Dritter Akt

 

Int.

Willows Wohnzimmer – Nächster Morgen

Es machte nichts, dass Willow nur auf den Ausschalter auf der Fernbedienung vom Fernseher drückte - jeder Klick brachte eine neue Überraschung. Klick - der Kanal wechselte. Klick - der Fernseher ging aus und sofort wieder an. Klick - der Ton war weg und das Bild gestört. Klick - der Ton kam wieder, aber das Bild war jetzt ganz grün. Klick - jetzt orange und der Ton war auf voller Lautstärke.

Willow hielt eine Hand an ihren dröhnenden, dick bandagierten Schädel als Kennedy hereinkam.

„Hey," rief sie um den Fernseher zu übertönen. „Alles okay?"

Willow rief zurück. „Ich schon - aber der Fernseher arbeitet nicht ..."

Der Fernseher schaltete sich von selbst ab.

„... richtig," beendete sie den Satz in leiserem, aber auch verwirrtem Ton.

„Nichts funktioniert richtig," erzählte Kennedy. „Giles hat allen einen Tag frei gegeben und gesagt, dass die Ferien dieses Mal einen Tag eher anfangen, damit er sich in Ruhe umschauen kann, was noch alles betroffen ist. Was natürlich keinen gestört hat. Aber ohne Robin und Faith im Haus hat er niemand mehr, den er herumkommandieren kann. Und Rowena kommt erst nach Thanksgiving wieder zurück, was bedeutet, dass er auch niemand hat zum beeindrucken."

Giles kam um die Ecke und stand in der Tür zu Willows Zimmer, den Blick sofort auf Kennedy geheftet.

„Daher steckt er seine Nase jetzt in jedermanns Angelegenheiten ..."

„Ken ..." sagte Willow und versuchte sie unauffällig dazu zu bringen sich umzuschauen.

„Was? Ist doch wahr."

Willow wollte noch etwas sagen, aber in diesem Augenblick klopfte Giles leicht an den Türrahmen.

Kennedy wandte sich um in seine Richtung.

„Giles!" zwitscherte Willow. „Was für eine Überraschung! Was bringt dich hier her - zu meinen Räumen. Zu Besuch. Mich ..."

„Oh, ich dachte nur, da ich niemand „herumkommandieren" oder „beeindrucken" kann, dass ich „meine Nase hier reinstecke" und schaue, wie es dir geht."

Willow sah, wie Kennedy zu einer Antwort ansetzte.

„Ken! Uhm - weißt du was? Ich - hm - ich hätte gern - öh ..." Sie schaute zu Giles und sagte das erste, das ihr einfiel. „Tee! Tee. Tee wäre jetzt wirklich nett. Meinst du nicht auch?" fragte sie Giles.

Kennedy verdrehte die Augen. „Ich kapier ja einen Wink mit dem Zaunpfahl. Ich werde Andrew bitten, welchen aufzubrühen. Was ist mit dir?" fragte sie Giles.

„Ja, in der Tat, Tee wäre jetzt sehr angenehm. Vielen Dank."

„Okay." Kennedy stand auf um den Raum zu verlassen. „Hey," sagte sie zu Giles gewandt. „Aber nicht, dass du ihre Kopfschmerzen schlimmer werden lässt."

„Ich glaube nicht, dass das passiert," antwortete er.

Kennedy grinste und verließ den Raum. Giles schaute ihr nach.

„Giles, sie meint das nicht böse," begann Willow Kennedy zu entschuldigen.

„Kein Problem," sagte er und lächelte die Hexe sanft an. „Kennedy ist eine tapfere junge Frau mit einer Gabe für schnelle Sprüche, was ein wenig überraschend ist."

„Inwiefern?"

„Nun, du schienst sonst eher auf die stilleren Typen zu stehen. Und Kennedy ist nicht gerade zimperlich. Im Gegenteil, sie ist eine Kraft für sich. Erinnert mich manchmal ein wenig an ..." Giles unterbrach sich und sein Lächeln verschwand.

„Buffy," beendete sie den Satz für ihn.

Er lächelte ihr zu, aber sie konnte die Trauer in seinen Augen erkennen. „Ja, sie auch, denke ich. Aber eigentlich meinte ich Jenny."

Willow schaute runter auf die Decke, welche auf ihren Beinen lag.

„Jenny war vielleicht nicht ganz die passende Person für mich, aber ich liebte sie dennoch. Ich könnte es nicht erklären, aber das ist manchmal bei der Person, die man liebt." Giles nahm seine Brille ab und säuberte langsam die Gläser. Er setzte sich auf die Ecke des Sofas, neben Willow.

Die rothaarige Hexe bewegte sich mühsam und richtete das Kissen in ihrem Rücken.

„Also wie fühlst du dich? Ziemlich zerschlagen, fürchte ich ..."

„Ja," sagte Willow leise.

Giles bemerkte ihre niedergeschlagene Miene und legte seine Hand sanft auf ihre. „Nun, ich bin hier um Mr. Aufheiter-Mann zu spielen," lächelte er.

Sie schaute zu ihm auf. „Giles, du bist nicht sehr gut mit der Xander-Sprache."

„Wo du ihn erwähnst ..."

„Wir haben seinen möglichen Aufenthaltsort?" fragte Willow hoffnungsfroh.

„Unglücklicherweise nicht - ich hatte heute Morgen einen Anruf," Giles seufzte. „Ich hatte gehofft unser Kontakt beim FBI könnte helfen, aber selbst die vermögen ihn derzeit nicht aufzutreiben."

„Vielleicht sollte ich doch ernsthaft nach dem „Such den Helfer"-Spruch schauen, über den ich gewitzelt hatte. Wenn selbst die Bundespolizei ihn nicht findet, weiß ich sonst nicht mehr Recht weiter. Es ist so frustrierend. Was für eine mächtige Hexe ich doch bin, huh? Ich find weder meine Freunde noch eine Treppenstufe, wie es scheint."

„Willow, ich weiß du bist - verlegen - wegen dem Sturz. Aber Unfälle passieren, selbst den Sichersten unter uns."

„Ja, aber war nicht einfach Ungeschicklichkeit. Und ich bin auch nicht sicher, dass all die anderen Dinge hier nur Zufälle und „technische Schwierigkeiten" sind."

„Nun, das gab schon ein paar sehr seltsame Vorkommnisse, wie ich zugeben muss," bemerkte Giles.

„Wasser läuft heiß und kalt, aber aus den falschen Hähnen? Mein Stuhl fliegt unter mir weg? Andrew war am Schimpfen, dass er plötzlich die Kontrolle über den Mixer verloren hat und der Teig sich über die Wände verteilt hat ...und das Licht - an, aus, flackerig, explodierend ... dieser Fernseher ..."

„Nun, denk an den Stromausfall im August ..."

„... die Computer, Giles - alle völlig buggy - und nicht das übliche buggy, ich meine, seltsamer Code läuft durch ... und - und die Stufen ..." Willow überlegte ihre nächsten Worte sorgfältig und fuhr fort. „Giles, diese Stufen sind baufällig, aber sie haben sich nie vorher in Gummi verwandelt."

Giles schaute plötzlich sehr ernst.

„Was ist es?" fragte sie.

„Mein Gott, ich glaube - ich - ich - ich meine - nach allem, was wir durchgemacht haben, erschiene es fast humorvoll ..."

„Da gibt es was Lustiges? Nun - sag es mir. Ich mag lustig. Lustig ist gut. Ich könnte genau jetzt etwas Lustiges gebrauchen."

Giles schüttelte den Kopf. „Ich - ich frage mich nur, ob es ein Poltergeist sein könnte. Wir haben ja wirklich genug junge Leute im richtigen Alter hier, dass sich ein Poltergeist manifestieren könnte. Wenn man noch dazunimmt, dass sie über inherente übernatürliche Begabungen verfügen und die Tatsache, dass an diesem Ort mystische Kräfte eingesetzt werden in - und außerhalb - der Klasse und ... nun, du musst zugeben, dass Jeffrey allein eine ziemlich gewalttätige Natur aufweist und ein Potential für übernatürliche Energien ..."

Willow dachte einen Moment nach und runzelte dann die Stirn. „Ein Poltergeist kann Dinge bewegen. Und sie auch durch den Raum schmeißen. Das haben wir ja am eigenen Leib gespürt, als wir eingezogen sind. Aber kann er eine Betontreppe in Gummi verwandeln? Kann er ein Geländer weich und dehnbar machen?"

„Tee ist fertig," sagte Kennedy in diesem Augenblick und kam mit einem Tablett herein, auf dem sich Plätzchen, die Teekanne und Tassen befanden. Sie sah Willows gepeinigten Gesichtsausdruck.

„Ich wusste es," sagte sie und setzte den Tee ab. Sie nahm direkt vor Giles die Haltung einer Jägerin ein und stemmte die Hände in die Hüften. „Raus," sagte sie mit gespieltem Ernst. „Bring mich nicht dazu, brutal zu werden."

Giles nickte, mit einem halben Lächeln im Gesicht. „Wir werden später weiterreden," sagte er zu Willow und tätschelte ihre Hand.

„Ja," sagte Willow erschöpft. „Danke." Sie lächelte ihn halbherzig an und sah zu, wie er das Zimmer verließ.

„Worum ging das denn alle?" fragte Kennedy.

„Das willst du wahrscheinlich gar nicht wissen."

„Stimmt - will ich nicht. Was gibt’s in der Flimmerkiste?"

Kennedy schnappte sich die Fernbedienung und schaltete ein. Der Fernseher ging sofort und problemlos an.

„... erinnert an den Stromausfall Mitte August," sagte ein Nachrichtensprecher. „Es scheint als ob am frühen Morgen ein Problem auftrat, welches die städtischen Arbeiter und die Experten der Stromversorger bisher nicht lösen konnten. Sämtliche Ampeln in der Innenstadt arbeiten fehlerhaft. Es hat überall Unfälle gegeben und zusätzliche Polizisten und Mitarbeiter vom Technischen Hilfswerk sind bis auf Weiteres im Einsatz um den Verkehr zu regeln. Wir schalten zu Matt Lanner für einen Bericht ..."

Kennedy schmiegte sich in Willows Arme und küsste sie, aber ihre Freundin reagierte nicht. Sie schaute erneut zu dem Fernseher, der Willows komplette Aufmerksamkeit hatte.

„Es ist nicht nur bei uns," murmelte Willow.

Int.

Ethans Raum – Früher Abend

Ethan schaltete den Fernseher ab. Er brauchte nicht weiter diesen Bericht über seltsame Vorkommnisse in der Stadt - der gleiche, den Willow gerade anschaute - zu sehen.

„So," sagte er nur. „Das Chaos regiert."

„Ja," antwortete Amy barsch. „Es regiert und wie."

„Mist. Wir sollen den Stadtrat von Cleveland mit unserem Spruch beeinflussen, nicht die ganze Stadt. Und wie zum Teufel sollen wir das machen, wenn Sie ein derartiges Aufsehen erregen?"

„Und Sie nennen sich einen Anhänger des Chaos."

„Ich bin ein Priester des Chaos, nicht einfach nur ein Anhänger. Aber ein gutes Chaos bedarf guter Planung. Und dies," Ethan zeigte zum Fernseher, „ist gar kein Plan!"

„Ich habe keinen Plan benutzt. Nur einen Spruch. Nur zum Spaß. Es wird nach einer Weile wieder aufhören. Dann können wir unseren Job beenden und verschwinden."

„Wir sollten schon heute Abend verschwinden! Mit all diesem Tamtam können wir froh sein, wenn wir bis nächste Woche wegkommen."

„Wissen Sie, was ich denke? Nein, wie könnten Sie auch? Sie mit ihrer Kuschel-Zauberei und unoriginellen Plänen. Lassen Sie mich Ihnen genau sagen, was ich denke, Ethan."

„Nennen Sie mich nicht Ethan. Ich bin „Edward" und Sie sind ..."

„Amy. Amy Madison, Hexe. Und eine deutlich bessere Hexe als Sie ein Zauberer sind. Aber das wussten Sie schon in dem Moment, wo Sie mich getroffen haben. „Ich arbeite allein."," verspottete sie ihn. „Ja, klar, denn es macht Ihnen Angst mir jemand zu arbeiten, der weiß, was er tut. Stimmt’s?"

Amy ging direkt zu ihm hin und sagte leise, „Wissen Sie, zuerst dachte ich, Sie wären eifersüchtig. Aber jetzt kapiere ich es. Sie haben Schiss, dass Cyril Ihre Show durchschaut und mich an Ihrer Stelle anheuert. Ich frage mich, was Cyril mit Leuten macht, die er und die Organisation - nicht mehr brauchen?"

„Ich bin sicher, Sie werden es herausfinden."

„Ja, das werde ich. Und ich hoffe, es ist nicht zu schmerzhaft für Sie." Amy lächelte hasserfüllt und ließ Ethan in der Mitte des Raumes einfach stehen.

Ethan biss sich frustriert auf die Lippe. „Mist."

Int.

Willows Wohnzimmer – Selber Abend

„Giles! Giles, komm schnell!" sagte Kennedy und drückte ihn aufs Sofa.

Dawn und Kennedy waren bei Willow und starrten gebannt auf den Bildschirm.

„Und als ob alle elektronischen Probleme, mechanischen Fehlfunktionen und Hummer, die wieder vom Teller kriechen, noch nicht genug wären, da gibt es noch immer welche, die die Zeit für Streiche von enormen Ausmaßen finden. Matt Lanner steht bereit, um uns einen Bericht zu geben. Matt..."

„Danke, Claire," begann der Außenreporter. „Nun, wie es scheint erlebte das Museum für moderne Kunst in Cleveland eine überraschende Gemeinschafts-Ausstellung, als ein wertvolles Stück einer Terrakotta-Statue in einem ungewöhnlichen Stahlbehälter auftauchte. Der „Kopf der Proserpina", den Gian Lorenzo Bernini 1621 geschaffen hatte, verschwand heute. Die Sicherheitskräfte des Museums wurden von einem Besucher alarmiert, der sich über das leere Podest der Statue wunderte."

„Eine eilige Suche begann, die sich über etwa drei Stunden bis heute Nachmittag hinzog, als ein Handwerker zu seinem Vorgesetzten kam und sich über den „Bösen Blick" beschwerte, den er aus einem Helm der Rüstungssammlung des Museums verspürte. Die „Rüstung für Mann und Pferd", eine originale Rüstung aus dem Mittelalter, die Reiter und Tier komplett schützt, ist der Ort, wo Proserpinas Kopf gefunden wurde."

„Jemand hat das zerbrechliche Stück genommen und in den Helm gesteckt. Niemand weiß, wie das möglich war. Ein Mitarbeiter des Kurators teilte mir sogar mit, dass es eigentlich unmöglich hätte sein dürfen, die Statue vom Podest zu lösen, geschweige denn, sie in den Helm zu stecken. Aber wie sie auf diesen Bildern sehen können ist genau das passiert. Für die Offiziellen des Museums bleiben jetzt noch zwei Fragen zu beantworten: Wer war dafür verantwortlich und wie bekommen sie den Kopf wieder aus dem Helm heraus? Dies ist Matt Lanner aus dem Cleveland Museum für moderne Kunst."

Willow schaute zu Giles.

„Kapierst du es nicht?" fragte sie.

„Nun, ich denke es ist schon irgendwie lustig, aber ..."

„Giles. Denk Mal nach - wer war Proserpina?"

„Sie war die römische Göttin für den Frühling. Sie wurde von Pluto entführt und in die Unterwelt geschafft. Auf Jupiters Befehl ließ er sie wieder frei, aber erst nachdem er sie dazu gebracht hatte, sechs Samen vom Granatapfel zu essen, wodurch sie verpflichtet war, sechs Monate im Jahr in die Unterwelt zurückzukehren. Ich sehe keinerlei Zusammenhang mit der Statue und einem simplen Dummejungen-Streich und wäre daher dankbar, wenn du mich aufklären würdest, worüber du redest."

„Wenn es der „Kopf von Hekate" gewesen wäre, der in der Rüstung steckt, was hättest du dann gesagt?" fragte Willow.

„Offensichtlich war dem nicht so, aber ich hätte gesagt, dass jemand ein klares Signal aussendet, dass etwas Magisches nicht stimmt."

„Und in der Hexerei, welche Göttin - außer Hekate - wird noch oft angerufen?"

Erkenntnis breitete sich über Giles Gesicht aus.

„Das war kein Dummejungen-Streich," fuhr Willow fort. „Der „Kopf von Proserpina" wurde mit voller Absicht genutzt und zwar von einer ziemlich mächtigen Hexe."

Dawn kreischte. „Das ist so klasse, Leute!" Drei Augenpaare wandten sich langsam zu ihr hin.

„Ich meine ..." fuhr Dawn aufgeregt fort und lief umher. „Diese ganze Sache mit „Dingen-die-nachts-unheimlich-werden", die Hexereigeschichte, eine Stadt in Verwirrung, tote Sachen, die vom Teller krabbeln, Jägerinnen auf Streife, Plätzchenteig, der an die Wände klatscht ... und ihr hattet Angst, ich könnte mich langweilen. Mann, ich hatte nicht so viel Spaß seit Sunnydale ..."

Dawn bemerkte plötzlich ihre Blicke. „Was?"

Int.

Ethans Raum – Hyatt Regency Hotel

Selbe Nacht

„Natürlich weiß ich, was los ist. Sogar die BBC berichtet! „Cleveland versinkt im Chaos!" war die Überschrift der London Times. Nicht zu vergessen The Telegraph, der viele Details über die „seltsamen Vorkommnisse" zum Besten gab."

„Nun, Cyril, ich kann Ihnen versichern, dass es nicht meine ..."

„Natürlich weiß ich, dass Sie es nicht sind! Es ist chaotisch, sicher, aber ich kenne Ihre Arbeit, Ethan, und ich weiß, dass Sie nicht so dumm sind, sich dem Zorn der Organisation auszusetzen oder gar jener, denen sie dient. Nun sagen Sie mir die Wahrheit - als ob Ihr Leben davon abhinge. Denn das tut es."

„Oh Cyril, seien Sie offen, ich hasse es, wenn Sie um ..."

„Genug. Sagen Sie mir, was Sie wissen."

„Ich weiß, dass meine kleine Helferin - die Sie mir so netterweise „zur Verfügung gestellt" haben - einen Erweckungszauber gesprochen hat, von dem ich nichts wissen sollte. Ich weiß nicht genau, was sie erwecken wollte, aber ich kenne den Spruch. Es ist einer, der unter anderem oft genutzt wird um Großes zu aktivieren, wie zum Beispiel ein Höllenschlund - und ein solcher ist in Cleveland vorhanden. Ich weiß auch, dass sie mit Ihnen in Kontakt war. Und ich weiß auch, dass sie hinter diesen - wie nannten Sie es? - „Seltsamen Vorkommnissen" steckt."

„Sie werden Sie sofort stoppen," wies Cyril ihn an. „Sie werden Sie stoppen und ich arrangiere es, dass sie hierher teleportiert wird. Lassen Sie den Rest Ihrer ursprünglichen Aufgabe, Ethan. Schließen Sie das nicht ab. Die Organisation möchte nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf Cleveland oder den Höllenschlund lenken. Diese Frau hat die Mission vollkommen ruiniert."

„Und hat sie mich auch meine Bezahlung gekostet?"

„Sie bekommen Ihr Geld. Aber erst, wenn Amy Madison in meinem Büro und sonst nichts bei Ihnen passiert ist."

„Ich werde einen Weg finden."

„Ethan ..." Cyrils Stimme war ruhig aber bestimmt. „Sie wissen gar nicht, was sie getroffen hat, wenn nicht."

„Wirklich, Cyril, Sie müssen diese emotionalen Ausbrüche unter Kontrolle bekommen."

Ethan hörte Cyril auflegen. Erst in diesem Augenblich ließ er seine Besorgnis durchscheinen.

„Wie geht es Cyril?"

Ethan drehte sich um. Amy stand vor ihm, ihr Ausdruck ließ keine Spur von Milde erkennen.

„Was wollte er?" fragte sie, ihre Stimme genauso kalt wie ihre Augen.

Ethan erkannte ihren tödlichen Blick und hob sofort die Hände.

Aber er war zu spät.

Amy traf ihn mitten in die Brust mit einem Strahl wütender Energie, der ihn nach hinten in den Schreibtisch fliegen ließ. Sein Rücken prallte hart auf die Kante und ein Schmerzensschrei entfuhr ihm, als er zu Boden sackte.

Er rappelte sich auf und mit einer Grimasse bewegte er sich schnell zur Seite um einem weiteren Ausbruch auszuweichen. Aber Amy war vorbereitet. Sie warf eine magische Mischung von Kräutern und Wurzeln in sein Gesicht. Er erkannte den Geruch von Baldrian bevor er das Bewusstsein verlor.

Ext.

Rat der Wächter – Später in der selben Nacht

Kennedy und Vi hatten gerade die Begrenzung des Grundstücks patroulliert und waren auf dem Weg nach drinnen, um sämtliche Räume zu überprüfen. Sie sahen nicht das Taxi, das etwas weiter unten an der Straße hielt.

Amy bat den Fahrer zu warten und er bot ihr seine Hilfe dabei an, ihren betrunkenen „Freund" zur Vordertür des Gebäudes zu bringen.

Sie lehnte das Angebot ab. „Komm schon, Liebling," sagte sie zu dem unsicher schwankenden Ethan, als sie ihm aus dem Taxi half. Sie legte seinen rechten Arm um ihre Schulter und trug ihn halb die Straße entlang ins Dunkle. Der Fahrer schüttelte den Kopf über dieses komische Paar und stellte den Motor ab.

Als sie sich dem Gebäude näherten, begann Amy leise einen Spruch aufzusagen. Sie erreichten gerade eine Gruppe von Büschen beim Hauptgebäude, als der Spruch seine Wirkung entfaltete und Ethan in Ohnmacht fiel.

Amy ließ ihn einfach zu Boden fallen, verdeckt von den Büschen, aber bei genauerem Hinsehen durchaus zu erkennen. Dann rannte sie in kurzen, schnellen Sprints zurück zum Taxi, wobei ihre Augen nach allen Seiten huschten.

Int.

Willows Wohnzimmer – Selbe Zeit

„Dies nutzt nichts," sagte Willow.

„Dies sind die falschen Bücher," fügte Dawn hinzu. „Wir müssen zur Bibliothek gehen."

„Ich werde gehen," sagte Jeff. „Mir ist langweilig."

Willow stellte eine Liste mit Titeln zusammen, die er mitbringen sollte. Er ging hoch zur Bibliothek, wobei er Ausschau nach den patroullierenden Jägerinnen hielt und ergatterte alle Bücher bis auf eines. Er kehrte zu Willows Appartment zurück.

„Ich hab alle außer „Das Lied des Satyrs und andere Sprüche"," erzählte er. „Aber ich weiß, wo das ist und kann es leicht besorgen."

„Nun ... ich möchte nicht, dass du extra ..."

„Zu spät," sagte er und verließ den Raum.

Cut to:

Ext.

Rat der Wächter – Einen Moment später

Jeff ging zur Vordertür der Schule und lief leise den Weg zu den Wohnungen der Lehrer. Im Schulgebäude ging ein Licht an und Kennedy und Vi erschienen in einem der äußeren Räume. Jeff hielt erschrocken an. Vi drehte sich in seine Richtung und würde ihn draußen sehen. Er duckte sich schnell in eine Gruppe von Sträuchern um sich zu verbergen.

Er schaffte es so gerade bevor Vi zum Fenster ging und einen kurz Blick nach draußen warf. Jeff schob sich auf den Händen weiter nach hinten in die Büsche, um sich so tief wie möglich darin vor den Blicken zu verbergen. Der Boden war kalt und hart unter seinen Händen.

Plötzlich fühlte er sich fleischig und klamm an.

Jeff brauchte einen Moment, bevor sein Gehirn das alles registrierte. Dann stieß er einen erschreckten Schrei aus.

Kennedy und Vi sahen sich und rannten wortlos zur Tür und dann nach draußen. Als sie kamen, sahen sie, dass Jeff sich gegen die Außenmauer des Schulgebäudes drückte. Seine Augen blickten starr in die Büsche.

Kennedy schaute ihn mit einem Gefühl des Sieges an. „Hab ich dich!" rief sie. „Also du bist der große Bösewicht ...?" grinste sie.

„Ich glaube nicht," sagte Vi, die den Ausdruck von Angst in seinem Gesicht bemerkt hatte. Die beiden Jägerinnen folgten seinem Blick und sahen eine Hand regungslos aus den Sträuchern ragen.

Vi griff nach ihrer Armbrust und spannte sie. Die Spitze des Bolzens war nur wenige Zentmeter vor Ethans Nase. Kennedy ging an seine andere Seite und stieß ihm - hart - mit der Stiefelspitze in die Rippen.

Es brauchte einige Stöße, aber dann begann Ethan sich zu regen. Seine Augen flogen auf, als Amys Zauber sich schnell auflöste. Er sah einen verzerrten Schatten von etwas Langem und Spitzem vor seinen Augen und dann kamen Armbrust und Bolzen in den Fokus.

Ein kleiner Kreischer entschlüpfte dem Zauberer und Kennedy und Vi sahen sich amüsiert an.

„Ist das ein Vampir?" fragte Jeff ängstlich.

„Nein," Kennedy lachte fast. „Was immer es ist, ich glaube wir müssen uns deshalb keine Sorgen machen. Jeff, hol Giles und sag ihm, dass wir jemand gefunden haben."

Cut to:

Int.

Rat der Wächter - Foyer – Kurz darauf

Giles betrat den Raum. Vi und Kennedy - mit gespannten Armbrüsten - und Dawn waren um jemand versammelt, der mit dem Rücken zu Giles auf dem Sofa saß.

„Jeff sagte, ihr hättet jemanden gefunden ..." Giles stockte, als Ethan sich zu ihm umwandte.

„Hallo, Ripper. Gibst du mir einen Begrüßungskuss?"

Giles bewegte sich so schnell, dass Kennedy und Vi keine Chance zur Reaktion hatten. Bevor die beiden Jägerinnen kapierten, was vor sich ging, lag ihr Gefangener auf dem Boden und wurde von dem Wächter mit beiden Fäusten bearbeitet. Der Gesichtsausdruck von Giles war dabei wie versteinert.

Ethan steckte ein paar Schläge ein, bevor er sich zusammenrollte und mit seinen Armen schützte. Erst dann ließ Giles von ihm ab.

„Was führst du im Schilde, Ethan?"

„Ich kann mich nicht erinnern," anwortete Ethan und fing sich einen weiteren Hieb ein. „Ich erinnere mich nicht!"

„Verdammt, antworte mir!" Giles traf Ethan hart am Mund, sodass dessen Kopf hart auf dem Boden aufschlug.

Das Geräusch von Ethans Wangenknochen, der auf dem Parkett aufschlug, veranlasste Dawn zu einem Aufschrei. Auch Kennedy und Vi starrten ungläubig, dass Giles so kalt und brutal vorging.

„Giles, stopp!" forderte Willow ihn vom Eingang her auf.

„Nicht bevor er mir gesagt hat, was ich wissen will."

„I-ich möchte nur erwähnen, dass dies nicht meine Idee war," stieß Ethan hervor.

Giles hob die Hand für einen weiteren Schlag. Er wollte seine Faust vorschießen lassen, aber etwas stoppte ihn in der Luft. Giles wandte sich um, um zu sehen was für eine Kraft ihn zurückhielt. Er sah Willow neben sich stehen. Sie hielt seine blutige Faust mit beiden Händen fest.

„Giles," sagte sie einfach und schaute ihm trotz seines eiskalten Blickes fest in die Augen. „Bitte hör auf. Dies ist nicht der richtige Weg."

Sein Gesicht zeigte kein Anzeichen dafür, dass er sie gehört hätte. Dann entspannten sich seine Schultern langsam und er hörte auf an ihren Händen zu ziehen. Schließlich ließ sie los und er setzte sich hin. Sein Gesichtsausdruck war immer noch hart, aber er schien bereit auf sie zu hören.

„Giles, dies passt nicht zu Ethan," sagte sie.

„Doch, das tut es," knurrte Giles. „Und wie üblich wird er geschnappt, weil er es so liebt, sich an seinen Opfern zu weiden."

„Er mag vielleicht für einen Teil verantwortlich sein, sicher," erwiderte Willow. „Aber - die Magie, die hier angewendet wurde - die ist nicht sehr ... Ethanmäßig."

Ethan setzte sich langsam auf, mit der Hand am Kiefer, und hörte zu, wie die rothaarige Hexe seinen Stil analysierte.

„Ich meine, das ist doch alles viel zu offensichtlich für Ethan. Alles. Zu ... öffentlich. Hummer und Krabben, die im Restaurant vom Teller krabbeln? Geldautomaten, die Monopoly-Geld ausspucken? Eine Skulptur in einer Rüstung? Giles, diese Dinge hören sich nach Studentenstreichen an, nicht der Arbeit eines erfahrenen Hexenmeisters. Ich mein, diese Vorkommnisse zeigen nicht seinen - nun ja - Stil, seine Spitzfindigkeit ..."

„Und nicht zu vergessen, meinen Charm," murmelte Ethan durch seine geschwollenen und aufgeplatzten Lippen.

Giles schaute sie ungläubig an. „Stil?! Ha! Dieser Mann hat Eyghon a-a-auf uns gehetzt, dich und die anderen in ... in Halloweenmonster verwandelt, mich zu einem Fyarl Dämonen gemacht und Sunnydale in eine Siebzigerjahreshow verwandelt mi-mit Hilfe von billiger Schokolade."

„Ja," protzte Ethan, „das war ein ziemlicher Guter, falls ich das selber sagen darf."

Giles schaute ihn wütend an.

Ethan hielt seine Hand hoch. „Ich meine ja nur ..."

Willow verkniff sich ein Lächeln, aber Giles sah es.

„Nicht," bat er sie. „Ermutige ihn nicht noch."

„Aber er ist gut, Giles."

Die Augen des älteren Wächters weiteten sich.

„Ich meine, böse, ja, aber auf seinem - verdrehtem, chaotischem, schwarzmagischem Gebiet ist er der Beste ..."

„Die kleine rote Hexe hat fast Recht, weißt du," warf Ethan ein. „Ich bin der Beste. Ich mache diese ganze Sache schon seit mehr Jahren, als diese Kinder hier zusammengenommen zählen. Okay, vielleicht nicht ganz so lange ... Aber lang genug, um meine Kräfte zu einen feinen und scharfen Werkzeug zu machen - nicht wie gewisse Wächter, die dem Ganzen den Rücken zugekehrt haben. Oder kleine Bühnenzauber-Assistentinnen, die denken, dass ein paar Glitzersprüche sie in die Liga eines Meister-Zauberers heben könnten."

Giles warf sich sofort wieder auf Ethan. Er packte ihn mit der rechten Hand am Hals und schlug mit der linken zweimal zu. „Wer arbeitet für dich, Ethan? Wer ist dein Assistent? Und für wen arbeitest du?"

„Okay, okay, hör auf bevor du dich noch selber verletzt," würgte Ethan heraus.

Giles lockerte seinen Griff um Ethans Hals, ließ ihn aber nicht komplett frei.

„Ich bin ein Subunternehmer."

„Für wen?"

Ethan zögerte und Giles hob erneut die Faust.

„Cyril!" stieß Ethan hervor. „Cyril Rodham."

Giles machte ein angeekeltes Gesicht bei diesem Namen. „Und für wen arbeitet Cyril heutzutage?"

„Ich weiß es nicht. Wirklich! Ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß nur, dass ich für einen guten Job auch sehr gut bezahlt werde, aber die Aufgabe beinhaltete es nicht, dass lauter Kinderstreiche die Stadt erschüttern."

Giles schaute zornig.

„Schau, alter Mann, nur weil ich die Milch trinke heißt das nicht, dass ich die Kuh kenne. Cyril hat mich für kleinere Projekte ausgeschickt - nichts allzu Extremes - und er hat jemand Größeres hinter sich, der meiner Ansicht nach wieder noch Größere hinter sich hat. Aber ich weiß wirklich nicht, wer sie sind und was sie wollen. Ich frage nicht und sie reden nicht."

„Dann erzähl mir einfach, was du hier treibst."


Ethan schaute in das finstere Gesicht seines alten „Kumpels". „Nun, eigentlich habe ich nur ein paar kleine Sprüche gemacht für einige von Cyrils - Partnern. Der ganze Rest war die Idee von der Assistentin, die Cyril mir mitgegeben hatte. Sie ist diejenige, die all den Ärger verursacht hat. Du kennst mich, Ripper. Schnell, sauber und auf meinem ..."

Ein Blick von Giles ließ ihn verstummen.

Ein Ausdruck von Schauer erschien auf Willows Gesicht; sie wurde blass.

„Ist sie in Ordnung?" fragte Ethan.

„Ich riech ne Ratte," sagte Willow. „Eine altbekannte Ratte ..."

Giles blinzelte. „Du meinst doch nicht etwa ..."

„Amy."

Ethan schaute schnell von Willow zu Giles. „Wie ich sehe, hat sich Ms. Madison auch schon bei euch beliebt gemacht," grinste Ethan.

Giles wandte sich wieder zu ihm um.

„Moment, Moment," sagte Ethan und hob schützend die Arme. „Lass uns darüber wie zwei Erwachsene reden, okay? Wir beide wollen doch, was das Beste ist ... das heißt ... unsere Ms. Madison hat uns allen doch einigen Ärger bereitet. Ich kann meinen Job nicht erledigen und du kannst auch nicht - naja, was auch immer du nicht kannst - also, warum sollten wir nicht ..."

„Unsere Ressourcen zusammenlegen!" Willow hatte ihn verstanden.

„Ja! Au!" Ethans Mund schmerzte, als er ihn zu einem Grinsen verzog.

„Nun ...," Giles dachte einen Augenblick nach. „Nein. NEIN! Absolut nicht!"

„Könnte interessant werden," sagte Ethan und tat als ignoriere er Giles. „Und spaßig," sagte er verführerisch zu Willow.

„Ich werde das nicht zulassen," stellte Giles trocken fest.

Willow schaute zu Dawn und den beiden Jägerinnen. „Ihr könntet euch Amy schnappen und sie beschäftigen, während Ethan und ich sie mit ei-einem Bannspruch binden."

„Kommt überhaupt nicht in Frage!" Giles Stimme stieg um ungefähr eine Oktave.

„Es werden wohl wirklich so viele von uns nötig sein." Willow war blitzschnell am Pläne schmieden, sie ratterte die Wörter so runter. „Amy ist ziemlich stark, was Sie wahrscheinlich schon gemerkt haben," sagte sie zu Ethan. „Und sie ist ..."

„Unredlich, pervers, hinterlistig, verräterisch?" schlug Ethan vor.

„Ich wollt sagen schlüpfrig, aber der Rest passt auch."

„Niemand von uns wird mit Ethan zusammenarbeiten ..."

„Es ist also abgemacht?" Willow schaute die Gruppe an.

„... unter keinen Umständen ..."

„Ich bin dabei," sagte Kennedy.

„Ich auch," fügte Vi hinzu.

„Ich werde deinen Rücken decken," Dawn lächelte.

„Und ich Dawns," sagte Jeff.

„Es wird ein Vergnügen sein," lächelte Ethan.

„Ja ..." sagte Willow. „Das denke ich auch."

„... und das ist endgültig!" Giles war fast am Schreien, weshalb jetzt alle zu ihm hinschauten. Ethan lächelte ihn unschuldig an.

„Verdammt," murmelte Giles.

„Abgemacht," strahlte Willow. „Jeff, sag Andrew Bescheid, dass wir einen Patienten für ihn haben."

Giles schaute auf seine blutenden Knöchel. „Nicht nötig. Ich werde ..."

„Und wenn du fertig bandagiert bist, Ethan," sagte Willow, „können wir uns überlegen, was für einen Bannzauber wir nehmen und welche Gegensprüche um Amys aufzuheben. Wir haben eine gut ausgestattete Bibliothek und fügen täglich neue Werke hinzu."

Kennedy half Ethan leicht wieder auf die Beine.

„Ethan," warnte Giles, „wenn du dich nicht benimmst ..."

„Was - willst du mich dann bestrafen?" grinste er anzüglich zurück.

„Ethan ..."

„Kommt ihr beiden Kinder," sagte Willow und zog Ethan an der Hand weg. „Spielen könnt ihr später. Jetzt wird gearbeitet."

Sie schwankte plötzlich ein wenig und Ethan stützte sie mit einer Hand an ihrem Arm.

„Danke," sagte sie. „Bin noch etwas schwindelig. Ich hatte gestern einen bösen Sturz."

„Ja, der Verband war ein deutlicher Hinweis. Was genau ist passiert?"

Giles beobachtete, wie sie zusammen weggingen und sich dabei höflich unterhielten.

„Giles?"

„Ja, Kennedy."

„Wie weit können wir Ethan trauen?"

„Gar nicht. Aber er weiß, er kann darauf trauen, dass ich ihn umbringe, wenn er diesen Plan versaut."


Int.

Giles’ Wohnzimmer – Etwas später

Giles nippte an seinen Tee, den Andrew ihm gebracht hatte. Die gedämpften Stimmen von Ethan und Willow drangen bis in sein Wohnzimmer hinauf von der Lounge im Erdgeschoss, in der sie saßen.

„Ich habe einige frischgebackene Schokoplätzchen direkt aus dem Ofen," sagte der mit einer Schürze bekleidete Andrew um ihn aufzuheitern. „Und nichts drückt Liebe so gut aus wie ..."

Der vernichtende Blick, den Giles ihm zuwarf, ließ Andrew verstummen.

Plötzlich konnten Giles und Andrew deutlich Willows Stimme hören. „Was für ein Biest."

Giles zuckte zusammen und nahm einen Schluck Tee.

„Wissen Sie ..." Andrew zögerte als er Giles’ Miene sah. „Wissen Sie, Sie könnten noch einen Mann gebrauchen, der Ihnen mit diesem Ethan hilft."

„Du kannst nicht einmal einen elektrischen Mixer halten, ohne die Wände mit Plätzchenteig zu ..."

„Es war Kuchenteig."

Der Klang von Willows Lachen war von unten zu hören.

Andrew verzog den Mund als er sah, wie der Puls an Giles Schläfe hervortrat. Ein anderes Geräusch war von unten zu hören und er brauchte einen Moment um zu realisieren, dass Willow und Ethan am Kichern waren.

„Oh, zum ..." Giles fluchte laut. Er ging zu seiner Stereoanlage und griff nach der ersten Platte, die ihm in die Hand kam. Er schaute nicht einmal hin, als er sie auflegte und die Lautstärke aufdrehte. Sofort war die energiegeladene Stimme des jungen Eric Clapton zu hören und der Klang seiner Gitarre füllte den Raum.

„What’ll you do when you get lonely
And nobody’s waiting by your side?
You’ve been running and hiding much too long.
You know it’s just your foolish pride..."

(Was machst du, wenn du einsam bist

und niemand an deiner Seite wartet?

Du bist zu lange am Rennen und Verstecken.

Du weißt, es ist nur dein dummer Stolz ...)

„Oh, klasse," stöhnte Giles.

„...Layla..."

Aber selbst die Musik und der Gesang von „Derek and the Dominoes" waren nicht genug, um den Klang des Gelächters von unten komplett zu übertönen. Giles gab schließlich auf und ging nach unten.

Ethan and Willow schauten auf, als er die Lounge betrat.

„Weißt du, alter Mann, du hast einen sehr guten Geschmack für einen Kinderschänder!" Er deutete auf Willow.

„Hey!" Willow kicherte mehr wegen der Mimik von Giles als wegen der Bemerkung von Ethan.

„Ich werde diese anzügliche Bemerkung ignorieren und komme gleich zur Sache." Giles hatte seine Augen auf Ethan fixiert. „Habt ihr zwei schon irgendwelche Fortschritte gemacht?"

„Giles, mit Ethan zu arbeiten ist so - großartig! Er ist ein echter Meister. Mehr noch als ich immer dachte. Warum hast du mir nie erzählt, dass er ..."

„Willow ..." unterbrach Ethan sie, seinen Blick auf Giles geheftet. „Ripper ist vertraut mit dem, was ich machen kann ... allem, was ich machen kann ... Im Moment möchte er aber von unserem Plan hören."

„Oh ja, der Plan ist perfekt. Nun, falls es so etwas wie einen perfekten Plan geben kann ..."

„Wir werden eine kleine Falle legen für Ms. Madison," ergänzte Ethan. „Ich werde es in Schwung bringen mit einem kleinen Verwirrspiel ..."

„Deine Spezialität," grummelte Giles.

„... und wir werden sie hier haben, wo wir sie gegen eure zwei besten ... Jägerinnen hetzen." Bei den letzten Worten klang Ethan angewidert.

„Deine liebsten Freundinnen, was?"

„Die kleine rote Hexe und ich werden sie mit einem Bannspruch belegen. Ich werde ein Arrangement vorbereiten, dass sie direkt nach London teleportiert wird. Da ist jemand, der sie zu gerne sprechen will, die kleine Ratte."

Willow kicherte wieder, wie sie es seit der Highschool nicht mehr getan hatte. Ethan lächelte ihr zu, bevor er sich an Giles wandte und ihm ein selbstsicheres Grinsen zeigte.

Giles’ Augen wurden mörderisch dunkel.

„Hey, Ripper," sagte Ethan freundlich und legte die Hand leicht auf die Schulter des Wächters.

Willow hielt den Atem an, da sie mit einer gewaltsamen Reaktion von Giles rechnete.

„Warum gehst du nicht in dein Arbeitszimmer oder „Spielzimmer" oder was auch immer, ziehst diese geschmacklosen Schuhe aus, legst die Füße hoch und gönnst dir einen schönen Steifen."

Giles' Augen weiteten sich.

„Drink. Schönen steifen Drink. Außerdem müssen die Hexe und ich noch einige Zutaten für den Spruch besorgen."

Giles warf Ethan einen bösen Blick zu und schaute dann auf Willow, die jetzt aufgestanden war.

Ethan nahm seine Hand von Giles’ Schulter und Giles trat in den Gang. Willow folgte.

„Komm nicht auf dumme Ideen," warnte Giles Ethan.

Ethan schaute Willow an. „Aber Rupert, ich bekomme doch alle meine Ideen von dir."

Giles starrte Ethan nur grimmig an, als dieser zu Willow aufschloss. Ethan stützte Willow mit einer Hand an ihrer Schulter und sie gingen fröhlich lachend los. Claptons Gitarre spielte noch immer, als Giles Ethans letzte Worte hörte.

„Wenn wir zurück sind," sagte Ethan, „erinnere mich daran, dass ich dir ein Foto von Ripper aus seiner großen Zeit zeige."

„Oh zur Hölle," Giles seufzte.

 

 

Vierter Akt

 

Int.

Amys Raum, Hyatt Regency Hotel – Nächster Tag

Amy kam aus ihrem Badezimmer, noch in ein Handtuch gewickelt. Sie erschrak.

Ethan Rayne saß in dem Stuhl beim Fenster. Sein Gesicht war blutig und geschwollen, ein Auge blau angelaufen mit einem leichten Stich von violett.

„Ich verabscheue Sie wirklich," sagte er beiläufig. „Aber den Mann, der mir dies angetan hat," er deutete auf sein Gesicht, „den verabscheue ich noch viel mehr. Und ich werde ihn mit Ihrer Hilfe töten."

„Verschwinden Sie."

„Nein. Nein, hören Sie mir zu, meine Teuerste. Ripper will mich tot sehen. Und nun will Cyril Sie tot sehen. In der Tat versucht Ripper uns beide herein zu legen. Sie erwarten, dass ich Sie ausliefere und auch wenn unsere Partnerschaft nicht gerade sehr optimal verlief, werde ich das geringere von zwei Übeln wählen."

Amy zögerte und überlegte sich eine Antwort. „Warum sollte ich Ihnen trauen?"

„Sollten Sie nicht," erklärte er ihr. Ethan grinste trotz seiner geschwollenen Lippen. „Aber bedenken Sie Folgendes: Was denken Sie hat Cyril mir gestern Abend am Telefon gesagt, wie ich mit Ihnen verfahren soll?"

Amys Augen zeigten für eine Sekunde ihre Zweifel.

Ethan sah es. „Waren Sie in der Lage, Ihn zu kontaktieren?" fragte er vielsagend.

Amy schaute beiseite als sie antwortete. „Nicht seit - nein. Nein, war ich nicht," gab sie zu. Sie öffnete den Wäscheschrank und holte saubere Kleidung heraus. Dann ging sie ins Badezimmer um sich umzuziehen, ließ aber die Tür halb offen.

„Ich höre zu," sagte sie von dort. „Reden sie weiter."

„Ich habe einen Plan - einen Plan, der den Rat der Wächter ausschaltet und mich für immer von Ripper befreit. Helfen Sie mir und ich sorge dafür, dass Ihre Probleme mit Cyril und der Organisation behoben werden."

„Was werden Sie mit Giles machen?"

„Ich werde ihm eine Lehre erteilen, die er nicht vergisst - für den kurzen Zeitraum, den er dann noch zu leben hat."

„Und die anderen?"

„Sie werden nicht hierbleiben ohne Wächter. Sie werden heimrennen zu Mami und Papi."

„Willow wird dort sein. Sie wird sie zum Bleiben veranlassen."

„Nicht wenn sie auch weg ist."

Fertig angezogen erschien Amy in der Tür zum Badezimmer. „Erzählen Sie mir mehr."

„Wir könnten Sie umbringen. Oder einfach nur außer Gefecht setzen. Sie ist Ihr Problem, also überlasse ich Ihnen die Entscheidung. Auf jeden Fall, ohne die Hexe und den Wächter kann uns niemand dabei aufhalten den Auftrag für Cyril und die Organisation zu erledigen. Sie werden so erfreut sein, dass sie gar nicht daran denken werden, Ihnen Schaden zuzufügen. Oder mir. Was sagen Sie dazu?"

Int.

Rat der Wächter - Foyer – Früher Nachmittag

„Es macht dir hoffentlich nichts aus, wenn ich das erwähne, aber ich bin etwas besorgt ob dieses Plans."

„Giles, beruhige dich," sagte Willow. „Ethan und ich haben alles unter Kontrolle."

„Genau das beunruhigt mich."

„Dawnie! Siehst du etwas?" rief Willow ihrem „Ausguck" im zweiten Stock zu.

„Noch nicht," rief Dawn zurück.

„Ken, Vi, seid ihr fertig?"

„Seid mindestens einer Stunde, ja," antwortete Kennedy.

„Du weißt, was du zu tun hast?" fragte Willow an Jeff gewandt.

„Klar, bitte nicht ausrasten, ok?"

„Wenn es hier losgeht wird auch Dawn helfen."

„Das geht nicht. Sie hat keine Kräfte. Was ist, wenn etwas passiert ...?"

„Hey, nicht ausrasten," stichelte Willow, indem sie ihn nachahmte. „Dawn ist eine Veteranin. Sie ist noch ein echtes Mitglied der Scoobies und weiß, was sie in so einer Situation machen muss. Wenn also die Sache aus irgendeinem Grund schief geht, dann hörst du zunächst auf meine Anordnungen und dann auf ihre. Verstanden?"

„Sie sind hier!" rief Dawn. „Willow, sie sind hier!"

„Warum bereue ich das Ganze jetzt schon?" murmelte Giles zu sich selbst.

Ext.

Rat der Wächter, vor der Tür - Zur gleichen Zeit

„Sie machen Witze," sagte Amy laut. „Sie wollen zur Vordertür gehen und klopfen? Als ob sie uns erwarten würden?"

„Das ist ja das Schöne - sie tun es nicht," erwiderte Ethan. „Wir werden sie völlig überraschen. Seien Sie aber bereit, blitzschnell zu reagieren."

Amy schüttelte den Kopf, schien aber befriedigt, dass Ethan anscheinend wusste, was er tat. Ethan hob den Türklopfer an und klopfte drei Mal.

Nach einem Moment hörte man Schritte von innen und wenige Sekunden später hörte sie, wie die Schlösser geöffnet wurden.

Die Tür öffnete sich langsam und gab den Blick auf Jeff frei, der sie fragend ansah.

„Ja?"

„Hallo junger Mann. Ist dein - Rektor - da?"

Jeff wartete einen Moment als nehme er erst Ethans Erscheinungsbild in sich auf. „Huh? Oh, Sie meinen Mr. Giles?" fragte er unschuldig.

Ethan starrte an Jeff vorbei und überschritt mit Amy die Türschwelle. „Kluges Bürschchen. Ja, Mr. Giles. Es ist sehr dringend, das ich ihn spreche."

„Gut, warten Sie hier. Ich werde ihn holen."


„Gibt es denn keinen gemütlicheren Ort, als diese Halle um zu warten? Wir sind sehr weit gereist um unseren alten Freund zu treffen und daher etwas erschöpft."

„Ich soll Fremde nicht weiter hereinlassen," sagte Jeff und deutete eine imaginäre Linie an.

„Mein guter Junge! Wie lautet dein Name?"

„Jeff."

„Nun, das ist ein guter, starker Name. Mein Name ist Edward und das hier ist Adele. Jetzt kennen wir uns also und sind keine Fremden mehr. Adele und ich sind sehr alte Freunde von Mr. Giles. Von London. Nun, können wir es uns irgendwo gemütlich machen, während du ihn „ranschaffst"? Wie du dir vielleicht denken kannst, fühle ich mich nicht gerade topfit."

Jeff schaute von einem zum andern und seufzte. „Nun ..." er zuckte mit den Schultern und führte sie in die Lounge. Er stand bei der Tür, als sie an ihm vorbei in den Raum gingen.

„Ich denke, wenn Mr. Giles Sie kennt ..." Jeff warf die Tür zu und schob schnell die Riegel vor. „... können Sie ihn nicht überraschen."

Willow sprang hinter dem Sofa hervor. „Non motio!" Ihre klare Stimme trug durch den ganzen Raum als sie eine Handvoll zermahlener Kräuter und Wurzeln auf Amy warf.

Amys Hände schossen zur Verteidigung hoch. „Eosan!" befahl sie und die Kräuter kristallisierten im Flug und fielen zu Boden.

Jeff erkannte, dass sein einziger Fluchtweg von Amy und Ethan geblockt wurde. Er reagierte schnell, wandte sich scharf um und schaute dann starr auf den Beistelltisch in der Mitte des Raumes.

Der Tisch rutschte über den Boden auf Amy zu. Als sie das Geräusch hörte drehte sie sich und winkte mit der Hand. Der Tisch fiel in sich zusammen und zersplitterte ohne sie überhaupt berührt zu haben.

Amy hob beide Hände und rief „Hekate, mein Wille sei deiner!" und ohne weitere Worte schossen Blitze aus ihren Händen, die auf Jeff und Willow zusausten.

Jeff war schon in Bewegung und sprang leichtfüßig beiseite. Auch Willow hüpfte aus dem Weg, aber ein Schwindel überkam sie und sie fiel auf die Knie. Jeff schickte eine der großen Bodenpflanzen Richtung Amy und traf sie genau in den Rücken.

Amy kreischte vor Wut und schickte weitere Ladungen, die Jeff taumeln ließen und Willow in die Brust trafen. Willow flog rückwärts gegen die Wand und schlug dort mit dem Hinterkopf auf. Sie sackte zusammen und versuchte Mühsam, das Bewusstsein zu behalten.

Als sie den Lärm hörten, brachen Kennedy und Vi die Tür auf und trafen auf einen feixenden Ethan Rayne.

„Du verräterische Schlange!" schrie Kennedy als die beiden Jägerinnen angriffen.

Mit einer Handbewegung ließ Ethan sie durch die Luft fliegen. Vi sprang über einen Stuhl und er kippte mit ihr um.

Kennedy prallte auf den Boden und rutschte über das Parkett zum brennenden Kamin. Ihre Beine trafen das Schutzgitter, wodurch einige Holzscheite auf ihre Beine fielen. Als sie sie beiseite warf, entdeckte sie Jeff zusammengerollt und bewegungslos auf dem Boden liegen.

„Das war nicht Teil des Planes!" fluchte Kennedy und sprang wieder auf.

„Erste Regel des Chaos, süße Jägerin ..." Ethan grinste teuflisch, „Pläne ändern sich."

„Giles!" schrie Kennedy. Sie stürmte vor und traf Ethan mit einem gewaltigen Haken am Kinn.

Auch Vi war wieder auf den Beinen und rannte auf Amy zu, doch sie wurde durch einen heftigen Energiestoß von den Beinen gerissen und gegen die Glastür geworfen. Sie traf mit solcher Wucht auf, dass der Holzrahmen und die quadratischen Glasscheiben zersplitterten. Splitter von Holz und Glas schienen einen Moment in der Luft zu schweben, während sie weiterflog und gut drei Meter außerhalb des Raumes landete.

Willows Augen weiteten sich, als sie Amy kichern hörte. Mit wilder Entschlossenheit fokusierte sie ihre Augen auf Amy, die auf der anderen Seite des Raumes stand.

Amy schickte einen gewaltigen Energiestoß gegen Kennedy, der die Jägerin herumwirbelte. Kennedy verlor ihre Balance und schlug mit dem Kopf gegen eine der Säulen.

Amy wandte sich an Ethan. „Dies macht mehr Spaß als ich gedacht hätte!"

„Aber natürlich, meine Liebe. Nun beginnen sie zu lernen. Tod ist solch ein einfaches Ziel, aber wo ist die Freude, wenn man nicht etwas Vergnügen sucht vor der Zerstörung."

„Oh, sie werden noch zerstört werden," entgegnete Amy voller Hass.

Plötzlich fühlte Amy eine Hand an ihrer Schulter. Sie wurde rauh herumgerissen und konnte nicht reagieren, als sie ein Fausthieb genau auf die Nase traf.

„Das ist für den Fluch, den du auf Willow gelegt hast," sagte Kennedy ihr.

Amy versuchte ihre Hand zu heben, aber Kennedy boxte sie erneut mit solcher Kraft, dass ihr Kopf zurückzuckte.

„Das ist dafür, dass du mich ohne meine Erlaubnis durch die Luft gewirbelt hast." Kennedy schlug wieder zu mit einem Hieb, der Amy von den Beinen holte. Sie ging zu Boden.

„Und der Schlag war einfach für dich."

Giles erschien in der Tür. Dawn folgte ihm in den Raum und lief zu Jeff hin. Kennedy nutzte die Gelegenheit um nach Willow zu schauen.

„Jeder Versuch uns, insbesondere Dawn, zu verletzen und Buffy wird dich jagen," warnte Giles Amy, die sich mühsam wieder aufrappelte.

„Ich mach mir keine Sorge wegen Buffy," sagte Amy und spuckte etwas Blut aus. „Soll sie doch kommen und versuchen mich aufzuhalten. Sie würde eine große Überraschung erleben."

„Und wo wir gerade bei Überraschungen sind, Kumpel," Ethan wirbelte Giles herum. „Hier ist eine für dich."

Ethan schlang einen Arm um Giles’ Rücken und presste seine andere Hand fest auf seine Brust. Amy schaute mit offenem Mund zu als Ethan anfing, dem Wächter seine Lebenskraft zu rauben. Giles zuckte und wankte.

Ethan schaute auf die demolierte Glastür. „Sigillum," sagte er mit fester Stimme. Ein graues durchscheinendes Kraftfeld tauchte dort auf, wo die Tür gewesen war und schloss sie alle ein. Niemand konnte entkommen.

„Ethan ..." stieß Giles hervor und sank zu Boden.

Ethan folgte ihm nach unten.

„Oh, Ripper, schau mich nicht so an. Sicher hast du doch nicht gedacht, dass ich bei eurem Plan - dem Plan, Amy zu fangen - mitmachen würde? Du hast es gedacht! Na, so warst du schon immer, nicht war? Immer siehst du nur das Gute in den Menschen und immer wieder wirst du brutal enttäuscht."

Giles hob einen zitternden Arm in Ethans Richtung, aber er kam nur bis zur Hälfte.

„Nun, nun," Ethan summte fast. „Kämpf nicht dagegen an. Es wird leichter sein, wenn du ... einfach ... gehen ... lässt!"

Bei seinem letzten Wort zuckte Giles noch einmal am ganzen Körper während der Rest seiner Lebenskraft aus ihm heraus gesaugt wurde. Sein Kopf rollte zurück und der Körper sackte zusammen.

Ethan betrachtete ihn - traurig wie es schien - für einen Moment und legte ihn dann vorsichtig hin. „Welch ein Unglück," sagte er. „Rupert hätte solch ein mächtiger Beherrscher der schwarzen Künste sein können, wenn er es gewollt hätte. Wir waren einmal ein gutes Team ... aber, ich arbeite allein."

Amy fiel neben Giles auf die Knie, während Ethan aufstand. Sie fühlte nach einem Puls und versuchte zu erkennen, ob noch ein Rest von Leben in ihm war. Es gab keinerlei Anzeichen.

„Sie - er - er ist tot," flüsterte sie. Amy wirkte plötzlich unsicher und ihre Blicke schweiften hin und her.

Ethan schaute auf Giles herab. „Ich vermute," bemerkte er leise, „Sie glauben, dass es mir Freude bereitet hat Ripper zu töten ... nun gut, sein Gesichtsausdruck war schon recht lustig ... Aber, wer wird seinen Platz einnehmen? Niemand sonst hat mir so viel erstklassige Unterhaltung geliefert ..."

Willow stöhnte in diesem Moment leise.

„Ah, die kleine rote Hexe erwacht!" Ethan grinste und ging lässig zu Willow. „Sie wird bestimmt spielen, da bin ich sicher."

Kennedy sprang auf um Willow zu verteidigen, aber Ethan schleuderte sie mit einer Handbewegung beiseite, sodass sie kopfüber in eine Rüstung krachte, die an der Wand stand. Sie sackte zu Boden während Ethan grinsend über Willow stand.

„Nein! Nicht!" sagte Amy und stand schnell auf. Sie eilte herbei und stellte sich zwischen Willow und Ethan. „Ich meine, ich werde mich um sie kümmern. Sie gehört mir. Giles Ihnen. Das war die Abmachung."

„Also wollen Sie sie selbst töten?"

„Nein! Noch nicht." Amy hielt ihre Position.

„Aber Amy!" Willow setzte sich plötzlich auf, offensichtlich bei vollem Bewusstsein. „Ich wusste nicht, dass du dich um mich sorgst."

Die Uhr schlug drei Mal und Ethan fing an zu grinsen.

Amy realisierte plötzlich, dass sie hereingelegt worden war. Sie schwang ihren Arm in einem weiten Bogen, der grüne Energieblitze nach außen sandte. Die Blitze trafen Ethan und er fiel nach hinten, genau auf Kennedy, die gerade aufstehen wollte. Gemeinsam gingen sie zu Boden in einem Wirrwarr von Jägerinnen-Armen und Zauberer-Beinen.

Willow sandte eine Schockwelle aus, die Amy quer über das Sofa schleuderte. Sie landete mit einem dumpfen Knall neben Giles, rappelte sich aber schnell wieder auf und wandte sich der roten Hexe zu. Amy versuchte den gleichen Schockwellen-Spruch wie Willow, aber diese war vorbereitet und ließ den Schuss abprallen. Er traf die Wand knapp über Dawn und Jeff. Instinktiv warf Dawn sich schützend über seinen Körper als Funken und Splitter auf sie regneten.

Jetzt begann Willow mit einem Schnellfeuer - Schockwelle nach Schockwelle brandete gegen Amy. Willows Angriffe abzublocken fiel Amy sichtlich immer schwerer als die Treffer immer dichter kamen. Letztendlich kam ein Angriff durch und warf Amy mit Wucht gegen die Wand, wo sie neben Giles zu Boden fiel.

Giles, fit und munter, sprang auf die Füße und hob die Hand. „Non oxys!" sagte er und ein grüner Tentakel schoss aus seiner Hand in Richtung Amy.

„Retournen!" rief Amy und reflektierte ihn.

Giles tauchte ab um auszuweichen, wurde aber noch von einem Streifschuss getroffen. Er fasste sich an den Hals und begann zu keuchen.

„Also wirklich," sagte Ethan zu niemand bestimmtem. „Warum benutzen alle Leute noch immer veraltete Sprachen und Kommandos um Sprüche zu machen? Du musst heutzutage ein verdammter Linguist sein um einen einfachen Todesfluch auszustoßen!"

Willow stürmte auf Amy zu und tackelte sie wie beim American Football.

„Gib mir doch lieber schönes altes Englisch," grummelte Ethan, während Giles mit hervorquellenden Augen auf ihn zustolperte. „Es ist schnell, es ist leicht und es funktioniert genauso gut wie verdammtes Latein, Mittelfranzösisch, Plattdeutsch, Sumerisch, Ägyptisch ..."

Giles tanzte vor Ethan auf und ab, mit einer Hand aufgeregt am Winken, die andere um seinen immer enger zusammengepressten Hals haltend.

„Oh. Verzeih. Release!" befahl Ethan - in Englisch - mit einem beiläufigen Winken.

Giles kollabierte und hustete, bis er wieder zu Atem kam.

Auf der anderen Seite des Raumes schnappte sich Amy Willows Handgelenk und der Raum füllte sich mit dem ekligen Gestank von verbrennendem Fleisch. Willow schrie.

Grüne Blitze wurden zu kleinen Explosionen weißglühender Energie und knallten so laut, dass es in den Ohren schmerzte. Wind begann um die beiden Hexen zu wirbeln und ein röhrender Lärm, wie bei einem Tornado, ertönte aus dem Zentrum des Kampfes.

„Ripper, steh auf, du verpasst einen Spitzenkampf. Es fehlen nur die Bikinis und das Öl," sagte Ethan während die beiden Hexen inmitten des Wirbelwindes miteinander am Ringen waren. „Eigentlich ..." Ethan hob die Hände als wollte er einen Zauber wirken. Giles fasste ihn an der Hand und schüttelte den Kopf, reden konnte er noch nicht wieder. Ethan seufzte. „Spielverderber."

Kennedy stürmte vor um Willow zu helfen und ignorierte dabei Giles Ausruf. „Nein!" Ethan reagierte schnell und hielt sie am Arm fest um sie zu stoppen.

„Lass das lieber, es würde dich umbringen," ermahnte er sie.

Sie antwortete mit einem rechten Haken. Ethan ging zu Boden, aber Giles erwischte die Jägerin bei den Schultern. Kennedy versuchte sich aus seinem Griff zu lösen.

„Du kannst nicht helfen!" Giles musste schreien um das Kreischen der Hexen und den tosenden Wind zu übertönen. Papier wirbelte durch die Luft und die Möbel begannen zu wackeln. „Es ist nun ihr Kampf," rief er der Jägerin zu. „Sich jetzt einzumischen ergäbe ..."

„Ein Massaker!" rief Ethan. Er blinzelte wegen der grellen Helligkeit des Energiefelds, welches die beiden Hexen mit ihrer Wut weiter fütterten.

Amy und Willow schlugen und traten sich, rollten herum und wanden sich in ihrem verbitterten Kampf. Sie schrien beide, doch mehr vor Zorn als vor Schmerz.

Ethan schaute ernst. „Wenn sie so weitermachen, werden sie alles um sich herum vernichten!" rief er Giles zu.

„Kannst du den Haltespruch auf sie legen?" rief Giles zurück.

Ethan konnte Worte in diesem Orkan kaum verstehen, aber er las das Wort Haltespruch von Giles’ Lippen ab.

„Ich werde es versuchen," rief er laut. „Aber ich glaube nicht, dass ich es alleine schaffen kann, Rupert. Die zwei sind zu stürmisch." Der Wind bließ sein Haar wild herum und die grellen Energieblitze blendeten ihn fast vollständig. Aber dann fühlte er, wie Giles die Hand in seine legte.

„Tu es!" übertönte Giles das Chaos.

Ethan grinste und festigte seinen Griff um die Energie von Giles zu ziehen. Er versuchte gar nicht, den Sturm zu übertönen, sondern rezitierte den Spruch einfach mit normaler, ruhiger Stimme.

Für einen Moment war der Lärm aus dem Orkan so laut, dass er alles andere zu verschlingen schien. Dann hörte man aus dem Zentrum plötzlich ein „Krack!". Ethans Bannspruch war auf das Energiefeld gestoßen, welches von der Zorn der beiden kämpfenden Hexen genährt wurde. Eine helle orangefarbene Rückstoßwelle breitete sich horizontal in alle Richtungen aus.

Ethan ließ sich fallen um unter den Enerstoß zu kommen und zog auch Giles mit nach unten. Die Stoßfront des Energiefeldes traf Kennedy in Rumpfhöhe und schnitt ein wie ein rasiermesserscharfes Schwert. Sie stand einen Moment, Schock im Gesicht, bevor sie auf ihren Magen starrte.

Willow sah den Blick und wusste sofort, dass Kennedy verletzt war. Sie unterbrach kurz ihren Kampf mit Amy und beobachtete, wie Kennedy zu Boden sackte. Sie starrte noch immer auf ihre leblos daliegende Geliebte, als Amy einen weiteren Treffer landete.

Ein Glimmer erschien rund um Willow. Es war anfangs nur ein schwaches Licht, kaum zu sehen. Aber es wurde immer heller, bis es Willow mit einem eigenen Feld umgab. Amys Schläge wurde immer weiter abgeschwächt, bis es schien, als würde sie durch Pudding hauen.

„Bin jetzt wütend."

Es war so beiläufig gesagt, dass Amy gar nicht sicher war, richtig gehört zu haben.

Willow erhob sich langsam in die Luft. Ihre Füße hingen mindestens 50 Zentimeter über dem Boden. Amy schaute in ihre Augen. Ethans Mund öffnete und schloss sich. Er beobachtete wie hypnotisiert den Anblick der erzürnten Hexe. Er blinzelte wegen der Helligkeit, die sie umgab. Abwesend reichte Ethan Giles die Hand, der gerade mühsam wieder auf seine Beine kam.

Auch Kennedy rührte sich leicht, als Willows Kräfte sich sammelten. Willows Haar flog um ihren Kopf wie ein roter Halo, die einzelnen Strähnen elektrifiziert und vom magischen Wind durchströmt.

„Du erschreckst mich nicht," sagte Amy, doch sie klang verängstigt.

„Nein. Ich „erschrecke" nicht. Ich mache einfach."

„Willow," rief Giles als die levitierende Hexe ihre Hand hob. „Tu es nicht!"

„Sie wird gar nichts machen" sagte Amy mit vorgetäuschter Selbstsicherheit. „Zumindest nicht, bevor ich etwas tue." Sie erhob sich schnell in die Luft und warf sich Willow direkt entgegen.

Was sie traf war ein schreckliches Kreischen und eine Welle von Energie, die sie nehrfach umher wirbelte und dann unter die Decke presste. Amy hing dort einen Moment wie festgenagelt, dann stürzte sie nach unten.

„Vinciri!" rief Willow von ihrer schwebenden Position aus. Amy wurde von dem grün schimmenden Feld eines Bannspruchs umgeben, kurz bevor sie auf dem Boden aufschlug.

„Du kannst mich nicht halten!" protestierte Amy, das Gesicht zum Boden gewandt. Sie versuchte die Worte hervorzubringen, die den Spruch aufheben würden. Es funktionierte nicht.

Willow begann langsam und elegant herunterzuschweben während Giles Amy nahm und auf das Sofa setzte.

„Du kannst mich nicht halten," sagte sie ruhig. „Du kannst niemanden halten. Nicht Oz, nicht Buffy, nicht deine kleine Tara ... nicht einmal Xander Harris. Wo sind all deine Freunde, Willow?"

Willow schaute sich im Raum um und lächelte. „Hier," sagte sie und hielt dann die Hand über ihr Herz. „Und hier ... Aber das wirst du niemals verstehen."

„Sie ist fertig," sagte Ethan. Alle sahen zu ihm hin. Er legte soeben den Telefonhörer auf.

Panik erschien in Amys Gesicht als ein sanftes Glühen auf ihrer Haut erschien. Im nächsten Augenblick war sie wegteleportiert worden.

Sobald sie weg war, hob Ethan das Kraftfeld an der Tür mit einer lässigen Handbewegung auf.

Jeff, eine humpelnde Vi und Dawn schauten sich den Schaden an. Dawn nickte langsam mit dem Kopf.

„Dawnie? Bist du okay?" fragte Willow.

Der Teenager schaute Willow an und lächelte. „Klar. Super Thanksgiving! Wann essen wir?"

Int.

Speisesaal, Schule der Wächter – Abends am Thanksgiving Day

„Reichst du mir bitte das Dressing?" fragte Ethan und wies ans andere Ende des Tisches.

„Gern," sagte Dawn und griff nach der Schüssel. „Bitte sehr."

Giles lehnte sich zu Willow hinüber und flüsterte während Ethan seinen Teller füllte. „Wenn morgen jeder als Dämon aufwacht, mache ich dich verantwortlich, denn du hast ihn eingeladen."

„Dies ist köstlich und so schön zart," machte Ethan Andrew ein Kompliment. „Was um so besser ist, da mein Kiefer beim Kauen immer noch schmerzt." Ethan warf Giles grinsend einen Blick zu.

Giles antwortete, indem er sich ein Gabel voll Truthahnfleisch in den Mund schob. Er wusste, dass jede Erwiderung nur in einem Streit eskaliert wäre.

„Vielen Dank," sagte der blonde Mann, der sich jetzt auch gerade setzte und die Zusatzbemerkung lieber ignorierte. „Es hängt alles vom Salbei ab - nicht zu viel und nicht zu wenig. Möchte jemand frisch zubereitete Preiselbeersoße?"

Kennedy, die neben Willow saß und gerade ihren Kartoffelbrei aß, winkte einfach ab und er stellte die Schüssel ab.

„So," sagte Dawn freundlich zu Ethan. „Warum erzählen Sie uns nicht etwas über Giles, was wir noch nicht wissen?"

Giles verschluckte sich fast an dem Wein, den er gerade trinken wollte. Ethan langte rüber und klopfte ihm grinsend auf den Rücken. „Alles okay, alter Mann?" fragte er. Giles holte tief Luft und warf Ethan einen unfreundlichen Blick zu.

„Oh, ich könnte von damals erzählen, als wir in West Berlin ... nein, das ist vielleicht nicht für Kinderohren geeignet," stichelte Ethan.

Giles ignorierte Ethans Versuch ihn zu ködern.

„Ich bin kein Kind," argumentierte Dawn.

„Meine Liebe," sagte Ethan und tätschelte ihre Hand. „Es gibt Geschichten über den Ripper, die ich nur ungern einem Erwachsenen erzählen würde, geschweige denn einem Teenager. Gib mir einen Augenblick ... oh ja - uhm, nein, das besser auch nicht ... Ah, hier ist eine aus der Zeit, als wir beide noch an der Akademie waren."

„Oh zur Hölle," seufzte Giles.

„Einen Augenblick. Akademie?" fragte Willow. „Sie und Giles waren doch in Oxford zusammen und nicht an der Akademie der Wächter? Sie waren doch nicht etwa ... ein Wächter?"

„Seien Sie nicht so geschockt, Teuerste," Ethan grinste sie über den Tisch hinweg an. „Rupert und ich haben noch mehr Gemeinsamkeiten als unser gutes Aussehen."

Giles rollte mit seinen Augen.

„Und ja, wir waren beide an der Akademie für Wächter. Aber der Rektor war ziemlich hinter Rupert hier her, weil er sich nie an die Ausgehzeiten hielt. Wie es scheint waren er und seine Bandmitglieder öfters aus und hatten mal wieder einen zu viel über den Durst getrunken... Damals konnte Ripper fast jeden unter den Tisch trinken."

„Oh zur Hölle," wiederholte Giles und kippte mehr Wein hinunter.

Ethan ignorierte ihn einfach und fuhr fort. „Der Rektor, der ein ziemlicher Spaßverderber war, drohte Giles mit einem Rauswurf. Natürlich war ich gerade in meinem Zimmer am Studieren, so dass es mich nicht betraf."

Giles ließ die Gabel auf den Teller fallen. „Studieren? Ha! Du hattest gerade ein neues Buch über Schwarze Magie und hast nach einem Spruch gesucht um damit in Helen Moringtons Höschen zu gelangen," konterte Giles.

Alle Köpfe außer Ethans drehten sich und warfen scharfe Blicke auf Giles wegen dessen plötzlichem Ausbruch. Giles räusperte sich und schaute beschämt in seinen Schoß.

„Wie gesagt," bemerkte Ethan trocken, „ich war am Studieren. Der Punkt ist, Rupert wollte keinen Ärger mehr mit dem alten Mann und es gab ein Gerücht, dass er es mit der Oberschwester trieb. Also folgte Ripper ihm die nächsten drei Tage und Nächte mit einer Kamera und hoffte, Blder zu erhalten, mit denen er ihn unter Druck setzen konnte."

„Giles!" ermahnte Willow ihn.

„Aber, das ist doch fast Erpressung!" sagte Dawn mit geschockter Miene.

„Das ist nicht fast Erpressung, mein Kind," sagte Ethan. „Es ist mit Sicherheit Erpressung."

Dawn lächelte plötzlich als ihr ein Gedanke kam. „Wartet, bis Buffy das hört."

Giles stöhnte und goss sich ein weiteres Glas Wein ein als Ethan fortfuhr.

„Endlich, in der dritten Nacht, ertappt er die beiden in flagranti. Er kann aber von seiner Position aus nicht problemlos die Bilder machen, da das Fenster zu hoch ist. Also streckt er einfach die Arme nach oben und schießt so viele Bilder, wie er kann. Sobald der Blitz losgeht, merken die beiden es natürlich. Rupert weiß das natürlich, klar? Also reagiert er auf echt männliche Art und haut ab."

„Oh zur verdammten Hölle!" Giles leerte sein neues Glas in fünf schnellen Schlücken.

Ethan kicherte. „Aber hier kommt der beste Teil. Sein Studentenausweis fiel ihm aus der Tasche und der Rektor fand ihn in den Büschen. In der Zwischenzeit rennt Giles zu mir ins Wohnheim und erzählt mir außer Atem, was passiert ist. Er zeigt mir die Kamera und ich frage ihn, wie er auf einer derart wilden Flucht daran denken konnte, die Objektivkappe wieder aufzusetzen."

Ein Blitz von Erkenntnis leuchtete in Willows Augen auf. „Er hat nicht wirklich?" kicherte sie.

Ethan nickte nur und lachte. „Fünfzehn Bilder von der Innenseite der Kappe waren auf der Filmrolle. Also kommt der Rektor in meinen Raum, denn er ahnte ja, dass er Rupert dort finden könnte. Und anstatt seine Blödheit einzugestehen, zieht Ripper das ganz cool durch. Er tut so las hätte er die Bilder und droht dem Rektor, dass er zwei Sets verschicken würde - eines an die Daily Mail und eines an seine Frau."

„Giles hat jemand erpresst, nur um Abends zum Saufen gehen zu können?" fragte Willow ungläubig.

Ethan nickte. „Und es hat funktioniert. Er hatte danach völlige Freiheit zum Ausgehen," lachte er. „Ripper war immer ein gerissener Kerl und er ist mit der Zeit noch besser geworden. In der Tat, da war diese andere Nacht ..."

Giles schloss die Augen und kniff sich in den Nasenrücken. „Das ist der Beweis. Ich bin gestorben und in der Hölle gelandet. Und diese Nacht wird niemals enden. Ich werde für alle Ewigkeit an diesem Tisch sitzen müssen."

„Psst," erklärte Willow ihm mit einem neckischen Grinsen. „Das will ich hören."

Giles seufzte erneut und hielt sich den Kopf mit beiden Händen. „Oh, zur verdammten, verdammten Hölle."

Int.

Hopkins Airport, Cleveland - Sicherheits-Checkpoint - Tagsüber

Willow and Dawn hatten sich das dritte Mal in zehn Minuten umarmt.

„Hier," sagte Willow und reichte Dawn eine Schachtel. „Das ist für Buffy."

Dawn nickte und schaute sich am geschäftigen Terminal um. „Ich wünschte, ich könnte hier bleiben," sagte sie. „Ich werde euch alle von neuem vermissen. Und jetzt auch Jeff. Er ist wirklich nicht so schlimm, wie er scheint. Er ist nur ein wenig wie Riley mit Buffy."

Willow legte ihre beste „Riley-Stimme" auf und sagte, „Du meinst, so „Lassen Sie mich Ihnen helfen, kleine Dame. Ich töte den Vampir für Sie." ... nur um dann herauszufinden, dass Buffy ihn, den Vampir und die halbe Initiative verprügeln konnte, ohne in Schweiß auszubrechen?"

„Ja," sagte Dawn. „Nur ist es noch schlimmer für Jeff. Ich meine, Riley hatte nur Buffy, die ihm dieses Gefühl von - naja Unterlegenheit gab. Aber Jeff ist von Jägerinnen umringt - und einige sind deutlich jünger als er."

„Ich verstehe ..." sagte Willow leise.

Dawn schaute sie voller Hoffnung an. „Versprich mir, ihn nicht aufzugeben."

Willow sah den Blick in Dawns Augen und lächelte sie an. „Natürlich werde ich das nicht tun. Jeffrey wird es sehr gut gehen."

„Jeff," korrigierte Dawn sie.

„Jeff," erwiderte Willow mit einem Grinsen. „Richtig!"

Ein hartes, plötzliches Lachen erreichte sie aus kurzer Entfernung und sie schauten hinüber. Sie beobachteten Ethan und Giles in einer ruhigeren Ecke des Flughafens, etwas aus dem Weg der Menschenmengen.

Giles hatte die Hände tief in den Hosentaschen, sein Pullover hing über seine Handgelenke. Sein Kopf hing nach unten und er schaute auf den Fußboden. Ethan stand ihm gegenüber. Er war teuer gekleidet, mit italienischen Lederschuhen, einem burgunderfarbenes Seidenhemd und dunklen Hosen.

Giles sagte etwas. Ethan kippte den Kopf zur Seite und ein jungenhafter Ausdruck voller Charme und Unfug und vielleicht ehrlicher Anteilnahme blitzte über das Gesicht des Zauberers.

„Findest du es eine gute Idee von Giles, Ethan einfach laufen zu lassen?" fragte Dawn, während sie das Paar beobachteten.

Willow lächelte leicht als sie den Wächter und den Zauberer im Auge behielt - der eine war linkisch, unterdrückte mühsam ein Lächeln, der andere grinsend und selbstbewusst.

„Klobig und cremig ..." reflektierte Willow die ersten Worte, die sie Ethan jemals hatte sagen hören. Er hatte nicht nur über Erdnussbutter und Chaos gesprochen, realisierte sie als Giles mit Abscheu die Augen rollte über etwas, das Ethan plötzlich kichern ließ.

„Was?" Dawns Stimme brach in Willows Gedanken ein.

„Huh? Oh. Oh ja. Ethan - er hat sein Wort gehalten - er hat uns gegen Amy geholfen. Also erwidert Giles den Gefallen und hält sein Wort ebenfalls. Ethan darf gehen."

„Also trotz Eyghon ist alles vorbeigong."

Willows Gesichtsausdruck über Dawns schreckliches Wortspiel ließ den Teenager in Lachen ausbrechen.

„Weißt du, Dawnie," sagte Willow zweifelnd. „Xander wäre darüber stolz gewesen."

Dawn schaute sie besorgt an.

„Oh, sagte ich „wäre"? Ich - ich meinte „wird". Wird stolz sein. Wenn ich es ihm erzähle. Wenn ich ihn finde ... und ihn in die Mangel nehme dafür, dass er niemand erzählt hat, wo er hingeht ..."

„United Airlines Flug 7410 mit Zwischenstopp in New York City nach London, England ist zum Boarding bereit ...," kam eine Ankündigung über die Lautsprecher.

„Nun denn." Giles schaute Ethan einen Augenblick an. Ethan schaute einfach nur amüsiert zurück. Giles blinzelte und schaute wieder nach unten.

Ethan studierte ihn neugierig. Plötzlich blinkte er selbst einmal und sagte mit leichtem Grinsen, „Du weißt, dass ich zurückkommen werde ..." Seine Stimme wurder tiefer. „Nicht wahr." Es war keine Frage. „Du weißt verdammt gut, dass ich wiederkommen werde."

Giles schaute ihn direkt an. „Ja, wie Falschgeld," sagte er ohne Humor in der Stimme.

Ethan zögerte kurz und griff dann in seine Bordtasche. „Ich habe etwas für dich."

Nervös trat Giles einen Schritt nach hinten.

„Entspann dich, alter Mann. Keine Tricks." Er holte einen braunen Ordner aus der Tasche und gab ihn Giles. „Irgendetwas ist im Anmarsch," teilte Ethan ihm ernst mit. „Oder, noch genauer, etwas ist wahrscheinlich schon hier."

„Ja, ein Höllenschlund. Dessen bin ich gewahr."

„Nein, etwas Gefährliches."

„Gefährlicher als du?" fragte Giles herausfordernd.

Ethan blickte Giles in die Augen. „Ja."

Giles schaute Ethan für einen Moment ernst an und öffnete dann langsam den Ordner. Er begann darin zu lesen, während Ethan sprach.

„Ich fand das in Amys Sachen im Hotel. Sie hat nicht nur für Cyril gearbeitet, sondern auch für diese Kerle wie es scheint. Ich bin mir nicht sicher, wer sie sind, aber diese neue Organisation ..."

„Das Präsidium," murmelte Giles.

Ethan rieb sich nervös den Nacken „Ja, nun, ich habe den ganzen Morgen mit mir gerungen, ob ich es dir gebe."

„Und was hat zu deiner Entscheidung geführt?" fragte Giles interessiert und schloss den Ordner wieder.

Ethan schulterte seine Reisetasche.

„Wie ich schon Amy sagte, niemand hat mir in all den Jahren so viel Unterhaltung verschafft wie du. Die Welt wäre langweilig, wenn ich nicht hin und wieder den Ripper besuchen könnte." Ethan grinste für einen Moment, aber wurde dann wieder ernst. „Wie auch immer, pass auf die kleine rote Hexe auf, Rupert, alter Kumpel," sagte er. „Du hast einen sehr mächtigen Schützling in ihr." Er ging langsam rückwärts zum Boardingschalter, seine Augen blieben auf Giles geheftet, ein spöttisches Lächeln spielte um seine Lippen. „Bis zum nächsten Mal, Ripper," fügte er noch an. Dann drehte er sich um, hob noch einmal kurz die Hand und verschwand in der Menge.

Giles starrte ihm nach bis er außer Sicht war.

„Man sieht sich ..." sagte Giles leise, während er auf den Ordner in seinen Händen blickte.

Giles ging zu den beiden jungen Frauen hinüber.

Willow seufzte beim Anblick der langen Schlange von Leuten, die vor Dawn standen und warteten.

Dawn biss sich auf die Unterlippe und wartete, dass einer von ihnen zuerst sprach. Sie alle schienen zu realisieren, dass niemand anfangen wollte. Und so starteten sie alle zugleich. Allgemeines Grinsen und sanftes Gelächter lockerten die Stimmung auf und Dawn und Willow schauten sich kurz an, bevor sie einander umarmten. Schon wieder.

„Mach dich nicht zu rar," sagte Willow. „Und achte auch darauf, dass Buffy es nicht tut."

„Okay," Dawn wandte sich an Giles. Er stand neben ihr, die Hand auf ihrer Schulter und ein freundliches Lächeln im Gesicht.

„Du weißt, falls du jemals etwas brauchst, Willow und ich sind nur einen Telefonanruf weit weg."

„Ich weiß," sagte sie und schaute auf die wenigen Passagiere, die noch vor ihr in der Schlange standen. „Nun gut," sagte sie achselzuckend. Sie wandte sich um und ging zum Durchgang.

„Dawn," rief Giles. Sie stoppte und drehte sich um. „Versprich mir eins ..." fügte er an.

Sie schaute ihn abwartend an.

„Versprich mir mit Buffy zu reden, sobald du wieder zuhause bist. Wirst du das tun?"

Dawn ging noch einmal zu ihm zurück und umarmte ihn, wobei sie ihr Gesicht an seine Schulter legte. Giles, den diese plötzliche Zurschaustellung von Gefühlen überraschte, hob die Arme, senkte sie wieder und hob sie dann erneut, um Dawn zu umarmen. Aber Dawn war schon wieder zurückgewichen.

„Ich verspreche es," sie lächelte ihn an. „Danke."

Ohne weitere Worte ging sie zum Durchgang zu ihrem Abflugbereich. Kurz bevor sie ihn durchschritt, drehte sie sich noch einmal um und winkte ihnen zu. Dann verschwand auch sie in der Menge der Leute.

Willow drehte sich um und deutete Giles auf den Ausgang.

„Hab heute Morgen eine Postkarte bekommen," sagte Willow um das Thema zu wechseln. Sie winkte damit vor seinen Augen. „Ich hab sie mitgebracht, damit ich nicht vergesse sie dir zu zeigen."

„Xander?" fragte er voller Hoffnung.

„Nein, unglücklicherweise nicht. Buffy. Nicht das eine Karte von Buffy ein Unglück ist, aber - du weißt, was ich meine."

Giles lächelte freundlich und sie gab ihm die Karte.

„Ah, Buffy ist in New York. Oder war, nach diesem Datum zu urteilen. Die Ferien dürften die Post etwas verlangsamt haben. „... warum nicht The Big Enchilada," las er, „oder The Big Connoli, Big Egg Roll, Big Knish ..."

„Mein persönlicher Favorit," sagte Willow. „Und sie war auch zu Macys Erntedank-Parade. Sie will in Monaten nachholen, was sie in Jahren versäumt hat." Sie ließ ihn die Karte zu Ende lesen, dann stoppte sie und wandte sich zu ihm um.

„Giles?"

„Hm?"

„Dawn war nicht so groß mit den Geständnissen, aber ich weiß, dass sie etwas bedrückte. Haben sie und Buffy Probleme?"

„Nun, ich denke es ist kein Vertrauensbruch, wenn ich es dir sage. Weißt du, Dawn trifft sich mit jemandem - ähm - auf - ähm - romantische Weise."

Willows Gesicht zeigte Besorgnis. „Zur Göttin. Nur keinen Vampir ..."

„Nein, nein. Ein Mädchen aus der Oberstufe an ihrer Schule namens Skye."

Willow gaffte Giles an. Er ging abwesend weiter, stoppte aber, als er merkte, dass sie nicht folgte.

„Aber sie hat nie etwas gesagt ... Ich meine, ich dachte nicht, dass Dawnie lesbisch ist! Nun, dass habe ich von mir auch nicht gedacht, früher ... Aber warum hat sie mir nichts gesagt?"

Giles ging wieder auf sie zu. „Dawn hatte erwähnt, mit dir zu reden," sagte er. „Aber ihr Problem lag eher bei Buffy und ihrer nicht sehr positiven Reaktion, nicht bei Dawns eigener Entscheidung. Sie dachte, ich wäre besser geeignet mit Buffy zu reden, da ich nicht direkt betroffen bin. Und wie sich herausstellte hatte Buffy gar kein Problem mit Skye persönlich. Sie war verärgert, dass Dawn zu jemand Zuneigung empfindet, aber ihr nicht genug vertraut, es ihr zu sagen."

Willow nickte langsam. „Weißt du," sagte sie verständnisvoll, „egal wie alt und weise Buffy wird, es wird immer Augenblicke geben, wo Buffy ihren Wächter braucht."

Die Mundwinkel von Giles gingen nach oben. „Ja, nun, ich wette, du wirst schon bald einen Anruf von Dawn bekommen, wo sie um Hilfe oder Unterstützung bittet, die nur du geben kannst."

Willow schaute nachdenklich.

„Leute können einen überraschen," sagte er sanft.

„Ja, wie Ethan. Ich meine, Giles, er ist fast ein Über-Magier. Ich konnte diesen - wie soll ich sagen - „Abglanz" - von ihm kommen sehen, als er seine Kräfte eingesetzt hat. Und ich glaube nicht einmal, dass er sich sehr bemüht hat."

Sie schaute zu Giles und sah ihn in Zustimmung nicken während sie weitergingen. „Ethan ist sehr begabt, in vielen Dingen. Nur, was man außer Acht lassen muss ist seine totale Hingabe für das Chaos."

„Gutes Chaos braucht gute Planung," zitierte Willow. „Und er ist ein guter Planer, Giles."

„Ich wäre dankbar, wen du ihn nie wieder in meiner Gegenwart zitierst - oder der von jemand anderem."

Willow lächelte sanft. „Er wird sich nie ändern, oder?" fragte sie.

„Er hat es nicht in fast dreißig Jahren."

„Er hätte zulassen können, dass Amy uns zerstört."

„Ja."

„Und was ist mit dir? Du hättest ihn aus dem Verkehr ziehen können - mit natürlichen oder übernatürlichen Mitteln."

„Wohl wahr."

„Aber er hat es nicht. U-und auch du hast es nicht getan."

Giles öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber entschloss sich dagegen. Er schaute sie einfach an und Willow ihn.

„Ja," sagte sie, stopfte ihre Hände in die Jackentaschen und lächelte ihn wissend an. „Leute können einen überraschen ..."

Sie zuckte mit den Schultern und Giles blickte auf den Ordner in seinen Händen. „Ja, das können sie bestimmt."

 

Ende