Liebe schmerzt

 

Idee von: CN Winters and Susan Carr

Autoren: Suika and CN Winters

Koordiniert von: CN Winters and Susan Carr

Produziert von: CN Winters and Susan Carr

Überarbeitung: Kate

Übersetzung: Kurna

Ton: Steff

Bilder: Chris Cook

Künstler: Chris Cook, David Zahir, Chantal, Mytryk, Cynthia Taz, Tori, CN Winters

 

Teaser

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EXT
Bürohochhaus - Nacht
Cleveland

Außerhalb eines Bürohochhauses in einem sauberen und ruhigen Teil der Stadt ging ein schäbig gekleideter bärtiger Mann die Straße entlang. Er achtete nicht sonderlich auf das verschlossene Gebäude mit seiner Glas- und Metallfront, sondern setzte seinen Weg fort, hin zu dem geschäftigen Boulevard am Ende des Blocks.

Das Schild am Eingang zu dem Bürogebäude vermeldete, dass die Büros vor über einer Stunde geschlossen hatten; nur die Lichter im obersten Stockwerk waren noch an und mischten sich in das nächtliche Lichtermeer Clevelands.

Ein Schatten erschien am Fenster eines Konferenzraumes, der in einer Ecke des obersten Stockwerks lag; ein formloser Schemen, der sich gegen die geschlossenen Blenden abzeichnete. Er glitt am Fenster entlang, bis er nicht mehr in dem verlassenen Raum gesehen werden konnte. Plötzlich wurde es in dem Raum dunkel.

Methodisch erschien der Schatten an den geschlossenen Fenstern der obersten Etage. Er glitt an einem Fenster nach dem anderen entlang bis die Lichter ausgeschaltet waren. Nur im mittleren Raum war es jetzt noch an.

Cut to:
INT
Konferenzraum des selben Bürogebäudes - Nacht

Obwohl die Lichter im Raum noch an waren, standen die Stühle unbeweglich am Ende des langen Tisches, dessen glatte Oberfläche die fluoreszierenden Lichter spiegelte. Die Glastür öffnete sich langsam und ein länglicher Schatten füllte den Eingang. Ein Arm, gekleidet in dunklen Stoff, langte zum Lichtschalter und mit einem Fingerflippen wurde der letzte Raum in Dunkelheit gehüllt.

„Hallo? Was soll das?" fragte eine geschockte Stimme.

Sofort schaltete die Hand das Licht wieder an. Am entfernten Ende des Tisches, direkt neben einer Projektionsleinwand, saß eine elegant angezogene, aber müde wirkende Frau, die von Papieren und Ordnern umgeben war.

„Entschuldigen Sie, Bonnie," sagte Hal, wie der aufgestickte Name auf seiner blauen Uniform ihn auswies. „Ich hab Sie nicht gesehen. Sie arbeiten noch so spät?"

„Offensichtlich," erwiedete sie trocken und wies auf das Chaos um sie herum. Sie sagte nichts weiter, sondern wandte ihre Aufmerksamkeit wieder den Papieren zu, wobei sie nebenbei auf die Armbanduhr schaute.

„Nun, äh, dann werd ich Sie arbeiten lassen, äh," murmelte Hal, der von Bonnies abweisendem Verhalten etwas aus dem Konzept gebracht wurde.

Er ließ die Tür mit einem leisen Klick hinter sich zufallen. Die Lichter in all den anderen Konferenzräumen waren jetzt aus, also wandte er sich zum Fahrstuhl und drückte den Knopf für „Abwärts".

Hal wandte sich weg vom Fahrstuhl und starrte in den nur spärlich beleuchteten Korridor. Die Deckenleuchten waren nachts stark gedämpft, sodass das „Notausgang"-Schild am Ende des Korridors noch für das meiste Licht sorgte.

Der Fahrstuhl stoppte im Erdgeschoss bevor er wieder hoch fuhr und Hal trat ungeduldig von einem Bein auf das andere während er vor den Metalltüren wartete. Er spielte mit den Schlüsseln an seinem Hosenbund, öffnete und schloss den Ring und summte dabei leise vor sich hin.

Endlich traf der Fahrstuhl ein und die Türen öffneten sich mit einem metallischen Geräusch. Hal wollte gerade eintreten, als ein Geräusch von hinter ihm in ablenkte. Es klang wie das leise Klicken einer schließenden Tür.

Er schaute den Gang hinunter, einen Fuß im Fahrstuhl, aber er konnte im schwachen Licht nichts erkennen. Hal versuchte sogar sich umzudrehen, um auch die Tür direkt hinter ihm zu sehen, aber es erwies sich als zu kompliziert, wenn er dabei die Fahrstuhltür weiter offen halten wollte.

Mit einem Achselzucken betrat er endgültig den Fahrstuhl. Die Türen schlossen sich leise und die roten Nummern darüber an der Wand zählten langsam runter bis zur 1.

Nach Hals Weggang blieb der Gang still und nur schwach erleuchtet zurück.

Dann begannen die Zahlen in dem roten Display langsam wieder zu steigen, während der Fahrstuhl direkt vom Erdgeschoss in den obersten Stock fuhr. Die Türen öffneten sich und gaben die Sicht frei auf einen eher durchschnittlichen Mann, der von vier anderen ziemlich schäbig wirkenden Typen begleitet wurde.

Der Anführer der Gruppe ging direkt zum beleuchteten Konferenzraum und öffnete die Tür, seine Begleiter folgten ihm.

Bonnie schaute auf als sie den Raum betraten und sortierte nebenbei ihre Unterlagen.

„Wird auch Zeit," schnappte sie und legte den Stapel in ihrer Hand beiseite. „Habt ihr unterwegs noch eine Pause zum Abendessen gemacht?"

„Der Wachmann hätte mir fast einen Herzinfarkt verursacht," bemerkte der Anführer.

Seine Gefolgsleute schauten sich irritiert an und einer von ihnen sagte, „Herzinfarkt? Aber wir sind doch schon tot."

Sowohl Bonnie als auch der Mann rollten mit ihren Augen. „Ich hasse es mit Trotteln zu arbeiten," seufzte Bonnie. „Komm rein, Gretz." Sie winkte mit der Hand auf ihr Ende des Tisches.

Gretz und seine vier Kriecher nahmen gehorsam zur Rechten und Linken der Maklerin Platz. „Sie sagten, Sie hätten einen Job für uns?" fragte Gretz und setzte sich zurecht. „Netter Raum übrigens. Aber Sie hätten sich nicht so viel Mühe für uns machen müssen." Er lächelte spöttisch.

„Hab ich auch nicht." Bonnie zog einen beigen Ordner unter einem der Stapel neben ihr hervor. Sie öffnete das Deckblatt und zeigte den Vampiren das Schwarzweiß-Foto eines Jungen im Teenageralter mit wilden schwarzen Haaren. Dann reichte sie es Gretz.

„Dies ist eines der jüngeren Mitglieder im so genannten Rat der Wächter, ein Schüler und Mitglied des Hexenzirkels. Sie nennen ihn Jeffery," informierte sie die fünf Männer. „Wir wollen, dass ihr ihn uns bringt. Unversehrt," betonte sie das letzte Wort und schaute besonders auf die vier Gefolgsleute.

„Ich hab noch ne Rechnung offen mit denen, für das, was sie Seward und dem Rest der Gang angetan haben!" protestierte einer von ihnen.

„Wenn Jeffery oder eines der anderen Ratsmitglieder verletzt wird, müsst ihr euch vor mir verantworten," sagte Bonnie und bohrte ihren Blick in die Augen des Protestierers. „Der Junge wird heil und unbeschädigt gebraucht."

„Sie wollen, dass wir einfach in den Rat marschieren und den Jungen dort herausholen?" Gretz klang ungläubig. „Das wäre Selbstmord!"

Kühl ließ Bonnie ihren Blick zu Gretz schweifen. Sie lehnte sich etwas vor und legte unter dem Tisch beiläufig die Hand auf sein Knie. Sie festigte ihren Griff und sprach ruhig. „Nein, Selbstmord wird eure Alternative sein, wenn ihr dabei versagt. Es hängt viel von der Gefangennahme dieses Jungen ab und es wird von euch erwartet, dass ihr ihn liefert." Während sie sprach begann Rauch von der Stelle am Knie von gretz aufzusteigen, wo ihre Hand lag. Gretz wehrte sich um dem Brand zu entgehen, aber Bonnie hielt ihn fest und er wand sich vergeblich.

Abrupt ließ sie los und warf das Kruzifix, welches sie in der Hand gehabt hatte, auf den Tisch. Dann faltete sie ihre Hände.

Gretz schlug sich mit beiden Händen auf das Knie, um die Flammen zu löschen. Seine Gefolgsleute schauten schockiert und verängstigt zu und auch Gretz selbst wirkte erschüttert.

„Außerdem," fügte Bonnie fröhlich an, „seid ihr ja schon tot."

Cut to:
INT
Rat der Wächter, Lounge - Später in der selben Nacht

„Hey! Wie geht es meinen beiden liebsten weiblichen Bobby Fischers?" fragte Andrew Rowena und Willow und warf sich neben ihnen in einen Stuhl, eine Pizzaschachtel in beiden Händen haltend.

„Bin am gewinnen." Willow grinste ihre Gegnerin an, die gerade ihren nächsten Zug plante. Willow und Rowena saßen sich an einem kleinen Tisch gegenüber, mit einem Schachbrett zwischen sich.

„Das Spiel ist noch nicht vorbei," bemerkte Rowena und zog ihren schwarzen Läufer nach vorne.

„Nun, ihr wisst sicher, was man über Schach sagt!" Andrew versuchte die Aufmerksamkeit der beiden Frauen vom Schachbrett weg zu sich hin zu lenken. „Es ... äh, erfordert ausreichende Stärkung." Er schüttelte die Pizzaschachtel vor Willows und Rowenas Augen.

„Nein, danke," lehnte Rowena ab, lächelte Andrew kurz an und wandte sich wieder dem Spiel zu.

„Ich bin satt, Andrew." Willow schaute gar nicht erst auf, sondern konzentrierte sich auf das Brett.

„Na gut, falls ihr eure Meinung noch ändert," sagte Andrew langsam mit einem enttäuschten Gesichtsausdruck. Weder Willow noch Rowena schauten auf. „Ich werde ... äh ... irgendwo sein." Er öffnete die Schachtel und nahm sich ein Stück von der bisher unberührten Pizza. Traurig kauend verließ er die Lounge und ließ die beiden Schachspielerinnen allein.

„Wie läuft es denn zwischen Kennedy und dir?" fragte Rowena beiläufig, während Willow über ihren Zug nachdachte. „Nach dem Ritual, meine ich."

Willow schaute sofort hoch und versuchte zu sehen, ob es Anzeichen für den Grund zu dieser Frage gab. Da sie lediglich Sorge finden konnte, richtete sie ihr Hauptaugenmerk wieder auf das Schachbrett.

„Versuchst du mich aus dem Konzept zu bringen?" fragte Willow leichthin.

„Das heißt wohl „Nicht gut", nehme ich an. Und nein, ich versuche nicht dich abzulenken," fügte Rowena lächelnd hinzu.

Willow zuckte mit den Schultern. „Nicht schlecht ... aber auch nicht gut," war ihr einziger Kommentar und sie schien traurig zu sein allein weil sie daran dachte. Sie schlug Rowenas Königin mit ihrer eigenen und nahm sie vom Brett.

Rowena bewegte ihren König von Willows Königin weg, aber Willow zog ihre Königin nach und verkündete, „Schachmatt! Ich gewinne!"

Sie sprang von ihrem Stuhl auf und tanzte um den Tisch herum, dabei laut singend, „Ich hab gewonnen! Ich hab gewonnen! Juchhu!" Sie grinste und hüpfte zurück auf ihren Platz gegenüber von Rowena, die eine etwas schiefe Miene zog.

„Gut zu wissen, dass du nicht übermäßig auf deinen Siegen herumreitest," bemerkte Rowena, während sich auf ihrem Gesicht ein ähnliches Grinsen ausbreitete.

„Das war sehr mäßig," verteidigte sich Willow. „Ich gewinn nie gegen Giles, also muss ich mir meine Freude woanders suchen."

„Hast du gewonnen, Willow?" fragte Jeffery, der gerade durch den Raum ging. Er wirkte perfekt frisiert.

„Und ob!" strahlte die Hexe.

„Gut gemacht," Jeffery lächelte ihr zu während er hinaus in den Eingangsbereich ging.

„Jeff!" krähte Andrew und stürzte sich von der Treppe aus auf den Teenager. Die Pizzabox hatte er immer noch in der Hand und den Mund voll. „Möchtest du Pizza?"

„Uhm, sorry, Andrew, aber ich habe, äh, eine Verabredung," lehnte Jeffery ab und schaute dabei etwas unsicher.

„Oh," Andrews Strahlen verschwand. „Nun, äh, dann viel Spaß ... denke ich."

Jeffery grinste. „Das hoffe ich." Als er merkte, dass Andrew noch immer unglücklich wirkte, kam er etwas näher. „Hey! Was sagst du dazu, dass wir nächste Woche einen Kinoabend machen - eine Nacht für Jungs? Was ich unbedingt sehen will ist ..."

„Herr der Ringe - Die Rückkehr des Königs?" fragte Andrew hoffnungsvoll. „Der startet nächste Woche. Ich kann die Karten vorbestellen."

Jeffery nickte lächelnd als Andrew vor Freude in die Hände klatschte. Mit einem kleinen Winken zurück ging Jeffery und ließ Andrew in der Tür stehen. Er ging schnell den Bürgersteig entlang, seine Miene selbstbewusst.

Der Ausdruck auf seinem Gesicht passte perfekt zu dem Schwarzweißfoto in der Hand von Gretz, der ein Gebäude weiter unter einer Laterne stand. Von Jeffery unbemerkt gingen Gretz und seine vier Gefolgsleute die Straße entlang, nur wenige Meter hinter ihm.

 

 

Erster Akt

 

Gaststars:

Stephanie March als Bonnie, Christopher Gartin als Gretz, Elijah Wood als Jeffery, Brad Dourif als Brell und ein spezieller Kameo-Auftritt von Nicholas Brendan als Xander Harris

Fade In:
INT
Rat der Wächter, Küche - Am nächsten Morgen
Cleveland

Das scharfe silberne Messer traf auf das Schneidebrett, wieder und wieder in schneller Folge und hackte die Tomate dabei in dünne Stückchen. Eine Hand hob das Brett über eine bruzzelnde Pfanne auf dem Herd und nutzte das mit Ornamenten geschmückte Messer, um die Tomaten zu dem schon aus Eiern bestehenden Inhalt hinzuzufügen.

Andrew legte die leicht gebogene Klinge zurück auf das Schneidebrett und benutzte einen Rührlöffel, um das Omelett in der Pfanne zu testen. Mit einem geübten Schwung warf er dann das Omelett in die Luft. Es landete halb in der Pfanne und halb auf dem Herd.

„Ups!" Schnell kratzte Andrew den Rest des Omeletts vom Herd und beförderte ihn wieder in die Pfanne. Er sah über seine Schulter um sicher zu gehen, dass niemand seinen kulinarischen Schnitzer bemerkt hatte und wandte dann seine Aufmerksamkeit wieder dem fast fertigen Omelett zu.

„Andrew!" rief Rowena vom Eingang zur Küche her. Ihre Stimme klang ungewöhnlich laut und verärgert.

Andrew schreckte schuldbewusst auf und schob die Eier-Tomaten-Mischung nervös herum. „Tschuldigung, aber in den Kochsendungen sieht dass immer so einfach aus und da dachte ich, ich könnte es mal versuchen. Wenn du es Willow nicht verrätst, bin ich sicher ..."

„Nicht das Omelett," unterbrach Rowena ihn irritiert. „Mein Pullover." Sie hielt das bewusste Kleidungsstück hoch und schüttelte es in Richtung des Möchtegern-Fernsehkochs. „Giles sagte, du hättest gestern die Wäsche gemacht und nun schau dir das an!" Sie hielt den gelben Stoffball so dicht vor Andrews Gesicht, dass er einen Schritt zurück gedrängt wurde.

„Uhm, ja," begann er nervös. „Ich glaub, ich erinnere mich, dass ich die Wäsche gemacht habe. So als ein kleines „Willkommen auf der guten Seite, wir sind froh, dass du nicht mehr bei der bösen Alten Garde bist"-Geschenk," sagte Andrew lächelnd und hoffte, Rowena so zu besänftigen.

„Indem du meinen Lieblingspullover zerstört hast?" fragte Rowena eisig, die ihre Beherrschung langsam wieder zurückgewann. „Der ist aus Wolle und du hast ihn einlaufen lassen und dazu noch gelb gefärbt!" Sie spuckte die Farbe geradezu aus mit einem Ausdruck von Abscheu auf dem Gesicht.

„Gelb ist eine schöne Farbe, es passt zu deinem Haar," grinste Andrew nervös. „U-und es ist die Farbe des Sonnenscheins und ... und Butterblumen und äh ..."

„Unwichtig," brach Rowena durch sein Gestammel und hielt das Kleidungsstück vor ihre Brust. Es hatte die Größe von Puppenbekleidung. „Farbton beiseite, ich bin keine Kinderpuppe."

„Tut mir Leid. Ich könnte dir einen Neuen besorgen?" bot Andrew an, der das Omelett in seinem Rücken ganz vergessen hatte.

„Besser nicht. Wahrscheinlich würdest du den auch kaputt machen," schnaubte Rowena und verschwand aus der Küche um einen neuen Pullover zu finden. Dabei eilte sie grußlos an Faith vorbei, die gerade in die Küche kam.

„Noch keinen Monat und schon - Mann!" Faith stürmte auf den verwirrten Andrew zu, der noch immer seinen Rührlöffel hielt und etwa einen halben Meter vorm Herd stand. Sie blieb plötzlich bei der Anrichte stehen und schnappte sich das silberne Messer, welches Andrew benutzt hatte und zeigte damit anklagend auf ihn. „Es wird mich Stunden kosten, das wieder scharf zu bekommen!"

Faith zog das Messer über ihren Damennagel um seine Schärfe zu testen. „Wohl eher Tage!"

„T-tut mir Leid," entschuldigte sich Andrew. „Es ist nur, dass deine Messer viel schärfer sind als alle, die wir hier sonst haben. Erleichtert das Kochen ungemein."

„Nicht leicht genug," erwiderte Faith über ihre Schulter hinweg während sie durch Schränke und Schubladen wühlte um einen Schleifstein zu finden. „Da brennt was."

„Brennt?" Andrew wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Herd zu, wo sein Omelett gerade dunkle Qualmwolken zur Decke sandte. „Ah!" Er zog schnell die Pfanne vom Herd und warf den verkohlten Rest in den Mülleimer.

Faith, die inzwischen ihren Schleifstein gefunden hatte, lehnte an der gegenüber liegenden Küchenwand und schärfte ihr Messer. Es machte ein unangenehmes kratzendes Geräusch, das Andrew zusammenzucken ließ, während er im Kühlschrank nach frischen Zutaten suchte.

„Könntest du das bitte leiser machen?" bat Andrew und stellte einen Karton Eier sowie einen Krug mit Milch auf die Anrichte neben dem Herd. „Es schmerzt ja in den Eingeweiden."

„Willst du es für mich machen?" Faith hielt ihm das Messer hin.

„Ich muss kochen," sagte Andrew voller Stolz. „Und du weißt, dass du sie schärfer bekommst als ich. Möchtest du nicht mal das ganze Küchen-Set für mich schärfen?" fragte er hoffnungsfroh.

„Von wegen," kommentierte Faith und schärfte weiter ihr Messer an dem Stein.

„Was brennt hier?" fragte Kennedy, die hinter Robin in die Küche kam. Sie ging direkt zum Kühlschrank, holte sich einen Karton mit Orangensaft heraus und trank davon.

„Es war ein Omelett," sagte Andrew geknickt und schlug die Pfanne ein letztes Mal gegen den Rand des Plastikmülleimers. „Aber Faith hat mir mein, ich meine ihr, Messer weggenommen und ich hab versehentlich Rowenas Lieblingspullover gelb gefärbt, da war ich leider etwas abgelenkt."

„Doch nicht das Silberne mit der Inschrift?" fragte Robin und lehnte sich neben Faith an die Anrichte.

Andrew nickte bedrückt.

Robin pfiff mitfühlend. „Und heute kommen noch mehr Jägerinnen. Kein guter Tag dafür, ihr Lieblingsmesser stumpf werden zu lassen. Genau genommen, gibt es dafür allerdings keinen guten Tag."

„Du sagst es, Baby." Faith zwinkerte ihrem Freund zu, der zurückgrinste. Sie fuhr weiter mit dem silbernen Messer über den Schleifstein um es zu schärfen.

„Andrew!" Willows Stimme trug von Andrews Medienzimmer bis nach unten ins Erdgeschoss.

„Heute ist einfach nicht dein Tag," bemerkte Kennedy während sie auf die Anrichte hüpfte. „Sie klingt echt sauer."

„Andrew!" wiederholte Willow als sie in die Küche gerannt kam. „Was ist das?" forderte sie und hielt Andrew ein Videoband unter die Nase, fast genauso wie Rowena es mit dem Pullover gemacht hatte.

„Eh, ein Video?" meinte Andrew und versuchte einen Blick auf das Etikett an der Seite des Bandes zu erhaschen.

„Das ist das Band von letzter Nacht aus der Überwachungskamera! Ich hab dir gesagt, du sollst das Band um Mitternacht wechseln, erinnerst du dich? Du hattest mir versprochen, dass du auf jeden Fall daran denken würdest ein leeres Band einzulegen!" schimpfte Willow. „Wie soll unsere Sicherheitskamera arbeiten, wenn keine Kassette eingelegt ist? Huh?" Sie schob ihm die Kassette in die Brust und veranlasste ihn dadurch zu einem Rückzug Richtung Herd.

„Nun, da sind noch die Abwehrzauber," verteidigte sich Andrew und versuchte vor Willows Zorn zu entkommen.

„Aber wenn jemand eingeladen ist, bewirken die Zauber gar nichts! Und außerdem ist das nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass ich dich gebeten hatte es zu tun und du hast es nicht gemacht." Willow schaute Andrew ernst an, der seinen Kopf hängen ließ, den Rührlöffel lose in der Hand.

„Tschuldige," wiederholte er beschämt.

„Schau, ich will dich hier nicht runtermachen, aber wenn du deinen Plan, jetzt zu den Guten zu gehören, durchziehen willst, musst du auch die guten Dinge wirklich tun," fuhr sie fort. „Was hast du eigentlich gerade zum Frühstück gemacht?" Willow wechselte plötzlich das Thema und schaute hoch zu dem Qualm, der noch um die Lichter in der Küche wirbelte.

„Omeletts." Andrew lächelte stolz. „Zumindest bis ich abgelenkt wurde durch ... ach vergiss es ... aber um deine Frage zu beantworten, ich hab Omeletts gemacht. Du magst deins mit Tomaten, richtig?"

„Ja, stimmt. Aber du bist dir doch bewusst, wie viel Arbeit es ist für alle Omeletts zu machen."

„Oh, ich mache ja nicht für jeden Omeletts," versicherte Andrew ihr. „Alle anderen bekommen nur Spiegeleier. Omeletts gibt es nur für die oberste Führung."

„Wo ist dann meins?" forderte Faith aus der Ecke.

„Und meins?" mischte Kennedy sich grinsend ein.

„Ich mag meins mit grünem Pfeffer, Zwiebeln und geriebenem Käse," warf Robin ein. „Und denk dran, kein Fleisch - nur Vegetarisches."

„Wie du ein Omelett ohne Schinken oder Speck essen kannst, kapiere ich nicht," sagte Faith und schüttelte ungläubig den Kopf.

„Du kannst gerne das Fleisch von irgendwelchen toten, kranken Tieren essen, die du magst. Ich werde dir deine Entscheidung nicht vorwerfen, also wirf mir auch meine nicht vor," konterte Robin.

„Sorry, aber wir Menschen sind Fleischfresser. Deshalb haben wir ja Zähne," knurrte sie und schnappte Richtung Robin zur Betonung, bevor sie in ein Grinsen ausbrach.

„Ich weigere mich, das schon wieder zu diskutieren," erklärte er ihr und goss sich eine Tasse Kaffee ein.

„Ist schon ironisch," meinte Faith zu Kennedy. „Es tut ihm Leid um Bessy, die Kuh auf meinem Teller, aber er liebt den Anblick, den ich in meinen Lederhosen biete."

„Das ist was anderes," erwiderte Robin.

„Oh ja, inwiefern?" konterte Faith.

Robin umging die Frage und wandte sich an Andrew. „Also wie ist das jetzt mit den Omeletts?"

Faith kicherte im Gefühl des Sieges, während Andrew für einen Moment verwirrt ausschaute bis er sich endlich gefangen hatte.

„Wenn ich Willows fertig hab, kommen die anderen dran. Ich kann immer nur eins auf Mal machen." Er langte nach den Eiern und öffnete das erste in eine Glasschale beim Herd. Er griff sich ein zweites und hielt es gerade an den Rand der Schale um es auch zu knacken, als ein unbestimmter Ton voll Ärger und Frustration von außerhalb der Küche ihn erschreckte, sodass er das Ei zu hart aufschlug und ein Teil der Schale mit in die Schüssel flog.

„Andrew!" schimpfte Giles und stürmte in die Küche. Rowena folgte ihm und bewegte sich zum Kühlschrank um sich ein Glas Apfelsaft einzugießen. Demonstrativ stoppte sie kurz um Andrew zu zeigen, dass sie einen anderen Pullover tragen musste.

Eifrig damit beschäftigt, Teile der Schale aus der Schüssel zu klauben, zuckte Andrew zusammen und wandte sich zu Giles um.

Giles’ Hemd war mit Öl und Dreck verschmiert und seine Brille hing leicht schief auf der Nase. Ärgerlich nahm er sie ab und schwang sie durch die Luft. „Wann wolltest du mir erzählen, dass in meinem Auto ein Warnlicht leuchtet?"

Ein deutliches Hüsteln von Willow zwang Giles, sich etwas anders auszudrücken, aber trotzdem beruhigte er sich nicht. „Am Aston Martin?"

Andrew lachte nervös. „Oh, das ist irgendwie komisch ..." Sein Kichern erstarb unter Giles’ zornigem Blick. „Oder eigentlich auch nicht. Ich wollte es sagen, wirklich, aber du äh warst schon von vorneherein so zögerlich mir den Wagen überhaupt zu geben, da dachte ich, du würdest womöglich mir die Schuld dafür geben."

„Nun, jetzt bist du es ja auch, oder?" Giles griff in die Tasche um ein Taschentuch zum Säubern der Brillengläser herauszuziehen, aber musste feststellen, dass es auch vor Öl und Schmiere starrte. Er stopfte es zurück in die Tasche und setzte wütend die Brille so wieder auf. „Ich werde einen Mechaniker rufen müssen."

„Ist denn niemand den Fängen von Andy dem Tölpel entgangen?" fragte Faith rhetorisch.

„Hey!" protestierte Andrew, dessen Hand mit Ei verschmiert waren von den Versuchen, die Schale aus der Schüssel zu picken. „Das war nicht sehr nett. Es mag zwar stimmen," schniefte er mit verletztem Stolz, „aber es war nicht nett."

„Wahrheit schmerzt, Kumpel." Faith zeigte lächelnd die Zähne und zog ihr Messer ein letztes Mal über den Schleifstein. Sie warf den Schleifstein quer durch die Küche und er landete mit einem schweren „Bump" auf der Anrichte, was Andrew erneut zusammenzucken ließ.

„Wir müssen los, Baby, wenn wir bis zum Abend bei den Niagara-Fällen sein wollen," meinte Robin.

„Richtig, wir hauen also ab, Jungs und Mädels." Faith schob sich von der Wand weg und stand neben Wood. „Haltet die Martha Stewart da drüben von meinen Messern weg," sagte Faith zu Kennedy und reichte ihr die silberne Waffe.

„Viel Glück." Willow lächelte als Faith und Robin die Küche verließen und winkte hinterher.

Rowena saß am Tisch und sortierte die Morgenpost, als ihr etwas ins Auge fiel. „Hey Leute. Es ist eure liebste abwesende Jägerin," sagte sie und schwenkte eine Postkarte. „Sie ist beim Mount Rushmore."

Willow kam herbei und Rowena reichte ihr die Karte, sodass sie sie lesen konnte.

„Ooh, Buffy sagt, dass sie sich langsam in den USA langweilt und darüber nachdenkt, nach den Feiertagen zurück nach Europa zu reisen!" las Willow aufgeregt.

„Wer geht nach Europa?" fragte Rachel und kam in die Küche.

„Hey, hey, hey!" Kennedy ging zum Kücheneingang und legte eine starke Hand auf die Schulter der jüngeren Jägerin. „Du solltest doch Bescheid wissen, Mücke. Zurück in den Speisesaal, wo du hingehörst."

„Wo ist das Frühstück? Wir verhungern da draußen."

Kennedy nickte in Andrews Richtung. „Es hat eine kleine Verzögerung gegeben. Jetzt geh zurück."

Rachel warf einen Blick auf Kennedy, der jedem das Blut gefroren hätte außer einer Jägerin. „Fein," brummelte sie und stapfte davon.

„Die Kinder heutzutage," seufzte Kennedy, woraufhin Giles nur den Kopf schütteln konnte.

„Warte bis sie auf die 50 zugeht," murmelte Giles zu Rowena während er seine Brille reinigte. „Das sind doch praktisch alles Kinder."

Rowena schaute kurz auf und lächelte, bevor sie weiter die Post sortierte.

„Nun," begann Kennedy, „da Andrew mit dem Frühstück hinterherhängt, werde ich mit den Mädchen eine Runde drehen." Sie tippte Andrew freundlich auf die Schulter. „Und wenn ich du wäre, würde ich es fertig haben, bis wir zurückkommen. Du möchtest sicher nicht, dass 30 müde hungrige Jägerinnen dir die Küchentür einrennen," ergänzte sie im Hinausgehen.

Wenige Augenblicke später schlug am Ende des Ganges eine Tür zu und zeigte an, dass sie das Gebäude verlassen hatte.

„Wuhu!" Andrew riss begeistert die Faust hoch. „Perfekt gewendet!" Er öffnete den Schrank direkt beim Herd und holte einen Teller heraus. Vorsicht ließ er das Omelett darauf rutschen und stellte die Pfanne zurück auf den Herd. Stolz hielt er Willow den Teller entgegen. „Tadaa!"

In diesem Augenblick bemerkte er die Schüssel mit Frühstücksflocken, die vor ihr stand und schon fast leer war. Geschlagen ließ lies er seine Schulter runtersacken während sie ihre nur zuckte.

„Tut mir Leid," sagte sie und wischte sich den Mund mit einer Serviette ab. „Ich war hungrig."

„Ich werde den Mechaniker rufen, bevor noch mehr Schäden auftreten," verkündete Giles und verließ die Küche in Richtung seines Büros.

Willow wandte sich zu Rowena, die das Ganze mit einem Ausdruck einstudierter Ruhe beobachtete.

„Also, uhm, ich dachte, wir könnten heute Abend an den Stundenplänen arbeiten? Nachdem Giles seinen Krisen-Mobil repariert hat, heißt das."

Rowena grinste über diesen Ausdruck.

„Hört sich für mich nach einer guten Idee an," antwortete sie. Wortlos bot Andrew ihr das Omelett an, bevor sie zu ihren Aufgaben zurückkehren konnte. „Nein danke, Andrew, Eierallergie, du erinnerst dich?"

„Ach ja," seufzte er niedergeschlagen.

„Ruiniert meine Klamotten und jetzt will er mich umbringen," murmelte Rowena zu Willow.

„Nun, er war ein böses Genie," konterte die.

„Sehr hinterlistig, wie sein Gehirn arbeitet," ging Rowena auf Willows Spaß ein. „Er muss zu unserer Geheimwaffe gemacht werden."

Die beiden kicherten während Andrew sich hinsetzte und das Omelett selber aß, da er ja keinen Abnehmer hatte.

„Also wie geht es Mr. Robson in England?" fragte Willow neugierig.

„Gut," antwortete Rowena. „Es sind nur noch einzelne Tage, an denen er den Spazierstock braucht. Und zwar nur die Regentage."

„Der Mann lebt in England. Das heißt also was ...?"

„Alle bis auf drei Tage im Monat etwa," erwiderte Rowena mit einem Kichern. „Aber ich habe nicht darauf hingewiesen. Ich kann schon die Optimistin spielen, wenn nötig," antwortete sie mit einem Grinsen, das Willow erwiderte.

„Wir könnten mit den Stundenplänen nach dem Abendessen beginnen, denke ich. Giles sollte dann frei sein, aber bist du dann auch fertig?" fragte Willow.

„Fertig und startklar." Rowena ließ ein kurzes Lächeln aufblitzen und wandte sich dann an Andrew, der gerade die Gabel zum Mund hob. „Übrigens, für meine Bestellung hätte ich gern Mehlpfannkuchen - mit Zimt und Ahornsirup," informierte sie Andrew als sie die Küche verließ in Richtung des weniger chaotischen Speisesaals.

„Oh super, noch mehr Arbeit," murmelte Andrew niedergeschlagen zu sich selbst, schaute herab auf sein schnell kalt werdendes Tomaten-Omelett und stand auf, um es wegzuwerfen und statt dessen Rowenas Frühstüch zuzubereiten.

„Andrew ... bist du okay?" fragte Willow ernsthaft, als sie seine niedergeschlagene Haltung bemerkte.

„Was meinst du?" Andrew wirkte plötzlich besorgt. „Sehe ich krank aus?" Er schaute sich in der Küche nach einer spiegelnden Oberfläche um.

„Nein, nein, ich meine mit all diesen Fehlern und Kram. Du bist doch sonst nicht so ..." Willow machte eine vage Geste mit der Hand. „Abwesend. Du bist der Herr der Ablaufpläne und König der Organisation."

„Ja, ich weiß. Es ist nur ... es gibt so viel zu tun." Andrew sackte gegen die Anrichte und hielt den Teller lose in der Hand. „Ich fühle mich so überwältigt ... Ich vermute, es muss schön sein, jemanden wie Rowena zu haben, weißt du? Sie hilft dir bei der Arbeit als Wächterin und der Magie und ... so weiter. Es tut mir aber Leid wegen dem Video."

„Schau, jeder hat mal rauhe Tage," sagte Willow mitfühlend. „Aber da musst du einfach durch. Wir fühlen uns momentan alle überwältigt, du bist also nicht allein."

„Naja, vermutlich," stimmte Andrew widerstrebend zu. „Es wäre nur vielleicht nicht schlecht, wenn ich hier einen festen Helfer haben könnte. Die Jägerinnen helfen natürlich auch alle, aber das ist doch nicht das gleiche."

„Ich glaub wirklich nicht, dass das jetzt schon nötig ist. Du hast nur eine von diesen Wochen, aber das gibt sich schon, du wirst sehen." Willow lächelte zuversichtlich. „Und, ähm, Andrew?"

„Ja?" Er schaute hoffnungsvoll.

„Wenn du das Frühstück für die Jägerinnen noch nicht fertig hast, bevor sie zurückkehren, lass dich nicht zu sehr von Kennedy anmachen."

„Leichter gesagt als getan," konterte er.

„Wenn sie es macht, dann schick sie zu mir," erklärte sie ihm.

„Das ist schon okay," antwortete Andrew. „Ich komm schon klar. Außerdem habt ihr zwei derzeit genug Probleme. Da will ich nicht noch mehr Streit verursachen."

„Ist dir aufgefallen, huh?"

„Nun, wenn zwei sich zum Abschied jedes Mal fast verschlingen und dann plötzlich ... nun, fast nicht mal mehr winken, dann fällt es auf."

Willow seufzte hörbar. „Ja, aber mein Angebot gilt, okay?"

Andrew grinste leicht. „Danke, Willow."

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Rat der Wächter, Lounge - Am Abend

Mit einem dramatischen Seufzer legte Andrew seinen Roman auf die Lehne des Sessels und starrte traurig in den leeren Raum. Er hörte die Geräusche, die Kennedy und die anderen Jägerinnen hinten in den Trainingsräumen verursachten und auch ihre Rufe und ihr Gelächter.

Er stand auf und ging zu Giles’ Büro, in der Hoffnung, dass die Konferenz der Lehrer beendet sei. Er stand vor der Tür und lauschte für ein paar Minuten mit einem optimistischen Gesichtsausdruck.

„Meinst du nicht, dass das schon zu fortgeschritten ist?" fragte Rowena und klang dabei etwas unsicher.

„Nein, ich denke es ist genau richtig. Sie werden wissen wollen, wie es funktioniert und wenn wir es ihnen nicht sagen, fangen sie wahrscheinlich an es auszuprobieren," erklärte Willow.

„So, damit ist das zweite Semester fertig." Giles klang so, als wollte er das Treffen möglichst effizient gestalten. „Womit sollen wir als nächstes anfangen?"

Andrews Miene verdüsterte sich als ihm klar wurde, dass sie noch mehr besprechen würden. Er wandte sich von der Tür ab und starrte den Gang entlang als ob er jemanden herbeiwünschen wollte.

Jeffery antwortete auf Andrews stille Beschwörung als er von den Quartieren der Lehrer her kam und Richtung Haupteingang ging.

„Jeff!" Andrew rannte fast den Gang entlang. „Was hast du vor? Wollen wir einen Film gucken oder so?"

„Nun, äh ..." Der dunkelhaarige Teenager schaute etwas unsicher. „Ich-hab-wieder-ne-Verabredung," sagte er schnell.

Es kostete Andrew einige Sekunden, um zu entziffern, was Jeffery gesagt hatte. „Oh," sagte er schließlich. „Cool, denke ich."

„Schau," fügte Jeffery schnell hinzu, sein Gesicht ernsthaft. „Ich meine es. Nächste Woche gehen wir in den Herrn der Ringe, wie versprochen."

„Wirklich?" Andrews gesicht leuchtete auf. „Die Verabredung gilt!" Da Jeffery plötzlich sehr unsicher schaute änderte Andrew seine Aussage schnell ab. „Ich mein, äh, ja, das wird cool."

„Cool," Jeffery lächelte. „Tschüss!" Er winkte Andrew zu.

„Tschüss!" Andrew winkte zurück. Seine Stimmung hatte sich kurzzeitig gebessert bei dem Gedanken an ihren Jungenabend. Aber als er für einige Minuten allein in dem Gang stand, schwand seine Euphorie langsam wieder.

„Tschüss," wiederholte er traurig und schaute rechts und links, ob vielleicht jemand anderes käme.

„Sieht so aus, als müsste ich meinen eigenen Spaß finden," sagte er deprimiert zu sich selbst.

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Rat der Wächter, Library - Später

Andrew saß im Schneidersitz umgeben von Büchern und Regalen mit noch mehr Büchern. Er reichte zu seiner Linken und griff nach einem Buch mit grünem Einband, blätterte durch die Seiten und seufzte. Er legte es links von sich ab und nahm diesmal eins von rechts auf, das goldene Lettern auf dem Umschlag hatte.

Er überflog die Inhaltsangabe und legte das Buch zu seiner Linken ab. Andrew seufzte wieder und sackte leicht zusammen, die Hände auf die Beine gestützt.

„Wenn Willow für mich keine Hilfe findet, werde ich es selber machen," sagte er bestimmt zu sich selbst.

Er ergriff ein weiteres Buch und öffnete den blauen Umschlag, dann flippte er mit dem Daumen die Seiten entlang und ließ sie vor seinen Augen vorbeifächern. Eine Seite, die sich gelöst hatte, flog heraus und landete auf dem Bücherstapel links von Andrew.

Andrew nahm die Seite auf und las den Titel, „Für die Beschwörung von Einem, der Wissen hat von ... uhm ... Moment, das Wort kenn ich doch ..." Er war tief in Gedanken, wobei sich seine Lippen leise bewegten während er im Geiste übersetzte. „Von Kleinen Dingen! Das wäre großartig als extra Hilfe und zur Gesellschaft!" Seine Augen leuchteten auf und er las schnell weiter, wobei er die Spruchzutaten geistig abhakte.

„Hab ich ... hab ich ... hab ich ... hab ich! Das ist einfach!" Er sprang mit dem Blatt Papier in der Hand auf und ließ das blaue Buch auf dem Stapel liegen.

Der Titel des Buches lautete in kaum erkennbarer Schrift „Weniger bekannte Dämonen und Teufel".

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Rat der Wächter, Lagerraum - Wenige Minuten später

„Vier Bernsteine, die an die Ecken der Begrenzung gelegt werden," las Andrew auf dem verblassten Blatt Papier.

„Bernstein, Bernstein," murmelte Andrew während er den Finger an den Regalen im Lagerraum entlanglaufen ließ. Es gab säuberlich verpackte Tütchen mit Kräutern, Gläser mit seltsamen Gegenständen in halb durchsichtigen Flüssigkeiten und Steine in allen Formen und Größen auf den Regalen. Jedes Objekt war sorgfältig beschriftet mit am Computer ausgedruckten Aufklebern und in alphabetischer Reihenfolge sortiert in diesem kühlen und kaum beleuchteten Raum im unteren Level des Ratsgebäudes.

Bernstein lag neben den Blaubeeren, getrocknet und frisch, und Andrew griff sich vier etwa Handtellergroße heraus, die er in die Tasche steckte.

„... Kreide für die Linien ..." sagte Andrew zu sich selbst und steckte drei Stück Kreide zu den Steinen in die Tasche. „... Salbei ..." Er schob ein kleines Päckchen mit Kräutern in die Gesäßtasche. „... Und der Knochen eines Helden." Er hob einen massiven Knochen von einem der unteren Regale und hielt ihn über die Schulter wie ein Höhlenmensch als er den Lagerraum verließ.

„Ugg, Knochen schwer," grunzte er und kicherte leicht, amüsiert über seinen eigenen Humor.

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Willows Vereinigungszimmer - Wenige Minuten später

Beladen mit den Zutaten für seinen Beschwörungszauber tippelte Andrew in den Raum und hockte sich auf den Boden. Die Seite aus dem Buch platzierte er an seiner Seite. Sehr sorgfältig begann er das Design für den Spruch mit blauer Kreide auf den grauen Fußboden zu übertragen.

Das Design zeigte ein Quadrat mit einem umgedrehten V darin und einer horizontalen Linie, die das Quadrat halbierte. Es war sehr leicht und so brauchte Andrew auch nicht sehr lange mit der Fertigstellung.

Unter großer Mühe, die Linien des Quadrats nicht zu verschmieren, stand Andrew auf und stopfte die Buchseite in die Tasche seiner Jeans. Dann nahm er die Bernsteine, den Knochen und den Salbei auf.

Mit einer schon obsessiven Genauigkeit platzierte Andrew die vier Steine in die vier Ecken seines Quadrats und legte den Knochen entlang der horizontalen Linie in dessen Mitte.

Er nahm eine Handvoll Salbei aus dem Päckchen und zog das Blatt Papier wieder aus der Hosentasche. Mit einer schnellen Bewegung des Handgelenks, fast wie beim Wenden der Omeletts, warf er die Kräuter über dem Symbol in die Luft und begann stockend, die Worte zu rezitieren, die auf der Seite standen.

Als er sprach wandelten sich die fallenden Kräuter in Lichtfunken, die um den Knochen in der Mitte des Quadrats herumwirbelten. Sie kreisten enger und enger als Andrew an Selbstvertrauen gewann und die Worte mit mehr Autorität aussprach.

Die Funken entsprachen dem Blau der Kreidelinien und verwandelten das Quadrat in einen blau leuchtenden Wirbelsturm der Magie. Der Raum füllte sich mit dröhnendem Lärm, wie das entfernte Rauschen der See und Andrew rief das letzte Wort des Zauberspruchs laut aus.

Elte!"

Funken und Lärm verschwanden, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Der Knochen war aus der Mitte der Kreidezeichnung verschwunden.

An seiner Stelle stand eine menschlich wirkende Frau, die ein weißes Gewand ähnlich einer Toga um sich geschlungen hatte und deren schwarzes Haar über ihren Rücken fiel. Andrews Augen weiteten sich als fände er sie äußerst attraktiv, trotz ihrer seltsamen leicht irisierenden violetten Haut.

„Was ist dein Begehren ..." sagte sie breit lächelnd, trat aus dem Quadrat und näherte sich Andrew. „... Meister."

„Uh, Meister?" quiekte Andrew und versuchte ihrer Hand auszuweichen, die sich um seinen Oberarm legte.

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Zweiter Akt

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Willows Vereinigungszimmer - Stunden später

Der Raum war gefüllt mit weichem, romantischen Kerzenlicht und eine wunderschöne Decke lag auf dem Boden ausgebreitet. Daneben standen zwei Gläser und eine Flasche Wein. Eine weibliche Hand reichte herüber, um noch mehr Wein in die Gläser zu gießen.

„Mehr, Meister?" fragte die Dämonin als sie Andrew ein Glas anbot.

„Nein, vielen Dank, Mora," erwiderte er. „Ich hab genug. Nun lass uns bitte weiter machen," sagte er mit verführerischer Stimme.

Mora lächelte und schaute runter in ihren Schoß, während sie mit überkreuzten Beinen Andrew direkt gegenüber saß.

„G-6," rief sie aus.

Andrew lächelte und hielt ein kleines Stück Plastik hoch.

„Du hast mein Schlachtschiff versenkt," erklärte er ihr und wackelte mit den Augenbrauen. „Du Füchsin," fügte er hinzu.

Mora lächelte weiter und fragte dann, „Möchtest du erneut spielen?"

Andrew wirkte etwas unschlüssig. „Nun, was würdest du denn gern machen?" fragte er.

„Dir dienen, Meister," antwortete sie, während sie über das schnell vergessene Spielbrett kroch und sich in Andrews Schoß setzte. Plötzlich bekam Andrew große Augen als Mora anfing, an seinem Ohrläppchen zu knabbern.

„Hehehe," kicherte er nervös. „Das kitzelt."

„Was zur Hölle ist hier los?"

Der laute Klang von Willows Stimme ließ beide aufspringen und Andrew drehte sich um, nur um die entsetzten Blicke von Giles, Rowena und Willow auf sich gerichtet zu finden.

„Oh, hallo, Leute. Wir haben nur „Schiffe versenken" gespielt, das Spiel der Treffer und Fehlschüsse. Wollt ihr mitmachen?"

Giles blinzelte dramatisch bevor er sich an Rowena wandte.

„Ist das eine wirkliche Frau in Andrews Schoß?" fragte er ungläubig.

„Es ist besser eine Frau und nicht eine von den angehenden Jägerinnen," warf Willow ein, bevor die blonde Wächterin antworten konnte und alle drei gingen weiter in den Raum hinein. Sie versuchten, einen genaueren Blick auf die Frau zu erhaschen. Willow räusperte sich und fragte, „Bist du ...?"

„Purpur?" fragte alle drei Wächter im Einklang.

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Straße in Cleveland - Zur selben Zeit

Mit den Händen in den Taschen schlenderte Jeffery die Straße lang ohne sehr auf seine Umgebung zu achten, als sich plötzlich drei Männer vor ihm aufbauten.

„Oh super," seufzte er.

Als er ein Geräusch von hinter sich hörte drehte er sich kurz um und entdeckte drei weitere Männer, die sich ihm näherten.

„Ich bin pleite," setzte Jeffery an. „Wenn ihr also auf Geld aus seid, habt ihr den Falschen erwischt."

„Wir wollen kein Geld," erklärte Gretz ihm und sein Gesicht verwandelte sich.

„Schnapp ihn!" rief einer der anderen Vampire.

Jeffery rannte zur anderen Seite der Straße und zog dabei einen Pflock aus der Innentasche seiner Jacke. Da ihm klar war, dass er ihnen nicht entkommen konnte, wandte er sich um und zeigte ihnen seine Waffe.

„Ooh," stichelte ein Vampir. „Ein Junge mit einem Stock. Du denkst wohl, du wärst ein großer Mann, was?"

Jeffery bemerkte einen Mülleimer nahe der Gasse hinter ihnen und schloss die Augen. Er begann sich zu konzentrieren und plötzlich flog der Mülleimer durch die Luft und ließ zwei Vampire zu Boden gehen. Jeffery nutzte die Ablenkung und warf sich auf den Vampir, der vorher so gelästert hatte. Er stieß den Pflock tief in sein Herz. Der Vampir explodierte fast sofort, aber bevor Jeffery die Straße runter rennen konnte, hatten ihn die anderen an den Armen gepackt.

„Hebt ihn hoch," befahl Gretz und zeigte auf Jefferys Füße.

Der Junge begann um sich zu treten, doch schnell hatten sie ihn im Griff. Plötzlich schoss ein Dodge Neon um die Kurve und fuhr mit quitschenden Reifen auf den Bürgersteig. Überrascht drehten sich die Vampire um und wurden mit Wasser eingedeckt, als der Fahrer die Tür aufriss und schießend aus dem Wagen sprang. Einige begannen zu qualmen und sie ließen Jeffery einfach fallen, während das Wasser weiter auf sie ein strömte.

Verwirrt eilten die Vampire davon und ließen Jeffery feucht und angeschlagen auf dem Bürgersteig zurück. Er schaute sich um und sah eine blaue Hand, die sich ihm entgegenstreckte.

„Brell," verkündete der Fremde.

Immer noch verwirrt schaute Jeffery ihn genauer an und sah eine Hochdruck-wasserpistole in seinen Händen. Als er merkte, dass der Junge auf seine Supersoaker starrte, begann Brell zu erklären.

„Weihwasser," erzählte er. „Und Hochdruck-Action," fügte er an und pumpte mehrmals kurz um den Druck neu aufzubauen. Etwas zögernd fragte Brell, „Bist du okay?"

„Ja, ich denk schon ... Wer bist du?"

„Brell," wiederholte er. „Ich bring dich zu Wächtern? Wächter nicht weit und sie bringen dich sicher heim."

„Du kennst die Wächter?" fragte Jeffery.

Brell nickte. „Ja, ich helfe manchmal. Ich helfe dir jetzt, wenn du möchtest."

„Ich lebe dort," erklärte Jeffery während er aufstand und den Staub von sich abklopfte. Jeffery schüttelte den Kopf, als er merkte, dass er Brells etwas abgehackte Sprechweise nachahmte. „Ich meine, ich lebe dort mit meiner Mutter."

Brell hielt den Kopf schräg. „Du zu jung um Wächter zu sein."

„Bin ich auch nicht. Meine Mutter unterrichtet Dämonenkunde und ich bin ein Schüler im Zirkel."

„Oh, die rote Hexe! Willow lehrt Magie? Du Magie-Schüler?"

„Ja," nickte Jeffery.

„Kletter in den Wagen," sagte Brell ihm. „Wir jetzt fahren dort."

Jeffery wirkte etwas zögerlich und Brell schien ihn zu verstehen. Er hielt kurz eine Hand hoch, setzte sich ins Auto und fuhr es vom Bürgersteig runter. Er parkte es am Straßenrand und griff sich vorm Aussteigen wieder seine Waffe.

„Wir gehen mit Gewehr," sagte Brell. „Du fühlst dich sicherer gehend als in Auto," fügte er an und nickte verständnisvoll.

„Bitte nicht beleidigt sein," erwiderte Jeffery. „Klar, du hast mich gerettet und alles, aber ich bin nicht sicher, wem ich trauen kann solange ..."

„Ist okay," erklärte Brell und fasste ihn am Arm. „Komm, Rat nicht weit," sagte er und nickte in die Richtung, in die die beiden dann schnell gingen.

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Willows Vereinigungszimmer - Wenige Augenblicke später

„Ich ... äh ... hab es selbst gemacht ... sie meine ich. Ich hab sie gemacht," stotterte Andrew.

„Typisch," seufzten Rowena und Willow unisono. „Wie hast du eine violette Frau gemacht?"

„Eigentlich ist sie ja purpur - nicht ganz violett und nicht ganz rot."

Niemand sagte etwas und ihre ablehnenden Blicke zeigten immer mehr Wirkung. Andrew biss sich auf die Lippe und reichte Willow zaghaft das Blatt mit dem Zauberspruch, den er benutzt hatte. Mora hakte ihren Arm bei Andrew ein und begann mit ihren Fingern durch seine Haare zu fahren. Er versuchte so lässig wie möglich auszusehen während Giles und Rowena völlig ungläubig zuschauten, wie Mora sein Haar durchwühlte.

„Ein Dämon," murmelte Willow. „Du hast einen Dämon gemacht?"

„Hab ich nicht," beharrte Andrew. „Ich hab es sorgfältig gelesen und da stand ..."

Willow drehte die Seite zu ihm um. „Das Kleingedruckte."

Andrew zuckte zusammen, nachdem er es gelesen hatte und versuchte zu lächeln. „Ups," murmelte er. Die Gruppe rollte kollektiv die Augen. „Aber schaut sie euch an," argumentierte er. „Sie ist kein dämonischer Dämon. Nicht wirklich. Sie ist keine Bedrohung oder so."

„Nein, noch nicht," konterte Rowena, bevor er mit seinen Anpreisungen fortfahren konnte. „Aber wir müssen mehr herausfinden über das was du ... erschaffen ... hast."

„Ja," ergänzte Giles. „Sie stellt jetzt keine Bedrohung dar, wie es scheint, aber bis wir es genau wissen, müssen wir unsere Vorkehrungen treffen."

„Ihr wollt sie doch nicht umbringen, oder? Ihr habt es doch selbst gesagt - in der Welt gibt es auch gute Dämonen."

Giles öffnete den Mund um zu antworten, wurde aber unterbrochen als sie Stimmen aus dem Foyer hörten.

„Jemand da?"

Die kleine Gruppe verließ den Vereinigungsraum und sah Brell in Begleitung von Jeffery, der ein wenig nass und schmutzig aussah.

„Was ist passiert?" fragte Willow.

„Willst du die lange oder die kurze Version?" entgegnete Jeffery.

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Versteck von Gretz - Wenige Augenblicke später

„Lass uns zurückgehen," bat Gretz. „Diesmal kriegen wir ihn."

Die Gruppe von Vampiren, die im Kreis saß, nickte zustimmend. Bonnie saß schweigend in einem Stuhl gegenüber von Gretz und seinen Lakaien. Sie betrachtete Gretz mit Abscheu, ihre Verachtung schien zwischen ihren zusammengepressten Zähnen herauszuströmen.

„Eigentlich sollte ich euch zurückkehren lassen," meinte sie.

Gretz nickte und rieb sich die Hände, aufgeregt über eine zweite Chance.

„Es wäre Selbstmord und damit wäre ich dich und deine trotteligen Hampelmänner los." Gretz verlor seinen glücklichen Gesichtsausdruck und schaute schuldbewusst zu Boden. „Vampire," seufzte Bonnie und stand auf, um durch den dunklen Raum zu wandern. „Dir ist hoffentlich bewusst, mein Freund, dass ihr schon längst eine Aschenbecherfüllung wärt, wenn das Präsidium nicht jeden Untoten und Dämon dieser Region bräuchte."

„Ich versichere Ihnen ..." versuchte Gretz anzusetzen, kam aber nicht weiter.

„Ich will keine Versicherungen. Ich brauche Resultate!" Bonnie schrie und ließ damit alle anderen im Raum aufschrecken. „Ist euch klar, dass ihr den Rat auf unser Interesse an Jeffery aufmerksam gemacht habt? Kapiert ihr nicht, dass sie den Jungen jetzt noch besser bewachen werden?" Bonnie schüttelte den Kopf und murmelte, „Clowns."

„Ich entschuldige mich erneut," erklärte er ihr. „Vielleicht wenn wir ..."

„Vielleicht," sagte Bonnie und betonte das Wort besonders als sie ihn unterbrach, „möchtest du gern selbst dem Ingenieur erzählen, warum wir den Jungen für ihn noch nicht haben?"

Gretz wirkte plötzlich noch besorgter. „Der Ingenieur ist eingetroffen?"

„Er überwacht den finalen Zusammenbau," nickte Bonnie. „Also möchtest du ihm deine Unfähigkeit vielleicht selbst erklären?" Gretz begann in seinem Stuhl hin und her zu rücken. „Wie ich dachte," fügte Bonnie an. „Ohne Glück und ohne Rückgrat."

Gretz räusperte sich. „Wenn wir zurückgehen würden ..."

„Ihr werdet nicht zurückgehen," informierte Bonnie ihn und ging zum Ausgang. „Dieses Fiasko erfordert jetzt gründliche Aufarbeitung. Wir haben genau die richtige Kreatur dafür und ratet mal? Es ist kein Vampir."

„Bonnie, bitte überlegen Sie es noch einmal," sagte Gretz zu der abgewandten Maklerin.

„Ein Wort für die Weisen, Leute," erklärte Bonnie und ignorierte dabei das Flehen von Gretz. Sie wandte sich ein letztes Mal zum Raum um. „Die Sonne wird in etwa 5 Stunden aufgehen und dann wird diese Region nicht mehr euer Gebiet sein - betrachtet euch als gekündigt ab heute Abend. Wenn ihr morgen noch hier seid, werdet ihr euch wünschen, ihr wäret schon zu Staub zerfallen."

„Bonnie ..."

„Es gibt drei Wege einen Vampir zu töten," erklärte sie mit einem hinterhältigen Grinsen. „Und sehr viel mehr einen zu foltern. Eine gute Nacht, Gentlemen."

Als sie gegangen war und die Tür hinter sich geschlossen hatte, schauten sich die Vampire kurz an. Dann flitzten sie plötzlich wie verrückt durch den Raum und sammelten all ihre Habe zusammen.

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Rat der Wächter, Lounge - Nacht

Willow und Giles saßen an dem Tisch einige Meter abseits von Andrew und Mora. Ein Stapel Bücher lag um die Wächter herum verteilt, einige offen und andere geschlossen. Sie schauten zu als Mora Andrew einige Trauben reichte während er ihr aus einem Comicbuch laut vorlas.

„Es ist irgendwie als schaue man einem Unfall zu," murmelte Willow. „So sehr ich weiß, dass ich wegsehen sollte, ich kann es einfach nicht."

Giles seufzte und schüttelte den Kopf. „Es ist erstaunlich," kommentierte er. „Ich meine, sie scheinen sehr gut miteinander klarzukommen. Sie liebt es Aufmerksamkeit zu schenken und er lechzt danach. Aus rein praktischen Gesichtspunkten ist es das perfekte Paar."

Rowena kam zurück zum Tisch und schaute erst zu den Wächtern, dann zu Andrew und erneut zurück zu den Wächtern. „Es ist fast hypnotisch, stimmt’s?"

„Absolut erstaunlich," bemerkte Giles fasziniert.

„Komm nicht auf die Idee es nachzumachen," warnte Rowena ihn mit einem Grinsen.

Dieser Kommentar erlangte Giles’ Aufmerksamkeit und er grinste zurück. „Ist nicht geplant."

Mit einem Kopfschütteln wandte Willow sich zu Rowena um ihr ebenfalls die volle Aufmerksamkeit zu schenken. „Die Jägerinnen sind gewarnt?" fragte sie.

„Ja. An beiden Fronten - den Angriff auf Jeffery und Andrews Version von Bezaubernde Jeannie." Sie nickte in Richtung auf das kichernde Paar, das zusammen auf dem Sofa hockte.

„In einem Punkt bin ich neugierig," bemerkte Giles während er das Paar beobachtete.

„In einem nur?" fragte Willow zynisch.

„Ja," nickte er. „Warum?"

„Warum was?" fragte Rowena.

„Warum auf Erden hat er sie hier her gebracht?" fragte Giles in der Hoffnung, dass eine der anderen beiden diese Frage beantworten konnte.

„Nun, das kann ich in einem Satz zusammenfassen - er ist Andrew," antwortete Rowena.

„Nun, genau genommen," begann Willow ihre Beichte, „erwähnte er, dass er Hilfe brauchen könnte um alles zu schaffen. Und ich hab ihn ...eigentlich nur abgewimmelt heute morgen." Willow seufzte und stand auf. „Lasst mich mit ihm reden, während ihr zwei ein kleines Interview mit unserem neuesten Zuzug führt."

 

„Gute Idee," komplimentierte Giles sie während er auch aufstand.

Sie gingen beide rüber und Andrew schaute hoch von seiner Verhätschelung. „Hey, Leute! Wollt ihr ein paar Trauben? Rote ohne Kerne, lecker!"

„Äh, nein danke," entgegnete Willow und zögerte dann kurz. „Würde es dir etwas ausmachen, wenn wir mal kurz reden?" fragte sie. „Alleine," fügte sie an und nickte erklärend.

„Sicher," antwortete Andrew. „Ich geh mal kurz mit Willow mit," erzählte Andrew Mora.

„Du wirst zurückkehren, richtig Meister?" fragte sie. „Du bist sicher in ihrer Begleitung?"

Andrew übelegte kurz als würde er sich die selbe Frage stellen. „Uhm, sicher," antwortete er ihr schließlich. „Ich meine, sie hat nur das eine mal versucht mich zu töten, aber sie ist jetzt ganz anders drauf und ..."

„Andrew ..." unterbrach Willow ihn mit einer klaren Warnung in ihrem Ton.

„Uhm ..." sagte Andrew unbehaglich und schaute zu dem Rotschopf. „Ich werde okay sein. Willow will nur reden."

„Genau," warf Giles ein. „Und wir würden gerne mit Mora reden, wenn das auch in Ordnung ist?" sagte er und zeigte zu dem Tisch wo Rowena saß.

„Meister?" Die Dämonin schaute besorgt zu Andrew.

„Es ist okay, Mora," versicherte Andrew ihr. „Mr. Giles und Ms. Allister werden dir nicht weh tun. Ich werde bald zurück sein, okay?"

Die Dämonin schaute zweifelnd, stand aber dennoch auf.

Während Giles Mora zum Tisch begleitete setzte Willow sich auf das Sofa.

„Bevor du irgendetwas sagst," begann Andrew, „Lass mich dich bitte daran erinnern, dass ich keine Ahnung hatte, dass sie ein Dämon sein würde. Ich ..."

Willow hielt eine Hand hoch um ihn zu stoppen. „Wir verstehen das. Ich bin nur besorgt um dich, Andrew."

„Brauchst du nicht. Mora ist klasse!" erzählte er ihr begeistert. „Sie wird mir beim Kochen helfen, beim Putzen und bei vielen anderen Sachen. Sie mag sogar D&D. Nun, okay, sie wird praktisch alles machen, wenn ich es ihr sage, aber der Punkt ist, sie ist hier glücklich."

Willow zauderte kurz, nicht sicher, was sie als nächstes sagen sollte. „Vielleicht, aber sie gehört hier nicht hin. Wir haben den Spruch untersucht, den du benutzt hast und wie es ausschaut, hast du sie nicht „erschaffen", sondern herbeibeschworen. Sie ist von einer anderen Dimension. Dies ist nicht ihr Zuhause."

„Was willst du damit sagen?" fragte Andrew mit wachsender Sorge.

Willow stieß einen Seufzer aus. „Ich will sagen, wir müssen sie zurück schicken."

„Nein," jammerte Andrew. „Sie ist gerade erst hier. Lasst sie noch ein bisschen länger bleiben."

„Nun fürs Erste wird sie das auch, weil wir gar keine andere Wahl haben. Aber ich möchte nicht, dass du dich zu sehr an sie gewöhnst. Ich bin noch nicht sicher, wie wir sie zurückbringen werden, aber ich werde es irgendwann herausfinden. Verstehst du, was ich damit sagen will?"

„Ja," antwortete Andrew niedergeschlagen. „Du willst mir meine neue Freundin wegnehmen."

„Sie ist nicht deine Freundin," widersprach Willow. „Sie ist deine Dienerin. Und ja, ich gebe zu, dass der Gedanke sehr reizvoll ist, wenn eine schöne Frau einem jeglichen Wunsch erfüllt," gab Willow zu. „Ich bin aber nicht sicher, dass ich die ganze Zeit nur mit ihr Cartoons lesen würde," ergänzte sie noch leicht in Gedanken.

„Comics," korrigierte Andrew Willow mit einer Singsang-Stimme.

„Sorry ... der Punkt ist aber," sagte sie wieder voll konzentriert, „sie ist keine wahre Freundin, Andrew."

„Sagst du. Sie ist das nächste zu einem Freund, was ich hier in Cleveland bisher gefunden habe," konterte er.

Willow schaute schuldbewusst zur Seite, als sie die Spur von Trauer in seiner Stimme bemerkte.

„Ich kapiere das, Andrew. Wirklich. Die Wahrheit ist doch, keiner von uns hatte viel Zeit für seine persönlichen Beziehungen in diesen letzten Monaten - nicht so viel wie wir möchten zumindest. Aber neue Freunde herbeizuzaubern oder aus anderen Dimensionen zu beschwören ist auch nicht der richtige Weg. Außerdem, vielleicht hat sie selber Freunde, die sie vermisst und die sie vermissen. Wir wissen es ja nicht."

Andrew dachte einen Moment über ihre Worte nach.

„Ich versteh’s ja, Willow. Ehrlich. Es ist nur halt nett, jemand für mich zu haben, weißt du? Du hast Kennedy, Giles hat Rowena - nun, ich bin nicht sicher, ob er Rowena HAT, aber du weißt, was ich meine - einen Kumpel unter den Wächtern ... Faith hängt die ganze Zeit mit Robin rum, wenn sie nicht trainiert, also ... ich fühle mich ein wenig im Schatten, denke ich."

„Nun, als ich aus England zurück kam, nachdem ich dort mit dem Zirkel studiert hatte, hatte ich meine Freund um mich, aber ich fühlte mich auch etwas verloren."

„Wie ist das möglich?"

„Nun, Buffy und Xander hatten ihre neuen Jobs," erklärte Willow. „Dawn war gerade in die neue Highschool gekommen. Also fühlte ich mich - fehl am Platz, könnte man sagen. Das Haus war voller Leute, aber an einigen Tagen fühlte ich mich trotzdem völlig alleine."

Andrew musste etwas grinsen. „Du verstehst es wirklich, huh?"

„Ja, aber was mir half war, dass ich tief drinnen wusste, dass ich nicht wirklich alleine war. Meine Freunde hatten nicht immer so viel Zeit für mich, wie ich es gewünscht hätte, aber ich hatte immer ihre Liebe. Das selbe gilt hier auch, Andrew. Ich weiß, wir ärgern dich manchmal, aber ehrlich, du bist wichtig für uns, für den Rat und wir mögen dich auch. Also bitte, für mich, deine Freundin, keine weiteren Dämonen mehr, okay?"

Andrew nickte.

„Gut," grinste Willow. „Also ich hab noch nicht mit Giles gesprochen, aber ich sehe kein Problem darin, jemand als Teilzeitkraft anzuheuern, der dir morgens und nachmittags bei deinen Aufgaben hilft. Wir können dir keinen Freund „kaufen"," stichelte Willow. „Aber wenn wir jemand anstellen, mit dem du gut klarkommst, fühlst du dich vielleicht wenigstens nicht mehr so im Stress. Einverstanden?"

Andrews Gesicht strahlte auf. „Das wäre großartig, Willow. Vielen Dank."

„Gern geschehen, aber die Bedingung bleibt bestehen - keine weiteren Dämonenbeschwörungen."

„Gebongt!"

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Höhle des Präsidiums - Maschinen-Kontrollraum

Bonnie holte nervös Luft und schaute sich die Ausrüstung an, die um sie herum stand. „Mein Lord," sagte sie, „Gretz war in seiner Unternehmung ohne Erfolg."

Sie beobachtete, wie ein Dämon von weit über 2 Meter Größe sich hinter dem Lesepult aufrichtete, an dem er gearbeitet hatte. Er winkte zu einem seiner Handlanger, der herüberkam und sich dicht vor Bonnie aufbaute. Zunächst sagte er nichts. Er schaute sie nur ruhig an.


„Der Ingenieur hat keine Zeit, Eure Probleme für Euch zu beseitigen. Ich vermute, Ihr habt Euch um die Sache gekümmert?" fragte er schließlich.


Sie nickte. „Habe ich. Ein Vutch-Dämon erscheint heute und kümmert sich um die Entführung."


„Ein Vutch-Dämon," nickte die Kreatur. „Gut überlegt," lobte er. „Und was ist mit den Vampiren?"


„Ich habe die Furcht vor dem Präsidium in sie eingepflanzt, wir Ihr gesagt habt. Sie flitzten bestimmt gleich davon, aber sie können noch nicht weit sein, wegen des anbrechenden Tages."


Die turmhohe Gestalt am Lesepult drehte sich leicht um und sprach. Bonnie wich fast einen Schritt zurück, als die schreckliche Stimme über sie hinweg rauschte.


„Bring sie her."


Bonnie öffnete den Mund zu einer Frage, aber schluckte diesen Impuls herunter. „Wie Ihr wünscht," antwortete sie mit einer demütigen Verbeugung.


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Dritter Akt

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Besucherplattform - Nacht
Niagara Fälle, Canada

Faith und Robin gingen Hand in Hand in der kühlen Nachtluft über die Besucherplattform. Das Rauschen der Fälle tönte überall um sie herum.

„Heute lief es ziemlich gut, würde ich sagen," bemerkte Robin, während sie dahinschlenderten und die Aussicht genossen. „Eine neue Jägerin, die in Rekordzeit unterschrieben hat."

„Jep," stimmte Faith ihm zu. „Es ist schön, wenn ein Plan voll aufgeht. Wir sind unterwegs ein ziemlich gutes Team."

„Ganz wie Bob Hope und Bing Crosby," lästerte er.

„Sicher, nur erwarte nicht, dass ich gleich anfange zu Singen oder Tanzen," sagte sie lächelnd.

Er lachte leise. „Na, woher weißt du denn von den Reisefilmen mit Bob und Bing Bescheid?"

„Wenn du lebenslänglich bekommen hast - dann hast du viel Zeit an der Hand, aber keine sehr große Video-Auswahl."

Faith zog ihn näher zum Geländer rüber um eine bessere Sicht zu erhalten. „Also das ist es, huh?" fragte sie und winkte zu den Fällen. „Ich hätt gedacht, sie wären irgendwie ... ich weiß nicht, größer."

„Der Wächter meiner Mutter nahm mich hier mit hin, als ich 12 war und damals erschienen sie mir echt riesig zu sein, aber ich muss zugeben ... es ist nicht ganz so, wie ich es in Erinnerung habe. Und es war natürlich Sommer und nicht 25 Grad unter Null."

„Nun, alles wirkt größer, wenn man jung ist," antwortete Faith. „Und es ist nicht sooo kalt, Mann. Zeig Härte!"

„Du hast ja bloß Jägerinnen-Blut," sagte er, bevor er in seine Hände blies und sie aneinander rieb.

„Ich versprech dir dich aufzuwärmen, wenn wir wieder im Hotel sind," bot Faith ihm herausfordernd lächelnd an.

„Wir werden in guter Gesellschaft sein. Du weißt doch, dies ist die Hochzeits-Hauptstadt in der Welt," erzählte er ihr. „Und wer weiß, vielleicht eines Tages..."

„Ne, ne, As," warnte Faith ihn als sie weitergingen. „Komm hier nicht auf Ideen. Die Dinge laufen hier echt gut, also lass uns nicht heiraten und alles kaputt machen."

„Du glaubst, dass Heiraten Beziehungen zerstört?"

„Ich denke, die Regeln ändern sich, wenn Leute heiraten," erklärte Faith. „Es ist so nach dem Motto ‘Ich hab jetzt den Ring, warum also noch anstrengen?’ Die Leute nehmen sich gegenseitig für selbstverständlich."

„Einige vielleicht, aber nicht alle," konterte Robin. „Ich habe meine Frau nie als gegeben betrachtet."

Faith stoppte und Robin wandte sich um um zu sehen, wo sie geblieben war. „Du hattest eine Frau?" fragte sie. „Und das ist ‘hattest’, richtig? Sie hält dir nicht noch irgendwo den Ofen warm?"

„Nein, das Feuer ging schon vor langer Zeit aus," nickte Robin.

„Wow ..." murmelte Faith perplex. „Das hast du nie erwähnt."

„Es hat sich bisher nie ergeben," sagte Robin mit einem Schulterzucken. „Wir waren seit der Schule zusammen, aber es hat dann später nicht geklappt."

„Zu jung?"

„Ich bekam einen Job in New York. Sie hatte eine Stelle in Connecticut. Und das Pendeln war schon die Hölle - für sie zumindest. Ich kam eigentlich damit klar. Ich war verliebt, aber bei ihr lag es wohl etwas anders."

„Also hat sie dich verlassen?"

„Nein, ich sie ... genau genommen. Ich hatte unerwartet schon früher Wochenende und dachte, ich könnte sie überraschen. Die Überraschung lag dann bei mir, als ich sie mit einem anderen Mann erwischte."

„Verdammt, Robin ... Warum hast du nie etwas gesagt?"

„Was soll ich sagen?" sagte er unbestimmt. „Es ist Geschichte. Ich kann es nicht mehr ändern. Ich kann nur davon lernen - wenn ich also verspreche, dass ich dich nicht als gegeben nehme ... nun, dann meine ich es. Ich habe Leuten vertraut, die es nicht wert waren, habe auch meine eigenen Fehler gemacht, Faith. Also versuch ich wenigstens, sie nicht zu wiederholen."

Faith grinste ihn an. „Nun, das würde ich nicht mit dir machen, Robin."

„Nein, du würdest es mir offen sagen ‘Ich lieb dich nicht. Hau ab!’ Stimmt’s?"

Faith öffnete den Mund, als wolle sie widersprechen, aber dann zuckte sie nur mit den Schultern und gab zu, „Ja, wahrscheinlich." Sie beide lachten, bis Faith hinzufügte, „Aber dir weh zu tun ist nicht in meiner Planung, As. Du weißt das, richtig?"

„Ja," sagte er und kam näher um sie in den Arm zu nehmen. „Ich weiß."

Sie schaute über das Geländer hinweg in die Tiefe. „Das ist ein ziemlich heftiger Sprung," bemerkte sie laut.

Eine andere Stimme unterbrach sie jedoch und sagte, „Aber Nichts, was eine Jägerin nicht schaffen könnte."

Beide schauten überrascht zu dem Fremden hin und fingen dann an zu lächeln.

„X-Man!" rief Faith lachend aus.

„Hey Faith," sagte Xander und kam heran um sie zu umarmen.

„Lange nicht gesehen," lästerte sie. „Wie lange jetzt? Eine Woche, zwei?"

Xander lächelte nur und wandte sich an Robin. „Aber dich hab ich schon eine Weile nicht mehr gesehen," sagte er und streckte die Hand aus.

„Ja, schade dass ich dich verpasst hatte, aber die Pflicht rief," erklärte Robin als er ihm fest die Hand schüttelte. „Hab gehört, du hast deine alte Scharfsicht zurück," ergänzte er und zeigte auf das Auge.

„Ja, ein kleines Etwas, das ich in Cleveland aufgesammelt habe," sagte er grinsend. „Wo man davon spricht, wie läuft es dort?"

„Gut," meinte Faith. „Wir sind gerade hier, um eine neue Rekrutin einzusacken."

„Und alle anderen?" fragte Xander.

„Sind okay, im Wesentlichen," antwortete Faith.

„Und nun zur großen Frage ..." wagte Xander sich vor.

Faith erkannte an seinem Ton, was er meinte, aber sie antwortete nicht sofort und starrte fasziniert auf ihre Stiefel hinab.

„So schlimm, huh?" Xander seufzte.

„Nee Mann, es ist cool," erklärte Faith ihm und schaute ihm jetzt direkt in die Augen. „Die Dinge sind noch ziemlich angespannt zwischen den beiden, ja, aber Willow hat das Richtige gemacht ... Brat muss nur noch wieder erwachsen werden."

„Verdammt," seufzte Xander leise und schüttelte den Kopf.

„Hey," sagte Faith um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. „Red hält sich okay und sie bedauert es nicht, also ... mach dir darum keine Sorge. Ken versteht nur die meiste Zeit den ganzen Magiekram nicht, aber das ist nicht Reds Problem und deines auch nicht."

„Ja, aber trotzdem ..."

„Ich weiß," sagte Faith und nickte verständnisvoll. Sie räusperte sich und wechslte das Thema. „Schau, Robin verwandelt sich gerade in nen Eiszapfen, also warum gehen wir nicht nach oben. Gönnen uns nen Drink oder so?"

„Störe ich nicht?" fragte Xander. „Ich mein, dies ist irgendwie eine Stadt nur für Paare - da will ich nicht das dritte Rad sein."

Faith hakte ihren Arm bei ihm unter und zog ihn mit, während ihre andere Hand auf Robins lag. „Machst du Witze? Wir können immer ein Extra-Rad gebrauchen." Sie grinste während sie über die Plattform zurück gingen.

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Raum der wachhabenden Jägerin - Nacht

Kennedy hörte ein Klopfen an der Tür und stand auf um es zu beantworten. Sie öffnete die Tür und fand ihre Geliebte, die dort mit einem ziemlich gezwungenen Grinsen stand.

„Hey," grüßte Kennedy abwesend.

„Selber hey ... kann ich reinkommen?"

Kennedy öffnete die Tür weiter und trat beiseite. „Oh, ja klar."

Willow schloss die Tür und beobachtete, wie Kennedy die Fernbedienung nahm und den Fernseher ausschaltete. Nervös schob sie ihre Hände in die Gesäßtaschen. „Also was bringt dich heute nacht hierher?" Kennedy versuchte die Frage in einem normalen Ton zu stellen. „Dachte du würdest noch lange mit Giles und Ro arbeiten."

Willow schien etwas sagen zu wollen, es sich dann aber anders zu überlegen. „Wir sind gerade fertig u-und ich wollte dich sehen. Du bist nicht ins Ratsgebäude rübergekommen zum Abendessen."

Kennedy schaute etwas besorgt drein. „Tja, nun, muss ja nach den wilden Fegern hier schauen, wo Faith weg ist."

Willow nickte langsam. „Okay, vermute ich. Ich mein, sie ist schon früher weg gewesen und du hast es immer geschafft vorbei zu schauen. Rona oder Vi kümmern sich gewöhnlich darum, also denke ich, wollte ich schauen, ob du in Ordnung bist." Willow verzog den Mund als ob sie realisierte, dass sie babbelte.

„Ja, fein," antwortete Kennedy.

Willow zögerte einen Moment während sie beobachtete, wie Kennedy ihre Arme vor der Brust verschränkte. „Du siehst nicht fein aus."

Kennedy seufzte und setzte sich auf das Sofa. „Vielleicht bin ich nicht wirklich fein. Ich bin nicht sicher."

Willow wollte es ihr nachtun, stoppte dann aber. „Was ist los, Ken? Oder muss ich überhaupt fragen?" Kennedy schaute einfach nur auf und bohrte ihre Augen in Willows. „Okay, ich muss nicht fragen," fügte Willow an. Sie leckte sich nervös die Lippen und fuhr fort. „Wir müssen hier drüber reden."

„Wir haben schon darüber geredet. Was passiert ist, ist passiert, richtig? Man kann’s nicht ändern." Kennedys Stimme klang angestrengt und passte zu dem schmerzvollen Ausdruck ihres Gesichts.

„Nun, wenn du mir vielleicht sagen würdest, wie du fühlst ..."

Kennedy sprang auf und stellte sich direkt Angesicht zu Angesicht vor ihre Geliebte. „Du willst wissen, was ich fühle? Okay, ich sag’s dir ... Ich schau dich an und sehe ihn." Kennedy begann leicht zu schluchzen, aber unterdrückte es. „... Und ich frage mich, wie du ihn geküsst hast und ihn berührt hast und ... werde ich je wieder genug sein für dich ... Und wird ein Tag kommen, wo ich dich wieder mit jemand teilen muss ...?"

„Ich hab dir erzählt, dass es kein Teilen dabei gab," setzte Willow an.

„Ich kapier’s, Willow. Wirklich. Mein Verstand begreift, dass es nur für die richtigen Gründe passiert ist, aber mein Herz ... Du hast jemand dich haben lassen in einer Weise ... in einer Weise, die nur für mich reserviert sein dürfte."

„Ich habe ein Ritual gemacht, Ken. Es ist Teil dessen, wer ich bin," argumentierte Willow.

„Auch das kapier ich," beharrte Kennedy. Willow beobachtete, wie sich ihr Ausdruck versteifte und ihre Miene zorniger wurde. „Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, mich an den Gedanken zu gewöhnen. Aber du hast es mir einfach entgegengeschleudert. Du hast dich nicht im geringsten darum gekümmert, wie ich es aufnehme und d-du hast es einfach getan, verdammt! Also bin ich einfach nur wirklich sauer, okay? Also verschwinde erstmal und lass mich in Ruhe!"

Kennedy schaute beiseite, da sie nicht in der Lage war, ihrer Geliebten ins Auge zu sehen. Für eine lange Zeit sagte niemand etwas. Niemand bewegte auch nur einen Muskel.

Endlich räusperte sich Willow um wenigsten ein kleines Geräusch in diese bedrückende Stille zu bringen und begann dann, ihre Gedankengänge zu erklären.

„Ich wusste nicht, wie lange er bleibt, also hatte ich keine Zeit, darüber zu debattieren... schau, ich ... ich wollte dir nicht weh tun," wimmerte Willow und beendete so ihr Schweigen.

„Vielleicht nicht, aber du hast es getan ... und auch obwohl ich es versuche, ich ... ich bin wirklich stinkig, Willow. Und ich hasse mich selbst dafür, so über dich zu fühlen. Du warst meine Göttin ... aber nun ..." Kennedy verlor schließlich die Beherrschung und weinte. Willow wollte nach ihr fassen, aber Kennedy zog sich zurück und schüttelte den Kopf. „Nicht, berühr mich jetzt bitte nicht."

Willow kam einen Schritt näher, aber Kennedy wich nicht weiter zurück. „Bitte schau mich an," bettelte Willow.

Kennedys Kinn lag praktisch auf ihrem Brustkorb. „Ich kann nicht," flüsterte sie zu ihren Schuhen. „Ich will einfach nur, dass alles wieder besser ist. Ich will doch nur, dass du mich liebst."

„Ich liebe dich doch."

Kennedy schaute hoch und wischte über ihre Augen. „Warum fühle ich mich dann nur wie der Ersatz? Warum ist alles wichtiger als ich?"

Willow kam ganz heran und ihre Finger strichen Kennedys Haare hinter die Ohren, bevor sie die Hände an die Wangen legte. „Ich hab nie gewollt, dass ich dir weh tue, Kennedy. Ich schwör’s. Ich hab nur getan, was ich musste." Kennedy wirkte, als wollte sie etwas sagen, stoppte dann aber. Willow nutzte die Gelegenheit und zog sie noch näher heran und küsste sie sanft auf die Lippen. „Es tut mir so Leid, dass ich dir weh getan habe," sagte Willow als sie ihre Stirn gegen Kennedys lehnte.

Langsam bewegten sich Kennedys Hände zu Willows Hüften und zogen sie näher heran. Zögernd nippte Kennedy an Willows Nacken, als wäre sie unsicher, ob sie so nah sein sollten. Die Hexe kippte ihren Kopf leicht zur Seite als sie Kennedys Lippen an ihrem Puls fühlte. Willow entfuhr ein leichter Seufzer bei dieser Berührung, was Kennedys Anstrengungen mutiger werden ließ. Nach ein paar weiteren Küssen auf Willows Nacken hob Kennedy ihren Kopf und küsste Willow auf den Mund.

„Ich will nicht mehr streiten," flüsterte Kennedy und zog den Kopf leicht zurück. Ihre Augen blieben geschlossen, aber es lag noch immer Schmerz in ihrem Ausdruck. „Ich will die Dinge einfach nur wieder besser machen."

Die Wicca beantwortete die Aktionen der Jägerin mit einem eigenen Kuss. Und nach wenigen Augenblicken des Küssens fühlte sie, wie der oberste Knopf ihres Hemdes geöffnet wurde. Als die geschickten Finger der Jägerin so das Plastik aus dem Stoff befreiten, konnte Willow ein Stöhnen nicht unterdrücken.

Kennedys Kopf neigte sich wieder zum Nacken ihrer Geliebten, als sie beide plötzlich ein kicherndes Geräusch von der Tür her hörten. Kennedy stoppte und hielt einen Finger hoch. Dann schlich sie zur Tür und riss sie plötzlich auf. Marsha und drei weitere junge Jägerinnen standen kichernd vor Kennedy, doch bevor sie etwas sagen konnte, drehten sie sich um und rannten zurück zu ihrem Schlafsaal.

Kennedy schloss die Tür und Willow seufzte, „Kinder."

„Tut mir Leid," erklärte Kennedy. „Vielleicht ... vielleicht sollten wir etwas mehr reden und das andere weiter machen, wenn Faith zurück ist? Privatsphäre scheint hier ein gewisses Problem zu sein."

„Okay, aber, wir werden fortfahren, richtig?" fragte Willow. „Ich möchte nicht weitermachen damit, einen Schritt vor und zwei zurück zu gehen, Ken. Ich möchte, dass du mit mir redest."

„Immer nur vorwärts, versprochen." Kennedy grinste aufmunternd als sie zu ihr zurückging. „Hey," bemerkte sie und knöpfte Willows Hemd wieder zu. „Warum mache ich uns nicht schönen heißen Kakao und wir wechseln zu netter freundschaftlicher Konversation? Einen Schritt auf Mal."

„Hast du Vorschläge, worüber wir reden können, ohne das es ein Streit wird?"

Kennedy zuckte mit den Achseln. „Keine Ahnung. Wie wäre es mit den letzten Gerüchten über Andrews neue Dämonenfreundin? Ich bin nur ein paar Stunden weg und sofort bricht hier die Hölle los."

Willow erwiderte das Grinsen und nahm Kennedys Hand. „Komm. Ich erzähle dir alles darüber während das Wasser kocht."

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Küche der Jägerinnen - Früher Morgen

Andrew war gerade dabei, das Frühstück fertigzustellen als er Willow sah. Sie kam vom Eingang zu den Schlafräumen der Jägerinnen und trug die gleiche Kleidung wie am Vortag.

„Guten Morgen," grüsste sie ihn.

Andrew grinste wissend. „Guter Morgen, in der Tat," stichelte er.

Willow wurde etwas rot und machte eine abwehrende Handbewegung. „Nun, nicht SO gut, aber besser als zuletzt," gab sie zu.

In dem Moment kam auch Kennedy herein und ging direkt zum Kühlschrank um ihren O-Saft rauszuholen. „Möchtest du etwas Apfelsaft, Liebling?" fragte sie.

„Nein, danke," antwortete Andrew. „Oh, du meintest ..." Er wurde immer leiser und zeigte auf Willow.

Sie grinste ihn sarkastisch an und nickte, bevor sie einen Schluck aus der Flasche nahm.

„Ja bitte," rief Willow ihr zu bevor die zwei mit einem Streit anfangen konnten.

Mora kam aus dem Speisesaal und begab sich an Andrews Seite. „Gibt es noch mehr, was du begehrst, Meister?"

Kennedy war gerade am Trinken und verschluckte sich prompt. „Meister?" fragte sie Andrew, der nur mit den Schultern zuckte. Sie lehnte sich an ihm vorbei und betrachtete die Dämonin. „Donnerwetter, Andrew, sie ist heiß," lobte Kennedy. „Naja, abgesehen von der violetten Farbe," fügte sie noch an.

„Sie ist purpur," betonte Andrew als wäre er müde, es immer zu erklären.

„Ich bin Mora," sagte die Dämonin und bot Kennedy ihre Hand an. „Bist du die Lesbo-Jägerin, die der Hexe dient, von der mein Meister gesprochen hat?" fragte sie.

Kennedy zog ihre Hand zurück und starrte empört zu Andrew.

„Ich hab nicht lesbo gesagt," verteidigte er sich. „Ich sagte lesbisch und ich hab ihr nicht alles gesagt. Sie hat nur ..."

Kennedy stoppte ihn mit einer Handbewegung und wandte sich einfach wieder zu Mora um. „Ja, was soll’s, ich denke, das bin ich. Kennedy."

Mora lächelte höflich und fuhr fort. „Der Meister sagte, dass er gehört hätte, dass ihr zwei die Nacht miteinander verbracht habt," erzählte Mora Kennedy und reichte ihr zwei Teller mit Essen. „Und er sagte, dass ihr beide ein kräftiges Frühstück brauchen würdet um die ganze Energie zu ersetzen, die ihr verbraucht habt mit dem Sex bis zum Morgengrauen."

„Was?" riefen Kennedy und Willow aus und schauten zu Andrew.

Er kicherte nervös. „Mora ist solch ein Spaßvogel," setzte er an und schnappte sich die Teller von Kennedy. „Hier, ich mach das für dich," beharrte er und trug die Teller rüber zum Tisch.

Kennedy wandte sich um und sah Mora nach der Flasche mit dem Orangensaft greifen. „Oh, hey, nein," sagte sie und ging zu ihr. „Das ist meine. Siehst du? Besitz von Kennedy," sagte sie und deutete auf die Aufschrift. „Ist nur für meine Lippen," fügte sie hinzu.

„Sie ist ganz schön besitzergreifend, was?" bemerkte Andrew zu Willow, erhielt aber nur einen unfreundlichen Blick als Antwort. Er räusperte sich nervös und ging zurück zum Herd.

„Das hab ich gehört, Spinner," rief Kennedy und ging mit dem Saft in der Hand zum Tisch, wo sie sich neben Willow setzte. Als es ruhig wurde, stieß Kennedy Willow leicht den Ellenbogen in die Seite und flüsterte ihr ins Ohr. „Pass mal auf." Mit lauterer Stimme fragte sie Andrew, „So, was habt ihr beiden Turteltauben denn letzte Nacht so gemacht?"

„Oh, wir hatten einen wundervollen Abend," begann Andrew. „Zuerst haben wir Star Trek: Der Zorn des Khan geschaut und dann mussten wir natürlich auch Star Trek: Die Suche nach Spock sehen, denn ich konnte sie ja nicht einfach hängen lassen."

„Natürlich nicht ... lass nie eine schöne Frau hängen, Mann," seufzte Kennedy. „Aber was habt ihr zwei wilden Kinder noch gemacht? Oder sollte ich besser fragen, ist sie überall violett - sorry, purpur?"

„Kennedy," wies Willow sie zurecht. „Lass ihn in Ruhe."

„Oh, komm schon," wehrte sich Kennedy. „Wenn er glaubt, dass er alles über unser Sexleben weiß, dann will ich auch ein wenig von seinem hören."

Andrew wirkte sichtlich nervös. „Nein, wir haben nichts dergleichen getan. Wir haben uns doch erst gestern Abend kennen gelernt."

„Das ist richtig," warf Mora ein. „Und der Meister sagt, dass, obwohl er meine Lippen sehr genießt, er fühlt, dass wir warten sollten, bis wir uns besser kennen. Und was der Meister will, das bekommt der Meister."

„Kein Wunder, dass er sie noch nicht zurückschicken will," kommentierte Kennedy leise zu Willow. „Es ist nett, dass es noch ein paar altmodische Jungs gibt in der Welt, Andrew."

„Ha, ha," bemerkte er und fuhr fort zu kochen.

„Nein, ganz im Ernst," antwortete Kennedy. „Ich mein, angesehen davon, dass du bisher wahrscheinlich nicht die geringste sexuelle Erfahrung gesammelt hast, ist es erfrischend zu sehen, wenn ein Kerl mal nicht nur mit seinen ... seinen niederen Instinkten denkt."

„Nun, ich kann dir sagen, dass ich schon oft Sex hatte," erwiderte Andrew. Beide Frauen schauten skeptisch. „Nur nicht mit jemand anderem," fügte er leiser hinzu.

Kennedy und Willow kicherten leicht. „Nun, keine Sorge, Andrew," erzählte ihm der Rotschopf. „Wenn du die Richtige triffst, dann wirst du es wissen."

Andrew grinste sie dankbar an und sie erwiderte es.

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Bonnies Büro - Später Morgen

Bonnie reichte die Unterlagen über den Schreibtisch zu der Person, die vor ihr saß.

„Ich gehe davon aus, Sie verstehen Ihre Aufgabe hier?" fragte sie um sich zu vergewissern.

„Ist klar," nickte der Dämon.

„Gut. Das letzte Team, das wir geschickt hatten, hat versagt, man wird Sie also erwarten."

Der Dämon öffnete den Ordner und fragte, „Wie viele Jägerinnen?"

„Mindestens 30 von denen wir wissen," antwortete Bonnie.

„Wächter?"

„Zwei voll ausgebildete. Ungefähr zehn im Training und ..." Der Dämon hob die Hand, das sie fortfahren solle. „Eine extrem mächtige Hexe," schloss sie widerstrebend.

„Also haben sie auch Magie auf ihrer Seite? Das sollte ziemlich interessant werden," sagte er grinsend und betrachtete das Überwachungsfoto von Willow.

„Wie schnell können Sie anfangen?" fragte Bonnie. „Zeit ist wichtig in diesem Fall."

„Sie werden den Jungen heute Nacht haben. Das versichere ich," sagte er selbstbewusst.

„Ihnen ist klar, dass diese Aufgabe nicht einfach ist," erinnerte sie ihn.

„Das ist gut. Ich liebe Herausforderungen."

„Ja, aber bekommen Sie es hin?" fragte Bonnie bestimmt. „Wir brauchen jemand, der dieses Problem beseitigt - nicht ein neues schafft."

Er grinste bösartig. „Keine Angst, Mensch. Ich bin ein Problemlöser. Sie werden bekommen, was Sie begehren. Und im Gegensatz zu Ihrer Art ... bedeutet mein Wort noch etwas."

 

 

Vierter Akt

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Rat der Wächter, Foyer - Tag

„So," seufzte Rowena. „Irgendwelche Spuren wegen dieser Vampir-Gang?"

Sie setzte sich neben Giles, der durch eine Zeitung blätterte.

„Leider nein," erzählte er. „Die Zeitung berichtet nichts und es kann ja sein, dass sie es auch gar nicht erwähnen würde. Willow hat sich die Polizeiberichte von gestern Abend angesehen und es scheint keine weiteren Angriffe auf andere Passanten gegeben zu haben; seltsamerweise."

„Also gehen wir davon aus, dass sie nicht einfach nur aus Jeff eine Mahlzeit machen wollten?"

Giles nickte bekräftigend. „Zu diesem Zeitpunkt, vielleicht. Aber es könnte auch sein, dass Brell sie nur so sehr verschreckt hat, dass sie in ihr Versteck zurückgekehrt sind. Wir werden veranlassen, dass die Jägerinnen die Gegend besonders sorgfältig patrouillieren."

Rowena nickte zustimmend. „Und wir können außerdem annehmen, dass Jefferys Beschreibung zu keinem Vampir in unserer Datenbank passt?"

„Zu unserem Vorteil hat Willow entdeckt, dass Rachel eine gute Porträt-Künstlerin ist und sie lässt sie gerade ein Bild zeichnen nach Jefferys Angaben."

In diesem Moment kamen Willow, Rachel und Jeffery in den Foyerbereich, wo Giles und Rowena saßen.

„Die Bar," verkündete Willow und reichte Giles die Zeichnung.

„Verzeihung?" fragte Giles und schaute sie an.

„Ich wusste, dass ich den schon einmal gesehen hatte und dann fiel es mir ein," begann Willow und tippte auf das oberste Bild. „Es war bei der Vampir-Bar an meinem Geburtstag. Er war mit ein paar Kumpels abgehauen, als ich mich ihm in den Weg gestellt hatte. Vielleicht sind die beiden Angriffe miteinander verknüpft? Ich meine, beide Male ging es um Ratsmitglieder. Vielleicht war es gar kein Zufall, dass all diese Vampire damals dort auftauchten, wo wir auch waren."

„Giles?" fragte Rowena um seine Aufmerksamkeit zu erhalten. „Was haben Ethans Unterlagen über das Präsidium ausgesagt? Etwas über das Aktivieren eines Höllenschlundes hier? Oder sollte ich sogar sagen, ‘überaktivieren’ eines Höllenschlundes?"

„Ja, aber es war nicht viel mehr, fürchte ich. Das Präsidium scheint eine sehr gut organisierte Gruppe von Dämonen zu sein, die nicht nur rohe Kraft sondern auch Magie einsetzt. Was ihre Ziele angeht hat unsere Suche noch nichts ergeben ... Warum fragst du?" erwiderte er.

Rowena biss sich nachdenklich auf die Lippen. „Was wäre, wenn der Rat angegriffen wird, weil wir eine Bedrohung für ihre Pläne sind - wie auch immer diese Pläne aussehen? Erinnerst du dich an die Bemerkung von DeVeer, dass die Alte Garde keine Bedrohung wäre?"

„Du meinst, diese Vampire sind nur „Heuerlinge" für diese größere Gruppe?" fragte Giles.

„Wäre nicht das erste Mal, dass Dämonen sich organisieren um die Welt zu beherrschen," fügte Willow an.

Rowena wollte etwas sagen, doch Lärm vom Vordereingang ließ sie stoppen. Andrew und Mora kamen mit Tüten voller Lebensmittel herein, gefolgt von Robin, Faith und einem jungen Mädchen, die ihnen halfen.

„Wie ich sehe, haben wir eine neue Dämonenfreundin," sagte Faith und nickte in Richtung Mora.

„Und du hast eine neue Jägerin," erwiderte Rowena und ging ihnen grinsend entgegen.

„Jep," antwortete Faith. „Anne, dies sind Mr. Giles, Rowena und Willow. Sie leiten den Rat der Wächter."

Rowena nahm Anne die Tüte ab, bevor sie ihr die Hand schüttelte. „Schön dich kennen zu lernen, Anne. Lass uns dies in die Küche bringen und dann bringen wir dich unter. Wie hört sich das an?"

„Vielen Dank," sagte das Mädchen höflich während sie losgingen.

Faith und Robin kamen rüber zum Tisch, wo sich der Rest der Gruppe befand. „Also was ist deren Geschichte?" sagte sie mit leiser Stimme und deutete unauffällig auf Andrew und Mora.

„Andrew war einsam, da hat er eine Dämonin als Freund beschworen," bemerkte Willow beiläufig.

Faith und Robin schauten sich an. „Typisch," sagte beide in dem gleichen, fast gelangweilten Ton, den auch Willow und Rowena am Vortag gebraucht hatten.

„Wie auch immer," sprach Faith weiter. „Ratet mal, wen wir bei den Fällen getroffen haben?"

Willow wunderte sich für einen Moment bis ihr die passende Erkenntnis kam und sich ein Grinsen auf ihr Gesicht legte. Sie wollte gerade antworten, als sie plötzlich sahen, wie Andrew durch die Luft flog und auf seinem Rücken landete.

Ein Dämon erschien im Eingang und sah sich im Raum um. Sobald er Jeffery sah, stürmte er auf ihn los, doch Mora sprang auf seinen Rücken und versuchte ihm die Augen auszukratzen. Er warf sie mit Leichtigkeit über seine Schulter, sodass sie auf Andrew draufflog. Die Ablenkung war jedoch ausreichend um den Dämon zu verlangsamen und Faith attackierte ihn.

Der Vutch-Dämon winkte mit der Hand und Faith flog krachend in eine Wand, was ihr die Luft nahm und sie zu Boden gehen ließ. Sie wollte aufstehen während Robin vorstürmte um den Dämon von den Beinen zu holen. Aber mit einer weiteren Geste ließ er den ehemaligen Schulrektor gegen seine Freundin krachen, wodurch beide zu Boden gingen. Willow hob ihre Hand, aber der Dämon rief etwas Unverständliches.

„Einschließen," schrie Willow.

Nichts passierte. Sie beobachtete erschrocken, wie der Dämon weiter marschierte. Willow schaute zu Giles rüber.

„Giles?" murmelte sie, die Furcht in ihrer Stimme offensichtlich. Sie schaute auf ihre Hände und schüttelte sie, als wolle sie sie dadurch zum Funktionieren veranlassen.

Der ältere Wächter langte herüber und betätigte den Alarm genau in dem Moment, als der Dämon Willow ins Gesicht schlug und sie damit zu Boden schickte.

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Quartier der Jägerinnen - Zur selben Zeit

Vom Fitnessraum aus hörten die Jägerinnen den Alarm losheulen.

„Los," sagte Kennedy den Mädchen und sie rannten aus dem Raum.

In ihrem Schlafraum wandte Anne sich an Rowena, während sie ihre Tasche auf das Bett stellte. „Was bedeutet der Lärm?" fragte sie.

Rowena versuchte sie mit einem Lächeln zu beruhigen. „Wahrscheinlich falscher Alarm. Bleib einfach hier und richte dich ein. Ich komme dann zurück, okay?"

Ohne auf eine Antwort des Mädchens zu warten machte Rowena sich auf den Rückweg ins Hauptgebäude des Rates.

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Rat der Wächter, Foyer - Zur selben Zeit

Der Dämon griff zu und packte Jeffery am Arm, aber Rachel sprang in die Luft und kickte ihn rückwärts gegen die Rezeption. Giles schnappte sich das Telefon und schmetterte es gegen den Kopf des Dämons.

Langsam drehte sich der Dämon um und starrte Giles herablassend an, bevor er ihn am Hals packte.

„Renn," stieß Giles an Jeffery gewandt hervor.

Jefery hörte auf die Warnung und rannte die Treppe hinauf während Rachel einen weiteren Tritt in den Rücken des Monsters landete. Es schien den Dämon nicht wirklich zu schmerzen, aber es war genug, dass er seinen Griff um Giles’ Hals lockerte. Der Wächter fiel keuchend zu Boden und rieb sich den Nacken.

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Quartier der Jägerinnen - Zur selben Zeit

Im Waffenraum der Jägerinnen schnappte sich jedes Mädchen eilig einen Pflock und ein Schwert und marschierte durch die Doppeltüren hinüber zum Rat, wobei Kennedy die Bewegungen dirigierte.

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Wohnung der Lindquists - Zur selben Zeit

Jeffery huschte in seine Wohnung und sah seine Mutter Lily auf dem Sofa. „Jeffery, was ist ..."

„Es ist hinter mir her!" sprudelte es hastig aus ihm heraus.

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Rat der Wächter, Foyer - Zur selben Zeit

Im Foyer versuchte Andrew Mora aufzuwecken, die bewegungslos am Boden lag.

„Komm schon," sagte Andrew und berührte leicht ihre Wange. „Wach auf! Als dein Meister befehle ich dir aufzuwachen!" schrie er mit sorgenerfüllter Stimme.

Zur selben Zeit begannen die Jägerinnen in den Raum zu strömen und die Situation zu begutachten.

„Lasst ihn nicht nach oben!" rief Willow und kam wieder auf die Beine.

Der Dämon verpasste ihr eine Rückhand, die sie in den Rezeptionstresen fegte und eine blutige Wunde öffnete sich auf ihrer Stirn. Kennedy erschien gerade rechtzeitig um diesen Schlag noch mitzubekommen.

„Willow!" schrie sie und eilte herüber, Schwert in der Hand.

Vi entdeckte Faith und Robin an der hinteren Wand und zog Rona mit hinüber.

„Seid ihr okay?" fragte Vi und half ihnen aufzustehen.

Mit einer entschlossenen Miene nahm Faith das Schwert von Rona und deutete auf den Dämon. „Zeit, den Kerl fertig zu machen."

Die vier stürmten vor um den anderen Jägerinnen beizustehen. Diese versuchten den Dämon zu stellen, waren aber ziemlich erfolglos. Mit einer einzigen Handbewegung schickte er die ihn umzingelnden Jägerinnen zu Boden als hätte er ihnen die Beine unter dem Körper weggezogen. Kennedy sprang hoch in die Luft, wich dabei den menschlichen Geschossen aus und landete mit dem Schwert schlagbereit vor dem Monster.

Mit einem mächtigen Schwung in seinen Mittelteil teilte Kennedy den Dämon in zwei Hälften. Von hinten hob Faith zur gleichen Zeit ihre Waffe über ihren Kopf und hieb nach unten durch ihn hindurch.

„Nettes Geschnetzel," witzelte Willow und versuchte aufzustehen.

Robin seufzte tief. „Gott sei Dank ist das vorbei," murmelte er.

Rowena betrat den Raum und sah das Chaos angeschlagener Jägerinnen, die langsam wieder auf die Beine kamen.

„Was zum ...Iiih," sagte sie als sie die Teile und Innereien des Dämons auf dem Boden liegen sah.

Sie schaute herüber und sah Kennedy, die Willow auf die Beine half. Blut strömte über das Gesicht der rothaarigen Wächterin.

„Bist du okay?" fragten Rowena und Kennedy zur selben Zeit. Kennedy warf Rowena einen verärgerten Blick zu und half Willow zu stützen.

„Ich bin sicher, es schaut schlimmer aus als es sich anfühlt," erzählte Willow ihnen während Giles ihr sein Taschentuch reichte, mit dem Willow sich sogleich das Blut abwischte.

Mora begann sich zu regen und öffnete die Augen. „Meister?" rief sie. „Bist du okay?"

„Ob ich okay bin?" fragte Andrew mit einem Augenrollen. „Mir geht’s gut. Aber was ist mit dir?"

„Mein Kopf schmerzt stark, Meister," erklärte sie ihm.

„Keine Sorge," sagte er und half ihr in eine sitzende Position. „Wir haben dich so schnell wie ein Jiffy geheilt."

Mora pausierte und hielt den Kopf schräg. „Was ist ein Jiffy, Meister?"

Andrew grinste anbetungsvoll. „Oh, du bist einfach entzückend," sagte er ihr und half ihr endlich wieder auf die Beine.

Jeder war so eifrig damit beschäftigt, die Wunden zu versorgen, dass keiner bemerkte, wie sich die Haufen auf dem Boden plötzlich bewegten. Die Gruppe der Wächter stand um Willow und untersuchte ihre Schnittwunde, als sie feststellten, dass sich ihre Augen weiteten.

„Was ist los, Red?" fragte Faith und kam einen Schritt näher. „Wird dir schwindelig?"

Die Hexe wimmerte und zeigte hinter sie. Sie alle wandten sich um und sahen nicht nur einen, sondern vier Vutch-Dämonen dort stehen. Rowena riss Faith das blutige Schwert aus der Hand und warf es beiseite.

„Bitte mach das nicht wieder," warnte sie sarkastisch.

„Was du nicht sagst," murmelte Faith.

Kennedy und die anderen Jägerinnen ließen ihre Schwerter fallen als stünden sie in Flammen und schauten hilflos, wie sich die Kreaturen zu ihrer vollen Größe aufrichteten und angriffen.

„Okay, Wächter," begann Faith. „Irgendwelche Kommentare, was das Ding ist und wie man es killen kann?"

Bevor jemand antworten konnte stürmten zwei der Dämonen auf die Gruppe los und schwangen dabei nach rechts und links. Robin fiel zuerst und dann Kennedy, keiner von beiden hatte den Schlägen ausweichen können. Faith versuchte vorzustürmen, aber einer schubste sie einfach zu Boden und lachte dabei kurz.

In der Zeit sprang Robin wieder auf die Beine und versuchte nach dem Dämon zu schlagen, aber der schnappte sich einfach die Faust und knickte das Handgelenk um. Robin fiel mit schmerzverzehrtem Gesicht auf die Knie und hielt sich den Arm.

Das Monster am nächsten bei der Treppe hob Rowena hoch und warf sie über den Schreibtisch hinweg auf Giles. Er versuchte sie aufzufangen, aber beide landeten auf dem Boden und schlugen mit den Köpfen schmerzhaft auf dem Parkett auf. Giles setzte sich als erster wieder auf und fasste sich an den Hinterkopf, nur um Blut an seiner Hand festzustellen. Rowena lag bewusstlos an seiner Seite und vorsichtig suchte er sie nach Verletzungen ab.

„Bist du ...?" versuchte Faith ihren Partner zu fragen.

Robin schnitt ihr das Wort ab und zeigte auf den Dämon, der sich die Stufen hinaufbewegte. „Fein. Stopp ihn!"

Faith sprang auf und verfolgte den Dämon, aber er drehte sich einfach um und packte sie bei ihrer Jacke. Er warf sie auf Willow, die vergeblich zu Zaubern versuchte. Zwei Stufen auf Mal stürmte der Dämon hoch als könne er Jeffery spüren und trat die Tür zu seiner Wohnung ein, wo seine Mutter ihn abzuschirmen versuchte.

„Feuer!" schrie Mora. „Ein Vutch-Dämon muss verbrannt werden, Meister."

In diesem Moment schlidderte Rachel über den Boden und landete vor Andrews Füßen.

„Hol die Flammenwerfer," rief er ihr zu und half ihr dabei hoch.

Rachel nickte und startete in Richtung der Quartiere der Jägerinnen. Im Vorbeilaufen griff sie sich Vis Arm und zog sie mit. Die rothaarige Jägerin nickte und folgte ihr.

Andrew seufzte tief. „Bleib hier, Mora," sagte er seiner dämonischen Freundin. „Ich muss tun, was ich tun muss."

„Aber Meister, du wirst getötet werden," warnte sie ihn.

„So sei es, wenn das der Preis meiner Wiedergutmachung ist," erwiderte er in einem noblen Ton.

Er stürmte voraus in den Kampf während Mora sah, wie der ihm am nächsten stehende Dämon ein Schwert aufhob. Aus purem Instinkt rannte sie hin und schubste Andrew aus dem Weg. Er landete auf seinem Hintern und schaute hoch.

Anstatt Andrew zu durchbohren, wie der Dämon geplant hatte, landete das Schwert in Moras Magen und sie fiel zu Boden.

„Mora!" rief Andrew und kroch zu der gefallenen Dämonin. Er fasste sie bei den Armen und zog sie weg vom Kampfgeschehen. Dann nahm er sie in die Arme.

„Konnte nicht zulassen, dass er dich verletzt, Meister," sagte sie mühsam. Oranges Blut kam ihr aus dem Mund. „Es tut mir Leid, dir nicht gehorcht zu haben. Bitte vergib mir."

Andrews Schultern sackten zusammen und er schnaubte bei ihrer Bemerkung. „Das ist okay. Und keine Sorge. Du wirst wieder okay," jammerte er mit einer wenig überzeugenden Lüge.

Mora sagte nichts mehr, sondern grinste ihn nur an, aber bald schien das Licht in ihren Augen zu verschwinden, obwohl das Lächeln noch da blieb.

„Mora?" rief Andrew zu dem toten Gewicht, das er nun in den Armen hielt. „Komm schon, Mora. Bleib bei mir, okay?"

Stille. Andrew biss sich auf die Lippe um ein Schluchzen zurückzuhalten. Er schloss ihre Augen mit seiner Handfläche und zog sie näher, seinen Kopf auf ihren gestützt.

Kennedy kam schließlich wieder auf die Beine und sah die drei verbliebenen Dämonen im Foyer mit den Jägerinnen kämpfen. Sie blickte hoch und sah den vierten Dämon, der Jefferys leblos wirkenden Körper über der Schulter trug. Lily rannte von hinten heran, aber sein Schlag wischte sie wie ein kleines Insekt beiseite.

Kennedy stürmte die Treppe hinauf und war nahe der obersten Stufe als der Dämon sie mit einer heftigen Rückhand erwischte, die sie über das Geländer fliegen ließ. Die stürzte Hals über Kopf vom zweiten Stock herunter und landete mit einem grauenhaften Geräusch auf dem Boden. Willow konnte beim Aufprall das Brechen von Knochen hören, trotz des Kampflärms.

„Oh Gott! Kennedy!" schrie Willow und rannte zu ihrer gefallenen Geliebten.

Das nächste Geräusch war ein scharfes Zischen und ein Ton wie von einer Flamme. Vi warf einen Flammenwefer zu Rona.

„Zeit zum Grillen" sagte sie zu der dunkelhäutigen Jägerin während Rachel hereinstürmte und den erstbesten Dämon anzündete.

Während der Dämon mit Jeffery aus der Haustür flüchtete, deckten die übrigen zwei seinen Rückzug.

„Hinter dir!" schrie Vi zur Warnung.

Rachel versuchte sich umzudrehen, konnte aber nicht mehr. Ein Dämon packte sie am Kopf und brach ihr instantan das Genick.

„Neiiiin!" schrie Faith und sprang auf.

Als sie losrannte griff sie sich den Flammenwerfer aus Ronas Armen und begann den Dämon anzufackeln, der grinsend über Rachels leblosem Körper stand. Er heulte vor Schmerz, als ihn die Flammen trafen.

Bevor der letzte Dämon aus der Tür flüchten konnte, hüllte Vi ihn in Flammen, bis nur noch Staub übrig blieb. Faith ließ den Flammenwerfer fallen und nahm Rachel in ihre Arme. Noch im Tod hatte das Mädchen einen geschockten Gesichtsausdruck und Faith begann sie in ihren Armen zu wiegen.

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Höhle des Präsidiums - Maschinen-Kontrollraum
Stunden später

Jefferys Augen flogen auf und er schaut sich um um herauszufinden, wo er war. Er versuchte sich zu bewegen, aber musste feststellen, dass seine Arme, Beine und der Kopf an dem Metallstuhl befestigt waren, auf dem er saß. Er schaute sich so weit um, wie es seine begrenzten Bewegungen zuließen und bemerkte, dass er sich innerhalb einer durchsichtigen Blase befand und an den Stuhl gefesselt war, während Gretz und die Vampire zuschauten.

Der Dämon, der ihn entführt hatte, stand ebenfalls dort und hatte einen triumphierenden Gesichsausdruck ob seines Erfolges. Jeffery beobachtete, wie er eine Treppe hinaufging und aus seinem Sichtbereich verschwand.

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Höhle des Präsidiums - Gang

Der Vutch-Dämon ging durch den Gang und fand Bonnie mit einem erfreuten Gesichtsausdruck vor. „Bittesehr," sagte sie. „Hier ist Ihre Bezahlung ... Sie haben sehr gut gearbeitet," lobte sie ihn.

„Als ob es daran Zweifel gegeben hätte," erwiderte der Dämon selbstzufrieden, während er eine Brieftasche von ihr annahm. „Ich bin sicher, es wird nicht lange dauern, bis die Hexe den Spruch wieder aufhebt, den ich auf sie gelegt habe. Wenn Sie also noch weitere Schläge gegen den Rat austeilen wollen, schlage ich vor es zu machen, solange sie noch außer Dienst ist."

„Vielen Dank," sagte Bonnie ernsthaft. „Das Präsidium wird das berücksichtigen."

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Höhle des Präsidiums - Maschinen-Kontrollraum
Wenige Augenblicke später

Jeffery saß noch immer auf seinem Stuhl, als er plötzlich den Ingenieur sah, der die Kammer betrat.

„W-was wollen Sie?" stotterte er. „I-ich bin nicht ... ich bin nur ein Kind, ich w-weiß nicht ... ich kann I-ihnen n-nicht helfen ..."


„Schweig," donnerte der Ingenieur. Beim Klang seiner Stimme fuhr Jeffery zurück und kniff die Augen zu. Der Dämon hob die Hand und Jefferys Fesseln lösten sich, wodurch er aus dem Stuhl schwebte. Mit einem kleinen Fingerzeig knallte ihn der Ingenieur rücklings gegen die große Sphäre, die die Kammer beherrschte. Silberne Fesseln schlossen sich um seine Arme und Beine.


Jefferys Augen folgten dem Ingenieur als er sich zu einem Kontrollpult begab. Der Dämon legte die Hände auf die schwarze Oberfläche des Pultes und manipulierte die sternförmigen Erhebungen darauf. Die drei Ringe, die die Sphäre umgaben, setzten sich in Bewegung und schwangen auf Jeffery zu. Jeffery zog an seinen Fesseln, aus Angst zerrissen zu werden, aber als der erste Ring ihn erreichte, glitt er durch ihn hindurch als wäre er nur eine simple Luftspiegelung. Nach seiner Passage leuchtete sein Körper aber in einem wilden Licht auf und ein verzweifeltes Heulen entrang sich seiner Kehle. Der Schrei wurde abgeschnitten, als der zweite Ring durch seinen Körper drang.


Der Ingenieur nickte zufrieden und bewegte einen anderen Schalter. Das Glühen des seltsamen Lichtes erhellte sein Gesicht, während das Gerät seine Geschwindingkeit erhöhte.


Fade to Black

Ende von „Liebe schmerzt"