Samhain

 

 

Idee von: Rob Morton, CN Winters and Susan Carr

 

Geschrieben von: Rob Morton and CN Winters


Koordiniert von: CN Winters and Susan Carr

Produziert von: CN Winters and Susan Carr

Überarbeitet von: Kate

Übersetzung: Kurna

 

Ton: Steff

Bilder: Chris Cook

Künstler: Chris Cook, David Zahir, Mytryk, Cynthia Taz, and CN Winters

 

Für Emily Sinclair. Du hast einen kranken Sinn für Humor, Emma.

 

TEASER

 

Fade in

EXT.

Straße in der Innenstadt - Halloween-Nacht

Cleveland

Andrew zog die Uniform der US Air Force gerade, die er trug. Er schaute zurück auf die Gruppe von zehn jungen Jägerinnen, alle zwischen 10 und 13 Jahre alt, die ihn auf dieser Tour von Haus zu Haus begleiteten. Eine von ihnen, ein blondes Mädchen von etwa zwölf Jahren, die als Leopard verkleidet war, kam zu ihm nach vorne.

„Hey, Andrew. Wohin gehen wir jetzt?" erkundigte sie sich.

„Nun, Marsha," antwortete er, bevor er kurz pausierte und dann in seiner besten Jan-Brady-Stimme sagte, „Marsha! Marsha! Marsha!"

Das Mädchen schaute ihn nur völlig verwirrt an, sodass er schnell fortfuhr.

„Uhm, egal, ich dachte wir nehmen uns als Nächstes den Apartmentkomplex vor, der ein paar Blocks in die Richtung liegt." Er zeigte nach Osten. „Dann die Nachbarschaft dahinter und danach zurück zum Rat."

„Okay!" erwiderte sie mit fröhlicher Stimme.

Er beobachtete, wie sie sich wieder den anderen anschloss. Dabei fiel ihm auf, wie zwei andere Mädchen miteinander flüsterten und kicherten. Er ging zu ihnen hin.

„Hey, Mädels! Was gibt’s?"

Sie drehten sich um. Eine von ihnen, eine Asiatin, trat etwas näher.

„Andrew, wir fragen uns als wer du verkleidet bist," fragte sie.

Andrew ließ die Schultern hängen und seufzte frustriert. Sein Kavaliersgehabe verschwand und wurde sofort durch eine weinerliche Stimme ersetzt.

„Mensch Mädels. Das hab ich euch doch schon gesagt," jammerte er und salutierte. „Ich bin Colonel Jack O’Neil. Kommandant von SG-1, einer Spezialeinheit, die von der Regierung durch das Starga..." Er unterbrach sich als er merkte, dass alle Mädchen über ihn kicherten. „Was ist daran so lustig?"

Die Freundin der Asiatin antwortete mit texanischem Slang.

„Wir wissen das schon. Es ist nur so lustig, wenn du es erklärst." Die beiden entfernten sich wieder, immer noch kichernd. Im Weitergehen fuhr sie fort. „Wobei ein Zwanzigjähriger, der zu Halloween die Runde macht, natürlich eh schon lustig ist."

Andrew hielt sich zurück, bis er sicher war, dass sie außer Hörweite waren. Dann begann er vor sich hin zu murmeln. „Wir werden sehen, wer zuletzt lacht, Jägerinnen. Wenn ihr seht, wie viel Süßigkeiten ich im Vergleich zu euch habe, ja, dann werden wir es sehen."

Er fühlte ein Tippen auf der Schulter und schwang mit einem Ausruf herum. Es war das blonde Mädchen.

„Keine Sorge, Andrew. Ich finde dein Kostüm klasse."

Sofort strahlte er von Ohr zu Ohr.

„Ooh. Danke Marsha," sagte er.

Sie gab ihm einen freundlichen Klaps auf den Arm und lief dann um zu den anderen Mädchen aufzuschließen.

Andrew startete ebenfalls, doch stoppte er plötzlich wieder. Aus dem Augenwinkel hatte er auf dem Friedhof auf der anderen Straßenseite eine Bewegung erhascht. Als er genauer hinsah, erkannte er Faith und Kennedy.

„Ich frag mich, warum die heute patrouillieren," grübelte er. „Ich mein, es ist doch..."

Schnitt

EXT.

Friedhof - Nacht

„Halloween," informierte Kennedy Faith, während sie nebeneinander gingen. „Giles sagte, dass Dämonen und Vampire heute nicht unterwegs wären. Also warum sind wir hier?"

Faith stoppte ihren Marsch durch den Friedhof abrupt und drehte sich zur jüngeren Jägerin um.

„Aus drei Gründen, Brat. Erstens dachte ich, dass wir die Gegend ruhig besser kennen lernen könnten. Zweitens, weil ich es dir sage. Drittens weißt du nie, was oder was nicht auftaucht, egal was für ein Feiertag ist." Gerade als sie fertig war, rannten zwei menschliche Gestalten an ihnen vorbei. Sie zeigte lässig in die Richtung, in die sie gerannt waren. „Wie zum Beispiel die beiden Vampire, die gerade vorbeigezischt sind," bemerkte sie mit einem wissenden Seufzer.

Sie schauten sich kurz an, bevor beide losspurteten um hinterher zu jagen. Nach etwa 20 Metern trennten sich die beiden Vampire. Faith folgte weiter demjenigen, der nach rechts ausbrach, während Kennedy sich auf den linken Vampir konzentrierte und im Lauf über einen Grabstein sprang.

Faith holte ihr Ziel ziemlich schnell ein. Sie hechtete aus vollem Lauf auf seinen Rücken. Sie rollten einen Moment zusammen über den Boden, bevor beide wieder aufsprangen.

In der Zwischenzeit hatte Kennedy beschleunigt und ihren Vampir überholt. Sie schlug einen Bogen, damit er sie nicht sah. Als er die Ecke eines Mausoleums umrundete fand er sie mit gekreuzten Armen gegen eine Wand gelehnt. Er stoppte aus vollem Lauf und begann zurückzuweichen. Sie stieß sich von der Wand ab und ging auf ihn zu.

„Schätze du hast das Memo nicht gesehen," sagte sie. „Oder du weißt nicht, wie man einen Kalender liest. Heute ist Halloween. Das sollte für euch doch eine dienstfreie Nacht sein."

„Geh weg," erwiderte er mit deutlicher Furcht in der Stimme. „Du willst mich gar nicht töten."

Kennedy zog als Antwort einfach nur einen Pflock aus ihrer Jackentasche. Der Vampir versuchte zu fliehen. Sie verfolgte ihn nicht sondern warf den Pflock mit einem kräftigen Schwung. Er flog in seinen Rücken und direkt ins Herz. Sie ging zu ihm hin während er zu Staub zerfiel. Sie kniete nieder und nahm den Pflock wieder an sich.

„Wollte es immer schon mal so machen," kommentierte sie mit einem Blick auf den Pflock.

Sie wandte sich um und sah, dass Faith immer noch um ihr Opfer kreiste. Kennedy rannte hinüber um ihr notfalls beizustehen.

Faith behielt derweil den Vampir im Auge und zog ihren Pflock heraus, während sie sich gegenseitig umkreisten.

„Wenn du mich tötest, wird sie erscheinen," erklärte der Vampir ihr kryptisch.

Faith lachte. „Na, dann werd ich sie halt auch killen, wer auch immer sie ist," antwortete sie.

Ohne Vorwarnung sprang sie vor und rammte dem Vampir den Pflock in die Brust. Er zerfiel zu Staub.

„Nett," kam von hinter ihr Kennedys Kompliment.

„Naja, schon," sagte Faith und drehte sich um. „Aber es macht keinen Spaß, wenn sie gar nicht richtig kämpfen. Hast du deinen erwischt?"

Kennedy deutete hinter sich in die Richtung, aus der sie gekommen war.

„Ja. Er wollte weglaufen. Hat den Pflock in den Rücken bekommen."

„Gut," lächelte Faith.

„Schätze wir können jetzt zum Rat zurückkehren, oder?" schlug Kennedy vor.

„Warum? Damit du dich mit deiner Liebsten vergnügen kannst?" fragte Faith mit einem anzüglichen Grinsen.

Das Duo ging langsam zurück Richtung Hauptquartier der Wächter.

„Yeah, nur da war leider nicht viel Vergnügen in letzter Zeit," sagte eine deutlich frustrierte Kennedy. Faith zog eine Augenbraue hoch und Kennedy fuhr fort. „Willow spürt seit ungefähr einer Woche etwas, das sie eine „emotionale spirituelle Präsenz" nennt. Sie sagte, sie wollte heute Abend ein Ritual durchführen um Kontakt aufzunehmen. Anscheinend ist heute irgendein Wicca-Feiertag. Sie nannte es Samben... Sohen... Samhien... naja, irgendwie so ähnlich und es ist die Nacht wenn, ich zitiere, „die mystischen Barrieren zwischen dieser Welt und der nächsten am dünnsten sind". Daher glaubt sie, heute Nacht die besten Chancen zu haben."

„Weiß sie, wer sie da auf der übersinnlichen Hotline anfunkt?" fragte Faith.

Kennedy zögerte und leckte sich nervös die Lippen bevor sie antwortete. „Sie denkt, es ist Tara."

Faith gab ein Lachen von sich und Kennedy versteckte nicht, dass sie das störte.

„Weißt du, Brat, es ist doch echt traurig, wenn du auf eine tote Person eifersüchtig bist," erwiderte Faith und gab ihr einen aufmunternden Klaps auf den Rücken.

Kennedy schaute sie nur an als sie weitergingen.

Während sich die beiden Jägerinnen unterhielten bemerkten sie nicht den Spalt im Boden an der Stelle, wo Faith ihren Vampir erledigt hatte. Eine große dämonische Hand langte heraus und griff nach dem Rand der Spalte.

Fade To

INT.

HQ der Wächter – Willows Vereinigungszimmer – Nacht

Willow saß innerhalb des unsichtbaren Kreises, den sie gerade mit ihrem Athame gezogen hatte. Sie starrte direkt in das kleine Feuer in ihrem Kessel, welches sie für die Durchführung ihres Rituals entzündet hatte. Sie wusste, dass die starke Air Condition den Rauch problemlos vertreiben würde. Sie nahm einen Beutel mit Kräutern und atmete tief durch. Sie streute etwas in ihre Hand und begann zu rezitieren.

„Geister aus dem Sommerland, kommt herbei. Offenbart euch für mich."

Sie warf die Kräuter aus ihrer Hand ins Feuer. Es loderte hoch, fast bis zur Decke. Ihr gegenüber im Kreis erschien ein waberndes Licht. Es schien menschliche Form annehmen zu wollen, hatte aber wohl Schwierigkeiten. Sie streute mehr von den Kräutern in ihre Hand.

„Hades, Herr über die Unterwelt, ich flehe dich an, erlaube diesem Geist zu erscheinen. Erlaube ihm, mir seine Botschaft zu übermitteln."

Sie warf auch diese Kräuter ins Feuer. Erneut loderte es auf, allerdings nicht ganz so hoch. Sie schaute wieder zu dem Licht. Es begann menschlicher auszusehen. Details folgten.

Eine Nase.

Ein Mund.

Augen.

Blondes Haar.

Der Geist materialisierte vor ihren Augen und Willow konnte endlich erkennen, wer es war. Ihr Gesicht verzog sich vor Enttäuschung.

Es war definitiv nicht Tara.

„Du?" fragte Willow frustriert.

„Ich habe dich auch vermisst, Willow," seufzte Anya ohne ihre Verärgerung zu verbergen.

 

 

 

Erster Akt

 

Stargäste:

Yancy Butler als Eemia und Carly Schroeder als Marsha

 

Fade In

INT.

HQ der Wächter – Willows Vereinigungszimmer – Nacht

„Warum Anya?" fragte Willow mehr sich selbst. „Oder besser noch, warum bei mir? Ich habe alles gemacht, wie es sollte. Die richtigen Kräuter. Die richtige Methode. Ein starkes emotionales Band zum Toten. Ein dickes klares „passt" zur ganzen Liste. Natürlich habe ich nicht darüber nachgedacht, dass ein starkes emotionales Band auch Abneigung sein könnte?"

Anya hatte nicht gewartet, bis Willow fertig war. Sie war zu sehr damit beschäftigt, mit sich selbst zu reden.

„Natürlich musste ich ausgerechnet mit dir Kontakt aufnehmen," brummelte Anya frustriert und winkte in Willows Richtung. „Konnte ja nicht eine von den Millionen anderer Hexen auf der Welt sein. Nicht der süße Kerl in Texas, der mich an Xander erinnert oder das Mädel in Boston. Nein, es musste Willow sein. Ausgerechnet in Cleveland."

Sie beide stoppten als sie realisierten, dass sie gleichzeitig redeten ohne sich zuzuhören. Es entstand ein Moment des Schweigens und Willows Miene wurde freundlicher bevor sie wieder sprach.

„Also Anya, was kann ich für dich tun?" fragte sie, offensichtlich beunruhigt.

Aufgebracht erwiderte Anya, „Warum sollte ich es dir erzählen? Es ist ja nicht so, dass du mir zugehört hättest als ich noch am Leben war. Warum sollte die Tatsache, dass ich tot bin, daran etwas ändern?"

„Nun, wenn du...?"

Anya redete einfach weiter.

„Und lass uns nicht vergessen, dass Spikes kleines Schmuckstück Sunnydale zerstört hat, weshalb jedermann in alle Winde zerstreut ist, da niemand in einem großen Loch leben will. Wusstest du, dass es nur noch ein Loch ist und dass mein Körper irgendwo darunter liegt? Ohne einen Grabstein, wie ich hinzufügen möchte. Tara und Joyce hatten wenigstens einen Grabstein, als sie gestorben sind. Ich meine, ist das nicht Teil des Rituals und der Trauer? Und was ist mit dem Einkaufscenter? Es ist komplett verschwunden und es war eines der besten in ganz Kalifornien, wenn du mich fragst."

„Was?" erwiderte Willow, die den Kopf schüttelte und versuchte Anyas Logik zu folgen. „Anya, du bist tot. Du brauchst nicht mehr einkaufen," sagte sie.

„Ich weiß. Aber ich bin ein ungebundener Geist. Ich kann zumindest gehen und schauen," bemerkte Anya.

„Genau," sagte Willow und zeigte zur Tür. „Du kannst in jeden beliebigen Laden in der Welt gehen - Rodeo Drive in Beverly Hills, Fifth Avenue in New York - Oh! The Miracle Mile in Chikago und...und bei der Göttin, ich kann nicht fassen, dass ich mit dir darüber streite."

Anya war einen Moment lang still, dann sprach sie wieder.

„Das ist nicht der Punkt. Und es ist ja auch nicht meine größte Beschwerde."

Willow kreuzte ihre Arme vor der Brust und sah Anya skeptisch an. „Wirklich? Das ist ja bestimmt etwas ganz Tolles."

In Reaktion auf Willows Haltung nahm Anya eine ähnliche Pose ein mit überkreuzten Armen und ärgerlich verzogenem Gesicht.

„Ja, wirklich. Ihr habt meinen Körper zurückgelassen, sodass er mit allem anderen verschüttet wurde, wie ich schon sagte, aber es wäre nett gewesen, ein ordentliches Begräbnis zu erhalten - ich weiß mit Sicherheit, dass man so eines haben soll, wenn man stirbt."

Willow schaute geschockt zu Anya. „Zumindest hatten wir doch eine Andacht abgehalten. Warst du damit nicht glücklich?"

Ein kleines, aber trauriges Lächeln huschte über Anyas Gesicht. „Ja, ich war dort. Es war nett, aber es war nicht nur für mich. Es war für alle und verflixt, ich dachte, ich wäre wichtig gewesen."

Willows Ausdruck wurde wieder weicher und sie stand auf und ging einige Schritte näher als Anya fortfuhr.

„Ich hatte bis zu dem Augenblick nicht realisiert, dass die Dinge für jeden anders waren. Ich hatte einfach gedacht, dass die Leute mich vermissen würden. Selbst du, Willow, trotz all unser Differenzen."

Willow schaute bei diesen Worten, als müsste sie anfangen zu weinen. „Aber ich vermisse dich doch, Anya," gestand sie. Sie bewegte sich vor um Anya zu umarmen aber ihre Arme gingen direkt durch sie hindurch. Sie stolperte und hätte fast den Kreis durchbrochen.

„Vorsicht. Ich bin noch immer körperlos," sagte Anya. „Und pass mit dem Kreis auf. Wenn du ihn durchbrichst ohne mich vorher richtig zu bannen, kann ich nie wieder auf diese Ebene zurückkehren."

Willow schaute sie erstaunt an. „Tatsächlich?"

„Ja. Ich weiß nicht, wie ich das weiß. Ich weiß es einfach. Ich denke, dass ist eine von diesen Informationen, die du einfach erhältst, wenn du stirbst," erklärte Anya mit einem Schulterzucken. „Alles wird viel klarer und du hast ein viel größeres Verständnis dafür, wie das Leben, der Tod und das Leben danach funktionieren. Der Tod ist wirklich großartig! Ich weiß, du bist noch in der sterblichen Welt und wirst es nicht verstehen bevor du stirbst, aber dieses eine Mal solltest du mir glauben. Der Tod ist nur für die Lebenden schrecklich."

Willow bedachte ihre Worte für einen Moment, aber dann schritt sie zu ihren Hilfsmitteln. Sie bückte sich um einen Beutel mit Kräutern aufzuheben, aber andere als sie vorher benutzt hatte. Während sie das tat, sprach sie zu Anya.

„Nun, wenn das wirklich alles ist, was du zu sagen hast, dann..." begann sie, wurde aber sofort wieder von Anya unterbrochen.

Doch als Anya sprach, war sie nicht mehr die spöttische oder sarkastische Frau von zuvor. Stattdessen tropfte die Sorge aus ihrer Stimme wie geschmolzene Eiskrem. „Nein. Das ist nicht, was ich dir sagen wollte. Du musst Xander finden."

Als Willow den Umschwung in Anya bemerkte, ließ sie die Kräuter fallen und schaute besorgt zu dem Geist hin. „Was ist mit Xander?" fragte sie.

 

Schnitt

INT.

Rat der Wächter – Bibliothek - Nacht

Am Ende des langen Tisches waren Bücher verstreut. Im Hintergrund ging Rowena mit einem offenen Buch durch die Reihen als sie Giles am anderen Ende entdeckte.

„Also wonach forschen wir genau?" fragte sie während sie zwischen den Regalen hindurch zu ihm schaute.

„Die allgemeine Geschichte von Cleveland," erläuterte Giles ohne von seinem Buch aufzusehen.

„Na das schränkt es natürlich ein," antwortete sie mit einem Grinsen.

„Diese Stadt hat eine sehr lange Geschichte seltsamer Vorfälle," erklärte Giles ihr als sie zusammen zurück zum Tisch gingen und sich am Ende des Regales trafen. „Ich wüsste gern über sie Bescheid für den Fall, dass wir in der Zukunft wieder darauf stoßen. Mit mehr und mehr Wächtern und Jägerinnen, die ankommen und ihr Training beginnen, ist es auch wichtig, dass wir allmählich genaue Stundenpläne ausarbeiten."

Rowena wollte gerade antworten, als das Öffnen der Tür sie unterbrach. Herein kam Robin, gefolgt von Kennedy und Faith.

„Hey, Giles," sagte Faith als sie hereinkam. „Du solltest die Sache mit den Dämonen und Vampiren, die Halloween hassen, noch mal überdenken. Ken und ich habe gerade eben zwei zu Staub verwandelt."

Giles und Rowena drehten ihre Köpfe sofort in Faith Richtung, beide plötzlich sehr aufmerksam.

„Wirklich?" fragte Giles und nahm am Tisch Platz, gefolgt von Rowena. „Was...was ist passiert?"

Faith und Kennedy schauten sich an, dann wieder Giles.

„Nichts, eigentlich," sagte Faith.

„Yeah, nur die Standard „Schlag, Tritt, Pflöck, puff"-Routine," führte Kennedy den Satz weiter.

Robins Stimme ertönte von hinter ihnen. „Erzählt ihnen auch den Rest."

Faith wandte sich um und schaute ihn verdutzt an.

„Häh," sagte sie. „Ach ja! Einer der Vampire sagte kurz bevor ich ihn erledigen konnte noch etwas. „Wenn du mich tötest, wird sie erscheinen." Oder so ähnlich."

Giles sprang von seinem Stuhl auf. Er ging zu dem Regal hinter seinem Platz und griff ein Buch heraus.

„Was ist es?" fragte Robin.

Giles legte das Buch auf die anderen, die er vorher studiert hatte.

„Heute Nacht ist eine ganz besondere Nacht..." begann er.

Aber Kennedy unterbrach ihn. „Ja. Willow hat mir davon erzählt," sagte sie. „Man nennt es Samwise."

„Samhain," korrigierte Giles sie, wobei er es korrekt betonte. „Und ja, es ist besonders wegen der besonders dünnen Barrieren zwischen den Dimensionen. Aber ich meinte genau die heutige Nacht."

Flink blätterte er durch die Seiten des Buches. Plötzlich stoppte er und fing an, eine Seite zu überfliegen. Er las bis etwa zur Mitte.

„Ja," rief er aus und zeigte die Stelle Rowena. „Hier, schau?"

Rowena ergriff das Buch und las den Absatz, auf den Giles gedeutet hatte.

„Es heißt hier, dass alle tausend Jahre in dieser Nacht die Barrieren ganz besonders dünn sind und es damit gewissen Dämonen ermöglichen diese Welt von einer anderen Dimension aus zu betreten," fasste sie die Stelle zusammen. „Es gibt nur leider keine genaue Referenz, was für eine Dimension und welche Dämonen es sind."

Giles nahm das Buch aus ihren Händen und las die Stelle selbst.

„Was ist mit diesem „Opus"-Buch, wegen dem du dich hast zusammenschlagen lassen? Würde es dort drin stehen?" fragte Faith.

„Nun, das Buch enthält die wichtigsten Kämpfe der Jägerinnen und die Geschichte der Wächter. Wenn dieser Dämon bekannt ist, könnte es darin erwähnt sein, aber falls nicht..."

„Geht’s ran an die anderen Bücher?" ergänzte Robin.

Rowena grinste. „Und Sie hätten gedacht, Ihre Jahre des Studierens wären vorüber, was Herr Direktor?"

Giles klappte das Buch zu und wandte sich an Faith und Kennedy.

„Wir müssen uns sofort die Stelle ansehen, wo ihr mit den Vampiren gekämpft habt," erklärte er ihnen und schob sie vor sich her zur Tür hinaus. Die anderen schauten sich einen Moment verwirrt an, dann folgten sie.

Schnitt

EXT.

Friedhof – Nacht

Die Gruppe erreichte den Friedhof und Faith zeigte ihnen die Stelle. Sie fanden ein Loch im Boden und Faith ging darauf zu.

„Okay, das war vorhin noch nicht da," meinte sie.

Kennedy trat an ihre Seite. Sie hob einen Stein auf und ließ ihn ins Loch fallen. Sie hörten keinerlei Geräusch eines Aufprallens.

„Wow," sagte Kennedy. „Das ist ein tiefes Loch."

Robin kam als nächster hinzu. „Was für ein Vampir würde aus einem derart tiefen Grab emporkommen?"

Von hinter ihnen hörten sie Giles ausrufen. „Oh zur Hölle."

Sie alle drehten sich um und sahen Giles und Rowena in das Buch starren. Beide hatten Ausdrücke von Schock und Verzweiflung in ihren Gesichtern.

„Was ist?" fragte Robin.

„Dies ist kein Grab," erwiderte Giles. „Es ist ein Dimensionstor. Etwas viel, viel Schlimmeres als ein Vampir ist hier herausgekommen."

Er stoppte und starrte einfach weiter in das Loch im Boden.

„Nun, was ist es?" fragte Faith ungeduldig.

Aber die Antwort kam nicht von Giles. Noch war die Stimme menschlich.

„Ich."

Sie alle wirbelten herum um zu sehen, wer geantwortet hatte. Die Dämonin war über zwei Meter groß. Sie sah einem Vampir ähnlich, aber ihre Gesichtszüge hatten mehr von einer Fledermaus, außer ihrem vollen Haar. Sie war in zerfetzte Reste von etwas gekleidet, das an römische Festkleidung erinnerte.

Giles reichte das Buch an Rowena weiter und schob sich zwischen den Dämon und die restliche Gruppe.

„Ich weiß, wer du bist," sagte er. „Eemia, die Verderberin."

„Oh, gut,"antwortete das Wesen spöttisch. „Ich bin froh, einer von euch weiß es. Ich war so lange weg, da fürchtete ich, dass mich womöglich schon alle vergessen hätten."

Eemia bewegte sich auf die Gruppe zu und Faith und Kennedy bereiteten sich auf einen Angriff vor.

„Die Dinge haben sich geändert, seit deinem letzten Erscheinen," fuhr Giles fort. „Es gibt nicht länger nur eine Jägerin."

„Umso besser," lachte sie.

„Damals war eine genug, um dich zu töten. Jetzt haben wir hunderte," sagte er.

„Ja, ich weiß. Ich habe diese Welt für die letzten 1000 Jahre im Auge behalten. Sehr interessant." Sie stoppte und knurrte Faith und Kennedy an. „Ich kann die Macht dieser zwei sogar riechen. Aber es wird euch nicht helfen. Diesmal bin ich stärker - viel stärker."

Das war zu viel. Faith hatte sich die ganze Zeit zurückgehalten. Nun stürzte sie sich auf die Dämonin. „Das werden wir ja sehen!"

„Faith, nein!" rief Giles.

Aber das nützte nicht mehr. Sie versuchte die Dämonin zu Boden zu reißen, aber die wischte sie einfach beiseite wie ein kleines Ärgernis. Faith landete hart, aber das beeindruckte sie nicht. Sie sprang auf die Füße und griff erneut an. Ohne Zeit zu verschwenden hieb sie ihrer Gegnerin die Faust gegen das Kinn. Doch die nutzte den Schwung einfach aus um sich zu drehen und traf Faith mit der Rückseite ihrer Faust, woraufhin sie erneut zur Seite flog.

Im ersten Moment bewegte Faith sich nicht und Robin rannte zu ihr hin und kniete an ihrer Seite.

„Bist du in Ordnung?" fragte er.

„Fein," antwortete sie und versuchte aufzustehen. „Aber nun hat dieses Weib mich wirklich sauer gemacht."

Kennedy warf sich in diesem Augenblick ebenfalls gegen die Dämonin, aber statt zu einem Faustschlag auszuholen rutschte sie mit den Beinen voran. Sie schaffte es, Eemia von den Beinen zu holen, aber statt auf ihrem Rücken landete die Dämonin neben ihr. Kennedy rollte sich auf sie und versuchte sie zu Boden zu drücken.

„Hmmm," sagte Eemia mit einem bösen Lachen. „Es scheint, du liegst gerne oben."

Jedoch konnte Kennedy die Position nicht lange halten. Eemia ergriff ihre Arme und rollte sie herum. Sie hielt sie so fest und streichelte sie mit der Hand den Arm hinauf bis zum Hals. Die Hand der Dämonin glitt den Hals entlang und streichelte dann ihr Gesicht, wie es ein kranker, sadistischer Liebhaber vielleicht tun würde. Kennedy wehrte sich, von Zorn und Furcht geradezu umhüllt.

„Wir müssen einen Rückzug einleiten," sagte Rowena zu Giles. „Sofort!"

Bevor sie eine weitere Warnung ausstoßen konnten mischte Faith sich wieder in den Kampf ein. Sie sprang und trat die Dämonin hart in die Schulter. Der Tritt hatte jedoch wenig Wirkung, außer das Faith fast der Atem verging als sie platt auf dem Rücken landete. Die Dämonin schaute zu ihr hin und grinste als Faith vor Schmerz zusammenzuckte.

Nicht bereit, sich länger herauszuhalten drangen jetzt auch Robin, Giles und Rowena auf die Dämonin ein und Dank vereinter Kräfte konnten sie Kennedy so weit freimachen, dass Faith einen weiteren Tritt austeilen konnte. Die beiden Wächter griffen sich Kennedy während Robin Faith wegzog, bevor sie den Kampf fortführen konnte.

Gemeinsam wich die Gruppe vor der Dämonin zurück.

„Ist das alles, was ihr habt? Zwei kleine Mädchen und die Fähigkeit wegzurennen?" stichelte Eemia bösartig, aber auch sehr locker. „Ich dachte, in dem Jahrtausend während ich schlief hätte die Menschheit eine Möglichkeit gefunden zu wachsen. Statt dessen seid ihr fett, dumm und schwach geworden. Ich weiß gar nicht, warum ich mich mit euch abgeben sollte, außer dir natürlich," sie zeigte dabei auf Kennedy. „Du siehst zum Fressen gut aus, also sorg dich nicht um deine Freundin, von der du meinst, dass sie sich nach ihrer toten Geliebten sehnt."

Kennedys Mund klappte auf und ihre Füße bewegten sich nicht mehr. Als Eemia auf sie zu kam, drehte sich die Gruppe außer Kennedy um und rannte zu ihrem Wagen. Rowena schaute zurück und sah, dass Kennedy sich nicht gerührt hatte. Sie sprintete noch einmal zurück und zog die Jägerin mit sich.

„Komm," sagte sie und zog an Kennedys Arm um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten. Es gelang und beide rannten zum Auto.

Eemia begann zu Lachen, verfolgte sie aber nicht weiter. „Vielleicht wird die Rückkehr in diese Ebene doch nicht so schlecht," kicherte sie.

Schnitt

INT.

Rat der Wächter – Willows Vereinigungszimmer - Nacht

„Was ist mit Xander?" fragte Willow. „Ist er in irgendeiner Gefahr?"

Anya starrte sie einfach nur geschockt an. „Natürlich ist er in Gefahr, Willow," schrie sie frustriert. „Sonst wäre ich doch nicht hier."

Willow begann im Kreis hin und her zu gehen um nachzudenken.

„Nun, was für eine Gefahr?" fragte sie.

„Die schlimmste."

„Todesgefahr?" hakte Willow nach.

Anya seufzte. „Ja, aber es geht noch tiefer als das. Er ist auch in spiritueller Gefahr, weißt du?"

Willow ballte frustriert die Hände zu Fäusten. „Schau, Anya, nur weil du tot und ein ungebundener Geist bist, heißt das nicht, dass du hier die höhere Macht spielen kannst mit deinen Rätseln und Fragen nur mit Fragen beantworten," schimpfte Willow. „Kannst du es für uns noch nicht Gestorbene erklären?"

Anya seufzte wieder und begann sich zu beruhigen. Sie sprach mit ruhiger Stimme, aber auch einer Andeutung von Dringlichkeit. „Wenn du Xander nicht bald findest und hierin zurückholst - und ich meine in ein paar Wochen bald - wird er für uns alle verloren sein. Auch für mich. Ich würde nie wieder in der Lage sein, seine Seele zu finden."

Willow schaute Anya entschlossen an. „Anya, ich muss mehr wissen. Was genau meinst du damit?"

„Ich meine, dass er tot sein wird, Willow."

 

 

Zweiter Akt

 

 

Fade In

INT.

Rat der Wächter – Willows Vereinigungszimmer – Nacht

„Tot?" fragte Willow. „Warum tot?"

„Was denkst du wohl? Er hat seinen Antrieb verloren weiterzuleben und es wird jeden Tag schlimmer. Du musst ihn finden," sagte Anya drängend.

Willow rollte mit den Augen. „Offensichtlich," sagte sie. „Ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll, aber du scheinst es doch genau zu wissen, da du ihn ja sehen kannst."

Anya holte tief Luft, mehr um sich in einer dramatischen Geste zu beruhigen als weil sie wirklich den Sauerstoff bräuchte. „Ich bin mir leider nicht sicher. Ich dachte, du würdest es wissen, da du doch seine beste Freundin bist."

„Ja, er ist mein bester Freund, aber er wollte etwas Ruhe haben. Er wollte nicht mehr Teil dieses Lebens sein," antwortete Willow. „Ich meine, du bist ein Geist. Du kannst doch jeden finden, den du willst, oder nicht?"

„Nun," begann ihr Gegenüber offensichtlich frustriert. „Anscheinend gibt es auch dafür Grenzen. Laut den Höheren Mächten kann ich ihn nicht finden, wenn seine Gefühle und Gedanken in Bezug auf mich verschwinden. Es macht nichts aus, wie viel ich für ihn empfinde. Es ist fast, als ob er unwissentlich eine Barriere gegen mich errichtet hat." Anya stockte kurz. „Es ist fast wie in dieser dummen Serie, die du und er zusammen geschaut habt. Die Toten können die Lebenden hören, aber nur, wenn sie zu uns reden. Und er redet nicht."

„Xena war keine dumme Serie," protestierte Willow. „Sie war voller Geschichte un...und Mythologie. Nicht viel davon wahr oder zutreffend geb ich zu, aber..."

„Und lass uns nicht die vielen halbnackten Frauen vergessen," unterbrach Anya. „Die der wahre Grund dafür waren, dass ihr beide jede Woche vor dem Bildschirm gehockt habt."

Willow errötete. Nun holte sie tief Luft und versuchte das Thema zu wechseln. „Wie auch immer," sagte sie übertrieben beiläufig. „Das letzte Mal als ich von ihm hörte, wollte er „in Einklang mit die Natur gelangen"," sagte sie. „Ist das, wo du ihn auch gesehen hast?"

„Ja," antwortete Anya. „Er war in irgendwelchen wunderschönen Bergen, aber sehr deprimiert. Er hatte einen Bart und langes Haar - zerstreunt, aber nicht in der männlichen, sexy Weise. Und bevor er ging wollte er irgendwo im Westen von Washington einen Job suchen. Seattle, glaube ich, aber wegen dem fehlenden Auge wollten sie ihn nicht. Niemand will ihn anscheinend. Das war, als er zu leben anfing wie dieser verrückte Mann, der später Bomben an Leute geschickt hatte, die wie du die Technik verehren. Und auch wenn ich nicht glaube, dass Xander andere verletzten würde, so verletzt er doch sich selbst. Er hat den Glauben verloren in alles, was das Leben bietet."

Anya pausierte und Willow schaute etwas verblüfft, während sie versuchte alle Informationen zusammenzuhalten.

„Willow," sagte Anya und unterbrach ihre Gedanken. „Wenn Xander sich umbringt, ist er auf ewig für mich verloren."

„Warum? Versteh mich nicht falsch. Ich möchte nicht, dass Xander stirbt, aber du sagtest doch, wie toll der Tod ist," fragte Willow. „Da würd ich doch meinen, um so eher du ihn hast, um so besser für dich, richtig?"

Anya schüttelte den Kopf. „Nein, es muss ein natürlicher Tod sein, wenn es wirklich seine Zeit ist. Aber wenn er zu früh abgeht, weil er das Leben nicht mehr erträgt..." Anya unterbrach sich kurz. „Wie kann ich das einem lebenden Sterblichen erklären?" murmelte sie zu sich selbst. Ihr Kopf schoss hoch und die Augen weiteten sich. „Karma! Es ist ein Kreislauf und wenn du ihn nicht komplettierst, ist es wie eine kaputte Schallplatte. Du hängst an der gleichen Stelle immer und immer wieder, bis du mal einen Schubs bekommst. Das bedeutet, dass..."

„es viele Lebensspannen dauern könnte, bevor Xander und du erneut die Chance hättet, euch zu treffen," ergänzte Willow.

„Exakt!" entgegnete Anya. „Du hast ein wirklich gutes Verständnis für diese Dinge, Willow. Ich muss zugeben, ich bin erstaunt und beeindruckt," fügte sie mit kecker Stimme an bevor sie fortfuhr. „Aber die Tatsache bleibt, ich bin in Sorge um ihn. Und wenn ich jetzt darüber nachdenke, weiß ich, warum ich bei dir gelandet bin. Du bist die Einzige, die ihm wirklich helfen kann."

Willow versuchte, Anya beruhigend die Hand auf die Schulter zu legen, aber sie ging einfach durch ihren Körper hindurch. „Tschuldige," sagte sie und wich etwas zurück. „Ich vergesse das dauernd."

„Das ist ok," sagte Anya leise. „Ich muss mich selbst noch komplett daran gewöhnen. Es ist aber eine interessante Fähigkeit, durch Wände gehen zu können."

Willow konnte nicht anders und musste darüber kichern. „Ich weiß," sagte sie. „Ich erinnere mich an meine Nacht als Geist."

Anya schaute sie fragend an. Dann klickte es und sie lächelte und nickte verstehend. Dann wurde Willow wieder ernst.

„Schau," sagte sie. „Wenn ich ihn finden soll, musst du mir sagen, wo er ist."

Anya zuckte mit den Schultern. „Ich bin nicht sicher. Es war ein bergiges Gebirge halt."

„Nun, waren es schneebedeckte Berge wie die Rockys? Nebelige Berge wie die Smokys? Gib mir irgendetwas, womit ich arbeiten kann, Anya."

Anya blickte, als würde sie angestrengt darüber nachdenken, versuchen sich zu erinnern. Plötzlich hatte sie einen Gesichtsausdruck, als wenn ihr ein Licht aufgegangen wäre.

„Ich weiß... es waren große Berge," sagte sie in dem Versuch hilfreich zu sein.

Willow seufzte. „Nun, er war in Washington. Das ist ein Startpunkt," sagte sie. „Er könnte in der Cascade Range sein, aber im November fängt es dort meist heftig an zu schneien. Das würde bedeuten, wir hätten weniger Zeit als erhofft oder er ist schon weitergezogen. In beiden Fällen wird es eine sehr schwierige Suche und das ist noch optimistisch gedacht."

Beide Frauen schauten sich an, die Sorge klar in ihre Gesichter geschrieben.

Schnitt

INT.

HQ der Wächter - Foyer – Nacht

Die Gruppe vom Friedhof kam erschöpft in das Foyer. Faith und Kennedy setzten sich auf das Sofa. Robin stellte sich hinter sie während Giles und Rowena vor ihnen standen. Faith sprach als erste.

„Okay, was zur Hölle war das?" fragte sie in den Raum.

„Eemia," sagte Giles ruhig.

„Email?" fragte Kennedy perplex. „Das ist ein komischer Name für einen Dämonen."

„Eemia," korrigierte Giles.

„Oh," sagte Kennedy und ließ sich ins Kissen zurückfallen.

„Ein weiblicher Dämon. Sehen wir nicht allzu oft. Aber heh, die Babys aus der Unterwelt brauchen ja auch eine Mama, oder?" kommentierte Faith. „Und außerdem denke ich, dass die Kerle in Dämonenstadt auch hin und wieder ihren Spaß haben wollen."

Alle anderen verzogen angewidert ihr Gesicht.

„Ok, da denke ich jetzt lieber nicht drüber nach, vielen Dank," sagte Robin. „Giles, was wissen wir über sie?"

„Nun, wenn ein Mensch zum Vampir gemacht wird, nimmt ein Dämon den Platz der Seele ein," begann Giles. „Diese Dämonen kommen von einer Höllendimension, deren mystische Grenzen sehr nah zu unserer Welt liegen. Wenn ein Vampir getötet wird, kehrt der Dämon in diese Dimension zurück."

Er öffnete den Mund um fortzufahren, doch Faith unterbrach ihn. „Das ist ja sehr faszinierend, aber was hat das mit unserem Mädel hier zu tun?" fragte sie.

„Dazu wollte ich gerade kommen, Faith," erwiderte Giles. „Eemia lebt in dieser Dimension. Sie kann eine Art mystisches Netz auswerfen, mit dem sie diese Dämonen fängt. Sie verzehrt sie dann und erhält dadurch deren Stärke und Wissen."

„Wow," sagte Kennedy. „Klingt fast wie bei Highlander."

Die anderen drehten sich zu ihr um und starrten sie an.

„Was?" fragte sie unschuldig. „Ist Andrew der einzige hier, der diese „das Ende der Welt"-Ereignisse mit Science Fiction vergleichen darf? Wir können alle ein wenig von einem Geek in uns haben."

Giles ging schnell darüber hinweg. „Nun, auch auf die Gefahr hin meinen inneren Geek zu offenbaren, Kennedys Analogie ist gar nicht so abwegig," sagte er. „Während sie mehr und mehr Vampir-Dämonen verschlingt, gewinnt Eemia immer mehr Stärke hinzu. Wenn sie dann genug hat, muss sie nur noch warten, bis die mystischen Barrieren zwischen den Welten dünn genug sind, damit sie sie durchbrechen kann."

„Und das ist heute Nacht?" fragte Rowena.

„Ja. Samhain ist ganz allgemein eine Nacht, wenn diese Barrieren sehr dünn sind, aber dieses Jahr waren sie dünner als je in den letzten tausend Jahren."

„Aber du sagtest, dass dafür auch die Vampir-Dämonen aufsteigen müssen," warf Robin ein. „Bis vor ein paar Monaten waren nur zwei Jägerinnen da, die Vampire getötet haben. Und eine davon saß im Knast." Diese Bemerkung wurde von Faith mit einem schnellen Ellbogenstoß in seine Rippen kommentiert. „Au! Also, bei nur einer aktiven Jägerin, plus einigen Unfällen und den wenigen normalen Menschen, die ein paar Vampire erlegt haben, hätte Eemia sonst nie genug Dämonen erwischt um aufzusteigen."

Giles nahm die Brille ab und rieb seinen Nasenrücken. Dann setzte er sie wieder auf und schaute zu dem ehemaligen Schulrektor.

„Ich denke, sie könnte auch so schon nahe dran gewesen sein," erklärte er. „Aber bei nur einer Jägerin, dann zweien," er deutete auf Faith, „hätte Eemia wahrscheinlich nicht genug Dämonen sammeln können um heute nacht durchzubrechen und daher weitere 1000 Jahre warten müssen, bis die Barrieren wieder dünn genug sind. Nun haben wir so viele Jägerinnen überall auf der Welt, die Vampire erledigen, dass die Anzahl an Dämonen, die Eemia in letzter Zeit erhalten hat, in alarmierend großer Zahl gestiegen sein könnte."

„Also ist es unsere Schuld," sagte Kennedy.

„Wir konnten das auf keinen Fall wissen," sagte Giles tröstend. „Wir müssen aber auf solche Dinge vorbereitet sein. Ein Zauberspruch von dieser Stärke und mit derartig weitreichenden Auswirkungen muss auch einige heftige Konsequenzen haben neben all dem Guten, dass er bewirkt hat."

„Ich will hier nicht melodramatisch klingen oder respektlos, aber es wäre schon nett gewesen, das vorher zu wissen," warf Robin ein.

„Ich sagte, dass es gefährliche Konsequenzen haben könnte," erwiderte Giles.

„Ich glaube, Giles, dies war das eine Mal, wo du es nicht gesagt hast," sagte Faith.

„Nein," entgegnete Giles. „Ich kann mich genau erinnern, dass ich Buffy erklärt habe, dass ebenso viel Schlechtes wie Gutes davon kommen könnte."

„Nein, deine genauen Worte waren," sagte sie und ahmte dann seinen Akzent nach. „Ich denke, dass ist verdammt brillant."

Giles schaute sie an und dann auf Robin, der einfach nur zustimmend nickte.

„Hmm, könnte schwören, dass ich eine Warnung ausgesprochen hätte," schimpfte Giles mit sich selbst.

Faith wandte sich an Kennedy. „Der alte Mann wird langsam senil."

Kennedy kicherte nur.

Giles schüttelte sich und wurde wieder ernster.

„Wie auch immer, wir müssen uns um das Desaster kümmern, das wir jetzt haben," begann er. „Rowena, überprüfe die Polizeiberichte der letzten Stunde. Ich vermute, Eemia wird sich Waffen besorgen wollen, egal wie stark sie jetzt ist. Robin, geh nach oben und hol die restlichen Mädchen. Wir brauchen alle Jägerinnen, die wir haben, um dieses Monster zu bekämpfen. Faith, Kennedy, beginnt die Waffen zu sortieren. Eemia hat nicht die gleiche Aversion gegen Holz wie Vampire, also konzentriert euch auf Schwerter und Ähnliches."

Sie alle sprangen auf, um sich um ihre jeweilige Aufgabe zu kümmern. Rowena stoppte plötzlich auf dem Weg nach draußen.

„Was ist mit Andrew?" fragte sie Giles.

„Was sollte mit ihm sein?"

„In der Annahme, dass die heutige Nacht dämonenfrei wäre, habe ich ihm erlaubt, mit einigen jüngeren Jägerinnen loszuziehen und Süßigkeiten zu sammeln."

Giles dachte kurz nach. „Er hat doch sicher sein Handy dabei, oder?"

„Ja," antwortete Rowena.

„Ich kümmere mich darum," sagte Robin und ging zunächst zum Telefon.

Schnitt

EXT.

Straße in der Innenstadt – Nacht

Cleveland

Andrew beobachtete die Mädchen als sie gerade von einem Reihenhaus zurückgelaufen kamen, wo sie geklingelt hatten. Sein Handy vibrierte innerhalb des Kissenbezugs, der seine Beute an Schlickereien enthielt, aber er bemerkte es nicht.

Schnitt

INT.

HQ der Wächter - Foyer – Nacht

Robin legte auf und kam um den Schreibtisch zu Giles.

„Andrew geht nicht ran," sagte er

Giles schaute besorgt von dem Buch auf, welches er gerade studierte.

„Das ist seltsam," bemerkte er. „Bleib hier und versuch ihn zu erreichen. Ich will die jungen Jägerinnen hier haben, wo sie in Sicherheit sind."

Robin nickte ihm zu und wandte sich wieder zum Telefon.

„Ein Bericht kam gerade über den Polizeifunk, dass in einen Laden mit antiken Schwertern vor zehn Minuten eingebrochen wurde," sagte Rowena, die gerade zurück in den Raum kam. „Der einzige Zeuge, der noch reden konnte, sagte aus, dass der Täter, ich zitiere, „sehr androgyn und hässlich entstellt war"."

Giles dachte einen Augenblick über diese Worte nach. „Sie sammelt Waffen," kommentierte er. „Irgendwelche Informationen, was gestohlen wurde?"

„Nur Schwerter. Mit Betonung auf dem Plural," antwortete Rowena.

„Nun gut. Dann müssen wir uns beeilen," erklärte Giles und wandte sich dann zu Robin. „Versuch weiter Andrew zu erreichen."

Robin nickte und wählte erneut. Kennedy kam zu dem Wächter und legte ein Schwert neben ihn.

„Hier," sagte sie leise.

Giles wandte sich um und sah den niedergeschlagenen Ausdruck in Kennedys Gesicht. Bevor sie weggehen konnte, legte er ihr die Hand auf den Arm um sie zu stoppen.

„Kennedy, schon als ich das kurze Briefing wegen Eemia gegeben hatte, fiel mir auf, dass du sehr nachdenklich gewirkt hast. Möchtest du mir sagen, worum es geht?" fragte er in einer sorgenden, tröstenden Stimme.

Sie biss sich auf die Lippe und seufzte, dann stopfte sie die Hände in die Taschen ihrer Jeans.

„Ich ka... kann mir nicht helfen, aber ich fühle mich irgendwie mitverantwortlich für dies alles," sagte sie leise.

„Kennedy, das musst du nicht," protestierte er. „Das Erscheinen dieses Dämons hat nichts mit dir zu tun."

„Wie kannst du das sagen? Seit Willow alle Jägerinnen aktiviert hat, ist die Jagdquote deutlich gestiegen," sagte Kennedy. „Ja, wir haben die Stärke und Macht, uns Nacht für Nacht den Dämonen zu stellen, aber zu was für einem Preis? Machen wir die Sache noch schlimmer? Bringen wir noch mehr Menschen in Gefahr?"

Giles legte ihr leicht die Hand auf die Schulter und hielt sie auf Armlänge, um ihr ins Gesicht zu sehen.

„Es gab keine Möglichkeit für uns, das zu wissen," erklärte er ihr fest, aber immer noch mitfühlend. „Du solltest dir nicht die Schuld geben und auch keinem der anderen Mädchen, die das Geschenk erhalten haben. Es war eine Entscheidung, die, in verzweifelter Lage, von der ganzen Gruppe getroffen wurde. Und ich glaube, dass unendlich mehr Gutes als Böses daraus entstanden ist."

Kennedy schaute ihn an und lächelte leicht. „Danke, Giles."

„Gibt es noch etwas anderes, was dich stört, Kennedy?" fragte er und ließ ihre Schultern los.

„Was meinst du?" fragte sie und versteifte sich dabei.

„Du wirktest auf dem Friedhof etwas abgelenkt," sagte er. „Ich weiß, dass das Auftauchen eines alten Dämonen einen irritieren kann, aber..."

„Es ist nichts," sagte sie. „Lass uns nur herausfinden, wie wir das Ding erledigen können, okay?"

Giles schaute sie einen Moment länger an, dann wandte er sich wieder seinem Buch zu. Sie trat neben ihn um auch hinein zu schauen.

„Ich habe einige neue Informationen gefunden. Ich denke, du und Faith solltet doch auch die Pflöcke und Armbrüste herausholen."

Schnitt

EXT.

Straße in der Innenstadt – Nacht

Eemia ging den Bürgersteig entlang, gar nicht weit vom Rat entfernt. Sie kam um eine Ecke, als plötzlich ein Teenager mit einer Maske hervorsprang und sie erschrecken wollte. Eemia schnappte sich einfach den Jungen und drehte ihn herum. Sie entblösste ihre messerscharfen Fangzähne und biss ihm in den Nacken. Das passierte so schnell, dass er nicht einen Schrei um Hilfe oder Gnade ausstoßen konnte.

Danach drehte sie ihn wieder zu sich um. Mit einer Hand schnitt sie sich quer über das andere Handgelenk. Sie zog seinen Kopf zurück und hielt die blutende Hand über seinen Mund, damit es hineintropfen konnte. Nachdem sie mit der Menge zufrieden war, ließ sie ihn einfach zu Boden fallen.

Sie hielt eine Hand über seine Brust. Ein oranges Licht erschien um seinen Körper herum. Es begann sich in ihrer Hand zu vereinen. Sie stand auf und hielt den neu geformten Energieball auf ihrer Handfläche. Sie schaute ihn einen Moment an, dann schloss sie ihre Finger darum und presste ihn in ihren Körper. Sie gab ein zufriedenes Stöhnen von sich.

Zu ihren Füßen begann der Teenager sich zu regen.

„Steh auf," kommandierte Eemia.

Der Junge gehorchte. Er schaute sie mit toten, unsehenden Augen an. Sein Gesicht verwandelte sich in eine Vampirfratze. Sie lächelte ihn an.

„Guter Junge," sagte sie und tätschelte ihn auf den Kopf. „Nun müssen wir noch etwas arbeiten bevor der Spaß beginnen kann."

Sie drehte sich um und deutete dem Jungen ihr zu folgen. Er hielt sich direkt hinter ihr.

Fade to

INT.

HQ der Wächter - Foyer – Nacht

Die übrigen Jägerinnen aus den Schlafräumen kamen herbei. Sie setzten sich auf das Sofa und die Stühle, so weit der Platz reichte, aber die meisten standen einfach als sie Giles zuhörten.

„...Und wenn auch Eemia nicht mit Holz getötet werden kann, so kann sie doch Vampire zeugen, wo es wieder wirkt," erläuterte er.

Rona war die erste, die nachhakte. „Also sind diese Vampire genau wie die normalen, die wir jeden Tag so töten?" fragte sie.

Rowena trat vor und beantworte die Frage.

„Nicht ganz," erklärte sie. „Sie werden nicht von einem Dämon besessen wie reguläre Vampire. Sie erschafft sie wie normale Vampire, aber wenn der Dämon den Körper übernommen hat, verschlingt sie ihn. Danach kann sie den Vampir komplett telepathisch kontrollieren."

„Zombie-Vampire," kommentierte Faith. „Geistlos, aber von außen gesteuert."

„Mehr oder weniger, ja," stimmte Rowena zu. „Aber Telepathie ist nicht ihre einzige Fähigkeit. Sie kann in den Geist ihrer Gegner schauen. Sie kennt deren größte Unsicherheit, selbst wenn sie diesen selbst nicht bewusst ist, und sie spielt damit um sie zu verunsichern. Sie ist nicht nur körperlich stark, aber sie kann ihre Gegner auch emotional schlagen."

„Also darum hat sie das mit Willow gesagt. Sie wusste, was ich fühle..." Kennedy sprach nicht weiter. „Was für eine Schlampe," endete sie statt dessen mit einem Seufzer.

„Aber der Schlüssel," betonte Rowena, „ist es, euch davon nicht treffen zu lassen. Leichter gesagt als getan, ich weiß."

Giles wollte gerade als Nächster reden, aber er wurde abrupt unterbrochen durch lauten Applaus, der vom Eingang her ertönte. Alle drehten sich um. In der Tür stand Eemia. Nicht länger in der zerfetzten Kleidung, in der sie erschienen war, sondern mit einer khakifarbenen Hose bekleidet und einem T-Shirt auf dem stand, „Nunquam Lamiae Morde Me Dice (Sag niemals „Beiß mich" zu einem Vampir!)". An dem Gürtel, der ihre Hose hielt, hing ein Schwert in einer schwarzen Lederscheide. Eine zweite Waffe trug sie auf dem Rücken.

„Nun, was für eine außerordentlich langweilige Rede," lachte die Dämonin. „Natürlich, ich erinnere mich, das ist ja alles wofür ihr Wächter gut seid - die Erklärungen abliefern zu jedem Abenteuer, dass diese „einzig Auserwählten" haben."

„Du wirst gleich herausfinden, warum ich auserwählt bin," sagte Faith und stellte sich vor die Gruppe.

Eemia lachte einfach nur über sie.

„Ja, oder ich könnte dich einfach zusammenprügeln wie die kleine Rumtreiberin, die du bist, so wie es auch schon Kakistos gemacht hat. Und erinnere mich nicht an den Spaß, den er mit deiner Wächterin hatte," lästerte Eemia.

„Yeah, du könntest ihn natürlich selbst befragen, aber oh... warte... ich hab ihm ja einen Pfahl ins Herz geschoben. Ging rein wie in Butter. Und rate mal, wer als nächstes dran ist?" entgegnete Faith.

Die anderen Jägerinnen grinsten alle über diese Retourkutsche, bereit aufzustehen und zu applaudieren, aber Giles winkte sie zurück.

„Robin," sagte er. „Führ die Mädchen nach hinten raus."

Robin begann die Mädchen aus dem Raum zu leiten. Die einzigen Jägerinnen, die blieben, waren Faith und Kennedy. Rowena und Giles positionierten sich an ihren Seiten.

Eemia pausierte einen Moment und ein Grinsen erschien in ihrem Gesicht. „Aber das ist nicht, was dir jetzt am meisten Sorgen macht, richtig?" begann sie herausfordernd. „Du hast viele Dämonen getötet, aber noch viel mehr eigene, die in deinem Kopf herumtoben. Oh, wo fang ich an," fügte Eemia hinzu und legte einen Finger an ihre Schläfe.

„Ignorier das," rief Rowena von der Seite, denn sie sah wie Faith die Fäuste ballte und öffnete.

„Es ist er," sagte Eemia sarkastisch und zeigte auf Robin, der die anderen Jägerinnen rausführte. „Oh bitte," lachte die Dämonin. „Mach dich doch nicht lächerlich. Er ist lediglich der Bettgefährte für eine heiße Jägerin, das ist alles. Und du hast in einem Punkt Recht. Du bist lediglich ein Ersatz für seine Mutter, die er so früh verloren hat. Da gibt es keine „ewige Glückseligkeit" für euch zwei. Die wird es nie geben, weil du es viel zu sehr fürchtest."

„Halt’s Maul!" sagte Kennedy in scharfem Ton.

„Ach schau mal, es ist mein Liebling aus der Truppe, bereit sich ihre Gedanken zu machen," bemerkte Eemia und näherte sich Kennedy. „Schaut sie euch an. So ein starker Wille. Und doch hat sie auch eine zärtliche Seite. Ich mag das. Aber du zweifelst, stimmt’s? Ist es genug für deine Geliebte? Ich werde es dir sagen... nein, ist es nicht!" Sie wandte sich wieder den Übrigen zu.

Das war zu viel. Kennedy stürmte vor.

„Ken, nein!" rief Rowena.

Kennedy war schon bei der Dämonin und traf sie mit einem Faustschlag am Kinn. Eemia erholte sich jedoch sofort wieder und warf Kennedy einfach beiseite. Die Dämonin folgte nach um Kennedy den Rest zu geben, aber Giles griff sich das nächstliegende Schwert und schlug damit nach ihrem Hals. Sie zog ihr eigenes Schwert jedoch zu schnell und blockte ihn problemlos.

„Nicht schlecht," bemerkte sie. „Damit hättest du mich sogar töten können."

Sie schob mit ihrem Schwert um ihn weg zu schubsen. Giles nutzte diesen Schwung, um aus der Drehung nach ihrem Bauch zu schlagen. Aber wieder blockte sie ab.

„Hm, mit solch einer Technik sollte ich mir deinetwegen vielleicht mehr Sorgen machen als wegen dieser luschigen Jägerinnen," reizte sie Kennedy, die gerade wieder auf den Beinen stand.

Eemia übersah, dass Faith um sie herum kroch. Sie fühlte ein Tippen auf ihrer Schulter und drehte sich herum. Damit lief sie jedoch direkt in einen rechten Haken, der sie zu Boden schickte.

„Ich sagte doch, du erfährst noch, warum ich auserwählt bin," feixte Faith. „Ich glaub, dir muss man mal gehörig den Arsch versohlen."

Eemia lachte nur spöttisch. Sie stand auf und spuckte etwas violettes Blut auf den Boden. „Ach, was soll ich jetzt nur tun," sagte Eemia in einem Singsang-Ton.

Sie hielt ihr Schwert hoch über dem Kopf und drang auf Faith ein. Jedem ihrer Hiebe wich Faith einfach nur aus, wobei das Schwert oft dicht an ihr vorbei sauste. Plötzlich nutzte sie eine Deckungslücke und trat nach Eemias Kopf. Sie hätte fast getroffen, doch die Dämonin fing ihren Fuß und schleuderte sie herum. Faith verlor die Balance und landete auf ihrem Rücken. Eemia hob ihr Schwert für den Todesstoß. Sie war mitten im Schwung als ihre Waffe mit einem metallischen Klank gestoppt wurde. Sie hob den Blick und sah Giles mit seinem Schwert.

„Ich hatte beschlossen, es hier zu beenden, aber wenn ich darüber nachdenke..." Eemia machte eine Pause. Sie wich zur Tür zurück, gefolgt von Giles. Beide hatten ihr Schwert bereit für Angriff oder Abwehr. „Ihr amüsiert mich und ich werde euch noch ein wenig behalten. Was ist schon das Leben - oder der Tod - ohne etwas Spaß?"

Eemia steckte ihr Schwert in die Scheide und ging ruhig aus der Tür. Giles senkte seine Waffe und folgte ihr vorsichtig.

„Guter Gott," seufzte er und veranlasste damit die anderen, zu ihm herüber zu kommen.

Draußen sahen sie, wie 20 Gefolgsleute Eemia die Straße hinunter folgten.

„Okay, was war jetzt der Zweck?" fragte Rowena Giles. „Warum tötet sie uns nicht alle?"

„Sie ist sicher, dass sie immer gewinnen kann, aber sie will erst noch mit uns spielen. Sie strebt danach Schmerzen zu verursachen und ein schneller Tod würde sie nicht ausreichend befriedigen."

Rowena näherte sich Giles. „Hast du deshalb Robin veranlasst, die Mädchen rauszubringen? Du wusstest, dass sie uns noch nicht töten würde."

„Ja, ich hatte es zumindest vermutet," erklärte er. „Wir müssen unsere Schlachten sorgfältig wählen. Ich hoffe nur, dass zum letzten Kampf Willow endlich fertig ist mit ihrem Spruch."

„Sollten wir jetzt nicht gehen und sie holen?" fragte Rowena.

 

„Nein," sagte Giles mit fester Stimme. „Sie hat andere Dinge, um die sie sich dringend kümmern muss. Wir haben das hier schon noch im Griff und dann wird sie uns gerne helfen."

„Aber wie wird Willow uns helfen können?"

„Sie wird die eine Waffe sein, von der Eemia nicht weiß, dass wir sie besitzen."

Fade to Black

 

 

Dritter Akt


Fade In
INT.
Rat der Wächter - Willows Vereinigungszimmer - Nacht

Willow saß auf dem Boden und schaute zu Anya auf. Anya kreuzte ihre Arme und blickte auf Willow hinab.

„Es tut mir Leid, Willow," sagte Anya mit echtem Bedauern in der Stimme. „Das ist wirklich alles, was ich dir sagen kann."

„Bist du sicher?" fragte die Hexe.

„Ja. Ich habe sowieso schon zu viel Zeit hier verbracht und dir wahrscheinlich auch zu viel erzählt... Bitte kümmere dich um ihn."


Willow sprang auf und streckte den Arm aus. „Warte!"


„Was noch?" fragte Anya ungeduldig und Willow zögerte, unsicher was sie sagen wollte.

„Anya, ich... uhm... ich dachte... Als ich heute Nacht das Ritual gestartet hatte, das dich hierher gebracht hat, dachte ich eigentlich, dass Tara erscheinen würde... Da sie nicht da ist, kannst du mir sagen... hast du sie gesehen?" fragte sie nervös.


„Ja, ich sehe Tara," erzählte Anya ihr mit einen sanften Lächeln. „In der Tat hatten sie und ich gerade kürzlich ein Abschiedsessen für Joyce... Es geht ihr gut, Willow - beiden geht es gut."

„Abschiedsessen?" fragte Willow.

„Joyce zieht weiter," erklärte Anya. „Sie kann die nächste Ebene der Existenz erlangen und wiedergeboren werden. Ich weiß, dass ist jetzt wahrscheinlich zu kompliziert für dich um es zu begreifen, aber eines Tages wirst du es können. Das verspreche ich."

Willow nickte zunächst nur. „Es ist nur, dass nach dem Urbösen und...und als alle Verstorbenen zurückkamen... Tara ist nie..."

„Aufgetaucht um dich zu quälen, so sehr du es auch gehofft hattest wegen der Chance, sie noch einmal zu sehen, auch wenn sie nicht real gewesen wäre?" fragte Anya.

Willow musste etwas grinsen. „Ja, das ist eine wortreiche, aber doch auch treffende Beschreibung. Ich war nur... ich war besorgt, dass sie irgendwo festsaß und das Urböse nicht ihre Gestalt annehmen konnte, weil sie noch nicht wirklich auf der anderen Seite war u-und dass vielleicht..."

„Hör zu," unterbrach Anya sie. „Erinnerst du dich an die Steine, die du auf Taras Grabstein gelegt hattest, als du von deiner Magie-Entgiftungskur zurückgekommen warst?" Willow schaute nach dieser Bemerkung etwas grummelig, nickte aber. „Es ist eine jüdische Tradition der Anerkennung und des Respekts. Aber ich weiß, dass es auch eine Methode ist, um die Geister für das erste Jahr nach dem Tod zurückzuhalten. Richtig?"

„Richtig, aber woher wusstest du...?"

Anya rollte die Augen. „Ich sagte doch - höheres Wissen und so. Die Sache ist, das Urböse konnte Tara nicht kontrollieren, weil du ihre Seele mit den Steinen beschützt hast."

„Aber ich folge dem jüdischen Glauben doch gar nicht mehr. Bin ich auf dem falschen Weg? Ich meine, sollte ich..."

„Willow," sagte Anya und schnitt ihren Redefluss ab. „Es gibt nicht den einen Weg im Leben, der besser ist als andere, wenn es um das Leben danach geht. Das einzige, was wirklich zählt, ist der Versuch, der Menschheit zu helfen. Ich starb bei dem Versuch und deshalb bin ich jetzt hier."

Willow nickte und überlegte ihre nächsten Worte, bevor sie wieder sprach. „Also ihr geht es gut? Ihr seid dort glücklich?"

„Nun, es ist nett, aber nicht ganz, was ich erwartet hatte. Weißt du, ich hatte schon mit der goldenen Himmelspforte und den Wolken und allem gerechnet. Dachte, die geben mir eine Harfe und ein Paar Flügel. Und ich dachte wirklich, ich würde alle vermissen, die ich zurückgelassen hatte - sogar dich - aber ich tue es nicht."


„Na danke," sagte Willow.

„Siehst du? Du bist sterblich, deshalb verstehst du es nicht. Da ist kein Gefühl des Verlustes, weil ich weiß, dass wir uns am Ende wiedersehen. Wenn wir unser Leben so leben, wie wir sollen, wie es unserem individuellen Stil angemessen ist, dann ist der Tod kein Ende sondern nur ein neuer Anfang. Aber Geister wie ich müssen zurückbleiben, bis alle Dinge auf der Erde erledigt sind für diejenigen, die wir lieben."

Willow war hiervon fast zu Tränen gerührt. Sie hielt sie mühsam zurück um eine weitere, noch schwerere Frage zu stellen.


„Also ist Tara noch da?"

Anya zögerte kurz bevor sie antwortete.


„Sie ist glücklich. Sie schaut jeden Tag nach dir. Als ich bei ihr war, erzählte sie mir, dass sie am Tag nach ihrem Tod so traurig war wegen... naja... du weißt schon. Aber sie ist so stolz darauf, was du seitdem erreicht hast," fügte Anya optimistisch an.


Willow konnte die Tränen nicht länger zurückhalten und begann zu weinen.


Anya redete weiter, über ihre Schluchzer hinweg. „Es ist nicht hoffnungslos, aber du musst noch einen langen Weg gehen, Willow. Du hälst noch an ihr fest und bevor du sie nicht komplett loslässt, kann sie nicht die nächste Stufe erreichen."

Willow schniffelte leicht und wischte sich die Tränen von der Wange.


„Also was? Soll ich einfach aufhören sie zu lieben, nur weil sie tot ist? Wenn das das Problem ist, Anya, dann kommen wir nicht weiter. Ich werde sie immer lieben und sie wird auf ewig festsitzen und es...es ist dann meine Schuld. Also..."


„Nein, Willow. Du kannst sie lieben. Du kannst dich ihrer erinnern. Aber du musst ihren Tod endlich akzeptieren und auch deine Schuldgefühle loslassen und neu anfangen."

„Aber... ich bin doch so weit u-und ich fange doch gerade neu an. Kennedy..."

Anya schaute auf ihre Hand, die langsam transparent wurde und unterbrach sie. „Es tut mir Leid, Willow, ich kann wirklich nicht länger bleiben," sagte Anya während sie langsam verblasste. „Du wirst deine Antworten finden. Nur bitte, helf Xander. Rette ihn."

„Das werde ich. Ich verspreche es," rief Willow schnell bevor Anya ganz verschwand.


Willow holte tief und unsicher Luft und ließ sie dann ganz langsam wieder heraus. Sie stand noch einen Moment in dem Kreis, bevor sie ihr Athame wieder aufnahm. Sie ging zur nördlichen Seite des Kreises um ihn zu bannen. Wenige Sekunden später hörte sie von außerhalb des Raumes Metall klirren und mit einem forschenden Blick ging sie den Geräuschen nach.


Schnitt
Int.

Rat der Wächter - Foyer – einen Moment später

Willow öffnete die Tür und sah, dass sämtliche Bewohner des Gebäudes sich im Foyer versammelt hatten.

„Was ist los?" fragte Willow als sie die anderen erreichte.

Giles kniff die Augen bei dem Versuch zusammen, Willows rote Augen und Tränen verschmierte Wange zu erfassen. „Bist du ok?"

„Fein. Nun, nicht ganz fein, aber darüber reden wir später," erklärte sie ihm. „Was geht hier vor?" fragte sie und deutete dabei auf den ganzen Raum um sich herum.

„Heftiger Vampir Schrägstrich Zombie Schrägstrich Dämon unterwegs," sagte Robin, der hinter dem Schreibtisch stand, mit dem Hörer am Ohr. „Verdammt!" sagte er beim Auflegen und wählte erneut. Sarkastisch wiederholte er die Ansage, die er gerade gehört hatte, „der gewünschte Teilnehmer ist zur Zeit nicht erreichbar." Er seufzte und hielt den Hörer wieder ans Ohr. „Ach wirklich," murmelte er zu sich selbst.

„Giles?" fragte Willow und deutete auf Robin.

„Er versucht, Andrew zu erreichen. Wir hatten ihn mit den jüngeren Mädchen losziehen lassen, weil wir dachten, dass es heute Abend ja keine Probleme gäbe."

„Also haben wir Probleme?" setzte Willow nach.

Faith reichte ihr ein Schwert. „Es ist Zeit zu zeigen, dass die Fechtstunden was gebracht haben. Wir werden es auf dem Weg erklären."

Willow schaute sich um und sah Rowena mit der Gruppe von sechs neuen Wächtern reden, die kürzlich erschienen waren. Auf der anderen Seite des Raumes teilte Kennedy gerade die 20 verbliebenen Jägerinnen in Fünfergruppen auf. Die dunkelhaarige Jägerin bemerkte die Rückkehr ihrer Geliebten und sprach kurz zu Rona, wobei sie auf die Mädchen zeigte.

Sie kam schnell zu Willow herüber.

„Du hast geweint."

Es war keine Frage, sondern eine Feststellung.

„Ja," sagte Willow. „Es war nicht gerade, was ich erwartet hatte," antwortete sie etwas kryptisch.

Kennedy wartete, aber Willow fuhr nicht fort.

„Okay," sagte die Jägerin offensichtlich frustriert und fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. „Nun, wenn du bereit bist, deine Erfahrung zu teilen, dann lass es mich wissen," fügte Kennedy an und stürmte davon.

„Kennedy," rief Willow hinter ihr her, folgte ihr aber dabei nicht.

Giles und Faith, die diese Auseinandersetzung beobachtet hatten, kamen herbei.

„Bist du sicher, dass du ok bist?" fragte Giles. „Du könntest mit Robin hier bleiben."

Willow fasste nur ihr Schwert fester und zeigte auf die Tür. „Lass uns einfach dieses Teil umbringen und dann mit unserem Leben weitermachen," erklärte sie ihm und ging raus zu den Jägerinnen, die sich jetzt auf der Straße sammelten.

„Faith..." begann Giles.

„Keine Sorge," sagte sie bevor er fertig war. „Red ist noch nicht wirklich bei der Sache. Ich werde ein Auge auf sie haben."

Giles nickte nur und auch er und Faith folgten den anderen nach draußen.

Schnitt

EXT.

Straße in der Innenstadt – Nacht

Cleveland

Kinder und ein paar Erwachsene in Halloween-Kostümen liefen auf der stark bevölkerten Straße umher und die Teams schauten sich verwirrt um. In dieser Mischung von Dämonen, Vampiren und Zombies versuchten sie zu erkennen, welche echt waren und welche nicht.

„Oh, das ist ein Spaß," bemerkte Willow.

„Pflöcken wir einfach im Zufallsprinzip und hoffen dabei die Richtigen zu erwischen?" kommentierte Kennedy.

„Sicher," erwiderte Rowena. „Und dann, wenn wir feststellen, dass wir versehentlich auch einige Menschen umgelegt haben, können wir sagen, dass wir es im Dienste der Menschheit getan haben."

„Psst," sagte Faith, legte den Zeigefinger auf ihre Lippen und schloss die Augen.

Die Teams sahen zu, wie sie sich intensiv konzentrierte. Plötzlich öffnete sie ihre Augen wieder und schaute hinter sich. Sie rannte über die Straße zu einem Mann, der hinter einem Teenager ging, welcher zwei jüngere Kinder an den Händen hielt.

Die Teams folgten ihr. Sie holte den Mann ein und drehte ihn herum.

„Hübsche Nacht, huh?" fragte sie ihn beiläufig.

Er zeigte einen Satz Vampirzähne und knurrte. Er wollte sich auf sie stürzen, doch Faith pflockte ihn und verwandelte ihn dadurch zu Staub. Die Kinder, die das miterlebt hatten, schrien erschreckt auf und rannten die Straße entlang um ihr zu entkommen.

„Hat jeder das mitbekommen?" fragte Faith die anderen.

„Richtig," nickte Rowena. „Jägerinnen, jetzt könnt ihr zeigen, was ihr gelernt habt. Spürt die Dämonen mit euren speziellen Talenten, nicht den Augen. Verstanden?"

Die Gruppe nickte zustimmend.

„Und macht es wie Faith," fuhr sie fort. „Schaut, ob sie sich gegen euch wenden wollen, wenn ihr herankommt. Ein Mensch reagiert überrascht, aber ein Dämon wird eure Essenz als Jägerin spüren und instinktiv angreifen."

Ein Mädchen im Hintergrund hob ängstlich ihre Hand. „Äh... Frage?" Rowena nickte ihr zu, dass sie fortfahren solle. „Wie können wir sicher sein?"

„Ihr alle seid schon auf Dämonen gestoßen, bevor ihr hier ankamt. Verlasst euch einfach auf eure Jägerinnensinne und ihr werdet merken, ob ihr es mit Mensch oder Monster zu tun habt."

„Aber wenn wir uns vertun?" fragte ein anderes Mädchen.

„Ganz einfach. Tut es nicht," warnte Rowena mit ernster Stimme. „Lasst uns jetzt die Teams trennen und die Suche ausweiten."

„Also gut," kündigte Giles an. „Jeder Wächter hier betreut eine Gruppe von fünf Jägerinnen. Wir wissen, dass einige gerade erst angekommen sind, aber darum ist das Training ja so intensiv. Sie können noch nicht allzu weit gekommen sein, daher teilen wir uns und decken damit einen größeren Bereich der Stadt ab. Wenn Sie Mr. Wells und die Gruppe unserer jüngsten Jägerinnen finden, dann führen Sie sie heim. Ms. Allister gibt die Ihnen zugeteilten Straßen bekannt. Es geht darum möglichst viel Gebiet in kurzer Zeit abzudecken."

Als Rowena begann, den Wächtern ihre Gebiete zuzuteilen, kam Willow zu Giles herüber.

„Junge, Junge, unser erster richtiger Test," sagte sie ihm. „Meinst du, dass wir ihn bestehen werden?"

„Rowena und ich gehen mit den beiden unerfahrensten Teams und Rona und Vi werden auch nach einer Gruppe schauen," erläuterte er. „Niemand geht völlig ahnungslos, deshalb ja, unsere Chance zu bestehen ist gut," sagte er selbstbewusst.

„Das ist nicht nur aufgeblasenes Wächtergehabe, oder?" fragte sie ihn grinsend.

„Du kannst also durch meine Maske der Besorgnis und Unsicherheit durchschauen?"

Willow grinste noch breiter. „Hatte so ein Gefühl."

Giles lächelte auch ein wenig. „Wir werden es schon schaffen, aber ich möchte, dass du bei der Gruppe mit Faith bleibst."

„Warum?" fragte Willow. „Giles, es würde mehr Sinn machen, wenn wir uns aufteilen, damit ich besser helfen kann."

„Unter anderen Umständen, ja. Aber heute Nacht halte ich es für weiser, wenn ihr beide zusammen bleibt."

„Du glaubst nicht, dass ich hiermit klar komme?" fragte Willow beleidigt.

„Um ehrlich zu sein, ich glaube, dein Kontakt mit Tara heute hat dich etwas aus der Balance gebracht, ganz z-zu schweigen von deiner Auseinandersetzung mit Kennedy."

„Es war nicht Tara," erklärte Willow ihm. Er wandte neugierig den Kopf. „Es war Anya. Xander ist in Gefahr und sie möchte, dass ich ihn finde. Das werde ich auch, aber erst müssen wir dieses Problem lösen. Denn es wäre relativ sinnlos, Xander zu retten, damit er in einer Welt der Zombies lebt. Ich kann dies durchstehen, Giles. Ein Wächter kann seine persönlichen Erfahrungen nicht seine Pflichterfüllung beeinflussen lassen," fügte sie an als ob sie eine kürzlich gehörte Lektion aufsagen würde.

„Ich sagte „sollte nicht"," erwiderte Giles. „Nicht „kann nicht"."

„Giles," seufzte Willow.

Giles gab ihr nicht die Chance weiter zu argumentieren. „Ich glaube, du bist eine sehr starke Frau, Willow. Du hast das Zeug zu einer au-außergewöhnlichen Wächterin. Aber ich möchte es nicht riskieren, dass du heute durch deine Gedanken abgelenkt wirst. Bitte, für mich, bleib heute Nacht bei Faith."

Willow seufzte erneut und ein leichtes Grinsen erschien in ihrem Gesicht. „Warum ist es so verflixt schwer für mich, nein zu dir zu sagen?"

Giles lächelte, aber Willow sah über seine Schulter wie Kennedy ihr Team gerade die Straße zurückführte. Die dunkelhaarige Jägerin schaute und hielt kurz den Augenkontakt mit ihr, aber sie drehte sich ausdruckslos um und ging weiter. Der Wächter und die Jägerinnen, die ihr zugeteilt waren, folgten ihr.

Willow spürte ein Tippen auf ihre Schulter und sah Faith hinter sich stehen.

„Was sagste, Red?" fragte sie. „Bist du bereit, mit den Mädchen los zu marschieren?"

Willow atmete tief ein und richtete sich gerade auf. „Ja, lass uns anfangen." Sie stoppte kurz und wandte sich zu Giles. „Sei vorsichtig."

„Du ebenfalls," erwiderte er.

Willow und Faith gingen schweigend die paar Meter zu ihrem Team, als Willow plötzlich eine weitere Hand auf der Schulter spürte. Sie drehte sich um und war überrascht, Kennedy vor sich zu sehen.

„Es tut mir Leid," begann die Jägerin. „Ich hätte vorhin nicht einfach weggehen dürfen. Ich weiß, wir haben nicht viel Zeit, aber ich wollte dich nicht verlassen mit den Dingen zwischen uns, wie sie es waren, für den Fall..."

„Ich verstehe," lächelte Willow mitfühlend. „Aber mach dir keine Sorge. Wir kommen beide heil zurück und heute Nacht werden wir darüber reden, aber es ist nicht, was du denkst, Kennedy. Es war Anya, ok? Aber das erkläre ich dir dann alles, ich versprech’s."

„Ich liebe dich," sagte Kennedy. Sie nahm Willows Gesicht in beide Hände und küsste sie sanft. „Sei vorsichtig."

Willow lächelte. „Du auch, Süße. Ich seh dich später."

Mit einem eigenen Lächeln joggte Kennedy schnell zu ihrer Gruppe zurück und sie setzten sich wieder in Bewegung.

Fade to

EXT.

Straße in der Innenstadt – Nacht

„Ich denke, wir gehen in die falsche Richtung," bemerkte Faith zu Willow, während sie eine der ihnen zugeteilten Straßen entlang gingen. Die Jägerinnen folgten hinterher.

Sie hatte kaum zu Ende gesprochen als eine Menge von schreienden Menschen, Erwachsene und Kinder, auftauchte und sie fast umrannte.

„Dann wieder, vielleicht auch nicht," sagte Faith trocken, bevor sie zu der Straßenecke joggten, wo die Menge herkam.

Sie stoppten und sahen zwei Vampire, die vor einem Hauseingang eine Frau zwischen sich festhielten. Faith rannte los und erwischte den vorderen, der gerade zubeißen wollte, mit dem Pflock ins Herz. Es war genug, um auch seinen Partner abzulenken und Faith schubste die Frau aus seiner Reichweite.

„Du wirst die Armee der Verderberin nicht besiegen," höhnte der Vampirzombie mit monotoner Stimme während die Frau flüchtete.

Faith zuckte beiläufig mit den Schulter. „Bis jetzt scheint es ganz gut zu laufen."

Sie schwang ihren Pflock, aber er erwischte ihr Handgelenk und blockte dadurch den Todesstoß. Sie versetzte ihm eine Rückhand und zog den Arm frei. Ohne Zeit zu verschwenden stieß sie ihm den Pflock ins Herz und er explodierte zu Staub.

Plötzlich fühlte Faith eine Hand auf der Schulter vom Türeingang her und schwang mit zum Stoß erhobenem Pflock herum. Sie stoppte gerade noch rechtzeitig und schüttelte den Kopf.

„Kerl! Hast du Todessehnsucht?" rief sie aufgebracht.

„Bist ein bisschen nervös heute, wie?" fragte Andrew.

Fade to Black

 

 

Vierter Akt

 

Fade In

EXT.

Straße in der Innenstadt – wenig später

„Hey," sagte Andrew als er die ganze Gruppe bemerkte. „Macht ihr einen kleinen Spaziergang?"

„Wo ist dein Handy?" fragte Willow ohne ihren Frust über ihn zu verbergen.

Andrew überlegte kurz und setzte dann seinen Kissenbezug ab um durch die vielen Süßigkeiten zu wühlen. „Oh, Popcorn! Super." Nach ein paar Sekunden spürte er die Vibrationen. „Oh," murmelte er und zog das Handy heraus.

Er schaute Willow besorgt an und sie streckte ihre Hand aus. Vorsichtig gab er es ihr und zog die Hand dann schnell zurück. Sie nahm das Gespräch an und hielt sich nicht mit Höflichkeiten auf.

„Wir haben ihn gefunden, Robin... alle sind wohlauf und wir bringen die Mädchen jetzt zurück... Okay."

Das gesamte Team warf Andrew einen missbilligenden Blick zu als Willow das Gespräch beendete und ihm sein Handy zurückgab.

„Ich vermute, es ist etwas passiert," sagte er mit einem vorsichtigen Lächeln zur Gruppe.

Willow schüttelte nur den Kopf und wandte sich zu einer Jägerin hinter ihr. „Kann ich die haben?" fragte sie und zeigte dabei auf die Axt, die sie trug.

Ohne Frage händigte die Jägerin ihr die Axt aus.

„Oh Gott, bitte nicht töten," heulte Andrew.

„Ich werde dich nicht töten!" schimpfte Willow und wandte sich zu Faith. „Patrouilliert weiter die Umgebung und ich geleite Major Pain hier zurück zum Rat."

„Ich bin kein Major. Ich bin Colonel Jack..." Andrew sprach nicht weiter, als er Willows Gesichtsausdruck sah, der sich mit jedem weiteren Wort verfinsterte. „Nach dir."

Fade to

EXT.

Friedhof – wenige Minute später

„Glaubst du, das ist weise?" fragte Andrew Willow, die die Axt trug.

„Dies ist der schnellste Weg heim," entgegnete sie ihm.

„Aber ein Friedhof?"

„Alle Monster sind auf den Straßen und suchen nach Opfern," konterte Willow.

Plötzlich erklang eine andere Stimme hinter ihnen. „Das würde ich nicht sagen."

Sie alle wandten sich um und sahen Eemia vor sich stehen. Die Gruppe junger Mädchen und Andrew schrien auf und rannten hinter Willow.

„Geh, Andrew," flüsterte Willow ihm zu ohne die Augen von Eemia zu nehmen. „Schaff die Mädchen nach Haus, sofort!"

Andrew schaute sie einen Moment unsicher an, aber dann schob er die Mädchen um sich herum an. „Kommt," sagte er ihnen. „Bewegung."

„Noch mehr Rennen?" fragte Eemia. „Werdet ihr denn nie müde?"

„Aradia, nuoc il mio nemico," rief die Hexe. Sie ließ die Axt fallen und peitschte ihren Arm vor wodurch sie einen Energieball in Eemias Richtung schleuderte.

Eemia riss die metallene Scheide von ihrem Rücken und schlug das Licht wie eine Baseballspielerin zurück zu Willow. Die Wicca sah es kommen, konnte aber nicht mehr reagieren.

Das magische Geschoss knallte vor ihre Brust und sie stöhnte schmerzerfüllt als es sie in einen Grabstein schleuderte. Ihr Kopf prallte gegen den Stein und sie fiel bewusstlos zu Boden. Eemia kam langsam auf sie zu.

Als er Willow aufschreien hörte, drehte Andrew sich herum und sah, wie Eemia sich ihr näherte. Schnell fasste er die blonde Jägerin am Arm.

„Marsha, führ die Mädchen zurück. Zwei Blocks weiter und zwei nach rechts, klar?" befahl Andrew ihr.

„Du kannst das Ding alleine nicht angreifen," beharrte Marsha.

„Vielleicht nicht, aber ich kann Willow auch nicht hier lassen. Nun geh!"

Andrew raste rüber und schnappte sich die Axt bevor er zu Eemia rannte. Marsha stand bei den anderen Mädchen und sah, wie er sich Eemia von hinten näherte. Plötzlich hörte die Dämonin Andrews Schritte und wischte ihn beiseite wie ein lästiges Insekt.

„Narr," sagte sie zu Andrew, der sich etwa 20 Meter entfernt wieder aufrichtete. „Ich kann dich nicht gebrauchen. Aber diese hier," sagte sie und deutete auf Willow. „Die hat unglaublich viel Macht, die ich nützen kann."

Marsha beobachtete, wie Andrew aufstehen wollte, aber es nicht schaffte. Eemia kicherte hämisch, da ihre Beute noch immer bewusstlos am Boden lag.

„Ok, das Biest ist Geschichte," kündigte Marsha mit entschlossener Stimme an. „Wer macht mit?" fragte sie ohne sich zur Gruppe umzudrehen.

Sie wartete nicht auf eine Antwort. Sie stürmte einfach in die Schlacht und die anderen neun Mädchen folgten ihr. Hinter Eemia stoppte sie und hob die Axt auf.

„Hey! Groß, dunkel und hässlich," rief sie. Die Dämonin drehte sich um und sah zehn junge Mädchen hinter sich stehen - der Anblick ließ sie in Gelächter ausbrechen.

„Ihr macht doch Witze."

„Warum zeigst du uns nicht, was du drauf hast?" lästerte Marsha. „Oder hast du Angst vor einer Gruppe kleiner Mädchen?"

Eemia bleckte die Zähne und marschierte drohend auf sie zu. „Ich werde euch zeigen, was Angst ist, Kleine."

„Ausfächern," wies Marsha die Gruppe mit leiser Stimme an. „Dann umkreist sie," fügte sie hinzu.

Als Eemia näher kam und sich dabei auf Marsha konzentrierte, die weiter die Axt hielt, folgten die anderen Mädchen der Anweisung und schnell bildeten sie einen kompletten Kreis um die Dämonin. Andrew kroch zu Willow hin und sah, dass sie verzweifelt versuchte, wieder klar zu werden.

„Glaubst du im Ernst, du könntest mich stoppen?" lachte Eemia.

„Klar," entgegnete Marsha selbstbewusst. „Aber zuerst spielen wir ein kleines Spiel."

Eemia lachte diabolisch und fragte, „An welches Spiel hast du denn gedacht?"

Marsha zeigte ihr ein selbstsicheres Lächeln. „Na, „Affe in der Mitte" natürlich. Und rat mal, wer der Affe ist?"

Mit diesen Worten warf Marsha die Axt so schnell durch die Luft, dass Eemia nicht reagieren konnte. Die Jägerin hinter der Dämonin jedoch schon und sie fing die Axt mit Leichtigkeit.

„Netter Versuch," sagte Eemia und zeigte auf Marsha um sie zu verspotten. Aber dabei fiel ihr Blick auf die Hand und sie stoppte. Sie fehlte nämlich. Erst mit einem schnellen Blick zu Boden entdeckte sie sie wieder. „Hey, du kleines..."

Plötzlich hörte Eemia ein Geräusch von etwas fallendem und sah wieder nach unten. Nun sah sie, dass dort auch die andere Hand lag und eine Jägerin zwei Positionen links von Marsha hielt grinsend die Axt. Sie drehte sich schnell um zu der Jägerin, die ihre zweite Hand erwischt hatte, als sie ein Surren hörte und sich duckte.

„Kopf," murmelte Willow gegen den Grabstein gelehnt. Sie versuchte noch immer, wieder zu klaren Sinnen zu kommen.

Andrew versuchte ihre Worte zu verstehen. „Was?"

„Ihr Kopf," wiederholte Willow.

„Aahh," erwiderte Andrew und rief dann laut zu Marsha. „Holt euch den Kopf."

Marsha nickte Andrew zu und die Mädchen begannen, den Kreis nach jedem Wurf etwas enger zu ziehen. Eemia begann wild mit den Armen um sich zu schlagen, aber die Jägerinnen wichen leicht aus. Die Axt flog weiter hin und her und erzielte Treffer, wo immer sich eine Öffnung bot. Bald konnte Eemia nicht mehr mithalten und stolperte herum.

„Ligare," sagte Willow und deutete auf die Dämonin. Plötzlich fror die Dämonin ein während die Axt gerade zu Marsha zurückflog.

„Wer lacht nun?" fragte Marsha.

Das Mädchen sprang steil in die Luft um auf Eemias Höhe zu kommen und teilte einen mächtigen Hieb aus. Die Mädchen „ooohhhten" im Kollektiv als Eemias Körper zu Boden sank und dann zu Staub zerfiel.

Schnitt

EXT.

Straße in der Innenstadt – Nacht

Kennedy und drei andere Jägerinnen kämpften mit drei Vampirzombies. Die dunkelhaarige Jägerin holte gerade mit ihrem Holzpflock aus, aber bevor sie zustoßen konnte, zerfiel ihr Gegner von alleine zu Staub.

Die Jägerinnen schauten sich verwundert an, denn auch bei den anderen Vampiren war es so passiert und gemeinsam zuckten sie mit den Schultern.

Schnitt

INT.

Freizeitraum der Jägerinnen - Nacht

„Es war so cool!" sagte die texanische Jägerin aufgeregt, während Faith, Kennedy und Rona lächelnd zuhörten. „Es ging bumm, bamm, bumm, bamm und dann puff! Schon war sie nichts außer Staub!"

„Ich weiß, ich werde dieses Halloween nicht vergessen" fügte die junge Asiatin an.

„Kein Zweifel," warf ein anderes Mädchen ein.

„Nun, trotz all dem Zucker im Blut und der Aufregung ist es jetzt Zeit, ins Bett zu gehen, Kiddos," erklärte Faith ihnen. Sie bekam einen grummelnden Protest. „Kommt schon," fuhr sie lächelnd fort. „Sonst muss ich euch noch zeigen, wie viele Schmerzen eine „erfahrene" Jägerin verursachen kann. Das war’s jetzt."

Sie begannen aus dem Raum zu drängen, aber Faith rief und ließ eine dadurch stoppen. „Marsha, komm mal eine Sekunde her."

Die Mädchen stichelten schnell noch, dass sie jetzt Ärger bekäme, aber kurz danach hatten alle das Zimmer verlassen. „Ja, Ma’am," fragte sie formell während Kennedy und Rona zusahen.

„Was du heute Abend gemacht hast, war ziemlich mutig," setzte Faith an.

Das Mädchen lächelte als Antwort.

„Aber es war auch ziemlich dumm."

Plötzlich war ihr glücklicher Gesichtsausdruck wie weggewischt.

„Ich will nicht, dass du jetzt da draußen rumrennst und meinst, du könntest es mit der ganzen Welt aufnehmen, nur weil du einen Vampir erwischt hast. Du musst noch immer eine Menge lernen, Mädchen, also vergiss das nicht. Versteh mich auch nicht falsch - deine Aktionen waren ganz schön heldenhaft. Aber mach daraus jetzt noch keine Gewohnheit. Kapierst du das?"

„Ja, Ma’am," nickte Marsha.

„Okay dann," Faith nickte. „Mit allem gesagt, wir werden dich befördern. Ab jetzt wirst du von uns auf nächtliche Patrouillen mitgenommen und ich habe Anweisung vom Rat erhalten, dass Willow Rosenberg als deine offizielle Wächterin eingeteilt wird. Du wirst also ein privates Training mit ihr beginnen, zusätzlich zu den allgemeinen Aktionen. Ist das klar?"

Marsha versuchte ein Lächeln zurückzuhalten. „Ja, Ma’am," nickte sie.

„Okay dann, geh jetzt auch schlafen," sagte Faith und deutete auf die Tür.

Sie huschte aus dem Raum. Sobald sie draußen war, wandte sich Kennedy an Faith.

„Also was meinst du? Hat sie das Zeug dazu?"

„Sie haben alle das Zeug dazu," erwiderte Faith. „Aber sie hat auch schon die Einstellung."

„Einstellung ist alles," bemerkte Rona.

„So isses, Schwester," sagte Faith lächelnd.

Schnitt

INT.

Faith’ Schlafzimmer – Nacht

„Wie geht es unserer kleinen Heldin?" fragte Robin als Faith hereinkam und ihren Mantel ablegte.

„Sie ist okay," antwortete Faith abwesend.

„Auch keine Zombies mehr?" fragte Robin weiter.

Faith schaute einen Moment hoch und pausierte, als müsste sie die Frage erst genau durchdenken. „Jupp. Der Tod der Dämonin hat sie alle ausgelöscht, laut dem, was die Wächter sagen."

„Mmh, eine gute Nacht also." Robin näherte sich Faith von hinten und begann sie auf die Schultern zu küssen, als sie sich plötzlich anspannte. „Bei dir alles in Ordnung?" fragte er.

„Ja alles ok," erwiderte Faith.

„Wirklich? Ich hab schon Bogensehnen mit weniger Anspannung gefühlt," sagte er.

Sie drehte sich in seinen Armen und schaute in seine Augen. Dann ließ sie einen tiefen Seufzer hören.

„Warum bist du mit mir zusammen? Und gib mir nicht dein übliches „du bist außergewöhnlich, schön und stark"-Zeug. Ich meine wirklich. Warum bist du mit mir zusammen?"

„Soll ich eine Liste machen?" fragte er grinsend. Sie schien darüber nicht amüsiert und das Grinsen verschwand. „Was ist los, Faith? Hast du Bedenken, zweifelst du?"

„Himmel," seufzte sie. „Bedenken, Zweifel, Fragen, Gedanken. Ich mach mir viele Gedanken in letzter Zeit." Sie feuchtete ihre Lippen an. „Ich hab Schiss, ich hab hier wirklich Schiss."

„Hab ich was gemacht?" fragte Robin.

„Nein," entgegnete sie. „Das ist ja das Problem. Du bist praktisch... perfekt. Und das macht mir Angst."

„Also was? Soll ich mal etwas grober sein, ein paar hässliche Namen für dich finden?"

„Das wäre ich gewohnt," antwortete Faith. „Aber nein, das will ich auch nicht."

„Was willst du dann?"

Faith setzte sich auf das Bett und Robin folgte ihr nach. „Ich... ich möchte wissen, warum du noch hier bist? Der Sex ist klasse, versteh mich nicht falsch und tu auch nicht so, als ob das nicht der Fall wäre."

Robin lachte. „Da werde ich nicht widersprechen, glaub es mir," antwortete er mit einem Lächeln.

„Ich möchte... Ich weiß, was ich für dich empfinde, aber ich denke, ich möchte auch wissen, was du wirklich für mich empfindest."

„Ganz ehrlich?"

Faith nickte nur.

„Nun, manchmal machst du mich richtig wütend," erzählte Robin. „Du kannst lästig, streitsüchtig und frustrierend sein."

„Dann frage ich erneut. Warum bist du mit mir zusammen?" setzte Faith nach.

„Weil, trotz all dem eben gesagten, für jeden extremen negativen Punkt gibt es eine genauso positive Reaktion sofort hinterher. Es gibt kein Mittelmaß bei dir, Faith. Du hast nicht viele „Grauzonen" in deinem Leben - es ist hopp oder topp, Alles oder Nichts. Dank meiner Erziehung als Wächter und meinem früheren Beruf bewundere ich diesen knallharten Ansatz."

„Also magst du es, dass ich so ein taffes Girl bin?"

„Absolut. Ich finde, dass du lustig bist; du kannst mich zum Lachen bringen auch wenn die Lage schrecklich ist. Auch unter dem Risiko, dich zu verärgern, ja, du bist schön, aber nicht nur äußerlich, sondern auch innen drin. Die Art wie du Tag für Tag für diese Mädchen sorgst oder für deine Freunde da bist. Du hättest Giles heute Abend sagen können, es zu vergessen - Willow ist erwachsen genug um auf sich selbst aufzupassen, aber du hast dich besonders bemüht, für sie da zu sein, bis sie sich beruhigt. Das ist bewundernswert. Und das ist der Grund, warum ich hier bin. Und warum ich hier bleiben werde, wenn du mich lässt."

Faith nickte zufrieden.

„Nun bist du dran," sagte Robin. „Warum bist du hier?" Faith zeigte ein verlegenes Grinsen, aber sagte nichts. „Fair ist fair. Ich war auch ehrlich mit dir."

Faith rollte ihre Schultern. „Du bist cool... und gutaussehend," sagte sie lächelnd und stubste seine Schulter an. „Und du schaust nicht auf mich herab. Du bist dieser super clevere Kerl, der eine Schule geleitet hat und ich bin nicht gerade gut mit diesem Bücherkram, aber du redest trotzdem mit mir über alles in der Welt ohne mir das Gefühl zu geben, ich wäre ein Idiot. Und wie gesagt... das macht mir Angst."

„Weil?"

Faith zögerte und holte tief Luft. „Ich wollte früher nie einen Kerl für länger als ein Wochenende. Aber mit dir... es macht mir Angst, weil ich fürchte dich zu verlieren... verstehst du das? Ich bin besorgt, weil ich es zum ersten Mal fürchte, dass mich jemand verlassen könnte."

Robin nickte. „Ja, aber das wird nicht passieren. Meinst du nicht, dass ich mir nicht auch Sorgen mache, es könnte der Tag kommen, wo du mich langweilig findest? Und wo du dir einen jüngeren Kerl suchst, der alles macht um dir zu Diensten zu sein?"

„Wirklich? Du wirkst immer so... selbstbewusst."

„Ja, wirklich, aber ich halte mich nicht damit auf. Ich versuche mich über das zu freuen, was ich jetzt habe und alles zu tun um dir das zu zeigen. Wenn du fürchtest, mich verlieren zu können, mache ich meine Sache in gewisser Weise richtig, aber doch noch nicht gut genug."

„Du bist großartig, Robin. Ich bin es, die so verdreht ist."

„Du bist ein gebranntes Kind, Faith. Du hast dein Herz geöffnet, aber gegenüber den falschen Leuten. Das ist alles. Und ich kann dich nicht überzeugen, dass ich nicht so bin. Ich kann nur jeden Tag nehmen wie er kommt und mir dein Vertrauen verdienen. Vielleicht wirst du eines Tages sehen, dass ich nicht wie die anderen bin."

Faith lächelte plötzlich verführerisch und zog ihr Top aus, gefolgt von der Hose. Sie begab sich zum Kopfende des Bettes, kroch unter die Bettdecke und forderte ihn auf, ihr zu folgen. Er kroch auch unter die Decke und sie küsste ihn leidenschaftlich. Dann schmiegte sie sich zärtlich in seine Umarmung.

„Du bist nicht nur hier, um mir zu Diensten zu sein, weißt du?" flüsterte sie ihm mit weicher Stimme zu.

Robin grinste und küsste sie auf den Kopf. „Beweis es," sagte er ihr.

Faith küsste ihn zärtlich und machte das Licht aus. Dann legte sie sich zurecht und schloss die Augen. „Gute Nacht, As," sagte sie sanft.

Mit einem Lächeln schloss auch er die Augen und umarmte sie noch enger. „Nacht, Liebling."

Schnitt

INT.

Willows und Kennedys Schlafzimmer – Nacht

Willow griff zum Telefon und wählte. Sie öffnete den Mund um zu reden, stoppte dann aber mit einem frustrierten Blick und wartete.

„Hey Buff. Hier ist Willow. Rate Mal? Ich bin offiziell die Wächterin einer motivierten und energiegeladenen blonden Jägerin. Passt doch, oder? Ich war heute Abend auch für einen kurzen Augenblick k.o. gegangen, was ja auch irgendwie zum Wächterdasein passt, aber... äh, der Grund warum ich anrufe

allerdings... es ist Xander - oder besser sein Fehlen. Hast du von ihm gehört? Anyas Geist hat mich kontaktiert und ich mach mir Sorgen. Ich dachte, ich benachrichtige dich erst einmal, also ruf zurück, wenn du diese Nachricht hörst. Egal zu welcher Zeit, okay? Du und Dawnie, passt auf euch auf. Ich liebe euch beide und hoffe, bald von euch zu hören."

Sorgfältig legte Willow den Hörer auf,

Fade to Black

Ende von Samhain