cleveland
„Mal sehn…Ich hab die ersten sechs Staffeln von Akte X. Die siebte hab ich nicht, weil ihr einfach die richtige Atmosphäre fehlte. Oh und ich hab auch den Kinofilm von 1998 ‚Flight of the Future’," sagte Andrew als er jede erwähnte DVD einzeln hochhielt. Das kleine Mädchen starrte ihn nur an. „Nun dann werd ich einfach eine für uns beide aussuchen, wenn du dich nicht entscheiden kannst."
Die Standardwarnung des FBI tauchte auf dem
Bildschirm auf und Andrew wandte sich dem Mädchen zu. „So wie heißt du
denn? Ich bin Andrew."
„Er darf es nicht finden."
„Huh? Wer?"
Das Mädchen lief schreiend davon, während Andrew einfach nur verwirrt war.
„Hey! Was ist jetzt mit der DVD?" schrie er ihr nach als er sich auf die Couch warf. Er verschränkte die Arme und murmelte "Komische Jägerinnen."
Fade To
INT.
Rat der Wächter – Tag
Cleveland
Willow und Kennedy kamen ins Esszimmer. Giles, Faith und Wood waren bereits da. Kaum hatten sie sich hingesetzt, kam Andrew auch schon mit dem Frühstück.
„So, wie geht’s euch denn heute Morgen?" fragte er, als er die Teller mit dem Essen auf den Tisch stellte. Er war froh, dass diesmal alle da waren um sein Frühstück zu essen.
„Oh, gut, danke," sagte Giles, als er mit einem Lächeln zusah wie Andrew das Essen servierte. Dann sah Giles seine Mitstreiter an und sprach: „Das sieht doch sehr gut aus oder?" So forderte er die anderen auf, das Kompliment zu erwidern.
Willow war die erste, die den Wink mit dem Zaunpfahl verstand und erwiderte „Oh, Eier. Mein Lieblingsessen." Sie grinste Andrew an.
„Bitte," begann Andrew. „Hör auf mich zu veräppeln."
„Ich veräppel dich nicht," konterte Willow. „Es sieht wirklich gut aus und Giles erwähnte, dass du dich fühlst als ob keiner deine Anstrengungen zu würdigen weiß." Nach einer kurzen Pause fügte sie noch hinzu: „Wir brauchen deine Hilfe wirklich. Es tut uns Leid wenn du dich nicht beachtet fühlst," meinte sie ernst.
„Entschuldigung angenommen," sagte Andrew mit einem Lächeln. „So wie war euer kleiner Ausflug," fragte er Faith und Wood, die ihm gegenüber saßen.
„Sehr gut," erzählte ihm Wood. „Diese Woche kommen eine Jägerin aus Boston und ein potentieller Wächter aus New Jersey. Sieht aus als könnten wir uns bald den westlicheren Gebieten zuwenden."
„Cool," meinte Andrew. „Und Mr. Giles, wie geht es ihnen? Ich konnte gestern fast hören, wie sie in ihrem Studienzimmer ihre Brille polierten."
„Tut mir Leid wenn ich dich geweckt habe," entschuldigte sich Giles.
„Ach was, ich war eh noch wach."
„Nun ich habe nicht sehr gut geschlafen," erzählte Giles ihm. „Ich dachte, ich könnte mich genauso gut um ein paar alte Texte kümmern."
„Ich auch nicht," fügte Willow hinzu. „Ich war irgendwie ruhelos."
„Ich weiß, was ihr meint," meinte Andrew. „Ich hab was total Schräges geträumt." Während er sich hinsetzte um selbst zu essen, bereitete sich die Gruppe vor eine geistige Reise in die Unendlichen Weiten der Langeweile zu begehen. „Ich stand vor dem Fernseher und wollte gerade Akte X sehen. Nun die 7. Staffel ist mir egal, weshalb sie auch fehlt, aber ich hab die ersten sechs plus den Kinofilm von 1998-."
Sein Gelabere wurde von Faith gestoppt. „Komm endlich zur Sache."
Nach einer Pause und einem ungehaltenen Blick fuhr Andrew fort. „Wie auch immer. Da war dieses kleine Mädchen. Natürlich dachte ich sie wär ne Jägerin. Wir haben also entschieden uns Akte X anzusehn. Nun ja viel mehr ich hab entschieden, da sie nichts sagte. Ich hab sie nach ihrem Namen gefragt, aber sie antwortete nicht. Dann sagte sie-."
„‘Er darf es nicht finden’ oder so was Ähnliches?" bot Willow an.
„Yeaaaaah," stimmte Andrew mit einem Nicken zu. „Du hattest den selben Traum?"
„Whoa, ich auch," brach es aus Faith aus, bevor Willow antworten konnte. „Aber bei mir war es ein kleiner Junge kein Mädchen," erzählte Faith. „Hatte noch jemand den selben Traum oder sind wir die Psychos unter uns?"
„Nun, Ich hatte auch einen ähnlichen Traum über ein kleines Mädchen," sprach Giles. Er sah Kennedy und Wood an und fragte „Was ist mit euch?"
Beide nickten. Willow nahm einen Stift und machte Notizen auf dem Block neben ihr.
„Ja, ein junges Mädchen," erzählte ihr Kennedy. „Ich dachte auch, sie wär ne neue Jägerin. Es sind ja schon so viele hier, dass es nicht unbedingt seltsam war sie im Trainingsraum zu sehn."
„Ich hab auch einen Jungen gesehn," antwortete Wood. „Und ja er hat auch so was komisches gesagt. Es klang fast schon wie ein Vers." Er hielt einen Moment inne um sich zu erinnern. „’Mußt es verstecken. Er darf es nicht finden’." Sagte er, als er mit den Fingern schnippte.
„Das muss irgendetwas bedeuten," sagte Willow. „Ich denke, wir sollten ein paar Nachforschungen anstellen," sagte sie mit einem Blick zu Giles.
„Ah ja, da stimme ich zu. Wir könnten etwas Nützliches finden," meinte er mit einem Nicken.
„Andrew, komm wenn du aufgeräumt hast mal vorbei. Du kannst mir assistieren," sagte Willow als sie aufstand und ihren Saft und Teller in der einen Hand und den Notizblock in der anderen mitnahm.
„Okay Willow" antwortete er enthusiastisch.
„Es sind die kleinen Dinge, die ihn erfreuen," meinte Kennedy zu Faith, die nur grinste.
Willow bemerkte Hank, wie er sich dem Esszimmer näherte, als sie ging. Er nickte ihr zu und begrüßte sie "Guten Morgen."
„Morgen," erwiderte sie, als er weiter ging um Giles zu suchen. Als er das Esszimmer betrat, schüttelte er Giles die Hand. „Guten Morgen, Mr. Giles."
„Oh, Mr. Malloy, guten Morgen."
Er sah die Leute an, die mit Giles am Tisch saßen. Als hätte Giles den Blick verstanden, begann er sie vorzustellen. „Das sind Faith, Wood, Kennedy und Andrew, den sie ja gestern schon getroffen haben," sagte er mit einem Lächeln. Alle lächelten und nickten als Giles ihren Namen sprach.
„Nun, es ist schön Sie alle kennen zu lernen," erwiderte Hank ebenfalls mit einem Lächeln.
Beiläufig bemerkte Andrew „Ja wir hatten echt Glück jemanden zu finden, der bereits an diesem Haus gearbeitet hat. Es hilft doch die Räumlichkeiten bereits zu kennen oder?"
„Yep, sicher tut es das. Ich bin froh wieder hier zu sein – es ist ein großartiges Gebäude. Es würde mir gar nicht gefallen, zusehen zu müssen wie man es abreisst."
Giles verließ die anderen, damit diese in Ruhe fertig essen konnten. Er selbst gesellte sich zu Willow, die wieder an ihrem Computer saß. Bevor er zu sprechen begann versicherte er sich, dass keiner von den Arbeitern in der Nähe war.
„Ah, ich wollte nur nachfragen, ob du den Vampirunterschlupf schon gefunden hast," sagte er, als er sich neben sie setzte.
Von ihrem Computer aufschauend erwiderte Willow: "Eigentlich muss ich die Daten noch von einem Programm bewerten lassen. Es wird noch eine Weile dauern bis ich was brauchbares finde."
„Oh, na gut. Ich denke, das sollte erste Priorität haben. Es ist eine bekannte Gefahr und wir müssen uns so bald wie möglich darum kümmern."
„Okay, ich bin dabei. Bald sollte ich etwas haben, was uns weiter hilft. Lass doch nach dem Essen alle mal bei mir vorbeikommen. Ich möchte etwas mehr über diese seltsamen Träume erfahren."
„Wirst du jetzt zu Miss Freudianerin?" zog er sie auf.
„Manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre." Antwortete sie mit einem Grinsen. „Aber wir hatten doch alle den selben Traum. Es hilft uns sicher wenn wir hier etwas nachforschen."
Schnitt
EXT.
Straße außerhalb des Rates der Wächter – Tag
Cleveland
Jedes Mitglied des neuen Rates war mit seinem Alltag beschäftigt. Keiner bemerkte den schwarzen Lieferwagen, der auf der anderen Straßenseite parkte. Wer vorbeiging bemerkte nicht einmal, dass jemand drinnen saß.
Aber in dem Fahrzeug befand sich eine Gruppe von drei Männern. Sie hatten sich um einen Bildschirm versammelt und trugen alle Kopfhörer. Vor ihnen blinkten Knöpfe und Schalter. Sie sahen alles, was mit dem neuen Rat passierte. Einer der Bildschirme zeigte sogar, wie der Postbote die Post brachte.
Schnitt
INT.
Rat der Wächter- Später
Cleveland
„Hey," sagte Kennedy als sie zu Willow lief und sie von hinten in den Arm nahm. Sie hatte beide Arme um Willows Schultern gewunden.
„Hey, gehst du schon?" Fragte Willow, als
Kennedy sich runterbeugte um sie zu küssen.
„Yeah, die Sonne geht in ungefähr einer Stunde unter. Wir wollen keine Zeit
verlieren. Also fangen wir so früh wie möglich an." Erklärte Kennedy
als die anderen Vi folgend den Raum betraten. „Hast du schon irgendwas
gefunden?" fragte Kennedy.
„Yeah, Ich hab die Suche auf die Abwasserkanäle eingegrenzt. Scheint so als ob das auch in Cleveland die Hauptroute für Untote ist. Ich arbeite gerade an der Traumsache. Aber da ist so vieles, was uns überhaupt nicht weiter bringt." Sagte Willow anscheinend schon wieder ganz in ihre Nachforschungen vertieft.
„Gut, Faith bleibt heute hier, damit das Ratsgebäude der Wächter nicht unbewacht ist. Sorry."
„Ha. Ha," Willow antwortete mit einem Grinsen.
„Hey! Wir brauchen wirklich keinen ‘Ich bin ein böser Vampir also lasst mich rein’ Vorfall mehr," erklärte Kennedy. „Noch so ein Notruf vom Hauptquartier und ich bekomm vielleicht einen Herzinfarkt."
„Uns wird schon nichts passieren," versicherte ihr Willow.
„Mit Faith hier mach ich mir keine Sorgen," grinste sie. „Aber im Fall der Fälle Vi kommt mit mir und Rona leitet das zweite Team. Ruf einfach an wenn du was brauchst."
„Mach ich," antwortete Willow. Sie wandte sich Kennedy zu um noch einen Kuss zu bekommen, den Kennedy ihr auch prompt gab. „Vielleicht kann ich dir etwas mehr als ‚Die Interpretation von Träumen’ bieten, wenn du wieder da bist."
Giles stand still in der Eingangstür und beobachte die Interaktion mit sorgenvollem Gesicht. „Du schaffst das schon," sagte Kennedy zuversichtlich. „Ich bin bald zurück," fügte sie hinzu und führte die Teams raus in die Nacht.
Als die Jägerinnen weg waren lief Giles langsam zu Willow hinüber. „Ist etwas passiert? Du scheinst heute leicht abgelenkt zu sein," fragte er. Dass er sich Sorgen machte, stand ihm ins Gesicht geschrieben.
„Wie kommst du darauf?" fragte Willow mit einem traurigen Lächeln, als sie sich vom PC wegdrehte und ihn ansah.
„Nun, nach sieben Jahren glaube ich zu wissen, wenn dich etwas aufregt. Geht es um deine Pflichten als Wächterin? Ich weiß wir hatten nicht viel Zeit zu trainieren, aber sobald wir -."
„Nein, das ist es nicht," sagte sie und reichte ihm eine Postkarte, die sie aus einer Schublade herausgeholt hatte.
Als er sie betrachtete, bemerkte er Xanders Namen auf der Karte. Er sah Willow an und fragte mit einem Lächeln: „Von Mr. Harris?" Er fing an die Karte zu lesen.
„Ja. Ich habe sie heute Morgen nach dem Frühstück bekommen. Ich mach mir Sorgen um ihn. Er ist ganz allein. Giles, ich weiß nicht mal wo er ist. Ich weiß nicht, wie es ihm geht. U-und ich weiß er hat genug Geld, aber ich weiß einfach nicht wie’s ihm geht, wie - wie er überlebt. Es ist einfach...Ich wünschte ich könnte mehr für ihn tun. Weißt Du, ich denke ich fühle mich irgendwie hilflos." Erklärte Willow als er ihr die Karte reichte. „Er hat seine Handynummer geändert, also kann ich ihn nicht mal mehr anrufen."
„Nun, es scheint ihm doch gar nicht so schlecht zu gehen. Er wollte doch schon immer zu ein paar Nationalparks reisen und das Land sehen."
„Es ist nicht was er sagt, das mir Sorgen bereitet," antwortete Willow, „es ist das, was er nicht sagt. Lies die Karte noch mal. Hört sich dass nach unserem Xander an."
Giles sah sich noch einmal die Karte an bevor er sie zurück gab. „Ich verstehe, was du meinst," sagte Giles als er seine Brille abnahm. „Es fehlt die fröhliche Xander-Ansprache. Das ist es doch, was dir fehlt, nicht war?"
„Er scheint einfach nicht er selbst zu sein. Ich meine, ich weiß nachdem er sein Auge und dann auch noch Anya verloren hat, überhaupt eigentlich alles, braucht er einfach Zeit. Ich respektiere, dass er so ehrlich war und sagt, dass er nicht weiterkämpfen kann. Aber unfähig zu sein ihm zu helfen, gerade wo er mir nach Taras Tod so geholfen hat, ist hart."
„Eventuell könnten wir Buffy anrufen? Wir könnten einfach nachfragen, ob sie was von ihm gehört hat?"
„Vielleicht…Alles was ich weiß ist, dass er sagt, dass es ihm gut geht und dass die Postkarte ihn an mich erinnert hat. Deshalb hat er sie mir geschickt," sagte Willow, als sie die Postkarte traurig ansah. Auf ihr war eine Ziege abgebildet. „Ich erinnere mich an den Streichelzoo, in den wir als Kinder gegangen sind. Er offensichtlich auch..." sagte sie, als sie auf das Bild zeigte.
„Denkst du, wir sollten nach ihm suchen?... Ich meine eine richtige Suche? Wir könnten ihn aufspüren und versuchen, mit ihm zu reden." Schlug Giles vor.
„Nein, auf keinen Fall. Er ist gegangen, weil er Zeit braucht um all dem hier zu entkommen. Ich denke wir sollten ihm soviel Respekt entgegen bringen und ihm zumindest das geben," erwiderte Willow.
„Was ist mit den Heilzaubern, die du gesucht hast?" Fragte Giles.
„Ich habe einige gefunden. Es handelte sich jedoch fast ausschließlich um dunkle Zaubersprüche, die ein rituelles Opfer benötigten. Und ich spreche nicht von Kuscheltieren sondern von der menschlichen Sorte. Ich bin bereit für Xander gewisse Opfer zu bringen, aber nicht alle Opfer, wenn du verstehst, was ich meine."
„Solltest du auch nicht," stimmte Giles zu. „Aber wenn du Hilfe brauchst Willow…"
„Ich weiß, wo ich dich finde," sagte sie mit einem Grinsen. „Dritte Tür oben links, stimmt’s?"
Giles gab ihr die Karte mit einem Grinsen seinerseits zurück und strich ihr übers Haar bevor er ihr auf die Schulter klopfte.
Schnitt
EXT.
Straße in der Stadt – Nacht
Cleveland
„Ich versteh einfach nicht, warum es heute Abend so still ist." Meinte Vi, als sie mit den anderen Jägerinnen durch die Straßen patrouillierte.
„Wer weiß," erwiderte Kennedy, „Normalerweise wenn es so still ist, bahnt sich etwas an. Wir sollten uns darauf vorbereiten, dass bald etwas passiert."
In der Zwischenzeit, von den Jägerinnen unbemerkt, folgte eine blonde Frau mit geringem Abstand jedem ihrer Schritte. Sich leise bewegend war sie nah genug dran um auch ihren Gesprächen aufmerksam lauschen zu können.
„Hey, lasst uns schnell noch ma da durch gehen. Dann gehen wir zur East side zurück." Sagte Kennedy, als sie auf einen Unterschlupf zeigte.
Die Gruppe stieg die Leiter hinab. Die Blonde war immer noch genau hinter ihnen, hatte jetzt aber eine Armbrust auf dem Rücken. Keiner bemerkte, dass ihnen ein schwarzer Lieferwagen folgte.
Schnitt
INT.
Rat der Wächter – zur gleichen Zeit
Cleveland
„Huh, sieh dir das mal an. Diese Stadt hat eine ganz schöne Geschichte," sagte Willow laut und bekam so Giles’ Aufmerksamkeit. Willow lehnte sich weiter vor um den Text auf dem Bildschirm besser lesen zu können. Sie begann Giles vorzulesen, als er sein Buch niederlegte.
„Letztes Jahr gab es sechs Morde an Kindern. Der Hauptverdächtige war ein Herumstreuner namens Richard Malloy. Er starb, als er vom Dach dieses Hauses fiel. Danach gab es keine weiteren Morde," sagte Willow, als sie zu Giles aufsah.
„Das ist vielleicht der Herumstreuner, den unsere Maklerin erwähnte." Fügte Giles hinzu. Beide sahen sich kurz an, bevor Willow eine weitere Suche startete. Plötzlich erschien ein anderes Bild.
„Also gut ich denke, wir sind auf etwas sehr Interessantes gestoßen," bemerkte Giles.
„Bestimmt," meinte Willow. „Laut den Polizeiakten ist unser Zimmermann Hank Richards Bruder – Ich würde anhand der Fotos sagen, dass es sogar Zwillinge sind. Nun, das macht das Ganze doch um einiges komplizierter und verwirrender als mir lieb ist." Sagte Willow, als sie die neuen Informationen auf einer Disk abspeicherte.
Schnitt
INT.
Kanalisation - Nacht
Cleveland
„Rachel! Pass auf!" schrie Kennedy als sie herumwirbelte, um ihren eigenen Gegner auszuschalten.
Die neue Jägerin Rachel drehte sich noch rechtzeitig um, um den Vampir, der sich ihr von hinten näherte, zu pfählen. Die Vampire, die durch den Lärm in der Kanalisation erwachten, begannen die Jägerinnen einzukreisen.
Weder Jägerinnen noch Vampire bemerkten die blonde Beobachterin, die sich in den Schatten verbarg. Ein leichtes Grinsen formte sich in ihrem Gesicht als sie das Getümmel beobachtete. Doch dann passierte etwas, das ihre Aufmerksamkeit auf sich lenkte.
„Hey! Hinter dir!" Rief die blonde Frau Vi zu, die gerade mit einigen Vampiren vor sich beschäftigt war.
Sie hatte die beiden Vampire hinter sich nicht bemerkt. Blitzschnell drehte sie sich um und pfählte den Einen. Der andere zerfiel vor ihren Augen ebenfalls zu Staub. Die Blonde hielt eine Armbrust und versuchte gerade wieder nachzuladen.
Die anderen Vampire bemerkten den Neuankömmling und kamen direkt auf sie zu. Da sie nicht rechtzeitig nachladen konnte, wurde sie von den Vampiren zu Boden geschleudert.
Der Vampir lehnte sich vor und meinte, „Ich hatte schon lange keine gute Mahlzeit mehr. Dich werde ich voll auskosten."
Die Blonde schloss ihre Augen und drückte ihn mit voller Kraft von sich. Doch sie hatte nicht viel Erfolg. Er näherte sich ihr immer weiter. Plötzlich fühlte sie wie ihre Arme ins Leere schossen und sich eine Staubdecke über sie legte. Sie öffnete die Augen und sah Kennedy über sich. Sie hatte beide Hände an die Hüften gepresst.
„Hi, wer zur Hölle bist du denn?" fragte Kennedy, als sie der Blonden die Hand hinstreckte.
„Rowena Allister," antwortete sie, als sie aufstand.
„Bist du eine Jägerin?" fragte Vi. „Weil
das Hauptquartier ist nicht weit von hier. Du kannst mit uns kommen wenn du
möchtest."
„Oh, nein, ich bin keine Jägerin. Ich jage nur wenn ich muss,"
antwortete die blonde Frau mit einem Lächeln, während sie sich den Staub
abklopfte. „Ich bin eine Wächterin."
Kennedys Augenbrauen wanderten nach oben während Vis Kinn Richtung Boden wanderte.
Zweiter Akt
Fade In
INT.
Rat der Wächter - Tag
Cleveland
Es klopfte an der Tür. Willow ging hin um den Gast zu empfangen, während Andrew hinter ihr stand.
In der Tür stand ein gut gekleideter Mann mit einem sehr ernsten Gesichtsausdruck. Er stellte sich vor und gab Willow die Hand.
"Hallo. Mein Name ist Vincent DeVeer vom Rat
der Wächter. Ich bin hier wegen der Tatsache, dass 200 Millionen Pfund zu
fehlen scheinen."
Willow gingen die Augen auf und sie ließ sofort seine Hand los. Dann drehte
sie sich zu Andrew, der ebenfalls sehr überrascht aussah. Sie spitzte die
Lippen, nickte und gab Andrew so ein Zeichen. Andrew verstand sofort und lief
los um Giles zu suchen.
"Oh ah, kommen Sie rein. Ich bin Willow Rosenberg," sagte Willow, als sie den Weg frei machte, damit ihr Überraschungsgast eintreten konnte. Sie gingen zur Lounge der Empfangshalle. „Möchten Sie etwas zu trinken? Oder etwas zu essen? Ich kann Ihnen etwas holen?" Fragte sie mit einem unsicheren Lächeln. Sie versuchte es dem Besucher so angenehm wie möglich zu machen.
"Oh, nein danke. Ich brauche nichts. Ich will nur wissen, ob wir die Angelegenheit bald bereinigen können," sagte er, während er sich auf ein Sofa setzte. Er saß jedoch nur kurz, denn Giles tauchte auf und so erhob er sich gleich wieder um diesen zu begrüßen.
"Hallo. Ich bin Mr. Giles," sagte der Wächter, als er dem Mann entgegen kam. Er schüttelte ihm die Hand und beide setzten sich. „Wie können wir Ihnen helfen, Mr. DeVeer?"
"Ich erzählte gerade Ms. Rosenberg hier, dass es ein Problem zu bereinigen gilt. Es scheint, dass mehrere Millionen von einem Schweizer Konto verschwunden sind, und wir versuchen natürlich sie wiederzufinden." Sagte der Mann mit ernster Miene. „Da Sie ja ein Mitglied des Rates sind, dachte ich, dass Sie vielleicht wissen, was damit passiert ist und können uns helfen." Fügte er mit einem wissenden Lächeln hinzu. Giles jedoch blieb ganz ruhig.
"Ah, ja und ...wer genau sind ‚wir’?" fragte Giles um etwas mehr über den dubiosen Mann zu erfahren.
"Oh, verzeihen Sie. Ich repräsentiere den
Rat der Wächter."
"Wir sind der Rat der Wächter." Sagte Giles förmlich. „Um, der
alte Rat wurde zerstört. Und es gab keine Überlebenden soweit wir wissen.
Wir haben versucht welche zu finden, aber der einzige Kontakt den wir hatten
war Mr. Robson. Er ist ein weiterer Wächter, dessen Anwärterin getötet
wurde. Es tut mir leid Mr. DeVeer, aber ich glaube nicht, dass wir Ihnen
helfen können." Antwortete Giles.
"Nun gut, der Rat wurde nicht vollständig zerstört. Die, die überlebt haben, sind dabei alles wieder in Ordnung zu bringen. Von einer Zerstörung des Rates auszugehen scheint mir doch etwas übertrieben, Mr. Giles."
„Wo waren Sie dann in den letzten 12 Monaten?"
„Mit der damaligen Bedrohung durch das Urböse haben wir beschlossen mehr im Untergrund zu agieren," erklärte DeVeer.
„Sie meinen, ihr habt euch verkrochen?" erwiderte Willow.
„Wie mutig und nobel von Ihnen," meinte Giles, bevor er sich zu Willow drehte. „Wie blöd von mir, dass ich die ganze Zeit an vorderster Front gekämpft habe."
Willow lächelte einfach nur.
„Die Dinge sind bei weitem nicht so, wie die Gerüchte sie erscheinen lassen," fuhr DeVeer fort, dabei Giles Kommentar ignorierend. „Vielleicht sollten Sie persönlich mit James Tyrell telefonieren. Sie beide kennen sich ja, wenn ich recht informiert bin. Ich bin sicher, er kann sich für die Unhaltbarkeit der vielen Gerüchte, die so herumschwirren, verbürgen," ergänzte der Mann mit einem leichten Lächeln.
„Ich hatte angenommen, dass er auch bei der Explosion ums Leben gekommen wäre. Wollen Sie mir sagen, dass er noch lebt, Mr. DeVeer?" fragte Giles, sichtlich bemüht die neuen Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten.
„In der Tat, Mr. Giles. Ich habe noch diesen Morgen mit ihm gesprochen. Rufen Sie an, hören Sie persönlich, was er Ihnen sagen kann." DeVeer reichte Giles eine Visitenkarte. „Seine Privatnummer ist auf der Rückseite."
Dem Vorschlag folgend stand Giles auf, ging zum Telefon und wählte die angegebene Nummer. Willow, Andrew und Mr. DeVeer konnten alle hören, was Giles zu der Person am anderen Ende der Leitung sagte.
„Ja, Rupert Giles. Ich würde gern Mr. James Tyrell sprechen," sagte er ruhig.
„Tyrell? Hier ist Rupert Giles ... Um ehrlich zu sein, ich hätte nicht gedacht jemals wieder von Ihnen zu hören," sagte er mit einem Lächeln. „Um, ja, ja. Ich verstehe. Es sind viele wichtige Dinge zu erledigen, also kein Grund Zeit fürs Herumreisen zu verschwenden, nur um alte Freunde zu besuchen. Es gibt vieles in London, um das Sie sich kümmern müssen, nach dem was Mr. DeVeer bisher gesagt hat."
Während er sprach tauschten Willow und Andrew besorgte Blicke aus und
versuchten mitzubekommen, was genau er meinte. Nachdem Giles aufgelegt hatte
und zu seinem Platz zurückgekehrt war, entschuldigte er sich.
„Bitte entschuldigen Sie, Mr. DeVeer. Wie es scheint, sind Sie tatsächlich vom alten Rat autorisiert, in ihrem Namen zu sprechen. Sie haben vollstes Vertrauen in Ihre Arbeit." Giles bemerkte die Blicke zwischen Willow und Andrew als er zu seinem Sessel zurückging.
„Nun gut, das ist nur zu verständlich. Ich denke, der Rat wird kein Problem mit Ihren Aktionen haben, Mr. Giles, sobald sie Ihre Begründung gehört haben. Sie sollten dafür gelobt werden, dass Sie die Initiative ergriffen haben. Auch wenn Sie dabei von leichten Fehlinformationen ausgegangen sind, so braucht ja nicht in genau diesem Augenblick entschieden werden, wie es zukünftig weitergehen soll," erklärte Mr. DeVeer. Er setzte sich auf und lehnte sich leicht nach vorne als er fortfuhr. „Wir werden wegen dem Geld keinen Streit aufkommen lassen," bemerkte er beiläufig mit einem Lächeln.
Nach seinen letzten Worten setzte sich Willow ruhig neben Giles und entspannte sich. Andrew tat es ihr gleich, schloss die Augen und lächelte. Giles hingegen änderte seinen Gesichtsausdruck nicht. Willow konnte sehen, dass Giles immer noch alles in seinem Kopf verarbeitete und ein leichtes Grinsen lag auf ihren Lippen.
Genau in diesem Augenblick betrat eine laute
Parade von Mädchen den Raum. Kennedy und die blonde Frau führten die Gruppe.
Dabei warfen sie sich böse Blicke zu und diskutierten über die Patrouille,
die sie eben absolviert hatten.
„Gefahr? Sie denken, DAS war Gefahr? Wir hatten alles unter Kontrolle. Es
war IHR kleiner Stunt, der uns alle in Gefahr gebracht hat!" sagte
Kennedy, als sie sich zu der Frau umdrehte, die Hände in den Hüften.
"Sie sind diejenige, die plötzlich hereingeplatzt ist und den ganzen
Aktionsplan über den Haufen geworfen hat!"
Durch den Lärm aufgeschreckt rannte Faith in den Raum, Pflock in der Hand, als würde sie erwarten, eine ganze Legion von Dämonen oder Vampiren zu sehen. Sie stoppte, als sie bemerkte, dass die Jägerinnen zurückgekehrt waren und dabei eine fremde Blondine im Schlepptau hatten. Sie blieb ruhig, als sie dem folgenden Streit zuhörte.
„Das ist nicht wahr. Ich sage Dir, eine viel sorgfältigere Erkundung ist nötig um die Sicherheit der gesamten Gruppe zu garantieren. Du kannst nicht einfach durch die Gegend rennen und auf einen Kampf hoffen," erklärte die blonde Frau mit festen Worten. „Ihr hattet Glück, dass ich da war um zu helfen. Wenn nicht, wer weiß, was der gesamten Gruppe hätte passieren können. Eine Streife ist nicht so einfach, wie du es hier darstellst. Es ist viel mehr Arbeit damit verbunden als einfach durch die Straßen zu wandern und nach Vampiren Ausschau zu halten."
„Entschuldigung? Die Mission ist erfüllt und niemand wurde verletzt. Wir machen dies schon immer auf unsere Art und es hat immer funktioniert. Das letzte was wir hier brauchen ist ein Besserwisser in unserer Truppe. Wir haben Ihre Hilfe nicht gebraucht. Und um genau zu sein," erwiderte Kennedy, auf die Frau zugehend, „Wir haben Ihren fetten blonden Hintern gerettet! Sie sollten mir danken."
Alle waren viel zu sehr mit dieser Diskussion befasst um Robin Wood zu bemerken, der Faith folgte. Er stand neben ihr, als sich das Drama weiter entfaltete.
„Das reicht. Wo war dein Wächter während dieser Aktion? Jede Mission sollte von einem Wächter beaufsichtigt werden. Und mit Sicherheit ist niemand von Euch ein Wächter," sagte die Blondine, die junge Gruppe vor sich anschauend.
Kennedy schaute sich um und ging dann zu Willow, wobei sie ihren Arm um sie legte. „Dies ist meine Wächterin," entgegnete sie der aufgebrachten Frau beißend.
Die Blondine zog die Augenbrauen hoch angesichts von Kennedys Feststellung und der körperlichen Nähe der beiden. Sie wandte sich an Willow und fragte, „Und wo genau waren Sie als Ihre Jägerin draußen unterwegs war und ihr Leben riskierte?"
Mit allen Augen auf sie gerichtet, begann Willow sich unwohl zu fühlen und sie zog unsicher an ihre Bluse. „Ja, ehm, ich - ich bin nicht wirklich ihre Wächterin, noch nicht genau genommen. Ich bin mehr ihre Freundin. Uhm, sie ist meine Freundin. Oh, wir sind Partnerinnen, äh und ... wer sind Sie eigentlich?" Fragte Willow als sie ihr Verhältnis der Fremden zu erklären versuchte.
„Was? Seid ihr verrückt?" Der blonden Frau klappte der Mund auf und ihr Ausdruck war völliger Schock als sie das Paar vor sich anstarrte. Bevor sie ein weiteres Wort sagen konnte mischte Kennedy sich aufgebracht wieder ein.
„Hey!" sagte sie, Willow loslassend und marschierte schnurstracks auf die Blondine zu. „Sie sind hier am falschen Ort, wenn Sie ein Problem damit haben, dass zwei Frauen zusammen sind."
Mit jedem gesprochenen Wort wurde Kennedy aufgebrachter. Faith wollte einen Schritt herantreten um Kennedy zu beruhigen, aber Wood hielt sie fest. Er schüttelte leicht den Kopf. Faith blieb stehen und beobachtete die weitere Entwicklung.
„Frauen?! Du glaubst, dass ich mich daran störe?! Es interessiert mich nicht, wenn ihr zwei mit dem gesamten Fußball-Team der USA zusammen seid," entgegnete die Blonde. „Begreift ihr nicht, dass es Grenzen gibt für das Verhältnis zwischen einem Wächter und seiner Jägerin? Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen?" Sie wandte sich wieder an Willow. „Was haben Sie sich dabei nur gedacht!"
Willow versuchte noch eine Antwort zu finden als Mr. DeVeer endlich dazwischen trat um diese Auseinandersetzung zu beenden.
„Um, wenn Sie entschuldigen, ich möchte Ihnen Rowena Allister vorstellen," sagte er, sich zu der blonden Frau wendend.
„Ah, ja," erwiderte Giles, „Ich habe von Ihrer Arbeit gehört. Es tut mir Leid, dass Sie Ihre Anwärterin in Istanbul an die Bringer verloren. Das muss schrecklich gewesen sein," sagte er mit tiefem Mitgefühl in den Augen.
„Ja, das war es. Vielen Dank, Mr. Giles," antwortete die Blondine steif.
Kennedy schmollte und mit ihren Armen gekreuzt bemerkte sie, „Wie gut kann sie dann als Wächterin sein?"
Schnell drehte Faith ihren Kopf zu ihr um als sie Kennedys Worte hörte und öffnete den Mund um etwas zu erwidern. Willow war aber schneller und warf Kennedy einen solchen Blick zu, dass die Jägerin sofort ihre Worte bedauerte. Nach kurzem Nachdenken wandte sie sich wieder an Rowena. „E-Es tut mir Leid. Ich weiß nicht, warum ich das gesagt habe," sagte sie, entschuldigend zu der Blondine schauend.
„Schon ok," entgegnete diese beiläufig.
Kennedy blickte zu Willow und sah, dass sie sie immer noch anschaute, die Arme über Kreuz.
„Was? Sie hat mich wütend gemacht." Erklärte Kennedy.
„Um, ja, gut," sagte Giles als er Richtung Tür ging. „Wie wäre es mit einem Treffen morgen nachmittag? Hoffentlich ist bis dahin jeder wieder etwas ruhiger und wir können uns um alles kümmern."
„Gut, einverstanden. Ein Meeting morgen wäre sicher das Beste für alle Beteiligten. Ich denke, wir brauchen ein klein wenig Zeit um etwas abzukühlen," sagte Willow und schaute zu Rowena und Mr. DeVeer.
„Also gut. Es war nett, Sie alle kennen zu lernen," sagte Mr. DeVeer höflich. „Wir sehen uns dann morgen."
Er ging hinaus, gefolgt von Rowena. Als sie aus der Tür traten bemerkten sie nicht den Lieferwagen, der genau das Gebäude filmte, welches sie gerade verlassen hatten.
Als Giles die Tür hinter ihnen geschlossen hatte, schien jeder gleichzeitig zu reden anzufangen.
„Ok, ok! Beruhigt euch alle!" Sagte Willow mit erhobener Lautstärke, womit sie auch jedermanns Aufmerksamkeit errang. „Es gibt auch noch andere Dinge um die wir uns kümmern müssen."
„Sie hat Recht. Wir haben noch andere dringende Probleme an der Hand," stellte Giles fest.
„Lasst uns erstmal alle hinsetzen und entspannen," sagte Willow als sie sich auf ihren Stuhl setzte. Nachdem jeder auf seinen Platz war, fuhr sie fort. „Ich habe weitere Nachforschungen über die seltsamen Träume angestellt, welche wir alle hatten. Es gibt leider nicht viele Anhaltspunkte, mit denen ich arbeiten kann. Das einzige, was wir bisher herausgefunden haben ist, dass es in dieser Stadt im letzten Jahr eine Serie von Morden an Kindern gab. Der Hauptverdächtige, Richard Malloy, starb bei einem Sturz und danach gab es keine weiteren Morde mehr."
Sie wurde von Rona unterbrochen. „Warte. Malloy? Warum klingt der Name so bekannt?"
„Anscheinend hatte Hank, unser Handwerker, einen Zwillingsbruder namens Richard," erläuterte Giles.
„Hm, unser neuer Freund scheint ein paar
Geheimnisse zu haben," warf Wood ein.
„Das überrascht Dich?" Fragte Faith zu ihm gewandt. „Dies ist ein
Höllenschlund, ich bin sicher, jeder in dieser Stadt hat Geheimnisse,"
fügte sie hinzu.
Willow fuhr fort. „Ich habe versucht, nach vergleichbaren Verbrechen zu forschen, aber es gab nicht viele eindeutige Details, nur Kinder, die mit Klingenwaffen ermordet wurden. Es gab einfach zu viele Ergebnisse um die Suche einzuengen."
Als er diese Worte hörte beugte sich Andrew leicht vor und wickelte die Arme um seinen Bauch. Als er merkte, dass die anderen auf ihn aufmerksam geworden waren, erklärte er es schnell. „Tut mir Leid. Fühle mich etwas unwohl. Jemand der kleine Kinder zum Spaß tötet? Das ist doch krank."
„Ich denke, morgen sollten wir mit Hank reden sobald er hier eintrifft. Er könnte uns etwas Wichtiges mitzuteilen haben, etwas das uns in die richtige Richtung führt," schlug Giles vor. „Für den Fall, dass die Träume wiederkehren, rate ich jedem, Stift und Papier am Bett bereit zu haben. Jedes Detail könnte von enormer Wichtigkeit sein. Wir sollten absolut alles aufschreiben was im Traum vorkommt. Nur für den Fall, dass es uns weiterhilft," ordnete er an.
Schnitt
INT.
Willows und Kennedys Raum - Nacht
Cleveland
„Ich hätte es fast schon wieder getan," sagte Kennedy leise. Ihr Kopf ruhte auf Willows Schulter während sie beide gegen das Kopfende des Bettes gelehnt waren.
„Was getan?" Fragte der Rotschopf. Kennedy wartete einen Moment und leckte ihre Lippen. „Liebling?" Hakte Willow nach, als sie keine direkte Antwort erhielt.
„Ein Mädchen getötet," murmelte Kennedy. „Diese Rowena hatte ja Recht, weißt Du? Ich bin ein Risiko eingegangen. Ich hab die Mädchen in diesen Kampf gedrängt und beinahe wär Vi dabei gestorben ... Genauso wie ich Chloe gedrängt und getötet habe."
„Du hast Chloe nicht getötet," beharrte Willow sanft. „Es war Selbstmord unterstützt durch das Urböse. Und was heute abend angeht, Du hast das getan, was eine Jägerin tun soll. Du bist in den Kampf gegangen und hast ein Vampirnest vernichtet."
„Ich denk nur dauernd über all die Dinge nach, die ich anders hätte machen sollen. Vielleicht das Team nicht so weit auseinanderziehen .. vielleicht, ach verflixt ich weiß es nicht. Vielleicht hätt ich die Gegend tatsächlich vorher erkunden sollen so wie Rowena es sagte und nicht blind mit dem Team hineinstürmen. Vielleicht bin ich wütender auf mich selbst als auf Rowena."
„Vielleicht ist das der Grund, warum du vorhin so aggressiv reagiert hattest?" Meinte Willow.
Kennedy zuckte mit den Schultern. „Ja, vielleicht."
„Hey, ich kenne mich mit Jägerinnen aus." Willow lächelte als sie mit ihren Fingern sanft durch Kennedys Haare strich. „Und du bist eine sehr gute, bezweifel das nicht, Ken. Nicht einen Moment. Ja, du musst noch weitere Dinge lernen, aber hey! Das müssen wir alle. Ich kenne Giles jetzt seit über sieben Jahren, aber das macht mich noch nicht zu einer Wächterin. Es wird Dinge geben, die auch ich noch lernen muss, aber Schritt für Schritt werden wir es schaffen."
„Was macht dich so sicher, dass ich es schaffen werde?" Fragte Kennedy.
„Weil ich an dich glaube. Du bist ausdauernd und beharrlich und-."
„Sexy?"
Willow stoppte und lächelte. „Oh ja, sexy auch. Und du musst dir keine Vorwürfe machen, denn alles was du jemals getan hast, hatte das Ziel die Welt lebenswerter zu machen. Und das ist sehr nobel. Ich respektiere das."
Ein Lächeln trat auf Kennedys Lippen. „Versprichst Du mir, mich auch morgen noch zu respektieren?"
„Woran denkst du gerade?" stichelte Willow, die den spielerischen Ton in Kennedys Stimme erkannt hatte.
Kennedy lehnte sich leicht zurück und warf Willow einen bedeutungsvollen Blick zu bevor zu unter der Bettdecke verschwand. Zunächst begann Willow zu kichern aber dann musste sie plötzlich schlucken. „Ich werde dich respektieren," stöhnte sie als sie langsam runterrutschte um direkt auf der Matratze zu liegen.
Schnitt
INT.
Rat der Wächter - Nacht
Cleveland
„Oh da bist du. Du bist irgendwie, weißt Du, weggelaufen vor mir beim letzten Mal. Bist Du in Ordnung?" Fragte Willow den kleinen Jungen in ihrem Traum.
Wortlos drehte sich der Junge um und ging los. Leise folgte sie ihm die Treppe hinab, ihn dabei genau im Auge behaltend. Dann wurde sie plötzlich gestoppt, als ein Mann an sie herantrat.
„Hier, nehmen Sie etwas Käse. Schweizer Käse oder Cheddar?" Fragte er während er ihr einen kleinen Teller offerierte.
„Um, nein danke," lehnte sie höflich ab und nahm ihre Verfolgung des kleinen Jungen wieder auf.
Plötzlich sah sie das Kind direkt vor sich stoppen. Sie trat an seine Seite und beobachtete, wie jemand, dessen Gestalt sie nicht erkannte, niederkniete und eine Art Holztafel entfernte. Nachdem er sorgfältig den Gegenstand, welchen er bei sich trug, in das Fach gelegt hatte, drückte er die Holztafel wieder fest und deckte sie ab. Willow beobachtete angespannt wie die Person sich langsam auflöste.
Sie wandte sich zu ihrer Seite, wo der kleine Junge gestanden hatte und bemerkte, dass er plötzlich verschwunden war. Sie ging langsam zu dem Fenster, wo sie die Person zuletzt gesehen hatte, und entfernte die Holztafel. Dahinter kam ein glänzender, stark ornamentierter Dolch zum Vorschein. Er war golden mit silbernen Details. Sie bewunderte seine Schönheit, aber er schien plötzlich lebendig zu werden. Sie packte den Griff, aber er bewegte sich näher zu ihrem Herzen. Sie bemühte sich ihn zu stoppen, aber all ihr Ziehen war vergebens. Mit einem mächtigen Stoß, den sie nicht verhindern konnte, begrub der Dolch sich in ihrer Brust.
Schnitt
INT.
Willows und Kennedys Raum - Nacht
Cleveland
Willow schoss hoch in ihrem Bett und weckte dadurch auch Kennedy. Die dunkelhaarige Jägerin schaute sich schnell um und machte das Licht an. Sie fand ihre Liebste aufrecht im Bett sitzend.
"Will?"
„Da ist etwas an diesem Ort," antwortete sie immer noch nach Atem ringend.
Dritter Akt
Fade In
INT.
Willows Computerraum - Rat der Wächter - Tag
Cleveland
„Ich glaube ich habe den Scanner durchgebrannt bis ich mit diesem ganzen Kram fertig bin," kommentierte Willow als sie eine weitere Zeichnung von dem riesigen Stapel an ihrer Seite nahm. „Diese ganzen Bilder von Dolchen sehen langsam völlig gleich für mich aus u-und ich habe noch nicht einmal denjenigen aus meinem Traum gefunden," sagte sie als Giles sich die Infos über die beiden Brüder Malloy durchlas, welche sie ermittelt und ihm kurz vorher ausgehändigt hatte.
In dem Augenblick klopfte es an der Haustür und Giles ging hin um nachzusehen.
Schnitt
INT.
Rat der Wächter - Foyer - kurz darauf
Cleveland
Als Giles das Foyer erreichte sah er, dass Andrew gerade die Tür öffnete.
„Oh, hallo Mr. Malloy. Schön Sie wiederzusehen," sagte er mit einem höflichen Lächeln während er die Tür weiter öffnete.
„Vielen Dank," sagte Hank, der draußen stand.
Nach einem kurzen Augenblick trat Andrew beiseite um den Mann einzulassen. „Oh sorry. Kommen Sie herein."
Als Hank eintrat wurde er von Giles begrüßt, der direkt vor ihm stand.
„Um, Mr. Malloy, ich dachte, wir könnten uns heute etwas unterhalten," sagte Giles ruhig.
„Sicher, gern. Solange es nur nicht zu viel Zeit kostet. Ich möchte pünktlich an die Arbeit gehen, es gibt heute sehr viel zu tun," erwiderte er mit einem Lächeln.
„Ja, natürlich," sagte Giles als er Hank zu einem freien Raum führte.
Schnitt
INT.
1. Stock Besprechungsraum - Rat der Wächter - wenig später
Cleveland
Giles schloss die Tür um ungestört zu sein, aber Andrew schob sich flink noch mit herein.
„Oh, hey. Wollte nur schnell nachsehen, was so läuft. Sie wissen schon, wie es allen geht," sagte er, nicht sehr überzeugend.
Die beiden Männer ignorierten ihn und setzten sich an den Besprechungstisch. Andrew nahm in der Ecke Platz um alles beobachten zu können.
„Um, Mr. Malloy," fing Giles an. „Ich habe mich gefragt, ob Sie mir etwas mehr über Ihre Vergangenheit berichten könnten. Alles das hier von Interesse oder Wichtigkeit sein könnte."
„Nun, da gibt es so Einiges. Um ehrlich zu sein, Mr. Giles, wir säßen den ganzen Tag hier, wenn ich Ihnen alles über mich berichten würde," sagte er mit einem leichtem Grinsen.
Von seinem Platz in der Ecke aus kommentierte Andrew übermäßig dramatisch, „Wir haben sehr viel Zeit. Sagen Sie uns, was Sie wissen, und niemand wird verletzt werden."
Nachdem ihm sowohl Giles als auch Hank befremdete Blicke zuwarfen sank er langsam in seinen Stuhl zurück.
Andrews Bemerkung einfach ignorierend erwiderte Giles in ruhigem Ton, „ja, ja natürlich. Ich brauche nicht alles über Sie zu wissen, Mr. Malloy. Es geht nur um bestimmte Dinge - wir überprüfen unsere Mitarbeiter, wenn wir sie anstellen, und haben dabei einige Besonderheiten bezüglich Ihres Bruders Richard festgestellt. Können Sie uns etwas über sein Leben sagen? Die Anschuldigungen, welche man gegen ihn gerichtet hatte?"
„Nun, mein Bruder und ich waren gerade zehn als unsere Pflegeeltern sich gegenseitig umgebracht haben. Das ist nichts, über das ich gerne spreche, verstehen Sie," Hank schaute
Giles an, bevor er weitersprach.
„Das tut mir sehr Leid," sagte Giles aufrichtig.
„Ich würde lieber nicht ins Detail gehen, wenn Ihnen das Recht ist, Mr. Giles. Das ist etwas, was ich einfach nicht tun kann," sagte Hank, um dann fortzufahren. „Ich bin als Teenager in einen bösen Kampf hineingeraten, dadurch bin ich in einem Erziehungsheim gelandet. Da bin ich wirklich nicht stolz drauf, aber im Nachhinein gesehen hat es mir wahrscheinlich geholfen. Es hat mich zu einem besseren Menschen gemacht. Aber Richard-," führte Hank aus, wurde aber unterbrochen.
Andrew brachte einen weiteren Kommentar, diesmal von seinem Stuhl aufspringend. „Besserer Mensch, hm? Ich glaube, Sie verbergen etwas vor uns!"
Auch dieser Kommentar brachte ihm befremdete Blicke ein und wieder ignorierte Giles ihn, gab Andrew aber ein leichten Stoß. „Ihr Bruder," wandte Giles sich an Hank. „Können Sie mir etwas mehr über ihn erzählen?"
„Nun, er driftete von Job zu Job, zum Schluss landete er auf der Straße. Er hatte einfach keinen Platz, wo er bleiben konnte. Ich habe ihm Hilfe angeboten, aber natürlich hat es nicht lange funktioniert. Er hinterließ mir eine Nachricht, dass er nicht von meinen Almosen leben wollte. Im letzten Winter fiel er dann vom Dach genau diesen Hauses. Keine Ahnung, was er dort überhaupt wollte. Es scheint, als ob jeder ihm helfen wollte, er aber niemanden an sich heranließ. Manische Depressionen hatten ihn leider fest im Griff. Er ging tagelang nicht raus, sprach mit niemandem ein Wort, wenn er eine seiner Phasen hatte. Wollte natürlich auch nicht zum Arzt gehen, er war einfach zu stur," erzählte Hank mit einem Schulterzucken. „Er hat auch mit Drogen und solchen Dingen herumexperimentiert. Es hat eine Weile gedauert, bis ich es mir eingestanden hatte, denn, naja, er war immerhin mein Bruder - Zwillingsbruder sogar. Deshalb hat es mich auch überrascht, wie unterschiedlich wir beide letztendlich doch waren."
Wieder gab Andrew seinen Senf dazu. „Sie sagen uns nicht alles, stimmt’s?" Andrew trat einen Schritt näher an den Mann heran und fuhr in dramatischem Ton fort. „Wenn Sie wissen, was gut für Sie ist, dann sollten Sie es uns sagen!"
Giles verdrehte die Augen, immer bestrebt wegen Andrews ständiger Unterbrechungen nicht die Beherrschung zu verlieren. „Andrew, bitte," seufzte Giles.
Der Blick, den Giles ihm zuwarf, ließ Andrew an seinen Platz zurückkehren.
„Ja, ich kann verstehen, was Sie meinen. Um, Mr. Malloy," Giles kniff sich in den Nasenrücken. „Wenn ich so frei sein darf, warum möchten Sie unbedingt hier arbeiten? Ich persönlich fände es sehr schwer den Ort zu besuchen, an dem mein Bruder gestorben ist, geschweige denn dort zu arbeiten."
„Um, tja, wissen Sie," stammelte Hank eine Antwort. „Es ist wohl schwer zu erklären. Es ist .. es ist, als ob ich Richard näher bin, wenn ich mich in diesem Gebäude aufhalte. Als ob es hier eine Verbindung gibt, die nirgendwo sonst existiert. Ich meine, ich fühle als ob ich ihm nicht so sehr geholfen habe, wie ich hätte können. Auch wenn er alle Angebote abgelehnt hat, es müsste etwas gegeben haben, was ich noch für ihn hätte tun können." Als Giles und Andrew nicht direkt antworteten, fuhr er fort, „um ehrlich zu sein, ich bin überrascht, dass er mir überhaupt zuhörte, als ich ihm von diesem leeren Gebäude erzählte."
„Sie haben ihm davon erzählt?" Fragte Giles.
„Um, ja. Nachdem er mich damals verlassen hatte suchte ich ihn und fand ihn dann einige Wochen später. Ich wollte ihn wieder mit nach Hause nehmen, aber er weigerte sich. Anstatt ihn also mit Gewalt zurückzuzerren, schlug ich ihm dies hier als Unterschlupf vor. Monatelang war niemand hier gewesen ... Ich hätte mir natürlich nie träumen lassen, dass er so sein Leben lassen würde."
„Träume! Wir hatten Träume!" Andrew schrie fast aus seiner Ecke. „Haben Sie von ihm geträumt?"
Giles seufzte und blieb ruhig.
„Ja, ich habe von ihm geträumt. Aber es ist doch nichts besonderes, von einem gestorbenen Verwandten zu träumen," erklärte Malloy.
„Um, Mr. Malloy, ich habe gehört, dass es letztes Jahr in dieser Stadt zu einigen Kindesmorden kam und dass Ihr Bruder der Hauptverdächtige war. Ich wüsste gern mehr darüber, falls es Ihnen nichts ausmacht natürlich nur. Sollte es zu viel sein, lassen wir die Sache einfach fallen," sagte Giles freundlich.
„So traurig es ist, es zugeben zu müssen," Hank stockte und ließ den Kopf hängen, „Ich glaubte der Polizei, als sie sagten, Richard wäre der Mörder jener armen Kinder. Zu Anfang konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass er zu derartigem fähig wäre. Aber als ich die Informationen der Polizei erfuhr und alle Details zusammenbrachte, machte es mit einem Mal Sinn."
„Wohlan, es tut mir Leid, wenn ich zu viel Ihrer Zeit in Anspruch genommen habe, Mr. Malloy, oder Ihnen zu nahe getreten bin. Ich werde Sie jetzt wieder an Ihre Arbeit gehen lassen," sagte Giles als er aufstand.
„Es ist ok," entgegnete Malloy. „Ich habe mich mit der Sache abgefunden. Ich hoffe nur, Sie werden die Taten meines Bruders mir nicht zur Last legen."
„Haben Sie keine Sorge," versicherte Giles ihm lächelnd. „Und vielen Dank, dass Sie so aufrichtig mit allem gewesen sind."
Nachdem Hank die Tür im Hinausgehen hinter sich geschlossen hatte, kam Andrew vor an Giles Seite. Zu ihm gewandt sagte Giles, „Ich wünschte, Du hättest die Träume nicht erwähnt. Für die Zukunft, bitte sei nicht ganz so hilfreich beim nächsten Mal."
Mit einem schüchternen Lächeln trat Andrew einen Schritt zurück und antwortete, „Tschuldigung. Ich fürchte, ich hab zu viel ausgeplaudert, oder?"
„In der Tat," stimmte der Wächter ihm zu.
„Es tut mir wirklich Leid. Von nun an haben Sie meine förmliche Erlaubnis, mir den Mund zu verbieten," sagte Andrew stolz.
In diesem Augenblick öffnete sich die Tür und Willow kam langsam herein.
Andrews letzte Bemerkung zu Giles noch mitbekommend fragte sie, „Oh! Gilt das auch für mich?" Da Andrew nichts erwiderte fuhr sie fort, „Wie dem auch sei, ich wollte nur erwähnen, dass es mit dem Dolch einfach kein Vorankommen gibt. Ich habe jede Datenbank durchforstet und jedes Buch, das ich finden konnte, aber trotzdem - nichts. Ich vermute, mit speziell angefertigten, ornamentierten, nur geträumten Dolchen ist das manchmal so." Sie versuchte dabei, ihre eigene Laune zu verbessern.
„Überhaupt kein Glück?" Fragte Giles.
„Nada. Es gab null Ergebnisse. Das Design ist einfach zu unbekannt. Vielleicht ist es sogar ein Unikat? Es wurde allerdings vor einigen Monaten in Cincinnati ein ähnlicher Dolch gefunden. Ein Einbrecher ließ ihn fallen, als die Polizei gerufen worden war. Ich habe ein Bild von ihm ausgedruckt," sagte sie zu Giles und reichte ihm ein Blatt. „Es muss noch mehr hinter diesem Dolch stecken, wir müssen es nur herausfinden," erklärte sie.
Gerade als die drei auf das Bild schauten, flackerte das Licht. Mit einem Blick zur Decke fragte Willow: „Ok, wie kommt das denn jetzt? Es stürmt draußen doch nicht?"
„Um, nein. Ich denke nicht, ich habe keinen Donner gehört," bemerkte Giles, der sich ebenfalls umsah während das Licht weiter flackerte.
„Arbeitet Malloy an den Stromleitungen?" Fragte Willow.
„Nein, er ist ja nur als Zimmermann tätig," erwiderte Giles. Gleichzeitig begann das Licht immer heftiger an und aus zu flackern. „Er macht gerade die Vertäfelung in den Wohnräumen im zweiten Stock fertig."
„Um, Leute, was geht hier ab?" Fragte Andrew mit einer Spur von Furcht in seiner Stimme.
Sich nach Andrew umdrehend konnte Giles gerade noch schnell zur Seite ausweichen, als eine Schere vom Schreibtisch auf ihn zuflog. Danach schossen andere Gegenstände auf sie zu.
„Raus hier!" Rief Giles als er die Tür
öffnete und Andrew und Willow vor sich rausließ. Sie rannten die Treppe
herunter und zogen sich in den Computerraum zurück, als weitere Gegenstände
auf sie zuflogen.
„Alle Mann in Deckung!" rief Giles als er sich duckte, um den fliegenden Geschossen auszuweichen. Die drei krochen unter den Schreibtisch als plötzlich sämtliche Türen im Gebäude aufgingen und krachend wieder zuschlugen. Und wieder und wieder.
Schnitt
INT.
Trainingsraum der Jägerinnen - zur gleichen Zeit
Cleveland
Im Trainingsraum suchten Faith, Kennedy und die anderen Jägerinnen Deckung unter der Treppe, weil die Gegenstände, mit denen sie gerade noch trainiert hatten, um sie herumsausten und gleichzeitig die Tür auf und zu schlug.
„Bleibt alle ruhig!" rief Faith um den Lärm zu übertönen, während sie zu den flackernden Lampen hinaufsah.
„Was geht hier ab?" Wandte Kennedy sich an Faith.
Zwei Armbrustbolzen schossen auf Kennedy zu, aber Faith schnappte zu und fing beide, einen in jeder Hand.
„Legt euch flach auf den Bauch," ordnete sie an.
Ein Kampfstab kam auf sie zu und Faith griff ihn, bevor sie sich auch fallen ließ. Auf dem Boden liegend wandte sie sich an Kennedy.
„Ich weiß auch nicht, was Sache ist, aber wir müssen herausfinden, wie es den anderen geht," sagte Faith besorgt während die Geräusche und Geschosse immer wilder wurden. „Wir müssen die Mädels in einen weniger gefährlichen Raum bekommen. Einen Ort mit weniger spitzen und tödlichen Gegenständen."
„Bleibt alle ruhig und halte eure Köpfe gedeckt!" Wies Kennedy die Gruppe an. „Wenn wir sagen ‘rennen’, dann rennt ihr. Eine hinter der anderen und nicht drängeln. Alles klar?"
„Jawoll," anwortete die gesamte Gruppe militärisch.
„Fertig, Brat?" Fragte Faith mit einem Grinsen. „Du gehst vorneweg und führst sie. Ich bleibe hinten und sorge für Rückendeckung. Einverstanden?"
Kennedy nickte und ging leicht in die Höhe. „Okay Mädels, rennt!"
Die Jägerinnen sprangen auf und rannten los, dabei den fliegenden Gegenständen ausweichend. Faith stand am Fuß der Treppe und benutzte den Kampfstab, um sämtliche Gegenstände abzuwehren, die auf die Mädchen zuflogen.
Kennedy als Erste öffnete die Tür und hielt sie auf, während sie alle durchschickte. „Direkt
weiter zum Gebäude der Wächter, bleibt weiter in Linie! Bewegung! Bewegung!"
Sie sah zu, wie die Jägerinnen durch die Halle zum anderen Gebäude rannten, behielt aber auch Faith im Auge, die rückwärts die Treppe heraufkam. Die ganze Zeit musste sie dabei weitere Geschosse abwehren. Als die letzte Jägerin durch die Tür war, gab Kennedy Faith Bescheid.
„Ok. Alle durch!"
Ohne Verzögerung drehte Faith sich um und rannte die Stufen hinauf. Sie war schon fast durch die Tür als sie spürte, wie sich ein Pfeil von hinten in ihr Bein bohrte.
„So ein Scheiß!" Fluchte sie als sie sich in die Halle fallen ließ. Schnell warf Kennedy die Tür zu und kniete neben Faith nieder.
„Mein Gott, ist alles ok?" Fragte Kennedy.
Hinter sich greifend und den Pfeil mit einem schnellen Ruck herausziehend sagte Faith, „das war meine beste Lederhose. So ein Mist."
„Vergiss die Hose. Was ist mit dem Bein?" Fragte Kennedy.
Faith zuckte mit den Schulter. „Hat kaum meine Haut gestreift, aber die Hose ist hin. Verflucht!"
Kennedy seufzte erleichtert und rollte mit den Augen. „Na komm. Wir müssen Anschluss halten."
Schnitt
INT.
Rat der Wächter - Augenblicke später
Cleveland
Immer noch unter dem Schreibtisch hockend versuchte Willow einen Bannspruch aufzusagen, „Conquiesto, Desisto, Eval..." Doch die Angriffe wurden immer heftiger und sie musste zur Seite ausweichen um nicht getroffen zu werden. Dadurch wurde der Spruch unterbrochen und verpuffte wirkungslos.
Giles schob Andrew schnell weiter zurück als eine Reihe von kleinen Messern und Stiften immer dichter an sie heransausten.
Schnitt
INT.
Rat der Wächter - Wohnquartiere - zur gleichen Zeit
Cleveland
Hank arbeitete gerade allein in einem Raum als die Ereignisse starteten. Er blieb wie angenagelt hocken und voller Angst begann er den Namen seines Bruders zu rufen.
„Richard? Richard! Was willst du?! Was willst Du von mir?!"
Schnitt
INT.
Rat der Wächter - Sekunden später
Cleveland
Als Giles und Willow seine Rufe hörten sahen sie sich an.
„Geh Du," sagte Willow. „Ich muss den Spruch vollenden."
Der ältere Wächter zögerte einen Moment, ob er sie so ungeschützt zurücklassen konnte. Aber dann nickte er fest und griff sich einen Papierkorb um ihn als Schild zu nehmen.
Schnitt
INT.
Rat der Wächter - Wohnquartiere - zur gleichen Zeit
Cleveland
„Richard?" Fragte er erneut. „Wo bist du. Was tust du mir an?!" Er schrie, den Lärm übertönend und stand steif in der Mitte des Raumes. Die Lichter flackerten weiter an und aus.
Schnitt
INT.
Rat der Wächter - Foyer - zur gleichen Zeit
Cleveland
In diesem Moment öffnete sich die Eingangstür und Mr. DeVeer und Rowena betraten das Gebäude. Sie rannten zu Giles, der als einziger zu sehen war. Dabei duckten sie sich, um den Fechtwaffen zu entgehen, die inzwischen durch die Luft flogen.
Die Jägerinnen, die auch gerade im Gebäude der Wächter eintrafen, folgten Giles und den beiden.
Kennedy kommentierte das Chaos, als ein Florett gerade durch einen Vorhang schnitt. „Wow! Ich wusste nicht, dass so ein kleines Schwert so viel Schaden anrichten kann."
„Hört, hört," stimmte Wood ihr zu.
„Los weiter," forderte Faith sie auf.
Mr. DeVeer versuchte den Lärm zu übertönen. „Was geht hier vor?" Fragte er, immer den Blick nach allen Seiten gewandt um mögliche weitere Geschosse im Auge zu behalten.
„Können wir irgendwie helfen?" Fragte Rowena, wobei sie geschickt sämtlichen Geschossen auswich. Sie kniff die Augen zusammen um trotz des flackernden Lichts sehen zu können.
Willow saß mit geschlossenen Augen auf dem Boden und versuchte sich zu konzentrieren.
Nach ihrer Geliebten Ausschau haltend blickte Kennedy zu ihr herüber und sah, was die Hexe versuchte. Sie beobachtete, wie ein Taschenrechner in Willows Rücken rammte, aber die Hexe hielt ihre Augen geschlossen und den Körper aufrecht. Kennedy sprintete zu ihr rüber, um zu verhindern, dass weitere Flugobjekte den Spruch unterbrechen könnten.
Wieder begann Willow den Zauberspruch, den sie vorher nicht hatte beenden können. „Conquiesco, Desisto, Evalesco Quies!" Sofort mit dem letzten Worte wurde es ruhig und sämtliche Gegenstände beruhigten sich.
„Ich vermute, es hat funktioniert," sagte Rowena, als sie langsam aufstand und sich nach allen umsah.
Kennedy half Willow auf die Beine und drehte sie herum. Sie hob ihre Bluse leicht an um nach ihrem Rücken zu sehen. „Bist Du verletzt?"
„Nein, ich bin ok. Ich weiß nur nicht, wie lange dieser Spruch anhalten wird. Er ist nicht sehr stark, so was immer wir machen, wir müssen es schnell machen," erläuterte Willow besorgt.
Sich einem Geräusch am oberen Ende der Treppe zuwendend bemerkte Rowena Hank, der sich zu ihnen bewegte. Er hielt sich die Seite, offenbar war er von einem der vielen Fluggeschosse getroffen worden.
Schnell rannte sie gemeinsam mit DeVeer, Giles, Wood, Andrew und Willow hinauf um ihm zu helfen. Sie brachten ihn zu einem freien Raum mit einem Sofa im ersten Stock.
Faith nickte Kennedy zu und deutete die Treppe hinauf. „Geh mit Red," sagte sie ihr. „Rona, achte auf die Mädchen," fügte sie hinzu als sie ebenfalls die Stufen hinauflief.
Kennedy betrat den Raum, um Willow im Auge halten zu können. „Jemand muss mir ein Erste-Hilfe-Set bringen," forderte Rowena.
Andrew schoss sofort los während Rowena selber den Raum betrat. Augenblicke später war er wieder bei ihr mit einer medizinischen Ausrüstung.
Giles wandte sich an die anderen. „Dies muss etwas mit unseren Träumen zu tun haben. Wir müssen uns sofort um dieses Problem kümmern, es darf keine Zeit mehr verloren werden."
Giles führte die restliche Gruppe in den Aufenthaltsraum und alle setzten sich hin.
„Ich muss ganz genau wissen, was letzte Nacht in euren Träumen passiert ist. Jedes noch so kleine Detail kann helfen. Ich bin sicher, dass etwas Nützliches dabei ist."
„Nun ja," begann Faith, „es war das gleiche Kind wie die Nacht davor, nur dass er mich diesmal zu so einem seltsamen Ort führte. Als wir dort ankamen, versteckte gerade jemand etwas, aber ich konnte es nicht genau sehen. Dort war ein kleines Loch oder Fach in der Wand und ich habe genauer nachgesehen und dann sah ich eine Art Messer oder so darin."
Als sie geendet hatte hakte Giles nach, „Kannst du dich erinnern, wo dieser Ort war? Gab es irgendwelche Auffälligkeiten an die du dich erinnerst?"
Nach einem kurzen Moment des Überlegens antwortete sie, „Nein, es war
irgendwo drinnen. Da war ein Fenster in der Wand und wir sind einige Stufen
hochgegangen, aber ansonsten fällt mir nichts ein."
„Hat irgend jemand sonst etwas Ähnliches geträumt?" Fragte Giles während er in die Runde schaute und die kleine Menge ansah.
„Yupp, die Stufen und ein Fenster habe ich auch gesehen. Es war auch das gleiche Kind wie in der anderen Nacht. Willow hatte allerdings den schlimmsten Traum. Das Messer war hinter ihr her. Ich hingegen bin aufgewacht, bevor das bei mir passieren konnte," erläuterte Kennedy.
Wood stimmte ihr zu. „Ja, ich auch. Gleiches Kind und ich sah ebenfalls ein Fenster und Stufen. Ich weiß aber nicht, wo wir waren."
„Um, ich sah das gleiche Kind, aber ansonsten habe ich nur den Boden gesehen," warf Andrew ein. Als jeder ihm seine Aufmerksamkeit schenkte, fuhr er fort. „Irgendwie sind wir auf einem Dach gelandet. Bevor ich wusste, was Sache war, wurde ich runtergeschubst. Das letzte, woran
ich mich erinnere, ist, wie schnell der Boden auf mich zukam. Ich rechnete gerade mit dem Aufprall als ich plötzlich aufwachte."
Giles saß für ein paar Sekunden schweigend da, bevor er sprach.
„Gut, ich-ich bin nicht ganz sicher, was all das bedeutet. Aber, wir alle erinnern uns an dasselbe Kind, ein Fenster und eine Treppe," sprach er seine Gedanken laut aus. Dann wandte er sich plötzlich an die Gruppe. „Ich habe eine Idee."
Damit sprang er auf und verließ den Raum.
Neugierig folgten Willow, DeVeer, Wood und Faith hinter ihm her. Während sie den Raum verließen blieb Kennedy zurück um Rowena und Hank im Auge zu behalten.
Schnitt
INT.
Rat der Wächter - Zweiter Stock - Augenblicke später
Cleveland
Nach wenigen Sekunden standen Giles und die anderen in einem leeren Raum, der noch nicht fertig renoviert war.
„Ok, dass ist unheimlich," sagte Willow. „Dies ist genau der Raum."
Giles betrachtete den Fußboden und die Wand beim Fenster. Er schnappte sich einen herumliegenden Hammer und schlug ein Brett aus der Wand. Nachdem er das Loch etwas vergrößert hatte, begannen er und DeVeer es weiter aufzureißen. DeVeer und Willow schauten angespannt zu, wie Giles vorsichtig hineinfasste und offensichtlich etwas fand. Dort, in der Wand, war jener Dolch versteckt, von dem sie alle geträumt hatten.
Vierter Akt
Fade In
INT.
Rat der Wächter - Tag
Cleveland
Bequem auf dem Sofa liegend betrachtete Hank Malloy Andrew, der bei ihm stand und zu ihm herabschaute.
„Soll ich Ihnen etwas Wasser holen? Ich bin zwar sicher, dass wir auch was Besseres hätten als Wasser, aber das gibt man doch gewöhnlich verletzten Leuten. Ich hab das zwar selber nie ganz verstanden. Wenn ich krank bin, will ich lieber etwas mit mehr Geschmack zu trinken haben," fing er an zu babbeln.
„Um, nein danke. Ist alles in Ordnung," erwiderte Hank.
„Wie wäre es mit etwas zum Essen? Sind Sie hungrig? Sie müssen wissen, ich bin ein wirklich guter Koch. Noch heute Morgen hat jeder nur über mein Frühstück gesprochen," verkündete Andrew stolz.
„Nein, ich bin auch nicht hungrig."
„Oh, ok. Wie wäre es mit Fernsehen? Nichts hilft mir besser als ..." doch sein Satz wurde von Hank abgeschnitten.
„Nein. Eigentlich brauche ich nur etwas Ruhe. Ich bin sicher, das hilft mir am besten. Weißt Du, einfach nur Ruhe und Frieden," sagte er höflich.
„Ok dann. Ich werde gleich hier sein, wenn sie mich brauchen. Rufen Sie einfach .. oder auch nicht. Ich werde bestimmt nicht weit weg sein," sagte Andrew und ging hinüber zur Tür, wo er sich in einen Stuhl setzte.
Kennedy und Rowena schlüpften hinaus, um sich Giles’ Team im anderen Raum anzuschließen.
„Wir können unsere Unterstützung anbieten um diesen Fall zu lösen," bot Rowena an.
„Wir haben die Sache bald wieder unter Kontrolle," erklärte Kennedy ihr. „Willow ist sehr mächtig, wenn es um solche Dinge geht."
„Ja, aber auch ihre Macht hat Grenzen und ihr könnt sicher auch bei den Nachforschungen Hilfe gebrauchen," entgegnete Rowena.
Kennedy stemmte prompt ihre Hände wieder in ihre Hüften. „Alles was ich sage ist, dass Sie derzeit nicht wirklich hier sein müssen. Wir bringen mehr zu Stande, wenn Sie beide nicht im Wege stehen," argumentierte Kennedy.
„Ja, das ist ein guter Punkt," fügte DeVeer ein. „Ich denke unsere Besprechung mit Mr. Giles kann sicher noch ein wenig warten."
„Was?" Wandte Rowena ein. „Wir können nicht einfach verschwinden, besonders jetzt nicht. Das wäre verrückt." Sie wandte sich an Giles und fuhr fort. „Sie brauchen all die Hilfe, welche Sie bekommen können. Insbesondere da der Dolch noch ein völliges Mysterium darstellt."
Willow warf einen intensiven Blick auf den Dolch, der vor ihnen auf dem Tisch lag. Plötzlich hatte sie eine Idee.
„Ich werde seine Aura lesen. Das könnte uns helfen, mehr über ihn zu erfahren," schlug sie vor.
„Ich finde nicht, dass das eine gute Idee ist," warf Rowena ein. „Du würdest ein zu großes Risiko eingehen, wenn du es machst."
„Dem stimme ich zu," sagte Giles. „Wenn dieser Dolch tatsächlich für die Morde an diesen Kindern benutzt wurde, könnte seine Aura sehr gefährlich für dich sein, Willow," fügte er mit besorgtem Blick an. „E-es wäre als würde man Wasser probieren um zu testen ob es Abwasser ist. Deine Methode könnte sich als höchst gefährlich erweisen."
„Nach dem Traum, den ich hatte, bin ich durchaus bereit etwas Abwasser zu probieren, wenn es verhindert, dass dieser Dolch wieder in meine Brust stößt. Außerdem ist es etwas, das getan werden muss. Ich habe die Sache im Griff. Wenn dem nicht so wäre, hätte ich es nicht angeboten," sagte sie in dem Versuch, die anderen Wächter zu überzeugen. Bevor sie etwas erwidern konnten, fuhr sie fort. „Dieser Dolch ist weiterhin eine Bedrohung. Er ist immer noch gefährlich. Diese Geister sind nur für eine bestimmte Zeit gebannt. Sie sind nicht zur Ruhe gelegt und können jederzeit wiederkommen."
„Einverstanden," gab Giles nach. „Aber wenn es zu viel für Dich
wird, hörst Du sofort auf," warnte Giles in einem Ton, der keinen
Zweifel ließ.
„Versprochen. Ok, lasst uns anfangen,"
erwiderte Willow und begann sich vorzubereiten.
Mit Ausnahme von Giles, der direkt bei Willow blieb, begab sich die ganze Gruppe herüber zur Couch um der Wicca bei ihrer Arbeit zuzusehen. Vorsichtig nahm sie den Dolch vom Tisch und hielt ihn fest in Händen während sie ihre Augen schloss. Im ganzen Raum war Stille als sie ihre Energie auf den Dolch fokussierte.
Plötzlich öffnete Willow ihre Augen und ließ den Dolch auf den Tisch fallen. Als sie sich an den Kopf fasste, bemerkten die anderen, dass etwas nicht stimmte, und Giles legte seine Arme um sie, um sie zu stützen.
Kennedy sprang auf und rannte zu ihr rüber. „Was ist los? Was ist passiert?" Fragte sie.
„Ich fühle mich nur ein wenig unwohl," sagte Willow und schwankte leicht. „Ich-ich muss mich hinsetzen. Stört es jemand, wenn ich kurz wegtrete?"
Kennedy und Giles halfen ihr zum Sofa zu kommen. „Mir ist nur etwas übel. Ich denke, der Spruch vorhin gegen die Poltergeister hat mich mehr geschwächt, als ich dachte. Ab-aber ich bin gleich wieder ok."
Als er dass hörte, kam auch Andrew schnell in den Raum um nach Willow zu sehen. Hank blieb dadurch alleine zurück.
Als Willow auf dem Sofa lag, versuchte Andrew seine Hilfsbereitschaft zu zeigen.
„Soll ich irgend etwas bringen? Tabletten vielleicht? Tylenol? Advil?" Fragte er nahe der Panik. „Oder vielleicht Aspirin. Nein, vielleicht Midol. Ibuprofen ist gut gegen Entzündungen, aber Zantac hilft wahrscheinlich am besten gegen einen aufgebrachten Magen..."
Er wurde von Giles unterbrochen.
„Andrew ... hol einfach Aspirin."
Nach einem kurzen Nicken lief Andrew aus dem Raum um nach den Tabletten zu suchen.
Sich schlafend stellend hörte Hank die ganze Aufregung aus dem anderen Raum. Vorsichtig stand er auf und ging leise zu dem Raum hin. Als er sah, dass sich alles um Willow drängte, griff er vorsichtig zu und schnappte sich den Dolch so leise wie möglich vom Tisch.
Als er mit dem Dolch wieder aus dem Raum schlüpfte, sah er zu ihm herab. Auf dem Weg zurück begann er zu flüstern.
„Nun können wir unsere Arbeit fortführen. Ich dachte schon, ich würde dich nie wiedersehen. Richard hätte dich niemals stehlen dürfen, mein Freund, aber zumindest hat er seine Strafe gefunden."
Mit geschlossenen Augen konzentrierte Willow sich, um trotz der Migräne den anderen ihre Erkenntnisse mitzuteilen.
„Er-er war handgemacht - vom Mörder selbst. Das Design ist ein Unikat. Es ist etwas sehr persönliches für ihn. Es waren Ritualmorde und der Dolch war ein wichtiger Teil des Rituals. Deshalb stoppten die Morde."
„Aber Richard ist tot," erinnerte Giles sie.
„Richard war nicht der Mörder. Er hat die Waffe vor dem Killer versteckt," erklärte Willow ihm.
„Kannst Du sehen, wem der Dolch gehört?"
„Nein, nicht klar. Aber er ist definitiv noch am Leben und sucht nach der Waffe um damit sein Werk fortzusetzen. Das bedeutet, wir müssen ihn vorher finden und- Oh nein!"
„Was? Was siehst du?" Fragte Giles.
„Hank. Hank ist der Mörder!"
Bei einem Seitenblick zum Tisch fiel Kennedy auf, dass irgend etwas anders war. Plötzlich erfasste sie es und fragte die Gruppe, „Hey, wo ist der Dolch geblieben?"
Die anderen schauten ebenfalls zum Tisch und sahen, dass er verschwunden war.
Giles und Rowena traten aus dem Raum und sahen Hank, wie er sich die Treppe runterschlich. Da er schon zu weit weg war und in dem Wissen, dass die anderen Jägerinnen noch unten versammelt waren, rief Giles, „Stoppt ihn! Er hat ein Messer!"
Als sie seine Worte hörten rannten Rona und die anderen blitzschnell ins Foyer. Rona kam an den Mann heran und tackelte ihn von hinten. Er riss plötzlich seinen Dolch hoch, doch sie drehte sich aus dem Weg und entwaffnete ihn dann in Nullkommanichts.
Faith sprang über das Treppengeländer und rannte hinzu um ihr zu helfen. Gemeinsam mit den anderen Mädchen überwältigte sie ihn und brachte ihn wieder die Treppe hoch. Als er anfing zu treten und protestieren hoben sie ihn einfach auf und trugen ihn das letzte Stück.
Auf dem Weg zurück in den Aufenthaltsraum reichte Rona Giles den Dolch, während die Jägerinnen Hank in einen Stuhl setzten und dann eng umringten.
Im schwarzen Lieferwagen auf der anderen Straßenseite wurde jede Bewegung und jedes Geräusch aufgenommen, genau wie an den Tagen zuvor.
Schnell denkend sprang Willow auf und sagte laut, „ACCLARO!"
Sie begann zu singen und als ob ein Vorhang angehoben worden wäre, erschienen die Geister von Hank Malloys Opfern, für jeden im Raum sichtbar.
Willow sank zu Boden doch sang weiter. Kennedy wollte zu ihr hinlaufen, doch Giles stoppte sie.
„Nein, bleib hier," sagte er und hielt sie mit ausgestrecktem Arm zurück. „Keine plötzlichen Bewegungen. Lass sie erst fertig werden."
Da sie ihr am nächsten waren, gingen Rowena und Andrew langsam zu der Wicca hin und schauten nach ihr. Sie beugten sich herunter um sie genau im Auge behalten zu können.
„Ich verstehe euren Zorn," sprach Giles zu den Geistern. „Doch nun müsst ihr euren Frieden finden. Nun da euer Mörder enttarnt ist, seid ihr endlich frei."
Die Geister schienen seinen Worten gespannt zu lauschen. Dann tauchte ein anderer Geist auf. Er glich Hank, doch die Gruppe wusste, wer es wirklich war.
„Nein! Nein, es kann nicht sein!" Schrie Hank und schaute zu seinem toten Bruder auf, der ihn anstarrte. „Es war nicht meine Schuld! Du hättest mir niemals meinen Freund stehlen dürfen. Die Arbeit ist wichtig. Das Präsidium wird erscheinen, ich sage es dir!"
Er kroch auf den Boden und nahm eine Fötushaltung an. Dann begann er vor Schrecken zu schreien.
Giles wandte sich wieder den Geistern zu. „Ihr habt bereits Richards unschuldiges Blut an euren Händen kleben. Ich vermute, ihr habt ihn mit Hank verwechselt, stimmt’s?" Die Geister wechselten schuldbewusste Blicke. „Lasst los," drängte Giles sie. „Lasst euch von euren Zorn übermannen und ihr werdet für alle Zeiten zu Kreaturen der Rache - ihr wisst, dass der Gerechtigkeit endlich Genüge getan wird, sodass ihr Ruhe finden könnt."
Nach einem kurzen Augenblick begannen die Erscheinungen langsam zu verblassen. Der letzte, der verschwand war Richard, weinend als er sah, dass sein Bruder nun stotternd und zuckend auf dem Boden lag.
Schnitt
INT.
Rat der Wächter - später
Cleveland
Während die Pfleger Hank vom Boden aufhoben und in eine Zwangsjacke steckten, erzählte Giles der Polizei von den Ereignissen.
„Ja genau. Er schien plötzlich eine ganz andere Person zu sein als wir den Dolch gefunden hatten." Als Giles den Polizisten weitere Einzelheiten nannte ging Rowena hinüber zu Willow.
Leise fragte sie, „Die Geister ... sind sie jetzt für immer verschwunden?"
„Ja, ich denke schon," erwiderte die Hexe.
„Es wäre so viel einfacher für Richard gewesen, wenn er Hank gleich der Polizei ausgeliefert hätte," bemerkte Rowena.
Willow schaute sie an und erwiderte, „Es wäre schwer, so etwas jemandem aus der Familie anzutun. Könnten Sie das?"
„Um der Gerechtigkeit zu dienen?" Fragte Rowena. „Ja, das würde ich."
Willow schaute auf und sah Faith lächeln und mit
Wood reden. Sie wandte sich wieder Rowena zu. „Nun, es mag in der Theorie
einfach erscheinen, aber wenn man es wirklich tun muss, wenn man die
Entscheidung treffen muss, würden Sie sich vielleicht am Ende über Ihre Wahl
wundern."
Als die Polizei gegangen war, wandte Giles sich dem Rest der Gruppe zu und sah DeVeer, der in sein Handy sprach.
Nachdem er das Gespräch schnell beendet hatte meinte DeVeer beiläufig, „Es tut mir Leid, aber es scheint, dass ich so dringend wie möglich in London gebraucht werde." Er wandte sich zum Gehen und fuhr fort, „Alle Fragen, die die alte Garde noch mit Ihrer Gruppe hat, Mr. Giles, können warten. Sie und Ihre Partner sind offensichtlich in der Lage, den Kampf für das Gute zu führen. Zusätzlich wird Rowena als Verbindung zum Rat hier bleiben bis ich zurückkehre. Wenn Ihnen das Recht ist, natürlich nur," sagte er mit einem Lächeln als er Giles die Hand reichte.
Mit einem Blick zur Gruppe bemerkte Giles Willows erhobene Augenbraue und Kennedys wütenden Blick. Er wandte sich Rowena zu. „Aber selbstverständlich, Sie sind herzlich willkommen hier zu bleiben," offerierte er ihr.
Rowena antwortete mit einem Lächeln, „Vielen Dank, Mr. Giles."
Kurz darauf war DeVeer gegangen und die Gruppe begann sich aufzuteilen, während sie in die anderen Räume gingen.
Still nahm Giles Willow beiseite und begann, „Die alte Garde ist ein unbekannter Faktor. Ich hatte nicht geglaubt, dass jemand des alten Rates überlebr hatte und ich glaube keine Sekunde lang, dass die Dinge so einfach und klar sind wie Mr. DeVeer es andeutet. Genaugenommen bin ich sicher, dass sie es nicht sind. Ich wollte, dass Rowena hier bleibt so dass wir mehr darüber erfahren können, was wirklich läuft.. Die alte Garde hatte unglaubliche Ressourcen zu ihrer Verfügung, das könnte äußerst gefährlich werden."
Willow nutzte die Pause um nachzuhaken, „Wie viel davon dürfte ihnen noch zur Verfügung stehen?"
„Ich weiß es nicht, aber wir müssen es in Erfahrung bringen," erwiderte der ältere Wächter. „Und dann müssen wir diese Ressourcen schnellmöglichst in unsere Hände bekommen."
„Was für Ressourcen, Giles?"
„Die mir bekannt sind?" Fragte er. Willow nickte nur. „IRS, US Senatoren, Botschafter aus aller Welt, Interpol, das FBI, der KGB - nenn es und sie kennen dort jemand mit Einfluss. Wir müssen jetzt anfangen uns diese Ressourcen aufzubauen. Ich hätte gehofft, dass wir mehr Zeit gehabt hätten, aber ..."
„Zeit ist knapp. Ich kapier’s. Ich werde alle anderen Arbeiten zurückstellen."
„Ich sehe Rowena nicht wirklich als eine Bedrohung an, aber ..."
Willow zitierte voller Verständnis, „Halte deine Freund nah ..."
„Exakt. Aber deine Feinde noch näher. Wenn Rowena hierbleiben und uns beobachten will, dann fein. Als Ergebnis können wir auch sie beobachten. Einverstanden?" Erläuterte Giles.
„Einverstanden," sagte Willow als sie sich
wieder ihren Nachforschungen zuwandte. Sie hatte genau verstanden, wie die
neue Wächterin in ihrer Mitte zu behandeln war.
Schnitt
INT.
Ein Herrschaftshaus
Cleveland
„Sie sehen," erklärte die Immobilienmaklerin DeVeer, „die Aufräumtruppe für das Präsidium wird morgen eintreffen und die Ausrüstung in weiteren 48 Stunden in der Stadt sein."
„Ja, vielen Dank für Ihre Zeit," erwiderte DeVeer und wählte dann auf seinem Handy.
Schnitt
INT.
Geschäftsbüro - Tag
London
Als James Tyrell und die anderen sich um den großen Tisch versammelt hatten, begann das Band zu laufen. Die Gruppe bestand aus zumeist älteren, sehr distinguierten Mitgliedern und ein paar jungen, sehr gefährlich aussehenden. Alle griffen zu ihren Stiften und begannen sehr sorgfältig sich Notizen zu machen über die Abläufe auf dem Bildschirm. Sie sahen alle Ereignisse, die sich beim neuen Rat in Cleveland zugetragen hatten und zwar bis ins kleinste Detail. Dank eines mysteriösen schwarzen Lieferwagens, den niemand bemerkt hatte.
Gerade als sie beobachteten wie ein Mann in Zwangsjacke aus dem Haus geführt wurde klingelte Tyrells Telefon. Er ging sofort ran.
„Ah, Mr. DeVeer. Ich habe schon gespannt auf Nachricht von Ihnen gewartet. Mit nur einem Minimum an Glück wird diese ganze Ablenkung mit Rupert Giles in kürzester Zeit erledigt sein," sagte er. Er stellte die Lautsprecher an und die restliche Gruppe konnte dem Gespräch folgen.
Sie hörten wie DeVeer feststellte, „Ja, trotzdem, Glück ist nicht etwas, auf das wir uns verlassen sollten."
„Ich kann Ihnen versichern, Vincent," erwiderte Tyrell, „dass wir das nicht tun. Ist noch etwas anderes Bedeutendes vorgefallen während Ihres kleinen Abenteuers?"
„Nun," begann DeVeer mit einem finsteren Grinsen, „Die Dinge kommen ins Rollen."
Fortsetzung folgt nächste Woche
Ende des Vierten Akts